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title: "SLUB Dresden und Stadtbibliothek Burgstädt restituierten drei Bücher an IG Metall Chemnitz; NS-Raubgut identifiziert und Restitution abgeschlossen."
sdDatePublished: "2026-05-18T16:23:00Z"
source: "https://medienservice.sachsen.de/medien/news/1097223/download_pdf"
topics:
  - name: "news media"
    identifier: "medtop:20000046"
locations:
  - "Frankfurt am Main"
  - "Burgstädt"
  - "Dresden"
  - "Germany"
  - "Chemnitz"
  - "Leipzig"
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SLUB Dresden und Stadtbibliothek Burgstädt restituierten drei Bücher an IG Metall Chemnitz; NS-Raubgut identifiziert und Restitution abgeschlossen.

Medienservice Sachsen - Pressemitteilung

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Medieninformation
Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek
Dresden
Ihre Ansprechpartnerin
Annemarie Grohmann
Durchwahl
Telefon +49 351 4677 342
Annemarie.grohmann@
slub-dresden.de*
18.05.2026
SLUB Dresden und Stadtbibliothek Burgstädt restituieren
Bücher aus der Gewerkschaftsbibliothek des Deutschen
Metallarbeiter-Verbandes an die IG Metall Chemnitz
Der Sturm auf die Gewerkschaftshäuser in ganz Deutschland am 2.
Mai 1933 gehört zu den dunkelsten Tagen für Gewerkschafterinnen und
Gewerkschafter. Gewerkschaften wurden durch die Nationalsozialisten
verboten, ihre Mitglieder verfolgt, inhaftiert, ermordet und ihr Eigentum und
ihre Immobilien beschlagnahmt, zerstört, verwertet. Nach der Enteignung
gingen Bestände aus Gewerkschaftsbibliotheken in den Besitz der
Deutschen Arbeitsfront, der nationalsozialistischen Einheitsgewerkschaft,
über.
Am 18. Mai 2026 haben die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und
Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) und die Stadtbibliothek Burgstädt
drei Bücher an die IG Metall in Chemnitz restituiert. Die Bücher wurden
dem damaligen Metallarbeiter-Verband Chemnitz (DMV) in der NS-Zeit
verfolgungsbedingt geraubt und konnten aufgrund der enthaltenen Stempel
zugeordnet werden. Die IG Metall als Rechtsnachfolgerin überlässt sie den
beiden Bibliotheken wiederum als Schenkung.
Katrin Stump, Generaldirektorin der SLUB Dresden, erläutert: »Im Fall von
erwiesenem NS-Raubgut bemühen wir uns um eine Rückgabe bzw. um
gerechte und faire Lösungen im Sinne der Washingtoner Erklärung von
1998. Erfolgreiche Restitutionen wie diese zeigen, wie wichtig systematische
Provenienzforschung auch 81 Jahre nach dem Ende der NS-Diktatur ist –
in Landesbibliotheken wie der SLUB ebenso wie in sächsischen Stadt- und
Regionalbibliotheken mit Altbestand. Der IG Metall Chemnitz danken wir für
die Schenkung und das damit verbundene Vertrauen.«
Lydia Oeser, Leiterin der Stadtbibliothek Burgstädt, betont: »Für uns als
kleine Stadtbibliothek im ländlichen Raum ist es bedeutsam, dass wir
das als NS-Raubgut identizierte Buch des DMV Chemnitz restituieren
konnten. Ohne die Unterstützung durch die ehemalige Koordinierungsstelle
Hausanschrift:
Sächsische Landesbibliothek
– Staats- und
Universitätsbibliothek Dresden
Zellescher Weg 18
01069 Dresden
https://www.slub-dresden.de
* Kein Zugang für verschlüsselte
elektronische Dokumente. Zugang
für qualiziert elektronisch signierte
Dokumente nur unter den auf
www.lsf.sachsen.de/eSignatur.html
vermerkten Voraussetzungen.

