Papst in Rom als Sprecher der Christenheit Würzburg; kein Konsens über Papst als Sprecher der Christenheit
Kirchenvertreter: Papst als Sprecher aller Christen kaum vorstellbar - katholisch.de
Kirchenvertreter: Papst als Sprecher aller Christen kaum vorstellbar
Würzburg‐ Auch wenn Papst Leo XIV. zuletzt weltweit stark wahrgenommen und seine Aussagen vielfach begrüßt wurden – als Sprecher der gesamten Christenheit können ihn sich andere Kirchen nur schwer vorstellen.
Der Papst in Rom könnte ein Sprecher der gesamten Christenheit sein – es könnte aber auch jemand anderes sein, der von den Kirchen dazu gemeinsam bestimmt würde. Auf diesen Nenner konnten sich Vertreter verschiedener Kirchen am Freitag bei einer Diskussion auf dem Katholikentag in Würzburg einigen. Ausgangspunkt war die Frage: “Der Bischof von Romals Sprecher der Christenheit?”
Auch wenn Päpste wie Franziskus und Leo XIV. etliches zu Menschenrechten, Schöpfung oder persönlichem Glauben gesagt und geschrieben hätten, dem Christen anderer Konfessionen zustimmen können, müsse ein überkonfessioneller Sprecher vor allem grundsätzlich akzeptiert und legitimiert sein, mahnte deranglikanische Priester Christopher Easthill, derzeit Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland. Die öffentliche Wahrnehmung einer Person sei sicher größer als die einer Institution.
Aus orthodoxer Sicht sei die Frage nach dem Papstamt die sensibelste ökumenische Frage, betonte die orthodoxe Theologin Yauheniya Danilovich. “Orthodoxe haben kein Problem damit, dass es einen Ersten gibt.” Strittig sei aber, wie er sein Amt ausübt, vor allem seitdem im 19. Jahrhundert der päpstliche Jurisdiktionsprimat und die Unfehlbarkeit formuliert worden seien. Danilovich räumte ein, dass auch innerorthodoxe Konflikte und geopolitische Spannungen die Einigung auf einen Sprecher der Christenheit erschwerten.
Als freikirchliche Christen habe man ein kirchliches Amt der Einheit bisher nicht vermisst, so der Theologe Markus Iff. Die Einheit der Christen sei im Evangelium, der christlichen Botschaft gegeben, auch wenn diese kulturell unterschiedlich gestaltet werde. Allerdings seien die Freikirchen bisher kaum beteiligt am Dialog der katholischen Kirche über das Papstamt.
Dessen Ergebnisse wurden 2024 vom Vatikan in einem Studiendokumentüber den “Bischof von Rom"zusammengefasst. Gerhard Feige, Ökumene-Bischof der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, hatte das Dokument eingangs als Gesprächsgrundlage vorgestellt. Es fasst Antworten auf die Ökumene-Enzyklika “Ut unum sint” (Dass alle eins seien) von Papst Johannes Paul II. aus dem Jahr 1995 zusammen. Feige verwies vor allem auf innerkatholische Hausaufgaben: Ein neues Verhältnis zwischen dem Leitungsamt des Papstes und einer gemeinsam beratenden und synodalen Kirche zu finden.
Maria Stettner, Ökumene-Beauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bezweifelte, dass es auf protestantischer Seite großes Interesse am Papst als Sprecher geben könne. Für viele Protestanten stehe der Papst zudem für die Geschichte der Kirchentrennung. Es gebe aber durchaus pragmatische Gründen für eine menschliche Ordnungsinstanz. Dafür aber brauche es “Charisma und Authentizität, die von anderen Kirchen gemeinsam in einer Person gefunden werden müssen”, so Stettner. (KNA)
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