Nils Mohl erhält den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2026 in Paderborn; Coming-of-Age-Buch mit tiefer Glaubensperspektive
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Es gilt das gesprochene Wort!
Grußwort von Erzbischof Dr. Markus Bentz (Paderborn), anlässlich der Verleihung des Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises am 7. Mai 2026 im Liborianum in Paderborn
„Der Leuchtturm leuchtet/Gott sei Dank“
Sehr geehrter, lieber Herr Mohl, sehr geehrter, lieber Weihbischof Robert Brahm, sehr geehrte Mitglieder der Jury, liebe Frau Dr. Lexe, sehr geehrte Frau Wegmann, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Katholischen Öffentlichen Büchereien, liebe Gäste, meine sehr geehrten Damen und Herren,
eine Ehre und eine Freude, dass der Katholische Kinder- und Jugendbuchpreis 2026 in Paderborn verliehen wird! Seien Sie alle sehr herzlich willkommen hier im Liborianum!
Ein Preis für Kinder- und Jugendliteratur ist nie nur eine Auszeichnung für ein Buch und seinen Autor. Ich finde: Jugendliteratur auszuzeichnen – gerade auch ein Buch wie Engel der letzten Nacht – setzt auch ein Zeichen dafür, dass wir jungen Menschen etwas zutrauen: schwierige Fragen, starke Bilder, offene Enden, literarische Zumutungen — und die Hoffnung, dass Sprache, fiktive Gestalten und literarische Welten helfen, sich im Leben zu orientieren.
Lieber Nils Mohl, heute stehen Sie mit Ihrem Roman Engel der letzten Nacht im Mittelpunkt. Dazu gratuliere ich Ihnen von Herzen. Die Jury würdigt ein Buch, das sich nicht mit einfachen Antworten zufriedengibt. Ein Coming-of- Age-Buch – also an der Schwelle des Lebens, im Übergang einer verlorenen Arglosigkeit der Kindheit, einem noch nicht entdeckten Mut, sich mit der Hand an irgendeinem Geländer festzuhalten, welches das Leben anbietet. Ein Buch, das die Unterströmungen des Lebens erst entdeckt und verborgene Lebensfäden
Herausgeberin Dr. Beate Gilles Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz Redaktion Dr. Matthias Kopp (verantwortl.) Pressesprecher Kaiserstraße 161 53113 Bonn Tel.: +49 (0) 228 103 214 Fax: +49 (0) 228 103 254 E-Mail: pressestelle@dbk.de dbk.de facebook.com/dbk.de x.com/dbk_online youtube.com/c/DeutscheBischofskonferenz instagram.com/bischofskonferenz PRESSEMITTEILUNGEN DER DEUTSCHEN BISCHOFSKONFERENZ
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BISCHOFSKONFERENZ noch nicht zu verknüpfen weiß. Ein Buch über den schmalen Grat zwischen Abgrund und Hoffnung – und deshalb vielleicht nicht nur ein Jugendbuch.
Eine Nacht in Hamburg. Heimat unseres Autors. Rund um den Bunker in St. Pauli, mehr als ein Quartier. Mehr als eine geografische Angabe. Ein Ort genau dieses Grates zwischen Abgrund und Hoffnung. Und es zeigt: Manchmal entscheidet sich sehr viel an den Rändern, von denen Papst Franziskus immer gesprochen hat, in den „Peripherien“ an den Rändern von Milieu und Gesellschaft, in den Zwischenräumen der Beziehungen, die zunächst ganz zufällig erscheinen.
Ein katholischer Preis für ein Buch drückt ihm kein katholisches Siegel auf. Ihr Roman löst aber Resonanz aus – aus der Perspektive des Glaubens. Unser Glaube nimmt den Menschen ernst — gerade da, wo es dunkel wird. Christliche Hoffnung ist keine Vertröstung. Kein schneller Trost. Christliche Hoffnung schaut hin. Sie hält aus. Sie hat vor allem eine Vision davon, was Leben sein kann. Christliche Hoffnung spricht vom prallen Leben, von der Sehnsucht nach Glück, ohne den Schmerz zu überspringen.
