---
title: "Goethe Die Mitschuldigen Lustspiel in drei Aufzügen Weimarer Liebhabertheater; Goethe in der Rolle des Alcest."
sdDatePublished: "2026-05-07T18:17:00Z"
source: "https://www.klassik-stiftung.de/assets/Fotos/Veranstaltungen/2026/Kochberg/__Die_Mitschuldigen____Programmheft.pdf"
topics:
  - name: "arts and entertainment"
    identifier: "medtop:20000002"
  - name: "theatre"
    identifier: "medtop:20000029"
  - name: "drama (theatre)"
    identifier: "medtop:20001180"
  - name: "literature"
    identifier: "medtop:20000013"
  - name: "classical music"
    identifier: "medtop:20000022"
locations:
  - "Kahla"
  - "Saale-Holzland-Kreis"
  - "Weimar"
---


Goethe Die Mitschuldigen Lustspiel in drei Aufzügen Weimarer Liebhabertheater; Goethe in der Rolle des Alcest.

Die Mitschuldigen – Lustspiel in drei Aufzügen von Johann Wolfgang von Goethe (1768)

 Die Mitschuldigen
ein Lustspiel in drei Aufzügen
von Johann Wolfgang von Goethe

 Die Mitschuldigen
ein Lustspiel in drei Aufzügen
von Johann Wolfgang von Goethe
Der Wirt
Harald Arnold
Sophie, seine Tochter

Lisa Altenpohl
Söller, ihr Mann
Andreas Schmitz
Alcest
Gerda Müller
Ein Kellner
Gerda Müller (Stimme)
Regie: Nils Niemann
Kostüme: Tamiko Yamashita-Gegusch
Ausstattung: Nils Niemann und Silke Gablenz-Kolakovic
Produktion: Silke Gablenz-Kolakovic
Fassung von 1769. Aufgeführt wie zur Zeit der Uraufführung
1777. Ausstattung und Kostüme wurden inspiriert durch Bil­
der von Daniel Nikolaus Chodowiecki. Der Schauplatz ist
im Wirtshaus.
Gefördert von
Fotos: Maik Schuck

Mit dem Lustspiel »Die Mitschuldigen« des noch sehr jungen
Goethe blicken wir gewissermaßen in eine frühe Entwicklungs­
phase des späteren Klassikers hinein.
Im August 1768 musste der neunzehnjährige Goethe sein Stu­
dium in Leipzig wegen gesundheitlicher Probleme unterbre­
chen und reiste zurück ins Elternhaus nach Frankfurt. Erst
im Frühjahr 1769 verbesserte sich sein Zustand. In dieser
Umbruchphase zwischen den Studienjahren in Leipzig und
dem späteren Studium in Straßburg verfasste er sein Lust­
spiel »Die Mitschuldigen«. Der junge Goethe verarbeitete hier
u. a. seine Erfahrungen aus einer Liebelei mit der Leipziger
Wirtstochter Käthchen Schönkopf, die er als Stammgast im
väterlichen Gasthaus kennengelernt hatte. Diese Art des Ver­
arbeitens von Erlebtem durch Verwandlung in Literatur wird
Goethe zeitlebens beibehalten.
Die erste Fassung des Stückes entstand zur Jahreswende 1768/69
in der Form eines Einakters, die zweite Fassung in drei Akten
arbeitete Goethe wahrscheinlich zwischen Juni und September
1769 aus. Das Stück wurde schließlich am 9. Januar 1777 mit
Goethe in der Rolle des Alcest im Weimarer Liebhabertheater
uraufgeführt. 1787 lag der Erstdruck der bis April 1783 überar­
beiteten Fassung vor.
In seiner Bearbeitung 1769 machte Goethe aus der ursprünglich
einaktigen Farce ein dreiaktiges Lustspiel. Wir sehen hier ein
frühes Beispiel für sein Talent, eigene Werke durch Erweiterung
in Charakter und Qualität zu verändern. Gegenüber dem einak­
tigen Erst-Entwurf werden im dreiaktigen Stück, das wir hier
zeigen, die Charaktere der vier Figuren stärker konturiert und
deren Handlungen motiviert. Dem schon im Einakter beschrie­
benen Geschehen setzte Goethe folglich einen Expositionsakt
voran und teilte den folgenden Akt der ersten Fassung in zwei
Akte auf. Eine besondere Spannung entsteht dadurch, dass in
gewissem Sinn Inhalt und Stil einander entgegenstehen. Das
Stück enthält neben Bezügen zum deutschen Fastsnachts­
schwank deutlich Elemente der Commedia dell’arte. Es geht
einerseits um commedia-typische Themen wie Eifersucht, ver­
botene Liebe, Bespitzelung und Diebstahl. Söller ist eine Art
Arlecchino-Figur, der Wirt ähnelt dem Typus des Pantalone.
Die Anrede der Zuschauer und auch die Streit-, Versteck-,
Be­lauschungs- und Prügelszenen sind typisch für eine Comme­
dia dell’arte. Zugleich ist aber der Text im Alex­andriner-
Versmaß gehalten. Der Alexandriner, ein ursprünglich aus
Frankreich nach Deutschland gekommenes Jamben-Versmaß,
wurde im Barock häufig genutzt und galt als das klassische
Versmaß für Bühnenstücke.

