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title: "Herzogin Anna Amalias Porträt im Weimarer Residenzschloss; Originalmalerei fast vollständig erhalten"
sdDatePublished: "2026-05-11T09:52:00Z"
source: "https://publikationen.klassik-stiftung.de/servlets/MCRFileNodeServlet/ksw_derivate_00001095/18_Verbrannt_unbesch%C3%A4digt%20_Klassisch_modern_Ausgabe_2026.pdf"
topics:
  - name: "visual arts"
    identifier: "medtop:20000031"
  - name: "restoration"
    identifier: "medtop:20000242"
locations:
  - "Dresden"
  - "Weimar"
  - "Ilmenau"
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Herzogin Anna Amalias Porträt im Weimarer Residenzschloss; Originalmalerei fast vollständig erhalten

Verbrannt
und unbe-
schädigt
Text:
Anne Levin, Cornelia Irmisch
Die verborgene
Malerei der
Barbara Rosina
de Gasc
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klassisch modern
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1774 brennt das Weimarer Residenzschloss, und mit Mühe und
Not entkommt Herzogin Anna Amalia den Flammen. Die Gemäl-
degalerie verbrennt, drei Cranachs werden noch in den Schloss-
graben geworfen, unzähliges anderes an Mobiliar, Stoffen und
Kunstwerken verbrennt oder wird schwer beschädigt geborgen.
So und nicht anders musste es dem großformatigen
Porträt der Herzogin mit ihren beiden Söhnen ergangen sein,
einem prächtigen Beispiel adliger Porträtmalerei: Auf dem stolze
2,70 × 2,30 Meter messenden Gemälde präsentiert sich die Her-
zogin in einer prachtvollen lachsfarbenen Robe auf einem Sessel
sitzend, während sich an ihrer rechten Seite Erbprinz Carl August
lässig anlehnt, bereit, das Dokument in ihrer Hand und damit die
Regierungsgeschäfte zum Zeitpunkt seiner Volljährigkeit zu er-
greifen. Der nachgeborene Friedrich Ferdinand Constantin wen-
det sich indes einem Tasteninstrument und den darauf liegenden
Noten zu. Das repräsentative Gemälde musste ein Opfer von
Flammen geworden sein, denn alte Zustandsberichte bestätigen,
was ein flüchtiger Blick sofort erfasste: eine stark gedunkelte Ma-
lerei mit Runzelungen, Blasen, gerissene und gesprungene Far-
be, alles typische Folgen von Hitzeeinwirkung und Rußbildung.
Da so ein Format typischerweise für Schlossräume gedacht war,
schien der Fall klar.
Was Feuer einmal zerstört hat, ist nie wieder rückgängig
zu machen, und Runzelungen, Verbräunungen und Risse würden
auch bei einer Restaurierung nicht wieder verschwinden. Oben-
drein war auch mechanischer Schaden an der Malerei sichtbar,
und der wurde in der Vergangenheit immer wieder unsachgemäß
und nach heutigen Maßstäben plump bearbeitet – Anna Amalias
Nase und ihr rechter Arm erschienen unbeholfen und grob
 rekonstruiert. Eine Randnotiz zum Gemälde aus den 1960er-
Jahren berichtet außerdem von „Vandalismus mit typischen
 Kosakenschäden“ – ominös und rätselhaft: Was sollen Kosaken,
 Reiterkrieger im Dienst der Armee des russischen Zaren reichs,
 typischerweise an Schaden angerichtet haben? Weitere Infor­
mationen fehlten oder waren unzusammenhängend. „ Altbestand
Jagdhaus Gabelbach“ sagten museale Unterlagen, ohne weitere
Erklärung – reichlich wenig Information also für ein prächtiges
Format mit wortwörtlichem großem Auftritt.
