---
title: "SLUB Dresden und Stadtbibliothek Burgstädt restituieren drei NS-Raubgut-Bücher an IG Metall Chemnitz; NS-Raubgut bestätigt, Provenienzforschung weiter."
sdDatePublished: "2026-05-18T15:15:00Z"
source: "https://www.igmetall-chemnitz.de/fileadmin/user/News/2026/Dokumente/SLUB_Pressemitteilung_Restitution_DMV_Chemnitz.pdf"
topics:
  - name: "labour relations"
    identifier: "medtop:20000524"
  - name: "culture"
    identifier: "medtop:20000038"
  - name: "library and museum"
    identifier: "medtop:20000043"
  - name: "history"
    identifier: "medtop:20000747"
  - name: "human rights"
    identifier: "medtop:20000592"
  - name: "justice"
    identifier: "medtop:20000119"
locations:
  - "Leipzig"
  - "Chemnitz"
  - "Germany"
  - "Frankfurt am Main"
  - "Berlin"
  - "Burgstädt"
  - "Dresden"
---


SLUB Dresden und Stadtbibliothek Burgstädt restituieren drei NS-Raubgut-Bücher an IG Metall Chemnitz; NS-Raubgut bestätigt, Provenienzforschung weiter.

1

18. Mai 2026
Pressemitteilung

     INFO 09 / 2026
SLUB Dresden und Stadtbibliothek Burgstädt restituieren Bücher aus der
Gewerkschaftsbibliothek des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes an die
IG Metall Chemnitz
Der Sturm auf die Gewerkschaftshäuser in ganz Deutschland am 2. Mai 1933 gehört zu den
dunkelsten Tagen für Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter. Gewerkschaften wurden durch die
Nationalsozialisten verboten, ihre Mitglieder verfolgt, inhaftiert, ermordet und ihr Eigentum und
ihre Immobilien beschlagnahmt, zerstört, verwertet. Nach der Enteignung gingen Bestände aus
Gewerkschaftsbibliotheken in den Besitz der Deutschen Arbeitsfront, der nationalsozialistischen
Einheitsgewerkschaft, über.
Am 18. Mai 2026 restituieren die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek
Dresden (SLUB) und die Stadtbibliothek Burgstädt drei Bücher an die IG Metall in Chemnitz. Die
Bücher wurden dem damaligen Metallarbeiter-Verband Chemnitz (DMV) in der NS-Zeit
verfolgungsbedingt geraubt und konnten aufgrund der enthaltenen Stempel zugeordnet werden.
Die IG Metall als Rechtsnachfolgerin überlässt sie den beiden Bibliotheken wiederum als
Schenkung.
Katrin Stump, Generaldirektorin der SLUB Dresden, erläutert: „Im Fall von erwiesenem NS-
Raubgut bemühen wir uns um eine Rückgabe bzw. um gerechte und faire Lösungen im Sinne der
Washingtoner Erklärung von 1998. Erfolgreiche Restitutionen wie diese zeigen, wie wichtig
systematische Provenienzforschung auch 81 Jahre nach dem Ende der NS-Diktatur ist – in
Landesbibliotheken wie der SLUB ebenso wie in sächsischen Stadt- und Regionalbibliotheken mit
Altbestand. Der IG Metall Chemnitz danken wir für die Schenkung und das damit verbundene
Vertrauen.“
Lydia Oeser, Leiterin der Stadtbibliothek Burgstädt, betont: „Für uns als kleine Stadtbibliothek im
ländlichen Raum ist es bedeutsam, dass wir das als NS-Raubgut identifizierte Buch des DMV
Chemnitz restituieren konnten. Ohne die Unterstützung durch die ehemalige Koordinierungsstelle
Provenienzforschung an der Sächsischen Landesfachstelle für Bibliotheken wären für uns weder
die Erschließung des Altbestandes, die Recherchen zu verfolgten Voreigentümern noch die
Restitutionsvorbereitung möglich gewesen. Durch einen Vermerk im Online-Katalog und einen
Einleger im geschenkten Buch werden wir vor Ort in Burgstädt an den Deutschen Metallarbeiter-
Verband Chemnitz und sein Schicksal erinnern.“
„Wir freuen uns über den Fund der drei Bücher, die 1933 von den Nazis aus der
Gewerkschaftsbibliothek geraubt wurden“; so Eddie Kruppa, Erster Bevollmächtigter der IG
Metall Chemnitz. „Und wir überlassen sie gerne den Bibliotheken, denn dort sind sie in guten
Händen und stehen der Wissenschaft und der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung.“
Fund der Bücher in der SLUB Dresden
Im Bestand der Sächsischen Landesbibliothek, einer der beiden Vorgängereinrichtungen der SLUB
Dresden, konnten zwei Bücher mit einem Stempel der Verwaltungsstelle Chemnitz des DMV
identifiziert werden. Eines gelangte am 22. Juni 1961 als Geschenk von der Zentralstelle für
wissenschaftliche Altbestände in die Bibliothek. Das zweite erwarb die SLUB am 21. Oktober 1977