Das Stück spielt im Wirtshaus zum Schwarzen Bären. Die han­
delnden Personen sind der Wirt, seine Tochter Sophie, ihr Ehe­
mann Söller und Alcest, ein vornehmer Gast, mit dem Sophie
vor ihrer Ehe ein Liebesverhäntnis verband. Des Nachts wird
Alcests Geld gestohlen. Aus unterschiedlichen Beweggründen
befanden sich in der Nacht alle handelnden Personen in Alcests
Zimmer. Es entwickelt sich eine Kette von gegenseitigen
Beschuldigungen und Verdächtigungen. Am Ende des Lustst­
piels wird klar: Alle haben sich auf ihre Weise moralisch ver­
strickt und einander etwas zu vergeben.
Das Stück, das im unteren bürgerlichen Milieu spielt, lässt uns
augenzwinkernd in menschliche Abgründe blicken und galt
deshalb lange Zeit als leicht »anrüchig«. Mit uns können Sie es
neu entdecken und werden sich ebenso wie wir fragen: »Sind
wir nicht alle laufend »Mitschuldige?«. Goethe selbst schrieb
dazu 1824, also mehr als 50 Jahre später, an Carl Friedrich Zel­
ter: »Ein sogenanntes gebildetes Publicum will sich selbst auf
dem Theater sehen und fordert ungefähr eben soviel vom
Drama als von der Societät.« Da hat sich also nicht viel geän­
dert! Auch die im Stück anklingende Kritik an dem Verhalten
von manchen Großen und Mächtigen ist heute so angebracht
wie im 18. Jahrhundert:
Allein, ihr großen Herrn, ihr habt wohl immer recht!
Ihr wollt mit unserm Gut nur nach Belieben schalten;
Ihr haltet kein Gesetz, und andre sollens halten?
Der vielleicht etwas zu leicht daherkommende versöhnliche
Schluss des Lustspiels fordert uns dazu auf, nicht überheblich
die Verfehlungen unserer Mitmenschen zu richten. Auch das
ist zeitlos.
Als Schaubühne der Klassik Stiftung Weimar zeigen wir das
Lustpiel entsprechend der historischen Aufführungspraxis sei­
ner Uraufführungszeit im späteren 18. Jahrhundert im authenti­
schen Theater der Epoche, so dass Ort, Werk und Aufführung
zusammen ein stimmiges Gesamtkunstwerk bilden. Für die
Kostüme und Ausstattung haben wir auf Gemälden und Bildern
aus der Mitte des 18. Jahrhunderts nach Vorbildern gesucht und
sind vor allem bei dem Kupferstecher, Grafiker und Illustrator
Daniel Nikolaus Chodowiecki (1726–1801) fündig geworden.
Silke Gablenz-Kolakovic,
Künstlerische Leiterin, Liebhabertheater Schloss Kochberg

