Stadtrat Winterthur verabschiedet die städtische Wirtschaftsstrategie 2026; House of Winterthur setzt zentrale Maßnahmen um.

Muster Beschluss

Stadtrat

Protokollauszug vom 25.03.2026

Departement Präsidiales / Amt für Stadtentwicklung Städtische Wirtschaftsstrategie 2026 IDG-Status: teilweise öffentlich Beschluss-Nr.: 2026/366

Der Stadtrat hat beschlossen:

  1. Die städtische Wirtschaftsstrategie 2026, bestehend aus einem Folienset, einem Bericht und einer Kurzfassung gemäss Beilagen 1 – 3, wird verabschiedet.

  2. Die Departemente Präsidiales (Amt für Stadtentwicklung), Finanzen (Immobilien), Bau und Mobilität (Amt für Städtebau, Tiefbauamt), Sicherheit und Umwelt (Umwelt- und Gesundheits- schutz) werden beauftragt, die strategischen und flankierenden Massnahmen der Wirtschafts- strategie 2026 gemäss der bezeichneten Federführung umzusetzen sowie die Prüfmassnahmen zu bearbeiten und dem Stadtrat zum Entscheid vorzulegen.

  3. House of Winterthur wird in Übereinstimmung mit der Leistungsvereinbarung 2026 – 2029 ge- mäss bezeichneter Federführung mit der Umsetzung bestimmter Massnahmen der Wirtschafts- strategie 2026 beauftragt. Dabei arbeitet House of Winterthur eng mit dem Amt für Stadtentwick- lung zusammen.

  4. Die städtische Wirtschaftsstrategie wird alle vier Jahre überprüft. Das Amt für Stadtentwicklung aktualisiert und veröffentlicht im Rahmen des Wirtschaftsmonitorings die relevanten Indikatoren zum Wirtschaftsstandort.

  5. Die beiliegende Medienmitteilung wird verabschiedet. Ergänzend erfolgt eine zielgruppenspe- zifische Information relevanter Anspruchsgruppen.

  6. Dieser Beschluss wird mit Beilagen am 8. Mai 2026 veröffentlicht.

  7. Mitteilung an: Alle Departemente; Stadtkanzlei

  • 2 -

Vor dem Stadtrat

Der Stadtschreiber:

A. Simon

  • 3 - Begründung:
  1. Ausgangslage Die Stadt Winterthur verfügt als Wirtschafts- und Bildungsstandort über starke Standortfaktoren. Zu den zentralen Stärken zählen die hervorragende Erschliessung, der leistungsfähige Bildungs- und Forschungsstandort, die industrielle Tradition, die hohe Lebensqualität und die Nähe zum Wirtschaftsraum Zürich. Gleichzeitig hat sich der Standortwettbewerb in den letzten Jahren deut- lich verschärft, weshalb eine klare Positionierung und aktive Standortentwicklung an Bedeutung gewinnen. Besondere Potenziale bestehen für Winterthur dabei in technologieorientierten Berei- chen wie «Smart Engineering» und «Cleantech».

Neben diesen Chancen bestehen in Winterthur auch strukturelle Herausforderungen: Die Be- schäftigungsdichte stagniert trotz Bevölkerungswachstum und die demografische Entwicklung verschärft den Arbeitskräftemangel. Ferner ist die Zusammenarbeit zwischen den Wirtschaftsak- teur:innen noch zu wenig koordiniert, Zuständigkeiten in der Standortförderung sind nicht immer klar abgegrenzt und vorhandene Angebote sind für Unternehmen teilweise wenig sichtbar. Vor diesem Hintergrund hat die Wirtschaftsstrategie zum Ziel, die Standortstärken gezielt auszu- bauen und förderliche Rahmenbedingungen für Unternehmen, Innovation und Beschäftigung zu schaffen.

Die bisherigen wirtschaftspolitischen Grundlagen der Stadt Winterthur stammen aus unterschied- lichen Strategien und Instrumenten der Jahre 2008 bis 2018. Seither haben sich die wirtschaftli- chen Rahmenbedingungen und der Standortwettbewerb deutlich verändert. Vor diesem Hinter- grund und angesichts der zentralen Bedeutung der Wirtschaft für Wertschöpfung, Beschäftigung und die finanzielle Leistungsfähigkeit der Stadt, hat der Stadtrat die Wirtschaftsstrategie als eine der zehn städtischen Kernstrategien festgelegt. Das Departement Präsidiales / Amt für Stadtent- wicklung wurde mit der Erarbeitung der Wirtschaftsstrategie 2026 beauftragt, mit dem Ziel, die bestehenden Grundlagen zu aktualisieren, zu bündeln und eine klare strategische Ausrichtung für die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes zu schaffen (SR.24.436-1).

