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title: "DEFA veranstaltet Symposium zu Literaturverfilmungen in Halle (Saale), Puschkinhaus/Puschkino; Internationale Forscher eingeladen"
sdDatePublished: "2026-05-19T16:12:00Z"
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DEFA veranstaltet Symposium zu Literaturverfilmungen in Halle (Saale), Puschkinhaus/Puschkino; Internationale Forscher eingeladen

Vor 80 Jahren, am 17. Mai 1946, wurde in Potsdam-
Babelsberg die Deutsche Film-AG (DEFA) gegründet.
Dem Anliegen ihrer Gründer nach sollte sie „helfen,
in Deutschland die Demokratie zu restaurieren, die
deutschen Köpfe vom Faschismus zu befreien und
auch zu sozialistischen Bürgern erziehen“.
Zwischen 1946 und 1992 entstanden mehr als
700 Spiel­filme, darunter Märchen- und Kinderfilme,
Literaturverfilmungen, antifaschistische und Gegen­
wartsstoffe, Abenteuer- und Unterhaltungsfilme.
Hinzu kommen 750 Animationsfilme, mehr als
2000 Dokumentar- und Kurzfilme und Wochen­
schauen sowie über 600 Filme für das DDR-Fernsehen.
Das zweitägige Symposium zum 80. Jahrestag der
DEFA-Gründung im Halleschen Puschkino geht aus
einer schon seit mehreren Semestern bestehenden
Kooperation des Germanistischen Instituts der Martin-
Luther-Universität, des Filmkurators Paul Werner
Wagner und des Puschkinos hervor.
Gegenstand dieser Kooperation, die auf die Vermitt­
lung DDR-spezifischer Themen und Kunst­formen für
die Studierenden zielte, aber auch ein städtisches
Publikum einbezog, waren Literatur­verfilmungen der
DEFA. Damit wurde ein Raum des intergenerationellen
Gesprächs und der historisch-politischen Bildung
geöffnet.
Der Schwerpunkt auf Literaturverfilmungen resultierte
nicht allein aus den Interessen der beteiligten Partner
oder der bloßen Verfügbarkeit solcher Titel im
DEFA-Bestand. Er begründet sich vielmehr im engen
Austausch zwischen der DEFA und der Literatur der
DDR. Da Literaturverfilmungen eine zentrale Rolle für
die DEFA einnahmen, verspricht die wechselseitige
Betrachtung beider Medien einen deutlichen
Erkenntnisgewinn für das Verständnis der DDR-Kultur.
Obgleich Themen zur DDR-Kulturgeschichte leicht
einen national begrenzten Eindruck erwecken, stoßen
sie international auf beachtliche Resonanz.
Dies möchten wir mit der Tagung abbilden und
haben deshalb auch US-amerikanische, französische
und britische Kulturwissenschaftler:innen und
Filmhistoriker:innen eingeladen.
Leitung des Symposiums
Paul Werner Wagner
Kurator und Moderator, Berlin
Prof. Dr. Stephan Pabst
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Referent:innen und Gesprächspartner:innen
Stefanie Eckert
Vorstand DEFA-Stiftung Berlin
Prof. Dr. Michael Grisko
Universität Erfurt
Dr. Mariana Ivanova
DEFA-Film Library Amherst/USA
Prof. Dr. Carsten Gansel
Universität Gießen
Rainer Simon
Regisseur, Potsdam
Prof. Dr. Michael Wedel
Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF
Prof. Dr. Oksana Bulgakowa
Universität Mainz
Dr. Anett Werner-Burgmann
Macromedia University of Applied Sciences Hannover
Dr. Elizabeth Ward
Fellow an der Universität Leipzig
Prof. Dr. Seán Allan
Universität von St. Andrews/Schottland
Prof. Dr. April Eisman
Iowa State University/USA
Dr. Perrine Val
Université de Montpellier Paul-Valéry
21. und 22. Mai 2026
Puschkinhaus
Puschkino
Kardinal-Albrecht-Str. 6
06108 Halle (Saale)
Eine Veranstaltung der Landeszentrale für Politische Bildung
Sachsen-Anhalt, der Friedrich-Ebert-Stiftung Landesbüro Sachsen-
Anhalt und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
mit freundlicher Unterstützung der DEFA-Stiftung.
