Brandenburg baut kommerzielle Teeplantage in Brandenburg; erstes kommerzielles Teeanbauprojekt in Deutschland
Wie wird Tee angebaut?: BZL
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Letzte Aktualisierung: 22. Mai 2026
Schwarzer und Grüner Tee gehören zu den beliebtesten Heißgetränken in Deutschland. Aber wie und wo wird unser Tee angebaut?
Der Pro-Kopf-Verbrauch von Schwarz- und Grüntee liegt in Deutschland bei 27 Litern pro Jahr.
Deutschland importiert Tee vor allem aus Sri Lanka, China und Indien.
Tee wächst in tropischen und subtropischen Regionen, oft in Hanglagen mit viel Niederschlag und hoher Luftfeuchtigkeit.
Die Weiterverarbeitung entscheidet darüber, ob Schwarztee oder Grüner Tee entsteht.
Die größte Wertschöpfung liegt in der Verarbeitung, Markenaufbau und Handel, Produzentinnen und Produzenten erhalten nur einen kleinen Teil vom Ladenpreis.
Wer einen gerechteren und nachhaltigeren Teeanbau unterstützen will, kann beim Einkauf auf fair gehandelte Produkte achten.
2024 lag der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von Tee in Deutschland bei 67 Litern. Besonders beliebt sind Kräuter- und Früchtetees mit 40 Litern, auf Schwarz- und Grüntee entfielen 27 Liter. Dabei nahm der Anteil von Grüntee gegenüber Schwarztee in den vergangenen Jahren zu. Der Anteil an Bio-Tee liegt bei knapp 18 Prozent, mit leicht steigender Tendenz.
Nach Deutschland gelangt Schwarz- und Grüntee vor allem aus Sri Lanka, China und Indien. Die Importmenge aus Sri Lanka lag 2025 bei 11.373 Tonnen, die aus China bei 10.117 Tonnen. Aus Indien wurden 9.539 Tonnen Tee importiert. Die Weiterverarbeitung – etwa zu Beuteltees, aromatisierten Mischungen und Instantprodukten – findet zu einem großen Teil in Europa statt. Obwohl Deutschland die meisten Teeimporte aus Sri Lanka bezieht, ist China weltweit der größte Produzent, gefolgt von Indien und Kenia.
Auch in Deutschland gibt es einen ersten Versuch, Tee im kommerziellen Stil anzubauen: In Brandenburg entsteht auf mehr als sechs Hektar eine Teeplantage. Weil hier nicht die klimatischen Bedingungen wie in den Anbauländern herrschen, werden die Jungpflanzen zunächst in einem Gewächshaus mit Bodenheizung angebaut. Auf Dauer sollen die Pflanzen aber im Freiland kultiviert werden, daher werden besonders widerstandsfähige Sorten eingesetzt. Ob das trotz Frost im Winter und sonnigen, trockenen Tagen im Sommer möglich ist, muss die Zukunft zeigen.
Tee stammt von der TeepflanzeCamellia sinensis, einem immergrünen Strauch, der mehrere Meter hoch werden kann. Auf Plantagen werden die Sträucher meist auf etwa einen Meter zurückgeschnitten, um sie besser bearbeiten zu können. Botanisch werden vor allem zwei Varietäten unterschieden:Camellia sinensis var. sinensisundCamellia sinensis var. assamica. Die kleinblättrige Varietätsinensiswird eher in kühleren Hochlagen angebaut, die großblättrigeassamicavor allem in warmen, feuchten Tieflandregionen.
Tee benötigt ein warmes, feuchtes Klima mit Jahresdurchschnittstemperaturen meist über 13 Grad Celsius und hohen Niederschlägen, häufig über 1.000 Millimeter pro Jahr. Besonders hochwertige Tees wachsen in höheren Lagen bis etwa 2.000 Meter, wo kühlere Nächte, Nebel und langsamere Wachstumsraten als günstig für das Aroma gelten. Die Böden sind idealerweise eher sauer. In vielen Anbaugebieten werden Schattenbäume oder Hecken gepflanzt, um die Pflanzen vor intensiver Sonneneinstrahlung zu schützen.
