SPD Hamburg-Harburg beantragt Entsiegelung des Museumsplatzes in Harburg umfassend; Grünflächen senken Lufttemperatur um bis zu 4 °C
22-1893 - Antrag SPD betr. Entsiegelung des Museumsplatzes - Harburg
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Antrag SPD betr. Entsiegelung des Museumsplatzes
Der Museumsplatz besitzt eine zentrale kulturelle und städtebauliche Funktion innerhalb der Harburger Innenstadt. Er liegt unmittelbar am Archäologischen Museum Hamburg, das zu den wichtigsten kulturhistorischen Einrichtungen der Region gehört und über 2,5 Millionen Exponate verwaltet. Zugleich ist der Platz Teil der sogenannten Museumsachse, die das Harburger Rathaus mit dem Museumsbereich verbindet und eine repräsentative Verbindung innerhalb der Innenstadt darstellt. Diese Achse wurde bewusst als hochwertiger öffentlicher Raum mit Aufenthaltsqualität konzipiert. Der Museumsplatz selbst besitzt darüber hinaus mit dem Thörlbrunnen aus dem Jahr 1914, gestiftet vom Industriellen Friedrich Thörl, ein historisches und denkmalgeschütztes Element im öffentlichen Raum. Vor diesem Hintergrund sollte der Platz nicht ausschließlich als Verkehrs- oder Durchgangsfläche betrachtet werden, sondern als städtischer Aufenthalts-, Kultur- und Begegnungsraum.
Städtische Flächen mit hoher Versiegelung verstärken die sogenannte urbane Wärmeinsel. Versiegelte Bereiche können im Sommer deutlich höhere Temperaturen aufweisen als ihr Umland. Durch zusätzliche Grünflächen und Baumbestand kann die lokale Lufttemperatur hingegen um bis zu 4 °C gesenkt werden, wodurch Aufenthaltsqualität und Gesundheitsschutz verbessert werden. Begrünung reduziert außerdem Hitzestress deutlich: Ein Grünflächenanteil von etwa 40 % kann extreme Hitzebelastungen in Städten etwa halbieren. Versiegelte Flächen führen dazu, dass Niederschläge direkt in die Kanalisation abfließen. Entsiegelte Böden können Regenwasser dagegen aufnehmen und verzögert versickern lassen, wodurch Überlastungen der Kanalisation reduziert werden. Damit trägt eine Entsiegelung gleichzeitig zur klimaresilienten Stadtentwicklung bei. Städtisches Grün verbessert die Luftqualität, bindet Feinstaub und schafft Lebensräume für Insekten und andere Tiere. Gerade im dicht bebauten Innenstadtbereich kann selbst eine kleinere Grünfläche einen messbaren ökologischen Effekt haben.
Eine Kombination aus Grünflächen, Aufenthaltsbereichen und Wasseranlagen fördert nachweislich das soziale Miteinander im öffentlichen Raum und steigert die Aufenthaltsdauer von Besucherinnen und Besuchern. Für den Museumsplatz bedeutet dies konkret:
Aufwertung der Museumsachse als urbaner Aufenthaltsraum
Steigerung der Aufenthaltsqualität für Museumsbesucher, Theatergäste und Passanten
Verbesserung der Aufenthaltsqualität für Veranstaltungen im Umfeld des Museums
Die Errichtung eines Pavillons könnte mehrere Funktionen erfüllen: Ein Pavillon bietet einen wettergeschützten Aufenthaltsort, der insbesondere im Sommer Schatten spendet. Verschattungselemente können die gefühlte Temperatur in Städten um bis zu 10 °C reduzieren.
Der Pavillon könnte genutzt werden für kleine Kulturveranstaltungen, Lesungen oder Vorträge des Museums, Stadtteilveranstaltungen und
oder Informationsangebote zu Archäologie und Stadtgeschichte. Damit würde die kulturelle Funktion des Museums stärker in den öffentlichen Raum verlängert. In Kombination mit Sitzmöglichkeiten und Begrünung kann der Pavillon als niedrigschwelliger Treffpunkt im Quartier dienen und den Platz stärker beleben.
Der historische Thörlbrunnen stellt bereits heute ein prägendes Gestaltungselement des Museumsplatzes dar. Eine Neugestaltung des Platzes könnte seine Wirkung deutlich verstärken. Mögliche Maßnahmen könnten Sitzgelegenheiten im Umfeld des Brunnens, Einbindung in eine grüne Platzgestaltung, Integration von schattenspendenden Bäumen und barrierearme Aufenthaltsflächen sein. Wasserflächen besitzen eine zusätzliche mikroklimatische Wirkung: In Verbindung mit Verschattung und Begrünung können sie zur Abkühlung des unmittelbaren Umfeldes beitragen und so einen attraktiven Aufenthaltsort im Sommer schaffen. Der Brunnen könnte so zu einem zentralen Erholungs- und Begegnungsort innerhalb der Harburger Innenstadt werden.
Die Entwicklung eines neuen Gestaltungskonzepts für den Museumsplatz bietet die Chance, die kulturelle Bedeutung des Ortes zu stärken, die Aufenthaltsqualität in der Harburger Innenstadt deutlich zu erhöhen, einen Beitrag zur klimaangepassten Stadtentwicklung zu leisten sowie den historischen Brunnen und das Umfeld des Museums zu einem attraktiven Naherholungsort aufzuwerten. Die Bezirksversammlung sollte daher die Verwaltung beauftragen, eine Ausschreibung fürs entsprechende Gestaltungskonzept durchzuführen und das Ergebnis der Bezirksversammlung vorzulegen.
Die Bezirksverwaltung Hamburg-Harburg wird gebeten, für den Museumsplatz zwischen der Knoop- und der Wilhelmstraße ein Gestaltungskonzept zu entwickeln, das eine größtmögliche Entsiegelung sowie Flächenbegrünung des Platzes in Berücksichtigung des Ensembles der historischen Gebäude sowie des Denkmalschutzes vorsieht.
Über den Sachstand zum Gestaltungskonzept soll im 2. Quartal 2027 im Ausschuss für Klima-, Umwelt- und Verbraucherschutz unter Zuladung des Regionalausschuss Harburg ein Zwischenbericht gegeben werden.
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