Christian Stucki wird Ambassador in Limpachtal; Steigert regionale Golf- und Schwing-Interesse.
Tee Time mit Christian Stucki
Tee Time mit Christian Stucki
Er ist der populärste Schwinger im Land und seit seinem Rücktritt vom Profisport nun vermehrt auf dem Green statt auf dem Sägemehl anzutreffen. Christian Stucki gewann alle wichtigen Schwingfeste der Schweiz und trug mit seinem sympathischen Charakter viel zur wachsenden Popularität des Schwingsports bei.
Wenn Christian Stucki auf seinem Platz abschlägt, wirkt das so, als wäre er hier zuhause. Vor seinen Füssen liegt das Berner Alpenpanorama mit Eiger, Mönch und Jungfrau, geschmückt von stattlichen Bauernhäusern, spriessenden Bäumen sowie ab und zu einem landwirtschaftlichen Gefährt, mit dem rund um den Golfplatz die Felder bewirtschaftet werden.
Limpachtal ist eine Welt, wo der Schwing- und der Golfsport sich landschaftlich und kulturell die Hand geben. Und doch räumt der einstige Kranzschwinger humorvoll ein: «Zwar entspricht meine Postur nicht jener des klassischen Golfers, und meine Hüftrotation ist nicht die beste!» Doch sei ihm der Einstieg leichtgefallen, als eine Truppe von befreundeten Sportlern rund um den Eishockeyspieler Mark Streit ihn vor ein paar Jahren fragten, ob er nicht mit ihnen ab und zu auf den Golfplatz komme.
«Profi werde ich sicher nicht»
Die Platzreife war schnell gemacht. Seither geht es regelmässig für ein paar Tage ins Piemont oder nach Crans-Montana. Dabei gehe es mehr um den Spass als um die Anzahl Schläge. «Profi werde ich sicher nicht, aber Golfen macht mir viel Freude – mit dem Aspekt, dass ich draussen bin und mit Freunden einen schönen Nachmittag verbringe.»
Christian Stucki kann gut verstehen, dass viele Spitzensportlerinnen und -sportler golfen. «Es ist ein guter Ausgleich. Du bist aktiv und verbringst eine gute Zeit zusammen.» Die Aussage, dass Golfen kein richtiger Sport sei, findet er falsch. «Vor allem der mentale Aspekt ist so herausfordernd wie bei jedem Leistungssport: Du musst ständig Entscheidungen treffen und dir eine Taktik zurechtlegen: Welches Eisen nimmst du? Wie ist der Wind? Schlägst du rein oder nicht? Manchmal liegst du falsch, manchmal nicht…»
«Der Driver bleibt mein Endgegner»
Und ausgelernt hat man auch im Golfsport nie. So ist Christian Stucki regelmässig auf der Driving Range, um an seinem Golfschwung zu feilen. «Ich versuche, mit dem ganzen Set zu spielen. Der Driver bleibt jedoch mein Endgegner, weil dort viel Slice drauf ist.» Er spielt in Limpachtal, wo sich das einzige Par-6-Loch der Schweiz befindet – dem mit 666 Metern längsten Fairway Westeuropas.
In Limpachtal ist er seit diesem Jahr auch Ambassador. «Da ich aus der Region komme, passt das gut für mich. Der Platz gefällt mir. Es ist ungezwungen und familiär.» Stuckis nächstes Ziel ist es daher auch, seine beiden Jungs und seine Frau fürs Golfen zu begeistern. «Es wäre schön, als Familie zu golfen und mehr Plätze kennenzulernen. Besonders reizen ihn jene, die mitten in den Bergen liegen, wie etwa Engelberg oder Ybrig.
Was macht Christian Stucki heute, nachdem er 2023 seinen Rücktritt vom Schwingsport gegeben hat – und wenn er nicht gerade auf dem Golfplatz ist? «Ich hatte das Glück, dass ich mit meinem Sport die Familie ernähren und einige Werbepartner über das Karriereende hinaus mitziehen konnte. So werde ich immer noch regelmässig gebucht für Auftritte aller Art.»
Wo immer Christian Stucki unterwegs ist, wird er sofort erkannt. Das hat auch damit zu tun, dass der Schwingsport in der Schweiz enorm an Popularität gewonnen hat. «In einer globalisierten Welt bekommen ländliche Traditionen eine neue Bedeutung. Der Schwingsport verkörpert eine «heile Welt», die etwas vom tristen Weltgeschehen ablenkt», nennt er als mögliche Erklärung.
Heute bleibt auch für den Schwinger etwas übrig
Dass sich immer mehr Leute fürs Schwingen interessieren, hat jedoch auch seine Schattenseiten. «Nicht nur das Eidgenössische ist zu einem Mega-Event geworden, auch die kleinen, regionalen Schwingfeste haben Mühe, den Publikumsandrang zu bewältigen.» Doch Christian Stucki möchte nicht jammern – durch die Attraktivität des Schwingsports bleibe auch für den Schwinger etwas übrig.
Hier schliesst sich der Kreis. Denn auch Golfen ist populärer geworden. «Der Schreiner spielt mit dem Banker, die Angestellte mit dem CEO. Das Handicap spielt keine Rolle. Hauptsache, alle verbringen eine gute Zeit», meint Stucki.
Zurückgeben möchte Stucki nach seiner Karriere auch seiner Familie etwas: «Da ich über viele Jahre viel unterwegs war und zuhause fehlte, bringe ich mich heute vermehrt in den Haushalt ein, sodass mein Tag gut ausgefüllt ist. Doch geniesse ich es auch, endlich mal etwas Luft zu haben und sagen zu können: «Jetzt gehe ich ab auf den Golfplatz!»
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