Tee wird oft von Hand geerntet, insbesondere bei der Produktion von qualitativ hochwertiger Ware. Gepflückt werden in der Regel die jungen Triebspitzen und Blätter. Für besonders hochwertige Tees werden nur die zwei jüngsten Blätter und die Endknospe geerntet. Die Arbeit ist körperlich anstrengend, wird oft in steilem Gelände verrichtet und ist meist schlecht bezahlt. Inzwischen werden jedoch auch Pflückroboter entwickelt, die mit Hilfe künstlicher Intelligenz arbeiten.
Für einfache Qualitäten wie Beuteltees wird Tee durch maschinelle Verfahren geerntet.In tropischen Gebieten kann ganzjährig geerntet werden, liegen die Plantagen weiter weg vom Äquator, verkürzt sich die Erntezeit auf wenige Monate.
Wie wird der Tee weiterverarbeitet?
Nach der Ernte müssen die frischen Blätter schnell weiterverarbeitet werden. Meist übernehmen größere Fabriken diese Aufgabe. Große Teeplantagen betreiben oft eigene Fabriken, beim kleinbäuerlichen Anbau verarbeiten nahegelegene Fabriken die gesammelte Ernte. Im Gegensatz zu Kaffee findet die Weiterverarbeitung meistens noch im Anbauland statt. Die Verarbeitung geschieht in fünf Stufen:
1.) Welken:Dadurch werden die Blätter weicher. Traditionell werden die Blätter dazu auf Netzen ausgebreitet und welken durch die natürlichen Bedingungen. In moderneren Anlagen laufen die Blätter durch belüftete Tunnel.
2.) Rollen:Das Rollen fördert den Austritt von Pflanzensaft und ätherischen Ölen. Auch beim Rollen unterscheiden sich traditionelle Verfahren von moderneren: Ursprünglich wurden die Blätter von Hand, später mit einfachen Maschinen gerollt. Einfache Qualitäten werden heute im sogenannten CTC-Verfahren hergestellt, das steht für “Crushing – Tearing – Curling”. Dabei werden die Blätter maschinell gerollt und zerrissen.
3.) Oxidation:Bei hoher Luftfeuchtigkeit werden chemische Prozesse angeregt. Die Oxidation wird im Rahmen der Teeverarbeitung auch “Fermentation” genannt, obwohl das biochemisch nicht ganz korrekt ist. Die Teeblätter werden dazu in Schichten von wenigen Zentimetern auf dem Boden oder auf Tischen ausgebreitet. Um die passende Luftfeuchtigkeit zu erreichen, werden Raumluftbefeuchter eingesetzt. Grüntee wird nicht oder kaum fermentiert, bei Gelbem Tee oder Oolong Tee wird die Oxidation frühzeitig abgebrochen. Nur bei Schwarztee wird sie vollständig durchgeführt.
4.) Trocknung:Durch Trocknung wird die Oxidation zu einem bestimmten Zeitpunkt mit Heißluft gestoppt.
5.) Sieben:Die Blätter werden nach Größe sortiert.
Welche ökologischen Auswirkungen hat der Teeanbau?
Tee findet die besten Wachstumsbedingungen in hochgelegenen oder bergigen Gebieten, in denen natürlicherweise Wald wächst. Für viele Teeplantagen mussten daher natürliche Wälder weichen. Teeplantagen sind zumeist Monokulturen. Ersetzen sie artenreiche Wälder, führt das zu einem erheblichen Rückgang der Biodiversität.
Da sie oft in Hanglagen angelegt werden, steigt zudem die Gefahr von Erosion – besonders bei Starkregen, der in den Tropen häufig auftritt. Im Gegensatz zu den ursprünglichen Wäldern mit unterschiedlich tief wurzelnden Bäumen, können die Wurzeln der Teepflanzen den Boden weniger gut festhalten. Ein weiteres Problem ist der Einsatz von Pestiziden in den Teeplantagen.
