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title: "MSF berichtet neue Gewaltwelle in Ituri, Bule (östlich Fataki); 920.000 Vertriebene"
sdDatePublished: "2026-05-11T09:07:00Z"
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MSF berichtet neue Gewaltwelle in Ituri, Bule (östlich Fataki); 920.000 Vertriebene

DR Kongo: Neue Gewaltwelle in Ituri verschärft humanitäre Krise | Ärzte ohne Grenzen (MSF)

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DR Kongo: Neue Gewaltwelle in Ituri verschärft humanitäre Krise

Seit die Kämpfe zwischen der Convention for the Popular Revolution (CRP) und den Streitkräften der Demokratischen Republik Kongo (FARDC) Ende 2025 wiederaufflammten, hat sich die Sicherheitslage in Ituri drastisch verschlechtert. Die Region ist seit Jahren durch wiederkehrende Gewalt geprägt – und geschwächt. In den letzten drei Monaten wurde die Stadt Bule östlich von Fataki zum Hauptschauplatz von Kampfhandlungen. Den Preis dafür zahlt die Zivilbevölkerung: Menschen werden beschuldigt, bewaffneten Gruppen anzugehören, oder direkt angegriffen. Zwischen Dezember 2025 und März 2026 wurden mindestens 40 Menschen getötet und 42 verletzt.

Auf der Flucht unter Beschuss geraten

Ich war zu Hause, als in meiner direkten Umgebung heftige Schüsse zu hören waren. Bevor ich die Flucht ergriff, befreite ich meine Tiere und schnitt mit einer Machete Bananenblätter ab, damit sie etwas zu fressen hatten. Bewaffnete Männer erwischten mich mit der Machete und hielten mich für einen Kämpfer. Die Situation eskalierte. Sie schossen wild auf mich und verletzten mein Knie schwer.

Auch Augustine, die bereits im Vertriebenencamp Doudou in Bule ums Überleben kämpfte, musste sich mit ihrem Sohn vor den Schüssen in Sicherheit bringen.

«Während der Flucht wurde ich von einer Kugel am Bein getroffen», erinnert sie sich. «Auch mein Sohn wurde verletzt. Unter Schmerzen hob ich ihn auf meinen Rücken. So gingen wir immer weiter – teilweise kroch ich auf allen Vieren. Unterwegs halfen mir Leute und brachten mich ins Gesundheitszentrum Salama im Vertriebenencamp Plaine Savo.»

Zivilpersonen dürfen in Ituri niemals zur Zielscheibe werden. Also auch in Bule nicht. Dennoch behandeln unsere Teams täglich Männer, Frauen und Kinder mit Gewaltverletzungen.

Der Schutz der Bevölkerung hat oberste Priorität. Während die Konfliktparteien laut um sich schiessen, nimmt das Leid zu; still und dennoch unüberhörbar. Wir fordern alle involvierten Parteien auf, Zivilpersonen unter allen Umständen zu schützen.

Massive Vertreibung und ein Gesundheitssystem unter Druck

Ituri kämpft mit einer schweren humanitären Krise. Gemäss dem UNO-Amt für die Koordination humanitärer Angelegenheiten (OCHA) sind mehr als 920 000 Personen in der Provinz vertrieben. Allein im ersten Quartal 2026 wurden über 100 000 Menschen zur Flucht gezwungen.

Viele von ihnen suchen Zuflucht in Gebieten wie Plaine Savo nahe Fataki, wo der Zugang zu medizinischer Versorgung stark eingeschränkt ist. Die Hygienebedingungen sind katastrophal; Cholera und Durchfallerkrankungen sind weit verbreitet.

Menschen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, erhalten oft keine angemessene Versorgung. Die ohnehin anfälligen Gesundheitseinrichtungen sind überlastet, ausser Betrieb oder ganz geschlossen. In der Gesundheitszone Fataki wurden sieben von 14 Zentren geschlossen und in Camps in Plaine Savo verlegt. Die verbleibenden Einrichtungen arbeiten trotz Kämpfen, Unsicherheit und schwindendem Personal weiter.

Mitte Februar 2026 entsendeten wir ein Team, um auf die dringenden medizinischen Bedürfnisse in Plaine Savo und Umgebung zu reagieren. Die Aktivitäten umfassen medizinische Grundversorgung sowie die Behandlung von Menschen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben. Bisher wurden mehr als 10 000 Konsultationen durchgeführt, hauptsächlich wegen Durchfallerkrankungen, Mangelernährung, Atemwegsinfektionen und Magen-Darm-Erkrankungen. Auch behandelten wir rund 30 Betroffene sexualisierter Gewalt.

Im Spital Fataki arbeiten wir mit den lokalen Gesundheitsbehörden zusammen. Dort unterstützen wir die Unfallchirurgie und die Ernährungsabteilung und setzen uns für die Infektionsprävention und -kontrolle ein. Massnahmen in den Bereichen Wasser, Hygiene und Sanitärversorgung zielen darauf ab, die Sicherheit und Qualität der Pflege zu verbessern.

Selbst mit unserer Unterstützung bleibt der Zugang zur Gesundheitsversorgung stark eingeschränkt. Besonders nachts wird es aufgrund der anhaltenden Unsicherheit gefährlich. Viele Menschen wagen sich kaum noch nach draussen. Umso dringender braucht es einen humanitären Korridor, damit die Bevölkerung sicheren Zugang zu lebenswichtigen Dienstleistungen erhält – etwa zu medizinischer Versorgung, Wasser und Nahrung.

Mangel an humanitärer Hilfe verschärft die Krise zusätzlich

Die Krise in Fataki beeinträchtigt nicht nur die Gesundheit der Menschen, sondern ihren ganzen Alltag. Viele finden kaum noch Nahrung, Wasser, Unterkunft oder Schutz. Die anhaltende Unsicherheit und die instabile Lage verhindern, dass Hilfe ankommt. In mehreren Teilen Ituris, auch in Fataki, mussten Organisationen ihre Arbeit einstellen. Dadurch bleiben Hunderttausende ohne Unterstützung.

Wir haben es sehr schwer, weil es kaum etwas zu Essen gibt. Auf die Felder gehen ist zu gefährlich: Von morgens bis abends wird geschossen; Menschen sterben. Am dringendsten brauchen wir Nahrung. Geld ist im Moment Nebensache. Wenn jetzt Lebensmittel verteilt würden, würde das den Menschen hier sehr helfen.

Vertriebene Familien leben unter extremen Bedingungen. Oft fehlt es an Lebensmitteln und grundlegenden Leistungen. Sauberes Trinkwasser und sanitäre Einrichtungen sind knapp. Dadurch steigt das Risiko von Krankheitsausbrüchen.

Zudem fehlt es an internationaler Finanzierung. Das schränkt die Hilfe zusätzlich ein, während die Lage sich weiter verschlechtert.

«Ärzte ohne Grenzen leistet nach wie vor medizinische Nothilfe. Doch das Ausmass der Krise übersteigt unsere Kapazitäten», sagt Groulx. «Es braucht umgehend zusätzliche Hilfe in den Bereichen Gesundheit, Ernährung, Wasser und Sanitäranlagen. Zudem muss der Zugang zu den betroffenen Gemeinschaften gewährleistet sein. Ansonsten wird sich die Situation noch verschärfen. Wir rufen die kongolesischen Behörden und alle humanitären Organisationen in der Region dringend auf, ihre Unterstützung sofort hochzufahren.»

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