Prof. Irene Neuner neue Ärztliche Direktorin am BKH Günzburg; Dreifache Anstellung, Start 1. April 2026

Neue Ärztliche Direktorin am BKH Günzburg: Seele und Gehirn im Fokus | Bezirkskliniken Schwaben

Neue Ärztliche Direktorin am BKH Günzburg: Seele und Gehirn im Fokus

Die neue Ärztliche Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Bezirkskrankenhaus Günzburg, Prof. Irene Neuner, auf der historischen Treppe im Verwaltungsgebäude. Im Hintergrund sind die Bilder ihrer Vorgänger zu sehen. Bild: Georg Schalk

Prof. Irene Neuner arbeitet seit 1. April am BKH Günzburg. Warum die neue Ärztliche Direktorin der psychiatrischen Klinik so gut zum Standort passt.

Das Bezirkskrankenhaus (BKH) Günzburg ist wohl der einzige Klinikstandort in Deutschland, der sich ausschließlich auf die Versorgung von Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems konzentriert. Innerhalb dieser Spezialisierung deckt das BKH alle relevanten Fachrichtungen ab. Die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik hat mit Univ.-Prof. Dr. med. Irene Neuner nun eine Ärztliche Direktorin, die gleich mehrere dazu passende Facharztausbildungen erfolgreich absolviert hat: Die 55-Jährige ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Neurologie und führt die Zusatzbezeichnung Geriatrie. Zudem hat sie – quasi als dritte Säule neben Klinik und Forschung – ein berufsbegleitendes Studium an der Universität Erlangen-Nürnberg“ mit dem „Master of Health Business Administration“ (MHBA) abgeschlossen. Seit 1. April 2026 ist die gebürtige Bambergerin in Günzburg tätig.

Auf die Frage, was sie innerhalb ihrer medizinischen Tätigkeit am meisten interessiert, antwortet Prof. Irene Neuner wie aus der Pistole geschossen: „Alles rund ums Gehirn.“ Das Gehirn sei ein „spannendes, komplexes und dynamisches Netzwerk“. „Mich fasziniert die Komplexität der unterschiedlichen Ebenen innerhalb des Gehirns und das hohe Tempo der Verschaltungen“, erzählt sie. So wirkte sie von 2013 bis 2018 federführend an einem EU-Projekt mit, bei dem an innovativen diagnostischen Möglichkeiten geforscht wurde, um Therapien künftig individueller und damit erfolgreicher zu gestalten. Die gleichzeitige Kombination von moderner Bildgebung aus MRT, EEG und PET zur Diagnostik von Schizophrenie, die bis dato hintereinander angewandt wurde, war damals weltweit einmalig.

Durchaus außergewöhnlich ist, dass Prof. Neuner gleich drei Arbeitgeber hat. Da die psychiatrische Klinik des BKH Günzburg auch Klinik für Psychiatrie II der Universität Ulm ist, ist sie zum einen als Ärztliche Direktorin Angestellte der Bezirkskliniken Schwaben und zum anderen als Lehrstuhlinhaberin in Ulm Beschäftigte des Landes Baden-Württemberg. Aufgrund ihrer oben beschriebenen Begeisterung für internationale Forschung bleibt sie Leiterin der Arbeitsgruppe „Multimodal Imaging in Clinical Neuroscience“ am Forschungszentrum in Jülich, das 30 km von Aachen entfernt liegt. Diese konzentriert sich auf die Erforschung psychiatrischer Erkrankungen mittels bildgebender Verfahren.

Apropos Aachen: Hier hat Prof. Neuner viele Jahre gewirkt. Die gebürtige Oberfränkin studierte erst Medizin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Eine Forschungstätigkeit im Rahmen ihrer Dissertation am Department of Neurology an der Universität von New York (USA) schloss sich an. Über Erlangen, wo sie 1998 erfolgreich promovierte, kam sie Ende 1999 als Assistenzärztin zunächst an die Klinik für Neurologie nach Wuppertal und 2002 dann an die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Aachen. Dort stieg die Medizinerin zur Leitenden Oberärztin und 2021 zur Stellvertretenden Klinikdirektorin auf. Parallel dazu wurde sie zunächst zur außerplanmäßigen Professorin (2015), zwei Jahre später auf die W2-Universitätsprofessur auf dem Lehr- und Forschungsgebiet Multimodale Bildgebung in der Neuropsychiatrie an der Rheinisch-Westfälisch Technischen Hochschule (RWTH) Aachen berufen. Zum 1. April wechselte sie nach Günzburg - als Nachfolgerin von Prof. Thomas Becker, der vor vier Jahren in den Ruhestand ging.

Dass es so lange gedauert hat, bis eine Nachfolge feststand, hat mit dem komplexen Verfahren und mit der deutschlandweit einzigartigen, länderübergreifenden Kooperation von BKH Günzburg (Bayern) und der Uni Ulm (Baden-Württemberg) zu tun. „Prof. Riepe als kommissarischer Vertreter, sein Stellvertreter Dr. Schübel und geschäftsführender Oberarzt Dr. Klug sowie das ganze Team haben die Klinik in dieser Zeit ganz offensichtlich richtig gut geführt. Ich habe jedenfalls eine sehr große, vielfältige Klinik vorgefunden, die sehr qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat, die auf sehr hohem medizinischem Niveau und mit viel Herz arbeiten und ein sehr gutes Miteinander pflegen“, stellt die neue Ärztliche Direktorin lobend fest. Sie sei sehr offen und herzlich aufgenommen worden.

Die verheiratete Mutter einer Tochter wohnt in Ulm und pendelt mit dem Zug nach Günzburg. Die Familie, die derzeit noch in Aachen lebt, soll zum neuen Schuljahr im Herbst nachkommen.

Prof. Neuner legt nach eigenen Angaben Wert auf guten Austausch und interdisziplinäre Zusammenarbeit, auf generelles Fordern und Fördern und darauf, „dass Dinge so pragmatisch angepackt werden, dass sie im klinischen Alltag gut umsetzbar sind“. „Forschung muss für mich einen Nutzen für die Patienten haben“, lautet eine ihrer Devisen. Sehr bereichernd findet sie ihr Netzwerk an international tätigen Arbeitsgruppen in Jülich, Aachen und nun auch in Ulm und Günzburg. Daran will sie festhalten. „Es lohnt sich immer, über den Tellerrand hinauszuschauen“, so die Ärztliche Direktorin. Privat reist sie gerne (Lieblingsziele sind Asien, z.B. Kambodscha, Vietnam und Neuseeland), spielt Alt-Saxophon und Klavier und liest gerne Wochenzeitungen, traditionell auf Papier.