Padre-Pio-Statue in Macerata Campania weint Blut; Diözese prüft Echtheit des Blutes

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Padre-Pio-Statue weint Blut – ein Wunder?

Macerata Campania‐ Eine kleine Gemeinde nahe Neapel zieht Gläubige aus ganz Italien an. Ihr Ziel: eine Statue von Padre Pio, an der eine rötliche Träne aufgetaucht ist. Ein Wunder? Der Ortspfarrer hofft das Beste.

Wirkt der heilige Padre Pio wieder Wunder? Eine Statue des italienischen Volksheiligen in der Stadt Macerata Campania nahe Neapel soll blutige Tränen weinen. Die Kirche Madonna delle Grazie im Ortsteil Casalba hat sich daher in den letzten Tagen zu einem Wallfahrtsort entwickelt. Während die Kirche offiziell skeptisch ist, gibt sich Ortspfarrer Girolamo Capuano überzeugt: “Das ist kein Werk von Menschenhand, es ist ein Zeichen, das von Gott kommt”,sagte er italienischen Medien.

An der Statue aus Glasfaserkunststoff habe sich eine rötliche Träne gefunden, die erstmals am 18. April bemerkt wurde. Capuano dachte zunächst, es handle sich um Schmutz. Eine Reinigung durch ihn scheiterte aber. “Die Form ist so perfekt, dass nicht einmal Michelangelo eine so vollkommene Träne hätte zeichnen können”, so der Pfarrer. Er selbst habe die Aufzeichnungen der Videoüberwachungsanlage für den gesamten April ausgewertet und könne ausschließen, dass die Träne von Menschenhand angebracht worden sei. Jetzt prüfe die Diözese, ob die Träne tatsächlich aus Blut besteht.

Capuano ist sich bewusst, dass die amtliche Überprüfung des Wunders kein Selbstläufer ist. Aber auch durch eine fehlende Bestätigung ließe sich die Gemeinde nicht von der Verehrung abbringen: “Diese Statue steht seit zwanzig Jahren dort. Und nichts wird den Glauben, den die Gemeinde von Casalba an Pater Pio hegt, erschüttern können.” Er zeigte sich dankbar für den großen Andrang nach Bekanntwerden des mutmaßlichen Wunders, das Gläubige und Neugierige weit über Kampanien hinaus angezogen habe. “Unsere Gemeinde zeichnet sich durch das Gebet aus. Dank des unerwarteten Echos, das die Pfarrei erfasst hat, hatte ich die Möglichkeit, zu Millionen von Menschen zu sprechen, eine Botschaft zu verbreiten, die weit über die Grenzen des Stadtviertels hinausging. Selbst wenn ich noch die nächsten hundert Jahre als Priester tätig wäre, würde es mir wahrscheinlich nie gelingen, so viele Gläubige zu erreichen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen”, so der Pfarrer.

Nicht die erste weinende Statue in der Stadt

Padre Pio gehört in Italien zu den populärsten Heiligen, sein Bild ist an vielen Orten in der Öffentlichkeit präsent. Der 1887 als Francesco Forgione geborene Italiener legte 1904 seine Gelübde im Kapuzinerorden ab. Sein Ordensname “Pio” bedeutet “der Fromme”. Zeit seines Lebens gehörte er zum Kapuzinerkonvent im süditalienischen San Giovanni Rotondo. 1918 zeigten sich nach einer VisionStigmataan Brust, Händen und Füßen des Priesters. Zunächst zweifelte die Kirche an der Echtheit und belegte den beliebten Beichtvater mit Auftrittsverboten, bis sich schließlich auch die Haltung der Päpste gegenüber dem Kapuziner änderte. Johannes Paul II., der als junger Priester selbst bei Pio gebeichtet hatte, erhob ihn 1999 zum Seligen und schließlich2002 zum Heiligen.

Für die Prüfung von mutmaßlich übernatürlichen Erscheinungen gibt es seit 2024neue Regeln des Glaubensdikasteriums. Ziel des Verfahrens ist seither nicht mehr, eine übernatürliche Ursache zu beweisen. Stattdessen ordnet es die geprüften Ereignisse in verschiedene Kategorien ein, die von einem “Nihil obstat”, bei dem der pastorale Wert eines Ereignisses gewürdigt wird, bis zu einem “Prohibetur et obstruatur” reichen, bei dem die kritischen Aspekte überwiegen und an der Verehrung des Phänomens nicht festgehalten werden darf. Außerdem besteht weiterhin die Möglichkeit, definitiv festzustellen, dass ein Phänomenen sicher keinen übernatürlichen Ursprung hat. Das Verfahren sieht vor, dass der Diözesanbischof im Dialog mit der nationalen Bischofskonferenz die Ereignisse untersucht und darüber ein Urteil fällt, das dem Glaubensdikasterium zur Genehmigung vorgelegt wird. Zunächst hat der Bischof dazu eine Voruntersuchung anzustellen, deren Ergebnisse mit einem Votum zum weiteren Vorgehen dem Glaubensdikasterium vorgelegt werden. Das Dikasterium hat diese Ergebnisse zu bewerten und die Entscheidung des Diözesanbischofs zu approbieren oder abzulehnen.

Es ist also noch ein weiter Weg, bis die Gemeinde von Don Girolamo Gewissheit über die weinende Statue in Casalba hat. Das ist schon einmal schief gegangen. In Macerata Campania hat man nämlich Erfahrungen mit mutmaßlichen Wundern: Bereits 2015 gab es den Verdacht, dass eine Marienstatue weinen würde. Das vermeintliche Wunder stellte sich aber am Ende als von außen eindringendes Regenwasser heraus.

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