Bundeskanzler Friedrich Merz Rede beim NRW-Unternehmertag in Düsseldorf; Reformprozess zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit

Für ein Land in Freiheit, in Frieden und im Wohlstand

Rede des Kanzlers beim NRW-Unternehmertag 2026Für ein Land in Freiheit, in Frieden und im Wohlstand

Die deutsche Wirtschaft steht vor großen Herausforderungen. In seiner Rede beimNRW-Unternehmertag würdigte Bundeskanzler Friedrich Merz die Arbeit der Unternehmen und thematisierte, mit welchen Maßnahmen die Bundesregierung die Wirtschaft stärkt.

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„Wir müssen die strukturellen Probleme angehen, die wir seit vielen Jahren nun vor uns herschieben“, betonte Bundeskanzler Merz in seiner Rede beimNRW-Unternehmertag.

Bundeskanzler Friedrich Merz hat an demNRW-Unternehmertag in Düsseldorf teilgenommen. In seiner Rede dankte er den Unternehmen und würdigte ihre Arbeit. Zeitgleich thematisierte er die geoökonomischen und strukturellen Herausforderungen, vor denen die Wirtschaft derzeit stehe. Dadurch leide auch die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands, die Voraussetzung für den Erhalt des Wohlstandes und der Leistungsfähigkeit des Landes sei.

Auch deshalb befinde sich Deutschland in einem Reformprozess. Teile dieses Prozesses sind laut Kanzler Merz Maßnahmen, die die preislichen Wettbewerbsfähigkeit, den Bereich der Unternehmenssteuern und die Bürokratiekosten betreffen. Die Bundesregierung arbeite daran, diese Herausforderungen anzugehen und die Zukunftsfähigkeit Deutschlands zu sichern – „eines Landes in Freiheit, eines Landes im Frieden, eines Landes im Wohlstand und mit einer gesicherten sozialen Absicherung“, betonte Kanzler Merz.

DerNRW-Unternehmertag findet jährlich mit rund 500 Teilnehmenden in Düsseldorf statt. Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen, Verbänden, berufsständischen Kammern sowie aus Politik, Gewerkschaften, Verwaltung, Gerichtsbarkeit, Kirchen, Wissenschaft und Medien beschäftigen sich dort mit gesellschaftspolitisch aktuellen Themen. Gastgeber ist die Landesvereinigung der UnternehmerverbändeNRW.

Lesen Sie hier die Mitschrift der Rede:

Lieber Arndt Kirchhoff,lieber Herr Pöttering,sehr geehrter Herr Erzbischof,Herr Oberbürgermeister,sehr geehrte Mitglieder der nordrhein-westfälischen Landesregierung,liebe Kolleginnen und Kollegen aus dem nordrhein-westfälischen Landtag,Exzellenzen,meine sehr geehrten Damen und Herren,

herzlichen Dank für die Einladung zumNRW-Unternehmertag des Jahres 2026 in Düsseldorf! Herzlichen Dank für die freundliche Begrüßung und für die Philippika Ihres Vorsitzenden!

Ich freue mich sehr, dass ich heute hier sein kann. Ich freue mich, dass ich Gelegenheit habe, einmal den Blick auf unser Land zu richten und auch zu erläutern, welche Wege wir in der Bundesregierung gehen und welche wir in den nächsten drei Jahren dieser Wahlperiode weitergehen wollen. Lassen Sie mich zunächst sagen: Ich bin auch dankbar, in Düsseldorf zu sein. Es ist auch meine Landeshauptstadt, die Hauptstadt der wirtschaftsstärksten Region der gesamten Europäischen Union, eines Landes mit großen, klangvollen Namen der Industrie, aber auch eines Landes mit gut 700.000 kleinen und mittleren Unternehmen. Dies ist das industrielle Herz nicht nur der Bundesrepublik Deutschland, sondern dies ist der dichteste industrielle Ballungsraum der gesamten Europäischen Union.

Deswegen weiß ich zu schätzen, was Sie leisten, was Sie tun in Ihren Unternehmen. Ich weiß es für die großen Unternehmen, ich weiß es aber auch für die vielen hunderttausend kleinen und mittleren Unternehmen. Ich will trotz aller Kritik, die ich gleich aufgreifen werde, doch einmal ein herzliches Wort des Dankes für die Arbeit sagen, die Sie in Ihren Unternehmen jeden Tag leisten, trotz schwierigster Bedingungen. Sie sind diejenigen, die unser Land wirtschaftlich am Laufen halten. Herzlichen Dank für Ihre Arbeit, die Sie leisten!

