Neue Geschäftsführung plant Strategieworkshops in Friedrichshafen; Leitbildentwicklung und neue Zielgruppen geplant

25.20.10 BTV - ZM JA 2025 - Anlage 3 - Lagebericht 2025

ZEPPELIN MUSEUM

FRIEDRICHSHAFEN

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1 Grundlagen des Unternehmens

1.1 Geschaftsmodell

Die Gesellschaft wurde mit notariell beurkundetem Gesellschaftsvertrag vom 16. Dezember 1992 errichtet. Das Stammkapital der Gesellschaft betragt 100.000 EUR. Gesellschafter sind:

  • Stadt Friedrichshafen 70%
  • Freundeskreis zur Férderung des Zeppelin Museums e.V. 30%

Das Zeppelin Museum hat seine Wurzeln in zwei historisch gewachsenen Museen: Dem Stadtischen Bodensee- Museum und dem Zeppelin-Museum der Luftschiffoau Zeppelin GmbH. Es ist also ein Zwei-Sparten-Museum und verfligt Uber die weltweit gro&te Sammlung zu allen Aspekten der Luftschifffahrt, insbesondere der Zeppelin Luftschiffe, sowie eine erganzende Sammlung zu den Tochterunternehmen des Zeppelin-Konzerns und seiner Nachfolgebetriebe bis in die jingste Vergangenheit. Dartber hinaus beherbergt das Zeppelin Museum eine umfangreiche Kunstsammlung, die Werke vom Mittelalter bis zur Gegenwart umfasst und sich durch regionale Schwerpunkte in Spatgotik, Barock, Rokoko sowie der klassischen Moderne auszeichnet, darunter mehrere hundert Werke umfassende Bestande von Otto Dix und Andreas Feininger.

Eigentimer der Sammlung ist die Stadt Friedrichshafen mit Ausnahme der von Dritten als Leihgaben zur Verfligung gestellten Exponate.

Gesellschaftszweck ist im Rahmen der kommunalen Aufgabenstellung die Férderung von Bildung und Erziehung sowie von Kunst und Kultur. Er wird insbesondere verwirklicht durch den Erhalt und den Betrieb des Zeppelin Museums in Friedrichshafen. Dieses Museum informiert Uber den Luftschiffoau, seine Technik und Geschichte und soll die Méglichkeit fur die Ausstellung von Kunstwerken jeder Art und Thematik schaffen.

Die Zeppelin Museum Friedrichshafen GmbH verfolgt in ihrer Sphare des Zweckbetriebs Museum ausschlieBlich und unmittelbar gemeinniitzige Zwecke im Sinne des Abschnitts ,Steuerbegtinstigte Zwecke“ der Abgabenordnung. Sie ist selbstlos tatig und verfolgt nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Interessen. Die Mittel der Gesellschaft dirfen nur fur ihre satzungsmaRigen Zwecke verwendet werden.

Neben dem musealen Zweckbetrieb betreibt und unterhalt die Zeppelin Museum Friedrichshafen GmbH noch wirtschaftliche Geschaftsbetriebe. Hierzu gehdren der Betrieb und die Unterhaltung des Museumsshops sowie der Toilettenanlagen, aber auch im Rahmen der Vermdégensverwaltung die Vermietung und Unterhaltung des Museumsrestaurants sowie der Raumlichkeiten fur den Kunstverein Friedrichshafen e.V.

Die Zeppelin Museum Friedrichshafen GmbH wird durch die Zeppelin-Stiftung sowie durch die Stadt Friedrichshafen regelmaRig bezuschusst. Die vom Gemeinderat in seiner Sitzung am 25.11.2013 beschlossene novellierte Betrauung galt fiir 10 Jahre ab Beschluss des Betrauungsaktes und wurde am 24.11.2017 aktualisiert.

1.2 Ziele und Strategien

Das Zeppelin Museum hat auch 2025 seine strategische Ausrichtung als Zwei-Sparten-Museum fiir Technik und Kunst mit der zentralen Frage nach den gesellschaftlichen und politischen Auswirkungen technischer Innovationen fortgefuihrt. Das gilt sowohl fir die Themen der Wechselausstellungen als auch fiir Erweiterungen der Sammlung in diese Richtung. In der 2. Halfte 2026 plant die neue Geschaftsflhrung Strategieworkshops, um das Museum neu zu denken und strategisch auszurichten. Ziel ist es mit neuen Blickwinkeln und Formaten neue Zielgruppen zu erreichen, ein Leitbild zu entwickeln und davon ausgehend Handlungsweisen zu generieren. Die Workshops sollen extern moderiert werden.

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1.2.1. Techniksammlung

Der vor einigen Jahren gefallte Gemeinderatsbeschluss zum Bau eines Kunstmuseums und die Nutzung der dann freiwerdenden Flachen des Hafenbahnhofs fir eine erweiterte Présentation der Innovations- und Industrieschichte Friedrichshafens ist inzwischen in weitere Ferne gerickt.