  1. Erarbeitung Wirtschaft ist ein ausgeprägtes Querschnittsthema mit unterschiedlichen Aspekten, die in der Stadt von verschiedenen Departementen und Verwaltungsbereichen bearbeitet werden. Vor die- sem Hintergrund wurde die Wirtschaftsstrategie 2026 unter der Leitung des Amts für Stadtent- wicklung von einem departementsübergreifenden Projektteam erarbeitet und eng durch einen Steuerungsausschuss begleitet, der sich aus den Stadtratsmitgliedern Michael Künzle, Kaspar Bopp und Christa Meier zusammensetzt.
  • 4 - Die Inhalte sowie die Zwischenergebnisse wurden zudem mehrmals in Stadtratssitzungen prä- sentiert und diskutiert. Ergänzend dazu hat eine externe Begleitgruppe, bestehend aus unter- schiedlichen Akteur:innen des Wirtschaftsstandortes, die Inhalte der Wirtschaftsstrategie 2026 zwei Mal aus unterschiedlicher Perspektive gespiegelt.
  1. Neue städtische Wirtschaftsstrategie 2026 3.1 Zweck, Struktur und Produkte Die Wirtschaftsstrategie 2026 hat den Zweck, aktuelle und künftige Herausforderungen des Wirt- schaftsstandortes sowie die vielfältigen Bedürfnisse der Unternehmen und der Bevölkerung ge- zielt aufzugreifen. Sie verfügt über eine klare strategische Ausrichtung und bietet den Akteur:in- nen des Wirtschaftsstandortes damit Orientierung.

Die städtische Wirtschaftsstrategie 2026 definiert eine übergeordnete Ambition und strategische Ziele. Darauf aufbauend formuliert sie vier Handlungsfelder, welche konkrete Massnahmen bein- halten. Jede Massnahme ist einer verantwortlichen Einheit zugeordnet und besitzt einen Umset- zungshorizont. Darüber hinaus stellt sie Querbezüge zu anderen städtischen Strategien und Pla- nungsinstrumenten her.

Die städtische Wirtschaftsstrategie 2026 besteht aus drei kongruenten Produkten:

Folienset (Beilage 1): Umfassende Darstellung der Wirtschaftsstrategie 2026 mit Massnah- menbeschrieben im Anhang. Dieses Folienset dient primär der Stadtverwaltung als Richt- schnur für die Umsetzung.

Bericht (Beilage 2): Ausformulierter, in sich abgeschlossener Beschrieb der wichtigsten In- halte der Wirtschaftsstrategie 2026. Der Bericht richtet sich primär an stadtexterne Personen, welche die gesamte Strategie in Berichtsform lesen und deren Zusammenhänge besser ver- stehen möchten.

Kurzfassung (Beilage 3): Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen der Wirtschaftsstra- tegie 2026 auf zwei Seiten. Die Kurzfassung richtet sich vor allem an Personen ausserhalb der Stadtverwaltung, die einen kompakten Gesamtüberblick über die Strategie wünschen.

3.2. Ambition und Handlungsfelder Die übergeordnete Zielsetzung der Wirtschaftsstrategie 2026 ist als Ambition formuliert: Die Stadt Winterthur stärkt gemeinsam mit relevanten Akteur:innen und dienstleistungsorien- tiert die Wirtschaft. Sie baut dabei auf Stärken auf, positioniert den Wirtschaftsstandort als In- novations- und Technologieökosystem und schafft damit die Grundlage, um nachhaltig Ar- beitsplätze in zukunftsrelevanten Themen zu halten und zu schaffen.

  • 5 - Aus der Ambition ergeben sich die folgenden vier Handlungsfelder, die jeweils eine strategische Zielsetzung verfolgen (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Die vier Handlungsfelder der Wirtschaftsstrategie 2026

Handlungsfeld «Standortfaktoren stärken»: Ausgehend von guten, aber weiterzuentwickeln- den Standortfaktoren zielt dieses Handlungsfeld darauf ab, Rahmenbedingungen zu sichern und auszubauen, um die wirtschaftliche Entwicklung zu unterstützen. Strategische Zielsetzung: Die Stadt Winterthur nutzt die Stärken des Wirtschaftsstandorts, um das Potenzial zukunftsrelevanter und grüner Technologien strategisch zu erschliessen.

Handlungsfeld «Technologieübergreifendes Innovationsökosystem aufbauen»: Aufbauend auf bestehenden technologischen Stärken soll dieses Handlungsfeld die Zusammenarbeit, den Wissenstransfer und die Innovationskraft systematisch stärken. Strategische Zielsetzung: Die Stadt Winterthur hat sich durch den Aufbau eines technologieüber- greifenden Innovationsökosystems als führender Innovationsstandort der Schweiz im Technolo- giebereich etabliert.