Nun ist die Lage, die wir antreffen, in der Tat herausfordernd. Sie ist es gleich in doppelter Hinsicht. Sie ist es geoökonomisch, und diese Umwälzungen, die wir zurzeit auf der Welt erleben, treffen auf angestaute strukturelle Probleme unseres Landes. Zusammen ergibt das einen Handlungsdruck, der wohl der größte ist, den wir in den letzten Jahrzehnten, wenn nicht sogar seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges gesehen haben. Wir alle spüren in diesen Wochen und Monaten: Das ist nicht nur eine konjunkturelle Krise, das ist nicht nur eine strukturelle Verwerfung, das alles findet statt in einer Welt, die sich grundlegend neu ordnet.

Wir sind Zeitzeugen, meine Damen und Herren, eines tiefgreifenden Epochenbruches, so wie ihn jede Generation einmal erlebt. Wir, diejenigen, die nach dem Zweiten Weltkrieg geboren sind, haben bisher einfach nur Glück gehabt. Aber jetzt, 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, erleben wir ihn, so wie jede Generation in den Jahrhunderten zuvor, auch unseren, erst nach 80 Jahren. Aber jetzt ist dieser Epochenbruch da. Dieser Epochenbruch ist eruptiv, er ist mitunter höchst unfreundlich, und er geht vor allem rasend schnell. Wöchentlich sehen wir neue Herausforderungen, neue Krisenlagen, und wiederum täglich ändern sie ihr Gesicht. Das alles lässt sich nicht einfach draußen halten oder auslagern in ein Feld namens Außenpolitik. Das ist tägliches Erleben in Deutschland. Es betrifft uns hierzulande, es fordert uns, und es zeigt uns, dass wir uns eben in vielfältiger Hinsicht ändern müssen.

Aber, meine Damen und Herren, wir haben das verstanden, und vielen Dank, lieber Arndt Kirchhoff, dass du es erwähnt hast. Wir haben es auch in Europa verstanden. Denn das gehört zu den guten Nachrichten in diesen nicht einfachen Tagen und Wochen: Europa hat es verstanden, und wir haben in der Europäischen Union begonnen, dies gemeinsam aufzugreifen und die Dinge zu verändern. Wir stärken uns. Wir rüsten im wahrsten Sinne des Wortes auf. Wir sorgen dafür, dass dieses Europa wirtschaftlich und sicherheitspolitisch wieder stärker wird. Europa identifiziert die Machtmittel, die es hat, und wir halten sie auch für den Einsatz bereit. Wir knüpfen in Europa auf der ganzen Welt neue Handels- und Rohstoffpartnerschaften, so jüngst – vor wenigen Tagen in Kraft getreten – ein Abkommen, über das mehr als 25 Jahre verhandelt wurde, dasMERCOSUR-Abkommen mit vier großen südamerikanischen Staaten. Es war kein Zufall, dass das größte Land dieser Gruppe, nämlich Brasilien, vor wenigen Tagen Partnerland der Bundesrepublik Deutschland auf der Hannover Messe war. Wir verkaufen uns in Europa, meine Damen und Herren, nicht länger unter Wert.

Aber richtig ist auch: Wir selbst, wir selbst in Deutschland, müssen uns aufraffen, und wir müssen die strukturellen Probleme angehen, die wir seit vielen Jahren nun vor uns herschieben und die damit stetig größer geworden sind. Unsere wirtschaftliche Entwicklung – lieber Arndt, du hast es gesagt – stagniert seit mehr als acht Jahren, fast ein Jahrzehnt, und andere Länder wachsen in dieser Zeit, zum Teil deutlich. Für die kommenden Jahre sagt man uns, wenn es so bleibt, wie es ist, nur noch ein jährliches Wachstumspotenzial von weniger als einem halben Prozent voraus. Das ist nicht genug! Daran müssen wir arbeiten. Das ist zu wenig.

