St. Rabanus Maurus Mainz Boulder-Betrieb möglich; wirtschaftlich tragfähig

Die Hände suchen Halt. Die Füße prüfen den sicheren Stand. Der Körper stemmt sich nach oben. Geschafft! Klettererfahrungen faszinieren viele Menschen, vor allem junge. Klettern und Bouldern gelten als Trendsportarten. Nicht nur aufgegebene Fabrikhallen bieten Möglichkeiten zum Klettern in Innenräumen, auch Kirchen, die nicht mehr genutzt werden. Untersuchungen rechnen mit rund 22000 Kirchen in Deutschland, die in den nächsten Jahrzehnten leer stehen könnten.

Auch im Bistum Mainz müssen Gotteshäuser aufgegeben werden. Könnten einige davon zu Kletterkirchen werden? Gerade wurde dazu im Bistum eine Machbarkeitsstudie abgeschlossen. Drei Kirchen standen im Fokus: St. Rabanus Maurus in Mainz, St. Christoph in Gravenbruch und St. Michael in Viernheim. Das Ergebnis: Die Chancen für einen Kletterbetrieb oder auch für einen Hochseilgarten in den drei Kirchen stehen nicht schlecht. Durchgeführt hat die Studie die Architektin Isabelle Ihl zusammen mit dem Erlebnispädagogen Walter Knapp und Andreas Münster vom Institut für Spiritualität unter der Leitung von Bernd Lülsdorf, Regionalreferent für Südhessen im Bistum Mainz. Letzteres ist Auftraggeber der Studie.

Betrieb könnte sich finanziell tragen

Bei einer ersten Präsentation der Untersuchung ging es um St. Rabanus Maurus auf dem Mainzer Hartenberg. Aber auch in Gravenbruch und Viernheim wurde die Studie vorgestellt. „In St. Rabanus Maurus ist etwa ein Boulder-Betrieb möglich. Ergänzt werden könnte er mit einem erlebnispädagogischen Außenbereich in Trägerschaft der Kirchengemeinde oder durch einen externen Träger“, erklärte Ihl. Bouldern bezeichnet das Sportklettern bis zu einer Höhe von 4,50 Metern ohne Sicherung am Seil. Matten am Boden gewährleisten die Sicherheit der Kletternden.

Zwar gebe es in Mainz und Wiesbaden andere Boulder-Anbieter als Konkurrenz. „Aber es befinden sich viele, auch neu zu erschließende Zielgruppen in der Nähe von St. Rabanus Maurus“, betont Ihl. „Auf dem gleichen Gelände gibt es einen Kindergarten, direkt gegenüber der Kirche liegt eine Berufsschule und auch die Universität ist nicht weit. Ebenso das Jugendhaus Don Bosco.“ Circa 15 Schulen im Umkreis von 2,5 Kilometern hat Walter Knapp ausgemacht. Zudem sei St. Rabanus Maurus gut an Bus und Bahn angebunden, der Hauptbahnhof in Reichweite. Mithilfe der Datenlage zum Sportklettern hat Ihl kalkuliert, mit wie vielen Besucherinnen und Besuchern am Standort gerechnet werden kann. Ein Boulder-Betrieb könnte sich finanziell tragen, so ihr Ergebnis. Bestärkt sieht sie das Umnutzungskonzept durch die guten Erfahrungen der Boulderchurch in Bad Orb im Bistum Fulda, die vor einem Jahr in der Kirche St. Michael an den Start gegangen ist.

Die Kirchengemeinde St. Clara, zu der St. Rabanus Maurus gehört, ist Eigentümerin des Grundstücks und der Kirche. Der Verkauf der Kirche sei nicht geplant. „Ziel ist ein langfristiger Pachtvertrag mit einem Betreiber“, sagt Dunja Puschmann, Koordinatorin der Pfarrei. Bei der Vorstellung der Studie erwähnte sie, dass sich bereits ein potenzieller Boulder-Betreiber gemeldet habe. Investitionen in das Gebäude müsste die Pfarrei noch tätigen: etwa die Statik des Dachs prüfen. Bei der Präsentation standen auch diese Fragen im Raum: Wer kümmert sich um diese Arbeit im Vorfeld eines Boulder-Betriebs? Puschmann sieht kaum bessere Alternativen für eine Kirchenumnutzung. „Vieles ist denkbar. Aber mir ist bisher noch nichts begegnet, was sich wirtschaftlich umsetzen ließe.“ Letztendlich liegt die Entscheidung bei den Gremien der jeweiligen Pfarrei. Der erste Schritt ist mit der Machbarkeitsstudie und ihrem recht positiven Fazit getan.