Handwerkskammer Ulm 230 ausländische Berufsabschlüsse anerkannt Ulmer Kammergebiet; 1.300 seit 2020 integriert

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Integration ausländischer Fachkräfte ist zentraler Baustein im Handwerk

Immer mehr Betriebe im Gebiet der Handwerkskammer Ulm setzen auf qualifizierte Zuwanderung – Hürden bei Anerkennung und Einwanderung weiter absenken

Ausländische Fachkräfte gewinnen für die rund 21.000 Handwerksbetriebe zwischen Ostalb und Bodensee immer weiter an Bedeutung. Um die Versorgung der Menschen vor Ort mit Handwerksleistungen zu sichern und den hohen Personalbedarf zu decken, setzen Betriebe zunehmend auf qualifizierte Handwerkerinnen und Handwerker, die im Ausland ausgebildet wurden. Im vergangenen Jahr konnten so beispielsweise im gesamten Ulmer Kammergebiet 230 ausländische Berufsabschlüsse anerkannt werden. Auch im aktuellen Jahr sind bereits 60 Berufsanerkennungsverfahren positiv abgeschlossen worden. Seit 2020 wurden insgesamt rund 1.300 ausländische Fachkräfte durch diese Verfahren in das regionale Handwerk integriert. Dazu sagt Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm: „Wir sind auf Zuwanderung angewiesen, denn ohne diese Menschen werden wir den sich verschärfenden Fachkräftebedarf nicht in den Griff bekommen. Qualifizierte Handwerkerinnen und Handwerker aus dem Ausland nehmen uns keine Arbeitsplätze weg. Sie sichern die Versorgung mit handwerklichen Dienstleistungen und Produkten.“

Bedarf in Betrieben wächst – Ruf nach schnelleren VerfahrenUm Betrieben die Integration ausgebildeter Fachkräften aus dem Ausland zu erleichtern, sollten aus Sicht der Ulmer Kammer die Hürden für Zuwanderung weiter abgesenkt werden. „Auch wenn sich in den letzten Jahren bereits einiges getan hat: Die Zuwanderungsverfahren müssen schneller und einfacher werden. Unsere Betriebe brauchen diese Fachkräfte. Der Bedarf ist jetzt schon hoch und wird in den kommenden Jahren weiter steigen. Die Integration ausländischer Arbeitskräfte ist ein zentraler Baustein im regionalen Handwerk“, so Mehlich. Besonders häufig kommen die zugewanderten Handwerkerinnen und Handwerker aus Bosnien und Herzegowina, Serbien, dem Kosovo und der Türkei. Interesse an einer Arbeit in Deutschland zeigen vor allem ausgebildete Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik, Kraftfahrzeugmechatroniker, Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, sowie Friseure.

Die Handwerkskammer Ulm prüft, ob Berufsabschlüsse anerkannt werden können. Dabei werden die theoretischen und praktischen Inhalte ausländischer Bildungsabschlüsse mit den deutschen Abschlüssen verglichen. Damit werden die handwerklichen Qualitätsstandards der Gesellen- und Meisterbriefe gewahrt und gleichzeitig können bereits erworbene Fähigkeiten genutzt und ergänzt werden. Kann der Abschluss eines ausländischen Handwerkers nur teilweise anerkannt werden, folgt eine sogenannte Anschlussqualifizierung. Diese kann in einem Betrieb oder im Rahmen einer überbetrieblichen Ausbildung an der Bildungsakademie der Handwerkskammer stattfinden.

Über das FachkräfteeinwanderungsgesetzDas Fachkräfteeinwanderungsgesetz hat den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt für beruflich qualifizierte Fachkräfte aus Drittstaaten seit März 2020 erleichtert. Zwischen gesetzlicher Öffnung und betrieblichem Alltag liegen jedoch nach wie vor viele Hürden. Dem deutschen Handwerk fehlen derzeit schätzungsweise bis zu 250.000 Fachkräfte. Besonders betroffen sind das Elektro-, SHK- und Metallhandwerk.

Neue Informationspflicht bei der Anwerbung internationaler FachkräfteSeit 2026 gilt eine neue Informationspflicht für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die Fachkräfte aus Staaten außerhalb der Europäischen Union (Drittstaatenangehörige) anwerben. Das Gesetz verpflichtet Arbeitgeber, die Fachkräfte aus Drittstaaten anwerben, umfassend und verständlich über wesentliche Aspekte des Aufenthalts und der Beschäftigung in Deutschland zu informieren. Zudem besteht seit Jahresbeginn die Pflicht, auf die Möglichkeit einer unentgeltlichen Information oder Beratung zu arbeits- und sozialrechtliche Fragen durch das Programm „Faire Integration“ hinzuweisen.