21. und 22. Mai 2026
Puschkinhaus
Puschkino
Literatur-
verfilmungen
der DEFA
Symposium
             anlässlich des
80. Jahrestages der Gründung der DEFA
Kardinal-Albrecht-Straße 6
06108 Halle (Saale)
Die Teilnahme an den Veranstaltungen des Symposiums
ist kostenfrei. Die Pausenversorgung erfolgt auf Selbstzahlerbasis.
Anmeldung:
Tel.: 0391 568760
E-Mail: info.magdeburg@fes.de
Bildnachweis:
„Der Untertan“, © DEFA-Stiftung/Eduard Neufeld
Titel: „Der geteilte Himmel“, © DEFA-Stiftung/Werner Bergmann
Rückseite: „Der Fall Ö.“, © DEFA-Stiftung/Wolfgang Ebert

Donnerstag —— 21. Mai 2026
10:00
Begrüßung
Maik Reichel
Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt
Grußwort
Stefanie Eckert
Vorstand der DEFA-Stiftung
10:15
Prof. Dr. Michael Grisko
Zwischen Film- und Leseland. Die DEFA und ihr Verhältnis
zur Literatur
Der Vortrag stellt einerseits die Frage nach der Bedeutung
litera­rischer Vorlagen für die DEFA-Spielfilmproduktion und
unternimmt eine sowohl qualifizierende wie quantifizierende Ein-
ordnung der als Grundlage verwendeten Texte. Darüber hinaus
will er aber andererseits auch das Blickfeld erweitern und den
Blick auf die funktionale Transformation von Literatur bzw. des
­literarischen Systems in das Medium Film als Teil einer kultur­
politischen ­Strategie werfen.
11:00
Dr. Mariana Ivanova
Die DEFA Film Library präsentiert: DEFA-Literaturverfilmungen
an Museen und Universitäten in den USA
DEFA-Literaturverfilmungen hatten eine enorme Bedeutung für
das Verständnis der DEFA als Weltkino und Kino des Prestiges
in den USA. Während Werke von Bertolt Brecht, Christa Wolf,
Heiner Müller und anderen DDR-Autor:innen schnell Rezeption an
Universitäten in den USA fanden, wurden Studierende, Cineasten
und Forschende erst durch die Arbeit der DEFA Film Library auf
Literaturverfilmungen aufmerksam gemacht. Beleuchtet wird
besonders das Kuratieren von Filmvorführungen, Besuchen
von DEFA-Regisseur:innen, Festivals und Sommerfilminstituten
zusammen mit etablierten Kulturinstitutionen, wie etwa dem
Museum of Modern Art in New York, dem Wende-Museum in Los
Angeles, dem Coolidge Corner Theater und vielen anderen.
12:00
Mittagsimbiss
13:00
Film und Gespräch
Einführung: Paul Werner Wagner
Der Untertan
(DEFA 1951, s/w, 109 min)
Regie: Wolfgang Staudte; Drehbuch: Wolfgang Staudte und Fritz
Staudte nach dem gleichnamigen Roman von Heinrich Mann;
Kamera: Robert Baberske; Darsteller: Werner Peters, Paul Esser,
Fridrich Gnaß, Blandine Ebinger, Emmy Burg, Carola Braunbock,
Renate Fischer, Sabine Thalbach, Raimund Schelcher, Hans-Georg
Laubenthal, Ernst Legall, Axel Triebel, Eduard von Winterstein,
Friedrich Richter, Friedrich Maurer
Eine gelungene Satire nach Heinrich Manns Roman über den klein­
bürgerlichen Aufsteiger Diederich Heßling im wilhelminischen
Deutschland. Er hat gelernt, nach oben zu buckeln und nach unten
zu treten. Er knüpft Beziehungen zu einflussreichen Leuten, die
ihm nützen können für seinen geschäftlichen Erfolg. Unter solchen
Erwägungen wählt er auch seine nicht sonderlich attraktive, aber
reiche Ehefrau aus. Und er nutzt seine Beziehungen zum Regierungs­
präsidenten von Wulkow, um einen unliebsamen Konkurrenten
auszuschalten. Sein größtes Erlebnis ist es, den Kaiser aus der Nähe
gesehen zu haben. Eifrig sammelt er für ein Kaiserdenkmal in seiner
Stadt.