In Ihrem Roman, lieber Herr Mohl, begegnen wir jungen Menschen in einem Moment, in dem die Zukunft nicht einfach offen und hell vor ihnen liegt. Nach dem Abitur, an einer Schwelle, wo eigentlich alles beginnen könnte, kann die Freiheit auch bedrohlich werden. Vielleicht ist das bei manchen jungen Leuten auch gerade jetzt im Frühjahr 2026 wieder so, wo so viele vor dem Abitur oder anderen Abschlussprüfungen stehen. Wer bin ich? Was wird aus mir? Werde ich gebraucht? Was bietet mir das Leben? Was mutet es mir zu? Solche leisen oder gar stimmlosen Fragen kann Literatur hörbar machen.
Engel der letzten Nacht nimmt nicht das Schwere aus dem Leben junger Leute heraus. Aber es gibt den Erfahrungen dieses Alters eine Sprache. Und wo Sprache entsteht, da entsteht immer auch Beziehung. Da ist ein Mensch nicht mehr allein mit dem, was ihn bedrängt. „Viel hat erfahren seit ein Gespräch wir sind/der Mensch“: das berühmte Wort von Hölderlin. Wie wahr!
Hier erkenne ich ein Sinngeflecht zwischen Literatur, Seelsorge und christlicher Hoffnung. Wir leben davon, dass Worte tragen können: ein gutes Wort, ein ehrliches Wort, ein Wort zur rechten Zeit, ein Wort, das nicht schont und gerade deshalb rettet. Nicht jedes Wort rettet. Aber ohne Worte bleiben Menschen oft eingeschlossen in sich selbst. Bücher können Türen öffnen. Sie können ein Gegenüber sein. Sie können jungen Leserinnen und Lesern sagen: Deine Fragen sind nicht falsch. Deine Dunkelheit ist nicht das Ende. Deine Geschichte ist noch nicht fertig erzählt. Wenn ich ein Buch zu Ende gelesen habe, brauche ich immer Zeit, bevor ich zum nächsten greifen kann. Ich bin oft noch nicht bereit für eine „neue Beziehung“, muss erst noch Abschied nehmen … Vielleicht kennen Sie das auch.
Ein Dank an die Jury des Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises. Unter dem Vorsitz von Weihbischof Robert Brahm haben Sie wieder mit viel Sachverstand, Gespür und mit
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BISCHOFSKONFERENZ Verantwortungsbewusstsein sondiert. Sie haben viele Bücher gelesen, beraten, gewichtet und am Ende ein Werk ausgezeichnet, das jungen Menschen viel zutraut und uns Erwachsenen ebenso.
Ein besonderer Gruß gilt auch Ihnen, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Katholischen Öffentlichen Büchereien. Sie bringen Bücher zu den Menschen. Sie schaffen Orte der Begegnung, oft mit großem ehrenamtlichem Einsatz. Sie wissen, dass Leseförderung mehr ist als Kulturarbeit. Sie ist Beziehungsarbeit. Sie ist Bildungsarbeit. Und sie ist manchmal auch Hoffnungsarbeit.
Ich danke allen, die diesen Abend vorbereitet haben: der Deutschen Bischofskonferenz, der Jury, der Pressestelle, den Verantwortlichen hier im Liborianum, der Moderation, der Musik, der Buchhandlung und allen, die vor und hinter den Kulissen dafür sorgen, dass diese Preisverleihung möglich wird.
Lieber Herr Mohl, ich wünsche Ihnen, dass diese Auszeichnung Ihr Buch zu vielen jungen Menschen bringt — und auch zu Erwachsenen. Denn Engel der letzten Nacht ist in einem guten Sinn ein Buch im Crossing-over: ein Jugendroman, der Leserinnen und Leser über Altersgrenzen hinweg erreicht; ein Buch, das uns erleben lässt, wie verletzlich, verwirrend und kostbar die Schwellenzeiten des Lebens sind. Ein Buch, das erzählt, was es heißt: ein Leben lang im eigenen Werden zu wohnen lernen …
Ich wünsche uns allen einen Abend, der uns lehrt, uns an Literatur — insbesondere Literatur für Kinder und Jugendliche — zu freuen.
Jemand hat mich aufmerksam gemacht auf ein Gedicht von Ihnen: Nachts am Meer. Da heißt es: „der Leuchtturm leuchtet/Gott sei Dank“. Ein gutes Bild für diesen Abend: Literatur als ein Licht, das nicht alles erklärt, aber Orientierung schenkt.
Herzlich willkommen zur Verleihung des Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises 2026.