2

beim Zentralantiquariat Leipzig. Aufgrund der Historie der Zerstreuung der
Gewerkschaftsbibliotheken seit 1933 legen die ebenfalls in den Büchern enthaltenen Besitzspuren
der Deutschen Arbeitsfront und des Parteiarchivs der NSDAP sowie der Zentralbibliothek des FDGB
nahe, dass die Bücher dem DMV Chemnitz verfolgungsbedingt während der NS-Zeit entzogen
worden waren. Deswegen sind beide Bände als NS-Raubgut zu bewerten.
Die Recherche zur Herkunft der Bücher aus dem Bestand der Sächsischen Landesbibliothek, die
nach 1945 zugegangen sind, erfolgte im Rahmen eines bereits abgeschlossenen
Provenienzforschungsprojektes. In einem aktuellen Projekt, das sich der Ermittlung von
Erbberechtigten zu 300 NS-Raubgut-Fällen widmet, konnte die IG Metall Chemnitz als
Rechtsnachfolgerin des DMV Chemnitz identifiziert und die Restitutionsbemühungen
aufgenommen werden. Beide Forschungsprojekte wurden bzw. werden von der Stiftung Deutsches
Zentrum Kulturgutverluste gefördert.
Fund des Buches in der Stadtbibliothek Burgstädt
Seit ihrer Gründung 1876 erhielt die Bibliothek Burgstädt Schenkungen von Büchern und Archivalien
durch Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Über die Jahre wuchs so ein großer historischer und
regionalkundlicher Bestand. 2023 wurde der historische Altbestand erschlossen, wobei 640
historische Bücher der Stadtbibliothek händisch geprüft und etwa 260 Besitzspuren von
Voreigentümerinnen und Voreigentümern dokumentiert worden sind. Ermöglicht wurde das
Erschließungsprojekt durch eine Kooperation zwischen der Stadtbibliothek Burgstädt, der
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig und der ehemaligen Koordinierungsstelle
Provenienzforschung der Sächsischen Landesfachstelle für Bibliotheken an der SLUB Dresden, die
bis 2025 öffentliche Bibliotheken im Freistaat bei der Provenienzforschung unterstützte.
Einer der identifizierten Vorbesitzer des Buches ist der DMV Chemnitz, was sich durch
Besitzvermerke und die erforschte Geschichte der Gewerkschaftsbibliotheken rekonstruieren ließ.
Wie vermutlich der Großteil der beschlagnahmten Gewerkschaftsbibliotheken gelangte das Buch
nach Berlin in die Bibliothek der Deutschen Arbeitsfront (DAF). Nach 1945 wurde die DAF-Bibliothek
in den Bestand des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) übernommen, wie weitere
Stempel im Buch belegen. In den Jahrzehnten danach sonderte der FDGB das Buch aus und gab es
an den antiquarischen Buchhandel ab, wo es der Burgstädter Manfred Delling erwarb. Durch die
Schenkung seines Nachlasses gelangte das Buch 2007 schließlich in den Bestand der Stadtbibliothek
Burgstädt.
Hintergrund: Der Deutsche Metallarbeiter-Verband (DMV) Chemnitz und seine Bibliothek
Der Deutsche Metallarbeiter-Verband (DMV) war ein freigewerkschaftlicher Verband der
Metallarbeiter, der auf dem Metallarbeiterkongress in Frankfurt am Main zum 1. August 1891
gegründet wurde. Nachdem es in Sachsen ab 1908 erlaubt war, Verwaltungsstellen des DMV
aufzubauen, entstand die Niederlassung im Industriestandort Chemnitz, einem bedeutenden
Zentrum der Arbeiterbewegung.
Am 2. Mai 1933 stürmten SA-Kommandos vielerorts Gewerkschaftshäuser, plünderten und
verwüsteten Gebäude. Auch wenn das Chemnitzer Gewerkschaftshaus, in dem auch der DMV seinen
Sitz hatte, nicht gestürmt wurde, zog dort bis Kriegsende 1945 die Deutsche Arbeitsfront Chemnitz –
der Einheitsverband der Nationalsozialisten – ein. Nach der damit einhergehenden Enteignung des
DMV gingen die Bibliotheksbestände in den Besitz der Deutschen Arbeitsfront über. Aufgrund des

3

verfolgungsbedingten Entzugs während der NS-Zeit sind Bücher mit Eigentumsvermerken des DMV
Chemnitz als NS-Raubgut zu bewerten.

Frei verwendbare Pressebilder zum Download:
www.slubdd.de/restitutionigm

Die restituierten Werke der SLUB Dresden
1. Friedrich Arnold: Die Vögel Europas. Ihre Naturgeschichte u. Lebensweise in Freiheit und
Gefangenschaft. Nebst Anleitung zur Aufzucht, Eingewöhnung, Pflege samt den Fang- u.
Jagdmethoden. Stuttgart: C. Hofmann, 1897.
Signatur: 1.B.1959
Link zum SLUB-Online-Katalog

2. Paul Hirsch: 25 Jahre sozialdemokratischer Arbeit in der Gemeinde. Die Tätigkeit der
Sozialdemokratie in der Berliner Stadtverordnetenversammlung; auf Grund amtlicher Quellen
geschildert. Berlin: Buchhandlung Vorwärts, 1908.
Signatur: 35.8.3840
Link zum SLUB-Online-Katalog
Falldossier: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-1033182

Das restituierte Werk der Stadtbibliothek Burgstädt
3. Otto Rühle: Das sächsische Volkschulwesen. Leipzig, 1904.
Signatur: F 201
Lost-Art-Meldung: http://www.lostart.de/de/Fund/622600

Kontakt
Annemarie Grohmann
Pressesprecherin
SLUB Dresden
Telefon: +49 (0)351 4677-342
E-Mail: Annemarie.Grohmann@slub-dresden.de
Andrea Weingart
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
IG Metall Chemnitz
Mobiltelefon: +49 (0) 177 59 63 859
E-Mail: aw@aweingart.de