Um es wieder präsentabel zu machen, sollte die origina-
le Substanz des Gemäldes gesichert, Überarbeitungen entfernt
sowie der Geschichte des Gemäldes auf die Spur gegangen wer-
den – zumindest eine vage Verbesserung im Erscheinungsbild
war zu erwarten. Den Auftrag erhielten die Dresdner Diplom-Res-
tauratorin Sonja Bretschneider und ihre Kollegin Claudia Hart-
wich. Es folgte eine Überraschung: Probeweise Abnahmen der
Übermalungen zeigten nicht die erwarteten Schadstellen, son-
dern eine weitgehend intakte Farbschicht. Und das war kein Zu-
fall – je mehr testweise abgenommen wurde, desto mehr Intaktes
kam zum Vorschein. Was außerdem nach Brandblasen auf der
Oberfläche ausgesehen hatte, entpuppte sich stattdessen als
schlecht ausgeführte Kittung. Auch sie deckte eine intakte Mal-
schicht ab. Im Laufe der Bearbeitung zeigte sich, dass diese ur-
sprüngliche Malerei detaillierter, sorgfältiger und graziler wirkte
und dass das Bild nahezu vollständig übermalt worden war –
ziemlich überraschend also für etwas, was erst ein Brand und
dann Kosaken ruiniert haben sollten.
Um jetzt sicherzugehen und tatsächlich nichts zu be-
schädigen, wurde der Zustand der originalen Malerei ermittelt,
um Risiko und Aufwand für eine Abnahme der flächendeckenden
Übermalung zu bewerten. Mit Röntgenstrahlen drang der Blick
unter die Oberfläche, Proben zeigten unter dem Mikroskop, wie
die Farbschichten übereinanderlagen – und das ließ aufatmen:
Die Fehlstellen der originalen Malerei waren so kleinteilig, dass
sie problemlos ergänzt werden konnten. Zudem fanden sich kei-
ne Hinweise auf Vandalismus, auch nicht im Bereich von Gesicht
und Arm Anna Amalias. Die Entscheidung fiel, die originale Ma-
lerei freizulegen – und sie wurde nicht bereut:
Tatsächlich waren alle Schäden auf unprofessionelle Be-
handlung über die Zeiten hinweg zurückzuführen. Das Gemälde
war in der Vergangenheit abgespannt, gefaltet und unsachge-
mäß gelagert worden. Schließlich wurde es zu einem unbekann-
ten Zeitpunkt fast vollständig übermalt. Warum und in wessen
Namen bleibt aber im Dunkeln.
Nur wenige Archiveinträge werfen Licht auf die Ge-
schichte des Werkes, so ein Rechnungseintrag in der privaten
Schatulle Herzogin Anna Amalias – sie hatte das Porträt also aus
eigener Kasse bezahlt und drei Monate vor dem Schlossbrand,
im Februar 1774, abgerechnet. Danach verliert sich die Spur und
erst bei der Einrichtung des neuen Jagdrefugiums Herzog Carl
Augusts – des Jagdhauses Gabelbach – taucht es im Jahr 1783
zwischen Tischen, Stühlen, Leuchtern und anderen Alltagsge-
genständen wieder auf. Anlass war der Besuch von Prinz Karl von
Sachsen, Herzog von Kurland, im Herbst 1783 zur Jagd und zum
diplomatischen Gespräch. Jahrzehntelang befand es sich dann
in einer Forstmeisterwohnung in Ilmenau, bevor es zu einem un-
bekannten Zeitpunkt wieder im Saal des Jagdhauses aufgehängt
wurde und anschließend in Vergessenheit geriet. Erst im Weima-
rer Kulturstadtjahr 1999 rückte das Gemälde wieder ins Blickfeld;
der Bildzustand war besorgniserregend, nur notdürftig wurde die
Oberfläche gereinigt und das Gemälde im Schloss gezeigt. Die
Geschichte dahinter war verloren – und niemand hätte geahnt,
dass ein intaktes Meisterwerk darauf wartet, freigelegt zu wer-
den. „Es war, als hätten wir sie befreit“, sagt Sonja Bretschneider
heute. „Schicht für Schicht kam eine Frau zum Vorschein, die nie
ganz verschwunden war.“
2026 wird das Porträt zum ersten Mal seit 250 Jahren
wieder in seinem ursprünglichen Zustand zu sehen sein – das
Porträt einer selbstbewussten Malerin für eine selbstbewusste
Herrscherin. Und was die Kosaken eigentlich mit dem Gemälde
gemacht haben – erfahren Sie in der Ausstellung!
Schicht um Schicht übertüncht: Detail einer Fehlstelle in der Malschicht,
die großzügig weiß und erhaben überkittet wurde
Eine Herzogin mit Fehlstellen:
Röntgenaufnahme des Gemäldes
Anna Amalia und Söhne
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Verbrannt und unbeschädigt