In einer in den nachsten Jahren anstehenden Neukonzeption der Zeppelin-Dauerausstellung sollen die technischen Innovationen und industriellen Entwicklungen kritisch im Kontext ihrer politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen auf die Menschen betrachtet werden. Ein erganzender Blick auf die Stadtgeschichte ist dabei geeignet, auch die Wechselwirkungen zwischen international wirksamen Technologien und lokaler Perspektive zu beleuchten. Wesentlich dabei ist auch die diskursive Auseinandersetzung mit Fragen aktueller und zukunftiger technischer Entwicklungen, die wir offen fuhren méchten. Ziel einer Neukonzeption sollte sein, die Zukunft ins Museum zu holen und sie als gestaltbaren Handlungsraum erfahrbar werden zu lassen, nicht zuletzt im Hinblick auf die drangenden Fragen der Nachhaltigkeit und eines veranderten Umgangs mit Ressourcen.

Um dies greifbar machen zu kénnen, wurde die Sammlung in den letzten Jahren um aussagekraftige Objekte zu diesen Aspekten erweitert. Hervorzuheben ist der SHW-Wagen von 1925 als langfristige Leihgabe aus dem Deutschen Museum in Minchen. Er steht fiir die erste groRe Transformation der Betriebe des Zeppelin-Konzerns nach dem Ersten Weltkrieg. Um die Sammlung méglichst eng an die Gegenwart anzuschlieRen, sammeln wir auch die ganz aktuellen Luftschiffentwicklungen wie den Pathfinder 1 aus den USA, der auf Initiative des Google- Mitbegriinders Sergey Brin gegenwartig unter Mitarbeit der Zeppelin Luftschifftechnik in Friedrichshafen entwickelt wird. Daruber hinaus haben wir im Zuge der 2024 erdffneten Wechselausstellung ,Choose your player. Spielwelten von Wirfel bis Pixel“ die Sammlung auch verstarkt in Richtung des aktuellen Gaming erweitert.

Eine interessante Perspektive ist die vom Deutschen Museum Munchen ausgesprochene Verhandlungsbereitschaft hinsichtlich der Nutzung wichtiger Objekte zur Luftschiffgeschichte im Falle einer zukinftigen Uberarbeitung der Dauerausstellung des Zeppelin Museums in Friedrichshafen.

Auch grundsatzlich werden Museen ihre traditionellen Kernaufgaben des Sammelns, Bewahrens, Forschens, Ausstellens und Vermittelns deutlich erweitern. Anzugehen sind auch in technischen Museen Digitalisierung, Provenienzforschung, Inklusion oder ein multiperspektivischer Umgang mit den Themen, um der an Museen gestellten Forderung an eine klare gesellschaftspolitische Positionierung in der Gegenwart und der Zukunft gerecht zu werden.

1.2.2. Kunstsammlung

Die Prasentation der Kunstsammlung ist seit Jahren unzureichend und wird dem Umfang, dem Wert und der Bedeutung der Sammlung nicht gerecht. Die zunachst als Sonderausstellung konzipierte Prasentation ,Eigentum verpflichtet*, die auf der seit 2016 aktiv vorangetriebenen Provenienzforschung beruht und zunachst durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg unterstitzt wurde, ist seit mehr als sieben Jahren dauerhaft installiert. Derzeit werden lediglich ca. 53 Werke (rund 1,3 % der Sammlung) gezeigt. Werke nach 1945 sowie zeitgenéssische Kunst sind vollstandig ausgeschlossen, zentrale Werkgruppen fehlen. Aktuelle museale Prasentationsstandards — insbesondere in Bezug auf partizipative, inklusive und erfahrungsorientierte Ansatze — werden nicht erfullt. Auch die AuRenwahrnehmung der Kunstsammlung hat durch die lange Laufzeit der Ausstellung abgenommen. Mit dem Namen Zeppelin Museum verbindet ein Grofteil der Besucher*innen weiterhin primar ein Museum zur Geschichte der Luftschifffahrt.

Da der Bau eines eigenstandigen Kunstmuseums derzeit nicht realisierbar erscheint, ist eine grundlegende Erneuerung der Sammlungsprasentation innerhalb der bestehenden Strukturen dringend erforderlich. Dabei muss

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jedoch beriicksichtigt werden, dass bedeutende Bestande, etwa von Otto Dix oder Andreas Feininger, aufgrund der insgesamt zu geringen Prasentationsflachen weiterhin nur ausschnitthaft gezeigt werden kénnen. Zudem besteht grundsatzlich die Gefahr, dass Leihgaben abgezogen werden, da sie im Zeppelin Museum nicht dauerhaft prasentiert werden kénnen.

