SWISSAID unterstützt Bäuerinnen in Oio, Guinea-Bissau; Landbesitz erreicht

Bäuerinnen haben Hunger nach Gerechtigkeit - Swissaid

Über SWISSAIDÜberblickVision und MissionTransparenzMeilensteineWer wir sindDie StiftungTeamSWISSAID GenfInstitutionelle Gönner:innenPartnerorganisationenPublikationenAktuellesMagazinPodcastJahresberichtDokumente und DownloadsNewsletter

Wer wir sindDie StiftungTeamSWISSAID GenfInstitutionelle Gönner:innenPartnerorganisationen

Bäuerinnen haben Hunger nach Gerechtigkeit

Lausanne, 7. Mai 2026 – Frauen spielen eine zentrale Rolle in Agrar- und Ernährungssystemen und sorgen für bis zu 80 Prozent der Nahrungsmittelproduktion. Obwohl sie die Welt ernähren, werden ihre Rechte kaum anerkannt. Anlässlich des UNO-Jahres der Bäuerinnen setzt sich SWISSAID dafür ein, die Hindernisse zu beseitigen, mit denen Bäuerinnen in Ländern des Südens konfrontiert sind.

Je nach Region stammen zwischen50 und 80 Prozent der weltweiten Nahrungsmittelproduktion von Frauen. In Subsahara-Afrika hängen 66 Prozent der Arbeitsplätze für Frauen vom Agrar- und Ernährungssektor ab, in Südasien steigt dieser Anteil sogar auf 71 Prozent. Ihr Einfluss geht über die reine Produktion hinaus: In manchen Gebieten investieren sie bis zu90 Prozent ihres Einkommensin ihren Haushalt (Gesundheit, Ernährung, Bildung der Kinder), während es bei Männern nur 30 bis 40 Prozent sind. «Die Zahlen zeigen: Frauen spielen eine zentrale Rolle für die Ernährungssicherheit und die lokale Entwicklung. Trotzdem sind150 Millionenmehr Frauen als Männer von Ernährungsunsicherheit betroffen, und die strukturellen Hindernisse, die ihren Alltag prägen, sind nach wie vor zahlreich», betont Valentina Maggiulli, Themenverantwortliche Gender bei SWISSAID.

Der Zugang zu Ressourcen ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür. In vielen Ländern werden Frauen bei Landrechten diskriminiert: Sie dürfen weder Land besitzen noch erben. Sich bei der Bewirtschaftung einer Parzelle nachhaltig zu engagieren, die einem jederzeit entzogen werden kann, ist jedoch schwierig.

SWISSAID hat eine Frauengruppe in der Region Oio im Norden von Guinea-Bissau begleitet, die entschlossen war, gemeinsam landwirtschaftliche Flächen zu erwerben. Durch Austausch mit den Männern, Lobbyarbeit und Herzblut ist es ihnen gelungen, tief verwurzelte patriarchale Normen in Frage zu stellen. Heute bauen die Bäuerinnen auf dem eigenen Land Obst, Gemüse und Getreide an. Durch die Erträge aus der Ernte sind sie heute selbständiger und die Gemeinschaft ist erstarkt, wie dieserErfahrungsberichtzeigt.

Darüber hinaus setzt sich SWISSAID für die wirtschaftliche und politische Selbstständigkeit von Bäuerinnen ein, damit diese mehr Kontrolle über ihr eigenes Einkommen haben und aktiv in lokalen Entscheidungsgremien mitwirken können. In Kolumbien legt das Projekt «Frauen erheben ihre Stimme und kämpfen für ihre Rechte» den Schwerpunkt auf die Einbeziehung von Frauen aus ländlichen Gebieten in das politische, wirtschaftliche und soziale Leben, etwa durch Schulungen im Bereich der Führungskompetenzen.

Viele Bäuerinnen stehen vor einer grossen Herausforderung: die Klimakrise. Dürren und sintflutartige Regenfälle zerstören immer öfter Ernten und verschärfen den Druck auf die ohnehin fragilen Ernährungssysteme. Um dem entgegenzuwirken, fördert SWISSAID die Agrarökologie: Eine nachhaltige Landwirtschaft, die auf kurzen Verwertungsketten und der Verwendung von lokalem Saatgut basiert, das besser an die klimatischen Unwägbarkeiten angepasst ist und ohne teure künstliche Pestizide oder Dünger von Grosskonzernen auskommt.

Dieses Engagement trägt Früchte, wie ein Projekt im Dorf Teertha im Süden Indiens zeigt. Die Frauengruppe«Bibi Fatima Self-Help Group»hat dort den Hirseanbau mithilfe agroökologischer Methoden wiederbelebt. Dadurch wurden die Böden regeneriert, eine gesündere Ernährung gefördert und die landwirtschaftlichen Einkommen verbessert. Diese Initiative, die mit dem Equator Prize 2025 der Vereinten Nationen ausgezeichnet wurde, trägt zudem zum Schutz der Umwelt und der Biodiversität bei.

In die Gleichstellung im Agrarsektor zu investieren bedeutet, konkret zu handeln, um das Leben von Millionen von Menschen zu verbessern. Durch gezielte Programme zugunsten von Frauen in ländlichen Gebieten kann laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) das Einkommen von 58 Millionen Menschen gesteigert und die Widerstandsfähigkeit von weiteren 235 Millionen verbessert werden.

SWISSAID fordert einen tiefgreifenden Wandel der Agrar- und Ernährungssysteme und der Machtverhältnisse. «Die Rolle der Bäuerinnen voll und ganz anzuerkennen, ist ein erster Schritt, reicht aber nicht aus: Es ist dringend notwendig, ihre Rechte auf Land, Ressourcen, Bildung und Entscheidungsfindung zu gewährleisten. Die Handlungsmöglichkeiten von Frauen auf dem Land zu stärken, bedeutet, zu widerstandsfähigeren, gerechteren und besser ernährten Gemeinschaften beizutragen», erklärt Valentina Maggiulli. In einer Zeit, in der sich die Nahrungsmittel- und Klimakrise verschärfen, würde das Ignorieren ihres Beitrags bedeuten, die Zukunft aller zu gefährden. Gerechtigkeit für Bäuerinnen ist keine Option, sondern eine Voraussetzung für den Aufbau einer nachhaltigen Ernährungssicherheit.

*Foto:Die Bäuerinnen der Vereinigung «Bibi Fatima» im Süden Indiens haben den Hirseanbau mit Hilfe agroökologischer Methoden wiederbelebt und damit die Ernährungssicherheit in ihrer Gemeinschaft verbessert. ©Sri Kolari

Valentina MaggiulliStv. Programmleiterin Entwicklungszusammenarbeit und Themenverantwortliche GenderE-Mail

Thaïs In der SmittenVerantwortliche Medienarbeit und KommunikationE-Mail

Lorystrasse 6a3008 Bern031 350 53 53info@swissaid.ch

IBAN: CH20 0900 0000 3000 0303 5BIC

Ihr Spende an SWISSAID kann steuerlich geltend gemacht werden.

Die Bäuerinnen der Vereinigung «Bibi Fatima» im Süden Indiens haben den Hirseanbau mit Hilfe agroökologischer Methoden wiederbelebt und damit die Ernährungssicherheit in ihrer Gemeinschaft verbessert. ©Sri Kolari

Medienmitteilung vom 7. Mai 2026

Stv. Programmleiterin Entwicklungszusammenarbeit und Themenverantwortliche Gender