Bundesrat gutgeheissen NDG-Bedrohungsbericht Bern; Regionaler Flächenbrand im Nahen und Mittleren Osten

Das Sicherheitsumfeld der Schweiz hat sich erheblich verschlechtert

MedienmitteilungVeröffentlicht am 6. Mai 2026

Das Sicherheitsumfeld der Schweiz hat sich erheblich verschlechtert

Bern, 06.05.2026 — Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 6. Mai 2026 den jährlichen Bericht zur Beurteilung der Bedrohungslage gemäss Artikel 70 des Nachrichtendienstgesetzes (NDG) gutgeheissen. Er stellt eine erhebliche Verschlechterung der Sicherheitslage in Europa und der Schweiz fest. Russland bleibt die grösste Bedrohung für Europa auch aufgrund hybrider Konfliktführung. Im Nahen und Mittleren Osten haben sich die Konflikte zu einem regionalen Flächenbrand ausgeweitet. Die Schweiz ist davon direkt betroffen.

Der Bericht fokussiert auf die Bedrohungen gemäss dem NDG und auf sicherheitspolitisch bedeutsame Vorgänge im Ausland. Der Bundesrat hält fest, dass sich die Sicherheitslage der Schweiz über die letzten zwölf Monate erheblich verschlechtert hat. Diese Entwicklung betrifft sowohl die innere als auch die äussere Sicherheit der Schweiz.

Der Krieg gegen die Ukraine geht auch vier Jahre nach seinem Beginn weiter. Russlands strategische Ziele und Absichten gehen dabei über die Ukraine hinaus. Es führt mit hybriden Mitteln – Sabotage, Beeinflussungsaktivitäten, Propaganda und Desinformation – einen Konflikt gegen europäische Staaten. Die Schweiz ist insbesondere durch Cyberangriffe, verbotenen Nachrichtendienst, Proliferationsbestrebungen sowie Beeinflussungsaktivitäten und Desinformation direkt betroffen. Gleichzeitig ist das amerikanische Engagement für die Sicherheit und Verteidigung Europas ungewiss. So steigt in den nächsten Jahren das Risiko der Verwundbarkeit Europas und der Schweiz. Deshalb rüsten europäischen Länder auf und reduzieren ihre militärischen Abhängigkeiten. Dieselben Herausforderungen gelten auch für die Schweiz.

Regionaler Flächenbrand im Nahen und Mittleren Osten

Der amerikanisch-israelische Angriff auf den Iran Ende Februar 2026 hat sich zu einem regionalen Flächenbrand ausgeweitet. Die Tötung des Obersten Führers Ali Khamenei stellt für die Islamische Republik eine Zäsur dar; die Fähigkeiten des Irans zur regionalen Machtprojektion sind massiv reduziert worden. Der Krieg birgt erhebliches Destabilisierungspotenzial und hat multiple Konsequenzen – unter anderem für den Wettbewerb der Grossmächte und die Energiesicherheit.

Vielfältige Bedrohungen für die Schweiz

Die geopolitischen Entwicklungen wirken sich auch auf die innere Sicherheit der Schweiz aus.

DieTerrorbedrohungwird weiterhin von der dschihadistischen Bewegung geprägt; die Online-Radikalisierung von Jugendlichen beschäftigt die Sicherheitsbehörden. Das Risiko hat sich erhöht, da Anhänger des «Islamischen Staats» aus Lagern in Syrien fliehen konnten und nicht mehr unter Kontrolle sind.

Dergewalttätige Extremismusvon links und rechts hält an. Die Radikalisierung über soziale Medien betrifft zunehmend junge Erwachsene und Minderjährige. Gewalttätige Linksextremistinnen und -extremisten betrachten die Sabotage kritischer Infrastrukturen als probates Mittel. Beim Rechtsextremismus sindausserhalb von Strukturen agierende Einzelpersonen die grösste Bedrohung.

DieSpionagebedrohungder Schweiz ist sehr hoch; staatliche Institutionen, internationale Organisationen, Firmen und Hochschulen sind Aufklärungsziele ausländischer Nachrichtendienste.

Im Bereich derProliferationhat Russland komplexe Strategien entwickelt, um Sanktionen zu umgehen und sich mit Schweizer Gütern und Technologien zu versorgen. Im globalen Wettbewerb um Zukunftstechnologien wecken die Innovationskapazitäten der Schweiz die Begehrlichkeiten anderer Staaten.

Kritische Infrastrukturenwerden durch physische und Cyberangriffe bedroht; im Zuge der hybriden Konfliktführung könnte die Schweiz als Ziel dienen, um von ihrer Infrastruktur abhängige Staaten oder Bündnisse zu treffen.

Erwartungen an die Schweiz steigen

Die erodierende Sicherheit Europas erhöht die Erwartung an die Schweiz, einen höheren Beitrag an die Sicherheit auf dem Kontinent zu leisten. Angesichts der verschlechterten Lage will der Bundesrat die Sicherheit und Verteidigung der Schweiz substanziell stärken. Eine befristete Mehrwertsteuererhöhung soll es ermöglichen, der Armee und den sicherheitsrelevanten zivilen Bundesämtern jene finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen, um die Bevölkerung und das Land gegen die wahrscheinlichsten Bedrohungen besser zu schützen – namentlich gegen hybride Aktivitäten und Angriffe aus der Distanz. Er hat die Vernehmlassung dazu am 6. März 2026 eröffnet.

Jährliche Beurteilung der Bedrohungslage: Bericht des Bundesrates an die eidgenössischen Räte und die ÖffentlichkeitPDF259.08 kB6. Mai 2026

Jährliche Beurteilung der Bedrohungslage: Bericht des Bundesrates an die eidgenössischen Räte und die Öffentlichkeit