Vor diesem Hintergrund arbeitet die Abteilung Kunst seit 2025 aktiv an einem Konzept zur Neuprasentation der Sammlung. Ausgangspunkt ist die Frage, wie sich kiinstlerische Erfahrungen in unser alltagliches Denken und Fuhlen einschreiben — und wie umgekehrt Alltagskontexte die Wahrnehmung von Kunst verandern. Ziel ist es, Kunst aus der Distanz der reinen Betrachtung zu lésen und in alltagliche Lebenswelten zu integrieren. Die Sammlung wird kunftig dabei nicht chronologisch oder medienbasiert prasentiert, sondern entlang gesellschaftlich relevanter Themen wie Korper, Macht, Arbeit, Migration, Verganglichkeit oder Hoffnung. Das Museum wird so zu einem Ort gelebter Erfahrung, an dem sich Kunst und Alltag in situativen Begegnungen immer wieder neu verschranken.

Parallel treibt die Abteilung Kunst gezielt strategische Ankaufe und Auftragsarbeiten marginalisierter Positionen voran, um weiblichen sowie nicht-westlichen Perspektiven mehr Raum zu geben. So wurden unter anderem Werke des kongolesisch-Radolfzeller Kollektivs Mukenge/Schellhammer sowie von Kasia von Szadurska, Marta Hoepffner, Ulrike Ottinger, Marie Ellenrieder und Romane Holderried Kaesdorf in die Sammlung aufgenommen.

Diese Ausrichtung tragt zu einer kritischen Neubewertung etablierter kunsthistorischer Narrative bei und spiegelt eine inklusive Sammlungspolitik wider, die auf die aktuelle ICOM-Museumsdefinition reagiert, in der Diversitat, Inklusion, Teilhabe und Nachhaltigkeit zentrale Leitlinien darstellen.

Eine weitere Saule der inklusiven Sammlungserweiterung ist die gezielte Einladung etablierter zeitgendssischer Kinstler*innen, die im Dialog mit den Bestanden des Museums neue Arbeiten entwickeln. 2024 wurden drei neue Werke der international tatigen Ktinstlerinnen Aziza Kadyri, Neil Beloufa und Christelle Oyiri in Auftrag gegeben, die ab Juni 2025 in der Wechselausstellung ,Bild und Macht" prasentiert werden und anschlieRend in die Kunstsammlung Ubergehen. In diesem Zusammenhang steht auch die neue Kooperation zwischen dem Zeppelin Museum und der ZF-Kunststiftung im Rahmen des RE-SEARCH. ZF-Forschungsstipendiums. Das bis 2029 angelegte Programm ermdglicht es jahrlich einer kiinstlerischen Position, ein Werk in engem Dialog mit den Sammlungsbestanden zu entwickeln und orts- sowie kontextspezifische Arbeiten im Spannungsfeld von Technik und Kunst zu realisieren. Zugleich sollten hier auch Vermittlungsraume konzipiert werden, die die Kunst erfahrbar machen, Méglichkeiten zur Reflexion, zum Diskurs und zur Teilhabe geben.

1.2.3. Zeppelin Archiv

Seit dem 1. Juli 2022 gehdrt das Unternehmensarchiv der Luftschiffoau Zeppelin GmbH, das bereits seit 1996 raumlich mit dem Zeppelin Museum vereint war, als Abteilung Archiv / Bibliothek zum Zeppelin Museum. Das Archiv der Luftschiffoau Zeppelin GmbH beinhaltet den weltweit gréRten Bestand zur Geschichte der Zeppelin-Luftschiffe sowie Bestande zur Geschichte des ehemaligen Luftschiffbau Zeppelin-Konzerns und _— seiner Nachfolgeunternehmen. Das Zeppelin-Archiv ist daher die zentrale Quelle fiir Forschungen und Projekte zu diesen Themen. Die historisch wertvollen und bedeutenden Archivbestande, zu denen auch eine umfangreiche Fachbibliothek und einzigartige Sammlungsobjekte gehéren, sind als Schenkung an die Stadt Friedrichshafen Teil der Stadtischen Technik- und Kunstsammlung. Damit konnte ein fiir die Geschichte und Identitat der Stadt Friedrichshafen zentraler Bestand fiir die Zukunft gesichert werden. Die Abteilung ist mit zwei unbefristeten Personalstellen besetzt (190 %). Im Februar 2025 wurde ein auf zwei Jahre befristetes Volontariat vergeben und damit vorubergehend eine weitere Personalstelle geschaffen.

Das Zeppelin Archiv hat 2024 sein Betatigungsfeld erweitert und erstmals Akten aus der Zeit von ca. 1950 bis 2015 von der Zeppelin GmbH mit rund 50 Laufmetern als Depositalbestand Ubernommen. Die Einzelheiten wurden in

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einem Depositalvertrag festgelegt. Mi