Kirchen veröffentlichen gemeinsames Wort zur interkulturellen Woche 2026 in unserem Land; Offene Gesellschaft und Schutz der Schwachen

Gemeinsames Wort der Kirchen zur interkulturellen Woche 2026 E W L C O E M interkulturellewoche.de © actu-tactu.de D af ür! Mutig u n d s t a r k! DAFÜR! Mutig und stark! Angesichts solcher Verschiebungen nehmen Unsicherheit, Sorge und tatsächlich auch Angst um die Zu- kunft immer mehr zu. Viele Men- schen fragen sich: Wie wollen wir le- ben – wie werden wir leben? Wohin entwickelt sich unsere Gesellschaft, wie stabil ist unser demokratisches Staatsgefüge? In welch einem Land, in was für einer Welt werden die nächsten Generationen leben? In dieser Situation, in der auch die öffentlichen Debatten um große gesellschaftliche Fragen so oft von Kleinmut, Angst und einem „Dage- gen“ bestimmt werden, wollen wir mit der Interkulturellen Woche und ihrem Motto „DAFÜR!“ bewusst einen positiven und hoffnungsvol- len Akzent setzen. Wir sind dafür, der Nächstenliebe täglich auf die Welt zu helfen. In unserer von vielgestaltigen Krisen gekennzeichneten Zeit fällt es oft schwer, zuversichtlich in die Zukunft zu schauen. Die Nachrichten sind voll von Kriegen und gewaltsam ausgetragenen Machtkämpfen an vielen Orten der Welt. Zwar leben wir selbst mehr oder weniger weit von Kriegs- und Konfliktregionen entfernt, aber wir merken doch immer deutlicher, wie alles in der Welt zusammenhängt und dass wir nicht einfach wegschauen können. Nicht nur die europäische Friedensordnung, sondern auch die geopoliti- sche Stabilität der vergangenen Jahrzehnte, die unserem Land ein Leben in Frieden und Sicherheit ermöglichten, sind immer neuen Erschütterungen ausgesetzt. Die Folgen der Krisen erreichen uns, der eigene Alltag verändert sich, täglich und deutlich spürbar. Zu unserer Gesellschaft gehören nicht wenige Menschen, die vor Krieg und Gewalt fliehen mussten und bei uns Zuflucht gefunden haben. Wir wissen um ihren Schmerz, denn sie haben fast alles verloren und müssen neu anfangen. Und sie bangen um ihre Verwand- ten und Freunde, die weiterhin dort leben, wo alles zerbricht. E W L C O E M Wir sind dafür, der Nächstenliebe täglich auf die Welt zu helfen.