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Provenienzforschung an der Sächsischen Landesfachstelle für Bibliotheken
wären für uns weder die Erschließung des Altbestandes, die Recherchen
zu verfolgten Voreigentümern noch die Restitutionsvorbereitung möglich
gewesen. Durch einen Vermerk im Online-Katalog und einen Einleger im
geschenkten Buch werden wir vor Ort in Burgstädt an den Deutschen
Metallarbeiter-Verband Chemnitz und sein Schicksal erinnern.«
»Wir freuen uns über den Fund der drei Bücher, die 1933 von den Nazis
aus der Gewerkschaftsbibliothek geraubt wurden«; so Eddie Kruppa, Erster
Bevollmächtigter der IG Metall Chemnitz. »Und wir überlassen sie gerne
den Bibliotheken, denn dort sind sie in guten Händen und stehen der
Wissenschaft und der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung.«
Fund der Bücher in der SLUB Dresden
Im Bestand der Sächsischen Landesbibliothek, einer der beiden
Vorgängereinrichtungen der SLUB Dresden, konnten zwei Bücher mit einem
Stempel der Verwaltungsstelle Chemnitz des DMV identiziert werden.
Eines gelangte am 22. Juni 1961 als Geschenk von der Zentralstelle für
wissenschaftliche Altbestände in die Bibliothek. Das zweite erwarb die SLUB
am 21. Oktober 1977 beim Zentralantiquariat Leipzig. Aufgrund der Historie
der Zerstreuung der Gewerkschaftsbibliotheken seit 1933 legen die ebenfalls
in den Büchern enthaltenen Besitzspuren der Deutschen Arbeitsfront und
des Parteiarchivs der NSDAP sowie der Zentralbibliothek des FDGB nahe,
dass die Bücher dem DMV Chemnitz verfolgungsbedingt während der NS-
Zeit entzogen worden waren. Deswegen sind beide Bände als NS-Raubgut
zu bewerten.
Die Recherche zur Herkunft der Bücher aus dem Bestand der
Sächsischen Landesbibliothek, die nach 1945 zugegangen sind, erfolgte
im Rahmen eines bereits abgeschlossenen Provenienzforschungsprojektes.
In einem aktuellen Projekt, das sich der Ermittlung von Erbberechtigten
zu 300 NS-Raubgut-Fällen widmet, konnte die IG Metall Chemnitz
als
Rechtsnachfolgerin
des
DMV
Chemnitz
identiziert
und
die
Restitutionsbemühungen aufgenommen werden. Beide Forschungsprojekte
wurden bzw. werden von der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste
gefördert.
Fund des Buches in der Stadtbibliothek Burgstädt
Seit ihrer Gründung 1876 erhielt die Bibliothek Burgstädt Schenkungen von
Büchern und Archivalien durch Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Über
die Jahre wuchs so ein großer historischer und regionalkundlicher Bestand.
2023 wurde der historische Altbestand erschlossen, wobei 640 historische
Bücher der Stadtbibliothek händisch geprüft und etwa 260 Besitzspuren
von Voreigentümerinnen und Voreigentümern dokumentiert worden sind.
Ermöglicht wurde das Erschließungsprojekt durch eine Kooperation
zwischen der Stadtbibliothek Burgstädt, der Hochschule für Technik,
Wirtschaft und Kultur Leipzig und der ehemaligen Koordinierungsstelle
Provenienzforschung der Sächsischen Landesfachstelle für Bibliotheken an

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der SLUB Dresden, die bis 2025 öffentliche Bibliotheken im Freistaat bei der
Provenienzforschung unterstützte.
Einer der identizierten Vorbesitzer des Buches ist der DMV Chemnitz,
was sich durch Besitzvermerke und die erforschte Geschichte der
Gewerkschaftsbibliotheken rekonstruieren ließ. Wie vermutlich der Großteil
der beschlagnahmten Gewerkschaftsbibliotheken gelangte das Buch
nach Berlin in die Bibliothek der Deutschen Arbeitsfront (DAF). Nach
1945 wurde die DAF-Bibliothek in den Bestand des Freien Deutschen
Gewerkschaftsbundes (FDGB) übernommen, wie weitere Stempel im Buch
belegen. In den Jahrzehnten danach sonderte der FDGB das Buch aus
und gab es an den antiquarischen Buchhandel ab, wo es der Burgstädter
Manfred Delling erwarb. Durch die Schenkung seines Nachlasses gelangte
das Buch 2007 schließlich in den Bestand der Stadtbibliothek Burgstädt.
Hintergrund: Der Deutsche Metallarbeiter-Verband (DMV)
Chemnitz und seine Bibliothek
Der Deutsche Metallarbeiter-Verband (DMV) war ein freigewerkschaftlicher
Verband der Metallarbeiter, der auf dem Metallarbeiterkongress in Frankfurt
am Main zum 1. August 1891 gegründet wurde. Nachdem es in Sachsen ab
1908 erlaubt war, Verwaltungsstellen des DMV aufzubauen, entstand die
Niederlassung im Industriestandort Chemnitz, einem bedeutenden Zentrum
der Arbeiterbewegung.
Am 2. Mai 1933 stürmten SA-Kommandos vielerorts Gewerkschaftshäuser,
plünderten und verwüsteten Gebäude. Auch wenn das Chemnitzer
Gewerkschaftshaus, in dem auch der DMV seinen Sitz hatte, nicht gestürmt
wurde, zog dort bis Kriegsende 1945 die Deutsche Arbeitsfront Chemnitz
– der Einheitsverband der Nationalsozialisten – ein. Nach der damit
einhergehenden Enteignung des DMV gingen die Bibliotheksbestände in den
Besitz der Deutschen Arbeitsfront über. Aufgrund des verfolgungsbedingten
Entzugs während der NS-Zeit sind Bücher mit Eigentumsvermerken des DMV
Chemnitz als NS-Raubgut zu bewerten.
Medien:
Foto: Eines der restituierten Bücher mit enthaltenem Stempel, der
die Identikation als NS-Raubgut möglich machte.
Foto: Lydia Oeser, Eddi Kruppa und Elisabeth Geldmacher
gemeinsam mit den restituierten Büchern
Foto: Stempel mit Beschriftung „Deutscher Metallarbeiter-Verband
Verwaltungsstelle Chemnitz“
Links:
Pressebilder zur freien Verwendung
Falldossier zu den restituierten Büchern aus der SLUB