Nils Niemann
Regie
Nils Niemann zählt zu den wenigen
Spezialisten für die szenische Auf­
führungspraxis des barocken und
klassischen Theaters. Als Regisseur,
Wissenschaftler, Dramaturg und Leh­
rer widmet er sich seit vielen Jahren
der Erforschung und Erprobung his­
torischer Schauspiel- und Bühnen­
technik. Er arbeitete u. a. für die
Opernakademie München, Musica
Bayreuth, die Händelfestspiele Halle, die Semperoper Dresden,
die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci oder das Boston Early
Music Festival sowie die Musikhochschulen in Hamburg,
Dresden, Leipzig und die udk Berlin. Von 2007 bis 2012 war er
als Dramaturg und Regisseur maßgeblich an der Entwicklung
von Inszenierungen für den Barocken Opernsommer Sanssouci
beteiligt. Seit 2012 verbindet ihn eine enge Zusammenarbeit
mit dem Liebhabertheater Schloss Kochberg – Theater an der
Klassik Stiftung Weimar, wo er regelmäßig inszeniert.
Harald Arnold
der Wirt
Harald Arnold studierte an der Thea­
terhochschule »Hans Otto« in Leip­
zig und war 37 Jahre lang Mitglied
des Ensembles am Brandenburger
Theater, wo er mehrere Jahre als
stellvertretender Intendant und über­
gangsweise auch als Intendant tätig
war. Hier trat er in vielen Rollen als
Schauspieler, Sänger und Sprecher
auf: u. a. als Henry Higgins in »My
Fair Lady«, Serge in »Kunst« und Prospero in »Der Sturm«. Am
Hans-Otto-Theater Potsdam und bei den Freilichtspielen Schwä­
bisch-Hall war er als Gastschauspieler zu sehen. Im Rahmen
des »Barocken Theatersommer« im Neuen Palais von Sanssouci
wirkte er 2012 als F. W. L. Gleim in der Aufführung »Oh, meine
Phantasie ist heftig« mit. Am Zimmertheater Tübingen spielte
er den alten Mann in »Sibirien« von Felix Mitterer, Herrn Brus­
con in »Der Theatermacher« von Thomas Bernhard sowie den
Vater in «Zeit im Dunkeln« von Henning Mankell. Seit Sommer
2016 war er im Liebhabertheater Schloss Kochberg als Alcest in
»Der Misanthrop« von Molière zu erleben.

Lisa Altenpohl
Sophie
Lisa Altenpohl besuchte die Schau­
spielschule für junge Menschen am
Comedia Theater Köln, wo sie in die­
ser Zeit regelmäßig auch in Produkti­
onen des Hauses auftrat. 2006 stand
sie in den Spielfilmen »Dresden –
Das Inferno« und »Die Mauer –
Berlin ’61« erstmals vor der Kamera.
Ihrer Theaterleidenschaft folgend,
setzte sie ihr Studium ab 2008 in Ber­
lin fort: Am Actor’s Space ließ sie sich in Meisner Technik schu­
len. Seit 2011 arbeitet sie als freischaffende Schauspielerin. 2012
war sie an der Seite der Hauptdarstellerin Aylin Tezel im Kino­
film »Am Himmel der Tag« zu sehen. In jüngerer Zeit hat Lisa
Altenpohl eine Leidenschaft für die historische Aufführungspra­
xis entwickelt. Am Liebhabertheater Schloss Kochberg wirkte
sie bisher als Célimène bei Molières »Der Misanthrop« und in
der Opernproduktion »Der Apotheker« (Lo speziale) von Joseph
Haydn mit, wo sie auch erstmals die Regieassistenz übernahm.
Andreas Schmitz
Söller
Andreas Schmitz stammt aus Bonn.
Seit 1987 lebt er in Berlin, wo er eine
private Schauspielausbildung absol­
vierte. Hier ist er als Tanzlehrer,
Kabarettist, Chansonnier und Schau­
spieler tätig. Er arbeitet mit zahlrei­
chen Künstlern zusammen, wie der
Gruppe »Collage«, dem Harfenisten
Thomas Siener, der Pianistin Kerstin
Ellert, dem Pianisten Holger Perschke,
den Regisseuren Sabine Beck-Barut, Particia Schon und Thomas
Schmuckert. Sein Repertoire umfasst u. a. das Zarah-Leander-
Pogramm »LeAnders«, das Mittelaltermusical »Aucassin und
Nicolette«, das Kriminalhörspiel auf der Bühne »Der Harfenmör­
der« und die Kindertheaterstücke »Märchenkoffer und Zauber­
harfe« sowie »Manuel, der Junge, der die Sonne weckte«. In
Meisterkursen bei David Zurbuchen und Margit Legler erwei­
terte er sein Repertoire um die historische Schauspielkunst.
2010 war er als Pierrot im Palais Lobkowitz in Wien zu sehen.
Seit 2016 spielte er im Liebhabertheater Schloss Kochberg in
Molières »Der Misanthrop« die Rollen des Philint und Acast.