Meine Damen und Herren, ich sage allen Wachstumskritikern: Wachstum ist kein Selbstzweck. Das ist keine statistische Größe, die man einmal hat oder einmal weniger hat. Wachstum ist die Voraussetzung für den Erhalt unseres Wohlstands. Wachstum ist die Voraussetzung für den Erhalt unserer Arbeitsplätze. Wachstum ist die Voraussetzung für die Steuereinnahmen unseres Staates, mit denen dieser Staat Straßen, Schienen, Schulen, Universitäten, innere und äußere Sicherheit finanzieren kann, und Wachstum ist auch die Grundvoraussetzung für einen leistungsfähigen Sozialstaat Bundesrepublik Deutschland. Es gibt keine gute Gesundheitsvorsorge, keine auskömmliche Rente, keine Pflege ohne Wachstum. Ich sage das deswegen so deutlich, weil wir aus dieser „No-growth“-Denke herauskommen müssen, aus dieser Denke, wir könnten alles so schön lassen, wie es heute ist, und dann bliebe alles gut. Nein, meine Damen und Herren, wir bewegen uns in Deutschland seit Jahren unter unseren Möglichkeiten.

Die gute Nachricht ist: Wir können das ändern. Wir können das ändern, wenn wir endlich wieder lernen – das sage ich hier, und ich werde es in wenigen Tagen auf demDGB-Bundeskongress ganz genauso sagen –, wenn endlich wieder anerkannt wird, dass unternehmerische Leistung und Initiative die Voraussetzung für das Gedeihen unserer marktwirtschaftlichen Ordnung ist. Ohne die geht es nicht. Mit ihr geht es und kann es auch gut gehen. Wir müssen mit dem Misstrauen gegen die marktwirtschaftliche Ordnung aufhören. Wir müssen unternehmerische Initiative auch wieder ermöglichen, und wir müssen Sie entlasten.

Wir wollen und wir werden auch die arbeitenden Menschen in unserem Land mehr in den Blick nehmen und auch sie entlasten. Wir wollen endlich ehrlich auf die Altersstruktur unserer Gesellschaft blicken und die notwendigen Schritte für eine nachhaltige Finanzierung unserer sozialen Sicherungssysteme unternehmen. Wir wollen insgesamt unser Leben und unser Arbeiten wieder in ein tragfähiges Verhältnis zueinander setzen, auch in ein tragfähiges Verhältnis zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und Unabhängigkeit, die wir in diesen eruptiven und unfriedlichen Zeiten so dringend brauchen. Ich sage es deshalb hier und auch immer wieder: Wir können nicht einfach so weitermachen wie in den letzten 20 Jahren. Wir müssen bereit sein zu Veränderungen, um zu erhalten, was uns gemeinsam wirklich wichtig ist.

Nun bin ich, meine Damen und Herren, so unbescheiden, darauf hinzuweisen, dass wir seit einem Jahr, und es ist genau heute am Tag ein Jahr, in der Bundesregierung genau dabei sind, nach diesem Wissen und nach diesem Erkennen auch zu handeln. Ich sehe uns, ich sehe die Bundesregierung, aber ich sehe auch unser Land in einem Reformprozess, mit der Betonung auf beiden Teilen dieses Wortes, in einem Prozess der Reformen. Beide Worthälften sind wichtig. Das ist ein Prozess, den ich antreiben, den ich weiter antreiben und den ich beschleunigen möchte, aber der, und auch das gehört dazu, in einer Demokratie nicht einfach angeordnet werden kann, der mühsam Schritt für Schritt durch eine Regierung, durch die Parlamente gemeinsam erreicht werden muss. Ja, unsere Demokratie ist manchmal langsam. Sie ist manchmal mühsam. Aber, meine Damen und Herren, es gibt dazu keine bessere Alternative. In einem autoritären System eben einmal von oben anzuordnen, mag schneller gehen. Es ist am Ende des Tages immer die schlechtere Lösung.

Nun will ich heute einige Themen dieses Reformprozesses aufrufen. Ich habe es auch schon einige Male gesagt: Unsere Probleme bei der Wettbewerbsfähigkeit unserer Volkswirtschaft sind vor allem Probleme der preislichen Wettbewerbsfähigkeit. Für unser Land, für das Arbeiten und Wirtschaften in Deutschland sind die Kosten einfach zu hoch. Arndt, du hast es angesprochen. Das sind die Lohnnebenkosten, oder besser: die Lohnzusatzkosten. Sie sind einfach zu hoch, und sie drohten bisher immer weiter zu steigen. Ohne Reformen – nur, um diese Zahl einmal kurz zu sagen – haben wir in den nächsten zehn Jahren einen Anstieg der Sozialversicherungsbeiträge auf knapp 50 Prozent zu erwarten, von heute 42 Prozent. Meine Damen und Herren, wir wollen und wir werden das verhindern.

Der erste Schritt auf dem Weg in diese Richtung ist getan. Denn aus genau diesem Grund haben wir im Kabinett heute vor einer Woche die Krankenversicherungsre