Bischof Bertram sendet Grußbotschaft zum Muharrem-Fasten/Aşure-Fest an alevitische Gläubige in Deutschland; Interreligiöser Dialog stärkt friedliches Zusammenleben.

Segenswünsche an alevitische Gläubige - Bistum Augsburg

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Für die Alevitinnen und Aleviten in Deutschland beginnt an diesem Dienstag das Muharrem-Fasten, dem sich am 28. Juni das Aşure-Fest anschließt. In einer Grußbotschaft übermittelt Bischof Bertram als Vorsitzender der Unterkommission der Deutschen Bischofskonferenz für den Interreligiösen Dialog, der alevitischen Gemeinschaft in Deutschland die Segenswünsche der deutschen Bischöfe.

Hier die Grußbotschaft im Wortlaut:

Liebe alevitische Gläubige, zum diesjährigen Muharrem-Fasten und dem sich anschließenden Aşure-Fest übermittle ich Ihnen im Namen der Deutschen Bischofskonferenz herzliche Glück- und Segenswünsche.

Die Tage des Muharrem-Fastens sind von Stille, Erinnerung und innerer Sammlung geprägt. Sie rufen Ihrer Gemeinschaft erneut in Erinnerung, dass Glaube stets mit Gerechtigkeit verbunden ist und das Leiden Unschuldiger niemals ohne Widerspruch hingenommen werden darf. Für Sie ist das Gedenken an Kerbela nicht nur ein Blick in die Vergangenheit, sondern ein bleibender Auftrag. Es geht darum, sich dem Unrecht entgegenzustellen und die Würde jedes Menschen zu schützen. Wir leben in Zeiten, die von Unsicherheiten und Polarisierung, Spannungen und Krieg geprägt sind. Religiöse Zugehörigkeiten werden dabei nicht selten instrumentalisiert, um Gräben zu vertiefen, statt Brücken zu bauen. Gerade deshalb kommt dem Dialog zwischen den Religionen eine hohe Bedeutung zu. Dialog ist nichts Optionales, sondern bildet eine wesentliche Voraussetzung für ein friedliches Zusammenleben in unserer Welt.

Auch Papst Leo XIV. hat in seiner kürzlich erschienenen Enzyklika Magnifica humanitas den Wert des Dialogs hervorgehoben. Er führt uns die Möglichkeiten vor Augen, die sich aus einem pluralen Miteinander ergeben: „gemeinsam zu bauen, Verschiedenheit in eine Ressource zu verwandeln und das Zuhören und den Dialog zur gemeinsamen Grundlage zu machen, auf der Gerechtigkeit und Geschwisterlichkeit gedeihen können“ (Nr. 10). Und speziell mit Blick auf die Verantwortung der Religionsgemeinschaften betont er: „Bei der Ablehnung der Logik der Gewalt spielt der interreligiöse Dialog eine entscheidende Rolle, weil im Herzen der großen spirituellen Wege eine Botschaft des Friedens liegt.“ (Nr. 223)

Friede wächst von innen nach außen: Es kommt darauf an, die Anderen wirklich als unsere Mitmenschen anzuerkennen – als Geschöpfe Gottes wie wir selbst. Gerade in dieser Haltung gibt es bedeutsame Berührungspunkte zwischen der christlichen und der alevitischen Spiritualität. Der Heilige Franz von Assisi, dessen 800. Todestag die katholische Kirche in diesem Jahr feierlich begeht, hat in besonderer Weise unser Bewusstsein dafür geschärft, dass das Lob des Schöpfers und die Wertschätzung der Schöpfung zusammengehören: „Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen“ – so heißt es am Anfang seines berühmten Sonnengesangs. Auch der große anatolische Mystiker Yunus Emre (gest. um 1321) hat eine ähnliche Haltung zum Ausdruck gebracht: „Liebe alle Geschöpfe, um des Schöpfers willen.“ Darin klingt eine Spiritualität der Verbundenheit an, die den Menschen nicht vereinzelt betrachtet, sondern ihn in Beziehung zu allem Leben sieht. Eine solche Form der „Beziehungsfähigkeit“ brauchen wir heute wieder mehr denn je.

Nach der zwölftägigen Fastenzeit werden Sie, verehrte alevitische Gläubige, auch in diesem Jahr das Aşure-Fest feiern. Aus diesem Anlass bereiten Sie eine traditionelle Süßspeise aus zwölf Zutaten zu. Die unterschiedlichen Bestandteile behalten ihre Eigenart und werden doch zu einem wohlschmeckenden Ganzen verbunden. So entsteht keine Gleichförmigkeit, sondern eine neue Form von Einheit, die Vielfalt als Reichtum sichtbar macht. Dies ist zugleich ein schönes Bild für die Pluralität unserer Gesellschaft, in der auch die Alevitinnen und Aleviten eine wichtige Rolle spielen.

Das Muharrem-Fasten und das Aşure-Fest können für uns alle zu einer Einladung werden, den Blick zu weiten und die Hoffnung auf ein gelingendes Miteinander wachzuhalten. Möge diese Zeit der Besinnung und des Neubeginns für Sie und Ihre Gemeinden zum Segen werden! Von Herzen wünsche ich Ihnen und allen, die Ihnen nahestehen, erfüllte Fastentage und ein friedliches Aşure-Fest.

Dr. Bertram Meier Bischof von Augsburg Vorsitzender der Unterkommission für den Interreligiösen Dialog

Hintergrund Die Fastenzeit der Aleviten im Monat Muharrem, dem ersten Monat des islamischen Kalenders, dauert in diesem Jahr vom 16. bis 27. Juni. Während dieser zwölf Tage, deren Zahl an die zwölf Imame erinnert, gedenken die Aleviten insbesondere des gewaltsamen Todes des Imam Hüseyin nebst 72 Familienangehörigen und Anhängern im Jahr 680 bei der Schlacht von Kerbela. Im Anschluss an das Fasten – in diesem Jahr am 28. Juni – feiern die Aleviten das Aşure-Fest. Dieses ist nicht mit dem Aschura-Tag der Schiiten und der Sunniten zu verwechseln, mit dem sich zum Teil ähnliche, zum Teil aber auch unterschiedliche Überlieferungen verbinden.

Bischof Dr. Bertram Meier. (Foto: Bernd Müller

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