Handlungsfeld «Arbeitsplätze halten und schaffen»: Vor dem Hintergrund stagnierender Be- schäftigungsdichte, wachsender Bevölkerung und zunehmenden Fachkräftebedarfs zielt dieses Handlungsfeld darauf ab, Arbeitsplätze in zukunftsrelevanten Themen zu sichern und auszu- bauen. Strategische Zielsetzung: Die Stadt Winterthur erhöht die Anzahl Arbeitsplätze in zukunftsrele- vanten Themen im Verhältnis zur Wohnbevölkerung und generiert damit ein nachhaltiges Arbeits- platzwachstum.

  • 6 - Handlungsfeld «Zusammenarbeit, Angebote und Prozesse vorantreiben»: Angesichts bis- lang teilweise unklarer Zuständigkeiten und begrenzter Abstimmung zwischen Akteur:innen des Wirtschaftsstandortes soll dieses Handlungsfeld die Kooperation stärken sowie Dienstleistungen und Prozesse stärker bündeln und auf die Bedürfnisse der Wirtschaft ausrichten. Strategische Zielsetzung: Die Stadt Winterthur stärkt die Wirtschaft gemeinsam mit relevanten Akteur:innen und unterstützt sie mit dienstleistungsorientierten Angeboten.

3.3. Massnahmen Zur Erreichung der gesetzten Ziele sind jedem der vier Handlungsfelder mehrere Massnahmen zugeordnet. Insgesamt umfasst die vorliegende Wirtschaftsstrategie 22 Massnahmen (vgl. Abbil- dung 2).

Abbildung 2: Strategische Zielsetzungen und Massnahmen Wirtschaftsstrategie 2026 entlang der vier Handlungsfelder

Die Massnahmen sind in drei Kategorien unterteilt:

  • Strategische Massnahmen, wie beispielsweise die Profilierung und Entwicklung bestehender Wirtschaftsflächen, sind für die Zielerreichung unmittelbar entscheidend.

  • Flankierende Massnahmen, wie beispielsweise das Einbringen wirtschaftlicher Themen und Anliegen in städtische Führungsgremien und Strategien, wirken nicht direkt auf die Zielerrei- chung hin, stellen jedoch wichtige Arbeitsinstrumente und Grundlagen dar.

  • Prüfmassnahmen, wie beispielsweise die Prüfung innovativer Massnahmen zur Ansiedlungs- förderung, erfordern zunächst eine Auslegeordnung und gegebenenfalls vertiefte Abklärungen und enthalten noch keine konkreten Umsetzungsvorschläge.

  • 7 - Die strategischen und flankierenden Massnahmen werden im Rahmen der Wirtschaftsstrategie 2026 vom Stadtrat verabschiedet und im definierten Zeitraum umgesetzt. Bei den Prüfmassnah- men sind nach einer umfassenden Bestandsaufnahme und erforderlichen weitergehenden Ab- klärungen die Ergebnisse dem Stadtrat zum Entscheid vorzulegen.

  1. Umsetzung Für jede der 22 Massnahmen wurde ein Massnahmenblatt erarbeitet, das einen Beschrieb mit den wichtigsten Umsetzungsschritten, die Verantwortlichkeit (federführende und miteinbezogene Verwaltungseinheiten) und den Zeithorizont für die Umsetzung beinhaltet (vgl. Beilage 1, An- hang). Der gesamte Massnahmenkatalog soll innert vier Jahren (2026 bis 2029) umgesetzt wer- den. Die Umsetzung erfolgt in drei aufeinander aufbauenden Phasen. In der ersten Phase werden die Grundlagen für die Umsetzung der Wirtschaftsstrategie geschaffen («Grundlagen etablie- ren»), insbesondere durch die Profilierung bestehender Wirtschaftsflächen, die Ausrichtung von Bestandspflege und Ansiedlung sowie die Erarbeitung einer Marketingstrategie. In der zweiten Phase werden gemeinsame Strukturen für die Zusammenarbeit der relevanten Akteurinnen und Akteure aufgebaut («Gemeinsam Strukturen schaffen»), indem bestehende Strukturen weiterent- wickelt, neue geprüft und Lösungen unter anderem für Mobilität, Kreislauffähigkeit sowie Startup- Förderung erarbeitet werden. Darauf aufbauend steht in der dritten Phase die Skalierung der Innovation im Vordergrund («Innovation skalieren»), mit Fokus auf dem Ausbau des Innovati- onsökosystems, der Unterstützung von Startups, einer aktiven Bodenpolitik sowie der Weiterent- wicklung wirtschaftsrelevanter Angebote, Prozesse und Verfahren. Die zeitliche Staffelung der Phasen sowie die Zuordnung der einzelnen Massnahmen sind in der Umsetzungsroadmap dar- gestellt (siehe nachfolge