Wie sind die sozialen Bedingungen beim Teeanbau?
In einigen Regionen liegt die Produktion von Tee in der Hand kleinbäuerlicher Betriebe, in anderen dominieren große Plantagen. Viele Menschen, die Tee anbauen oder auf Plantagen arbeiten, leben in schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen. In klassischen Anbauregionen Südasiens und Ostafrikas liegen Löhne von Plantagenarbeiterinnen und -arbeitern häufig unter einem existenzsichernden Niveau. Oft werden unzureichende Löhne, lange Arbeitszeiten, mangelnder Arbeitsschutz sowie unzureichende Wohn- und Lebensbedingungen auf den Plantagen kritisiert.
Kleinbäuerinnen und -bauern haben zudem nur geringe Verhandlungsmacht gegenüber großen Aufkäufern und Fabriken. Nach einer Studie von Oxfam, einem internationalen Verbund von Hilfs- und Entwicklungsorganisationen, verdienen Arbeiterinnen und Arbeiter auf Teeplantagen in Assam, dem wichtigsten Teeanbaugebiet Indiens, mit umgerechnet 1,73 bis 2,14 Euro pro Tag weniger als die Hälfte des existenzsichernden Lohns.
Wie ist die Wertschöpfungskette im Teeanbau?
Die Wertschöpfungskette beim Tee ist lang. Ein großer Teil der Marge entsteht bei Verarbeitung, Markenaufbau und Handel, während Erzeugerinnen und Erzeuger meist nur einen kleinen Anteil des Endverbraucherpreises erhalten. Teepflückerinnen und -pflücker ernten in der Regel 20 bis 25 Kilogramm Teeblätter pro Tag.
Daraus lassen sich etwa fünf bis acht Kilo Tee erzeugen. Der Weltmarktpreis für Tee lag in den vergangenen Jahren bei rund 2,50 Euro pro Kilo. Im Groben lässt sich die Wertschöpfungskette wie folgt beschreiben:
Primärproduktion: Kleinbäuerliche Betriebe und Plantagen bauen Tee an, ernten und liefern frische Blätter an Fabriken.
Verarbeitung: Fabriken welken, rollen, oxidieren und trocknen den Tee, hier entstehen erste Qualitäts- und Preisunterschiede.
Handel und Auktionen: Ein Großteil des Tees wird über Auktionen oder Broker gehandelt, dabei bestimmen Qualitätsbewertungen und Marktstimmung die Auktionspreise.
Blending bezeichnet das Zusammenstellen verschiedener Tees zu Mischungen.
Blending, Verpackung, Marken: Importeure, Blender und Markenunternehmen mischen Chargen, verpacken und positionieren den Tee im Markt. Hier wird viel Mehrwert durch Marketing geschaffen.
Groß- und Einzelhandel: Supermärkte und Fachhandel verkaufen den verpackten Tee oft mit hohen Handelsaufschlägen.
Das starke Machtungleichgewicht in der Lieferkette führt zu sehr unterschiedlichen Anteilen an der Wertschöpfung: Laut der Oxfam-Studie zum Teeanbau in Assam gehen gut 86 Prozent des Endpreises an Supermärkte und Teeunternehmen. Nur 1,4 Prozent bleiben für Arbeiterinnen und Arbeiter auf den Plantagen. Geht man von einem Preis von drei Euro für eine Packung Tee aus entspricht das lediglich vier Cent.
Wie kann ich einen fairen Anbau von Tee unterstützen?
Im Teeregal finden sich verschiedene Siegel, die auf soziale oder ökologische Standards hinweisen. Zu den bekanntesten gehören Fairtrade und Rainforest Alliance. Sie setzen Anforderungen an Arbeitsbedingungen, Umweltaspekte und Mindestpreise, unterscheiden sich aber in Ausrichtung und Anspruch. Das Fairtrade-Siegel ist anspruchsvoller und legt unter anderem Mindestpreise und Prämien fest, die Kleinbäuerinnen und -bauern und ihren Organisat