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title: "Kirchen veröffentlichen gemeinsames Wort zur interkulturellen Woche 2026 in unserem Land; Offene Gesellschaft und Schutz der Schwachen"
sdDatePublished: "2026-05-08T13:18:00Z"
source: "https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse_2026/2026-068a-Gemeinsames-Wort-der-Kirchen-zur-Interkulturellen-Woche-Wortlaut.pdf"
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  - "Germany"
  - "Frankfurt am Main"
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Kirchen veröffentlichen gemeinsames Wort zur interkulturellen Woche 2026 in unserem Land; Offene Gesellschaft und Schutz der Schwachen

Gemeinsames Wort der Kirchen
zur interkulturellen Woche 2026
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interkulturellewoche.de
© actu-tactu.de
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 Mutig
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n
d
s
t
a
r
k!
DAFÜR!
Mutig und stark!
Angesichts solcher Verschiebungen
nehmen Unsicherheit, Sorge und
tatsächlich auch Angst um die Zu-
kunft immer mehr zu. Viele Men-
schen fragen sich: Wie wollen wir le-
ben – wie werden wir leben? Wohin
entwickelt sich unsere Gesellschaft,
wie stabil ist unser demokratisches
Staatsgefüge? In welch einem Land,
in was für einer Welt werden die
nächsten Generationen leben?
In dieser Situation, in der auch die
öffentlichen Debatten um große
gesellschaftliche Fragen so oft von
Kleinmut, Angst und einem „Dage-
gen“ bestimmt werden, wollen wir
mit der Interkulturellen Woche und
ihrem Motto „DAFÜR!“ bewusst
einen positiven und hoffnungsvol-
len Akzent setzen. Wir sind dafür,
der Nächstenliebe täglich auf die
Welt zu helfen.
In unserer von vielgestaltigen Krisen gekennzeichneten Zeit fällt es oft
schwer, zuversichtlich in die Zukunft zu schauen. Die Nachrichten sind voll
von Kriegen und gewaltsam ausgetragenen Machtkämpfen an vielen Orten
der Welt. Zwar leben wir selbst mehr oder weniger weit von Kriegs- und
Konfliktregionen entfernt, aber wir merken doch immer deutlicher, wie alles
in der Welt zusammenhängt und dass wir nicht einfach wegschauen können.
Nicht nur die europäische Friedensordnung, sondern auch die geopoliti-
sche Stabilität der vergangenen Jahrzehnte, die unserem Land ein Leben in
Frieden und Sicherheit ermöglichten, sind immer neuen Erschütterungen
ausgesetzt. Die Folgen der Krisen erreichen uns, der eigene Alltag verändert
sich, täglich und deutlich spürbar. Zu unserer Gesellschaft gehören nicht
wenige Menschen, die vor Krieg und Gewalt fliehen mussten und bei uns
Zuflucht gefunden haben. Wir wissen um ihren Schmerz, denn sie haben fast
alles verloren und müssen neu anfangen. Und sie bangen um ihre Verwand-
ten und Freunde, die weiterhin dort leben, wo alles zerbricht.
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W
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Wir sind dafür, der Nächstenliebe täglich
auf die Welt zu helfen.