Der DEFA-Film ist ein Meisterwerk. Zur Botschaft des Films sagte
Staudte: „Ich will die Bereitschaft gewisser Menschen um 1900
zeigen, die über zwei Weltkriege hinweg zum Zusammenbruch
Deutschlands im Jahre 1945 führte. Es soll eine Weiterführung
meiner Anklage gegen diese Kreise und eine Warnung vor
diesen Menschen sein, wie ich es schon in dem Film ‚Die Mörder
sind unter uns‘ ausdrücken wollte.“
Gesprächspartner: Prof. Dr. Michael Grisko
Moderation: Paul Werner Wagner
15:45
Kaffeepause
16:00
Podiumsdiskussion
Pflege des DEFA-Filmerbes
Dr. Mariana Ivanova, Prof. Dr. Seán Allan, Prof. Dr. Michael Wedel
Moderation: Stefanie Eckert
Diskussionsrunde zur Bewahrung des DEFA-Filmerbes unter
besonderer Berücksichtigung seiner Literaturverfilmungen.
Expert:innen beleuchten die Relevanz dieser Adaptionen
im Spannungsfeld zwischen nationalem Kulturgut und inter­
nationaler filmhistorischer Rezeption.
17:30
Imbiss
18:00
Film und Gespräch
Begrüßung: Dr. Franziska Kersten
MdB/Ausschuss für Kultur und Medien
Einführung: Paul Werner Wagner
Der geteilte Himmel
(DEFA 1964, s/w, 114 min)
Regie: Konrad Wolf; Drehbuch: Christa Wolf, Gerhard Wolf,
Konrad Wolf, Willi Brückner, Kurt Barthel; Kamera: Werner
Bergmann; Darsteller: Renate Blume, Eberhard Esche, Hilmar
Thate, Martin Flörchinger, Erika Pelikowsky, Günther Grabbert,
Hans Hardt-Hardtloff, Horst Weinheimer, Horst Jonischkan,
Christoph Engel, Petra Kelling, Uwe-Detlev Jessen, Lothar Bellag,
Agnes Kraus, Hans-Joachim Hanisch, Angela Brunner
Nach einer tiefen seelischen Krise kehrt Rita Seidel in ihr kleines Dorf
zurück und lässt die zurückliegenden Jahre Revue passieren. Ihre
Beziehung zu Manfred Herrfurth, einem zehn Jahre älteren Chemiker,
der ihr einst Selbstvertrauen gegeben und sie zum Lehrerstudium
ermutigt hatte, krankt zum einen an der Spießigkeit seiner Eltern.
Aber auch Manfred war verbittert geworden, da sein Betrieb das von
ihm entwickelte chemische Verfahren ablehnt. Die einzige Alternative
scheint für ihn die Übersiedlung nach Westberlin zu sein. Rita
besucht ihn dort, kann sich jedoch nicht entscheiden, seinen Schritt
mitzuvollziehen.
