NRW fordert Mutterschutz 2.0 für Selbstständige in Berlin; Ergebnisse der Machbarkeitsstudie Juli 2026

Mutterschutz 2.0: Selbstständig, schwanger, abgesichert | Wirtschaft NRW

Mutterschutz 2.0: Selbstständig, schwanger, abgesichert

Ministerin Neubaur: Wir lassen nicht locker, denn wir können uns strukturelle Benachteiligung von Frauen ökonomisch nicht mehr leisten

Jährlich bekommen rund 27.000 selbstständig erwerbstätige Frauen in Deutschland ein Kind – ohne den Schutz, den Angestellte zurecht und selbstverständlich genießen.

Selbstständige Frauen und Unternehmerinnen leisten einen unverzichtbaren Beitrag für unsere Wirtschaft – doch bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf stehen sie vor besonderen Herausforderungen: Denn der gesetzliche Mutterschutz greift für sie bislang nicht. Nordrhein-Westfalen macht weiter auf die Situation von selbstständigen Frauen aufmerksam. Unnötiger Druck und finanzielle Nachteile rund um Schwangerschaft und Geburt müssen ausgeglichen werden und ein zeitgemäßer Mutterschutz für Selbstständige muss gesetzlich verankert werden.

Mona Neubaur, Stellvertretende Ministerpräsidentin:„Frauen machen die Hälfte der Gesellschaft aus – aber beim Mutterschutz werden selbstständige Frauen bis heute behandelt, als wären sie eine Randgruppe. Das ist nicht nur ungerecht, es ist ökonomisch zu kurz gedacht. Schwangerschaft darf kein Berufsrisiko sein. NRW hat geliefert: Bundesratsinitiative, wissenschaftlich fundierte Machbarkeitsstudie, eine breite Allianz aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Jetzt ist Berlin dran. NRW lässt nicht locker. Gemeinsam setzen wir uns beim Bund für eine echte Gleichberechtigung für alle ein – konstruktiv in der Zusammenarbeit, klar in der Sache.“

Auf Basis einer vom Land finanzierten Machbarkeitsstudie hat sich auch der Westdeutsche Handwerkskammertags (WHKT) positioniert und konkrete Vorschläge für eine bürokratiearme Unterstützung für schwangere Unternehmerinnen vorgelegt. Im Zentrum steht eine einmalige, pauschale Lohnersatzleistung während der Mutterschutzfrist.

Dr. Florian Hartmann, Hauptgeschäftsführer des Westdeutschen Handwerkskammertages:„Mit dem Modell eines flexiblen Mutterschaftsausgleichs für Selbstständige bringen wir einen konkreten Lösungsvorschlag in die politische Diskussion zur Absicherung von selbstständigen Frauen während der Schwanger- und Mutterschaft ein. Selbstständige Frauen können während der Mutterschutzfristen durch einen pauschalen finanziellen Ausgleich bei der Abdeckung laufender Kosten sowie bei Verdienstausfällen unterstützt werden. Die Leistungen können je nach individuellem Bedarf auch erweitert werden. Denn: Frauen sollen sich nicht zwischen ihrer Selbstständigkeit und ihrer Familienplanung entscheiden und eine davon zugunsten der anderen zurückstellen müssen.“

Johanna Röh, Vorsitzende des Vereins „Mutterschutz für Alle!“ e.V.:„Dass Nordrhein-Westfalen das Thema jetzt so deutlich aufgreift, ist ein wichtiges Signal. Für viele selbstständige Frauen ist eine Schwangerschaft bislang ein kaum kalkulierbares finanzielles Risiko – mit Auswirkungen auf Gründungen, Wachstum und Familienplanung. Wer langfristig mehr Frauen für die Selbstständigkeit gewinnen und halten will – gerade mit Blick auf Unternehmensnachfolge und den Fachkräftemangel – muss verlässliche Strukturen bei der Vereinbarkeit schaffen. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten ist das gezielte Wirtschaftspolitik mit großer Wirkung.“

In Deutschland sind Selbstständige bislang nicht durch einen verlässlichen gesetzlichen Mutterschutz abgesichert. Nordrhein-Westfalen hat schon im März 2024 eine entsprechende Initiative in den Bundesrat eingebracht, die dort im April 2024 eine breite Mehrheit fand. Parallel dazu fördert das Wirtschaftsministerium eine Machbarkeitsstudie des WHKT mit wissenschaftlicher Begleitung durch das Institut für Mittelstandsforschung Bonn. Ergebnisse werden im Juli 2026 vorgestellt.

Mit der Veranstaltung „Mutterschutz 2.0 – selbstständig, schwanger, abgesichert“ in Berlin hat das NRW-Wirtschaftsministerium Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammengebracht, um konkrete Umsetzungswege zu beraten.