Wir sind dafür, der Angst und
Spaltung klar zu widerstehen. Wir
sind dafür, in Mitmenschlichkeit zu-
sammenzuleben – im persönlichen
Lebensumfeld, in unserem Land
und mit der weltweiten Mensch-
heitsfamilie. Wir sind dafür, in einer
offenen Gesellschaft zu leben, die
sich für die Teilhabe aller einsetzt.
Und besonders sind wir dafür da,
an der Seite der Schwachen und
Ungeschützten zu stehen.
Unser entschiedenes „DAFÜR!“
entspringt nicht einem naiven Op-
timismus, der die Augen vor der
Wirklichkeit verschließt. Sondern
es ist Ausdruck der Hoffnung, die
uns unser Glaube schenkt. In der
Heiligen Schrift, der Quelle, von
der wir leben, heißt es:
„Sei stark und mutig! Lass dich
nicht einschüchtern und hab
keine Angst. Denn ich, der Herr,
dein Gott, bin bei dir, wohin du
auch gehst“ (Josua 1,9).
Diese biblische Botschaft nimmt
uns hinein in eine Jahrtausende
alte Tradition der Hoffnung und
Zuversicht. Schon Generationen
vor uns haben ähnliche Krisen
und Ängste erlebt wie wir – und
dennoch Wege in die Zukunft
gefunden. Weil ihr Mut und ihre
Hoffnung stärker waren als die
Zerstörung; weil sie mit ihrem Le-
bensmotto „DAFÜR!“ jene Kräfte
überwinden konnten, die einem
gelingenden Miteinander ent-
gegenstanden. Weil ihr Vertrauen
in das Leben stärker war als jedes
„Dagegen“ und zur Kraftquelle für
gemeinsames Handeln wurde.
„Sei stark und mutig!“
In unserer Zeit, heute, rufen wir
diese Hoffnungsbotschaft aus und
setzen auf den Mut und die Kraft,
die uns zugesprochen sind. Ange-
sichts der prognostizierten Zustim-
mungswerte für völkisch-nationalis-
tische Kräfte bei den Landtags- und
Kommunalwahlen in diesem Jahr
bedeutet dies zuerst, sich nicht
bange machen zu lassen. Stattdes-
sen gilt es klar und deutlich Stel-
lung zu beziehen und auf Gefahren
hinzuweisen. Tatsächlich drohen
die Schwächung demokratischer
Strukturen, die Erosion von Solidari-
tät und Empathie in unserer Gesell-
schaft sowie die Ausgrenzung von
Wir sind dafür,
in einer offenen
Gesellschaft zu leben
Niemand hat das Recht,
sich über eine andere
Person zu erheben
Menschen und Menschengruppen.
Entgegen einem solchen Szenario
der gesellschaftlichen Kälte und
Menschenfeindlichkeit setzen wir
auf den Mut und die Kraft, die
uns von Gott zugesprochen sind,
um das Miteinanderleben in einer
komplexen Realität zu gestalten.
Deshalb ist es uns so wichtig, Räu-
me zu schaffen und Möglichkeiten
zu eröffnen, einander wirklich zu
begegnen und einander zuzuhö-
ren, um gemeinsam Perspektiven
des „DAFÜR!“ zu entwickeln.
Deshalb werden wir nicht müde,
die Menschenwürde zu schützen,
und stehen an der Seite derer, die
in Not sind und Beistand nötig ha-
ben – egal, wer sie sind und woher
sie kommen. „Denn ich, der Herr,
dein Gott, bin bei dir, wohin du
auch gehst“, diese Zusage gilt für
jeden einzelnen Menschen. Und
niemand hat das Recht, sich über
eine andere
Person zu
erheben.

Auf europäischer Ebene erleben
wir mit der Umsetzung der Reform
des Gemeinsamen Europäischen
Asylsystems (GEAS) eine Zäsur,
die wir wachsam und kritisch be-
gleiten. Die Rechte schutzsuchen-
der Menschen müssen geachtet
werden und dürfen niemals zur
Disposition stehen. Deshalb erwar-
ten wir Mitmenschlichkeit von der
europäischen Politik.
Insbesondere angesichts neuer
Regelungen, nach denen Schutz-
suchende – auch Kinder – für die
Dauer der Überprüfung ihres Asyl-
antrages in haftähnlichen Zentren
festgesetzt werden sollen, fragen
wir: Wie geht das mit den grundle-
genden menschenrechtlichen Ver-
pflichtungen Europas zusammen?
Wie passt das zum Schutz der
Menschenwürde sowie zum vor-
rangigen Wohl des Kindes, wie sie
im Völkerrecht, im europäischen
Recht und in der christlichen Ethik
verankert sind?
Die Rechte schutz-
suchender Menschen
müssen geachtet
werden

Im Blick auf die diesjährige Inter-
kulturelle Woche, die in der Zeit
vom 27. September bis 4. Oktober
2026 stattfinden wird, danken wir
schon heute den Organisatorin-
nen und Organisatoren der vielen
Tausend Initiativen und Einzelver-
anstaltungen an so vielen Orten.
Seit mehr als 50 Jahren sorgen
Menschen in ihren Städten, Kom-
munen und Kirchengemeinden
„DAFÜR!“, dass Integration
gelingen kann und gesellschaftli-
cher Zusammenhalt gestärkt wird.
In den letzten Jahren ist dieses
zivilgesellschaftliche Engagement
häufiger unter Druck geraten und
zur Zielscheibe antidemokratischer
Kräfte geworden. Unser großer
Respekt gilt deshalb allen, die sich
überall vor Ort mit Mut und Kraft
für das interkulturelle Miteinander,
unsere Demokratie und ein hoff-
nungsvolles „DAFÜR!“ einsetzen.
Möge die Interkulturelle Woche
auch in diesem Jahr ein Erfolg wer-
den und viele Menschen berühren.
Möge die
Interkulturelle Woche
auch in diesem Jahr
ein Erfolg werden
und viele Menschen
berühren.
Bischof Dr. Heiner Wilmer
Vorsitzender der Deutschen
Bischofskonferenz.
Foto: Deutsche Bischofskonferenz / Marko Orlovic.
Bischöfin Kirsten Fehrs
Vorsitzende des Rates der Evangelischen
Kirche in Deutschland
Foto: EKD/Jens Schulze
Metropolit Dr. h.c. Augoustinos
von Deutschland
Vorsitzender der Orthodoxen
Bischofskonferenz in Deutschland
Foto: KNA
www.interkulturellewoche.de
Herausgeber: Ökumenischer Vorbereitungsausschuss zur Interkulturellen
Woche / Postfach 160646 / 60069 Frankfurt a.M.