Wir sind dafür, der Angst und Spaltung klar zu widerstehen. Wir sind dafür, in Mitmenschlichkeit zu- sammenzuleben – im persönlichen Lebensumfeld, in unserem Land und mit der weltweiten Mensch- heitsfamilie. Wir sind dafür, in einer offenen Gesellschaft zu leben, die sich für die Teilhabe aller einsetzt. Und besonders sind wir dafür da, an der Seite der Schwachen und Ungeschützten zu stehen. Unser entschiedenes „DAFÜR!“ entspringt nicht einem naiven Op- timismus, der die Augen vor der Wirklichkeit verschließt. Sondern es ist Ausdruck der Hoffnung, die uns unser Glaube schenkt. In der Heiligen Schrift, der Quelle, von der wir leben, heißt es: „Sei stark und mutig! Lass dich nicht einschüchtern und hab keine Angst. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst“ (Josua 1,9). Diese biblische Botschaft nimmt uns hinein in eine Jahrtausende alte Tradition der Hoffnung und Zuversicht. Schon Generationen vor uns haben ähnliche Krisen und Ängste erlebt wie wir – und dennoch Wege in die Zukunft gefunden. Weil ihr Mut und ihre Hoffnung stärker waren als die Zerstörung; weil sie mit ihrem Le- bensmotto „DAFÜR!“ jene Kräfte überwinden konnten, die einem gelingenden Miteinander ent- gegenstanden. Weil ihr Vertrauen in das Leben stärker war als jedes „Dagegen“ und zur Kraftquelle für gemeinsames Handeln wurde. „Sei stark und mutig!“ In unserer Zeit, heute, rufen wir diese Hoffnungsbotschaft aus und setzen auf den Mut und die Kraft, die uns zugesprochen sind. Ange- sichts der prognostizierten Zustim- mungswerte für völkisch-nationalis- tische Kräfte bei den Landtags- und Kommunalwahlen in diesem Jahr bedeutet dies zuerst, sich nicht bange machen zu lassen. Stattdes- sen gilt es klar und deutlich Stel- lung zu beziehen und auf Gefahren hinzuweisen. Tatsächlich drohen die Schwächung demokratischer Strukturen, die Erosion von Solidari- tät und Empathie in unserer Gesell- schaft sowie die Ausgrenzung von Wir sind dafür, in einer offenen Gesellschaft zu leben Niemand hat das Recht, sich über eine andere Person zu erheben Menschen und Menschengruppen. Entgegen einem solchen Szenario der gesellschaftlichen Kälte und Menschenfeindlichkeit setzen wir auf den Mut und die Kraft, die uns von Gott zugesprochen sind, um das Miteinanderleben in einer komplexen Realität zu gestalten. Deshalb ist es uns so wichtig, Räu- me zu schaffen und Möglichkeiten zu eröffnen, einander wirklich zu begegnen und einander zuzuhö- ren, um gemeinsam Perspektiven des „DAFÜR!“ zu entwickeln. Deshalb werden wir nicht müde, die Menschenwürde zu schützen, und stehen an der Seite derer, die in Not sind und Beistand nötig ha- ben – egal, wer sie sind und woher sie kommen. „Denn ich, der Herr, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst“, diese Zusage gilt für jeden einzelnen Menschen. Und niemand hat das Recht, sich über eine andere Person zu erheben.

Auf europäischer Ebene erleben wir mit der Umsetzung der Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) eine Zäsur, die wir wachsam und kritisch be- gleiten. Die Rechte schutzsuchen- der Menschen müssen geachtet werden und dürfen niemals zur Disposition stehen. Deshalb erwar- ten wir Mitmenschlichkeit von der europäischen Politik. Insbesondere angesichts neuer Regelungen, nach denen Schutz- suchende – auch Kinder – für die Dauer der Überprüfung ihres Asyl- antrages in haftähnlichen Zentren festgesetzt werden sollen, fragen wir: Wie geht das mit den grundle- genden menschenrechtlichen Ver- pflichtungen Europas zusammen? Wie passt das zum Schutz der Menschenwürde sowie zum vor- rangigen Wohl des Kindes, wie sie im Völkerrecht, im europäischen Recht und in der christlichen Ethik verankert sind? Die Rechte schutz- suchender Menschen müssen geachtet werden

Im Blick auf die diesjährige Inter- kulturelle Woche, die in der Zeit vom 27. September bis 4. Oktober 2026 stattfinden wird, danken wir schon heute den Organisatorin- nen und Organisatoren der vielen Tausend Initiativen und Einzelver- anstaltungen an so vielen Orten. Seit mehr als 50 Jahren sorgen Menschen in ihren Städten, Kom- munen und Kirchengemeinden „DAFÜR!“, dass Integration gelingen kann und gesellschaftli- cher Zusammenhalt gestärkt wird. In den letzten Jahren ist dieses zivilgesellschaftliche Engagement häufiger unter Druck geraten und zur Zielscheibe antidemokratischer Kräfte geworden. Unser großer Respekt gilt deshalb allen, die sich überall vor Ort mit Mut und Kraft für das interkulturelle Miteinander, unsere Demokratie und ein hoff- nungsvolles „DAFÜR!“ einsetzen. Möge die Interkulturelle Woche auch in diesem Jahr ein Erfolg wer- den und viele Menschen berühren. Möge die Interkulturelle Woche auch in diesem Jahr ein Erfolg werden und viele Menschen berühren. Bischof Dr. Heiner Wilmer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Foto: Deutsche Bischofskonferenz / Marko Orlovic. Bischöfin Kirsten Fehrs Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland Foto: EKD/Jens Schulze Metropolit Dr. h.c. Augoustinos von Deutschland Vorsitzender der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland Foto: KNA www.interkulturellewoche.de Herausgeber: Ökumenischer Vorbereitungsausschuss zur Interkulturellen Woche / Postfach 160646 / 60069 Frankfurt a.M.