Gerda Müller
Alcest
Gerda Müller absolvierte ihre Schau­
spielausbildung an der Kunstuniversi­
tät Graz. Damit begab sie sich in die
Welt der Stadt- und Staatstheater
(Oberhausen, Freie Volksbühne Ber­
lin, Erfurt, Potsdam, Hannover, …). In
Marseille spielte sie ihre erste Helden­
rolle, die »Penthesilea«! Es folgten
vier Jahre im Ensemble von Theater­
sport in Berlin und die Gründung
eines Spontantheaters sowie viele Jahre im Ensemble der »auf­
takter«. Lieblingsrollen von ihr waren der Clown Karfunkel in
F. K. Waechters »Schule mit Clowns«, die psychopathische Kran­
kenschwester Annie Wilkes in Stephen Kings »Misery« und die
Urmutter Eva in »Evas Tagebuch« von Dario Fo. Gerda Müller
spielt, erzählt, schreibt und unterrichtet in Berlin. Am Liebha­
bertheater Schloss Kochberg spielte sie in der Produktion »Der
Misanthrop« von Moliere die Rollen der Eliante und der Arsinoe
sowie die Rollen des Oront und des Hauptmanns. Bei Goethes
»Die Mitschuldigen« verwandelt sie sich ganz in einen Mann –
sie freut sich auf die Rolle des Liebhabers Alcest.

Das Ensemble von Schloss, Park und Theater in Kochberg zählt
zu den besonders reizvollen Orten im Besitz der Klassik Stif­
tung Weimar. Weltweit einzigartig ist das festlich gestaltete
klassizistische Privattheater aus dem späten 18. Jahrhundert,
das zur European Route of Historic Theatres gehört.
Um dieses zauberhafte historische Theater vor der Schließung
zu bewahren, übernahm der ursprünglich zu dessen Förderung
gegründete gemeinnützige Verein vor über 15 Jahren die künst­
lerische und wirtschafltiche Verantwortung und wandelte sich
zum kompletten Theaterbetrieb. Seitdem gelang es, das Theater
zu einer Bühne mit internationalem Erfolg zu entwickeln. Ohne
regelmäßige staatliche Förderung!
Jährliche Sommerfestivals locken mit Opern-, Theaterauffüh­
rungen und Konzerten ein Publikum von fern und nah auf den
ehemaligen Landsitz von Goethes Liebe Frau von Stein. Alle
Aufführungen werden mit renommierten Künstlern speziell für
diese Festivals konzipiert. Als Schaubühne der Klassik Stiftung
für Bühnenwerke aus Barock, Klassik und Romantik präsentiert
das Theater die Stücke an diesem authentischen Ort der histori­
schen Aufführungspraxis entsprechend. Im Idealfall werden sie
so aufgeführt, wie ihr Schöpfer es gewollt hätte. Die Gäste erle­
ben ganz unmittelbar die ex