Der Film, nach dem gleichnamigen Roman von Christa Wolf
inszeniert, gab der DEFA-Filmproduktion 1964 inhaltlich wie
formal eine neue Richtung. Im Gegensatz zu vielen anderen
DEFA-Produktionen konzentriert sich der Film nicht auf die poli­
tische Debatte, sondern stellt – vor dem Hintergrund der gesell-
schaftlichen Unterschiede in beiden deutschen Staaten – die
menschlichen Schicksale und Entwicklungen in den Mittelpunkt.
Konrad Wolf bediente sich für seine Liebesgeschichte, die an der
Zweiteilung Deutschlands zerbricht, einer expressiven Bild- und
Lichtmalerei.
Gesprächspartner: Prof. Dr. Carsten Gansel
Moderation: Paul Werner Wagner
21:00
Ende
Freitag —— 22. Mai 2026
10:00
Eröffnung
Prof. Dr. Stephan Pabst
Vortrag
Dr. Elizabeth Ward
Vom Buch zum Film: Die Adaption und Neuinterpretation
deutscher und DDR-Literatur für ein neues Publikum
Mit Schwerpunkt auf den 1960er und 1970er Jahren untersucht
der Vortrag, wie sowohl DDR-Literatur als auch deutsche
Literatur vor 1945 in DEFA-Verfilmungen für ein nationales
und internationales Publikum präsentiert wurden und welche
Bedeutung diese Filme für die (Selbst)Wahrnehmung der DDR
im In- und Ausland hatten. Dabei werden sowohl die filmische
Umsetzung als auch die Vermarktung der Filme diskutiert, um
die Möglichkeiten und Grenzen der Neuinterpretation von
Vergangenheit und Gegenwart zu hinterfragen.
11:15
Kaffeepause
11:45
Podiumsdiskussion
Literatur und Film
Prof. Dr. Oksana Bulgakowa, Dr. Anett Werner-Burgmann,
Prof. Dr. April Eisman, Dr. Perrine Val
Moderation: Prof. Dr. Stephan Pabst
Diskutiert werden ästhetische Transformationsstrategien der
DEFA bei der Verfilmung deutscher und internationaler Literatur.
Im Fokus steht die Frage nach den gestalterischen Vorbildern
sowie den künstlerischen Motivationen hinter multilateralen
Koproduktionen z. B. mit Frankreich, Bulgarien und der UdSSR.
Wie maßgeblich prägten grenzüberschreitende Kooperationen
die visuelle Sprache und Erzählweise des DDR-Kinos.
13:00
Mittagsimbiss
14:00
Film und Gespräch
Einführung: Paul Werner Wagner
Der Fall Ö.
(DEFA 1991, fa, 95 min)
Regie: Rainer Simon; Drehbuch: Rainer Simon und Ulrich
Plenzdorf nach der Erzählung „König Ödipus“ von Franz
Fühmann; Kamera: Roland Dressel; Musik: Friedrich Schenker;
Darsteller: Sebastian Hartmann, Matthias Habich, Jan Josef
Liefers, Tatiana Lygari, Klaus Pönitz, Herbert Sand, Christos
Tsangas, George Moshidis, Peter Zimmermann
Sommer 1944: Im von deutschen Truppen besetzten Griechenland
dreht ein Hauptmann der Wehrmacht mit einer 16mm-Kamera
einen Amateurfilm nach Sophokles’ „König Ödipus“. Die Rollen
besetzt er mit Soldaten und einigen Einheimischen. Zwar mitten im
Krieg, beschäftigen sich Soldaten mit einem Werk des griechischen
Humanismus – sind sich aber schon bewusst, dass der Aufenthalt, im
Verhältnis zu anderen Fronten, fast einem Urlaub gleicht. Ein naiver
Gefreiter, der den Ödipus spielen soll, nähert sich vollkommen
unbefangen dem griechischen Mythos, stellt einfache Fragen und
wird mit den gar nicht einfachen Antworten allein gelassen.
Auf der anderen Seite stehen drei griechische Schauspieler, die
nur allzu gern in diesem Film mitwirken, scheint ihnen doch
dieses Unternehmen zumindest für einige Zeit Schutz