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title: "Landesverband der Vertriebenen und Spätaussiedler in Sachsen verlagert Zuständigkeit; Innenministerium übernimmt ab 1. Juli 2026"
sdDatePublished: "2026-06-16T12:40:00Z"
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Landesverband der Vertriebenen und Spätaussiedler in Sachsen verlagert Zuständigkeit; Innenministerium übernimmt ab 1. Juli 2026

Vertriebene-und-Spätaussiedler_Ausgabe40-final.indd

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Landesverband der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen / Schlesische Lausitz e. V.
Erinnerung, Begegnung, Integration – Stifung der Vertriebenen im Freistaat Sachsen
Jahrgang 16 / Nummer 1

Frühling/Sommer 2026
VERTRIEBENE
UND SPÄTAUSSIEDLER
IN SACHSEN
40
Danzig

2
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Editorial
Liebe Heimatfreunde,
Wir freuen uns, dass Sie trotz aller Sparzwänge die neue Aus-
gabe unserer Verbandszeitung in Ihren Händen halten kön-
nen. Wir danken allen, die sich wiederum für die Herausgabe
und die inhaltsreichen Texte eingesetzt haben; das ist nicht
selbstverständlich.
Unser Verband hatte einen sehr guten Aufakt mit dem
Jahresempfang in Dresden, der uns positive politische Be-
achtung brachte: gerade mit Blick auf die Aufstellung des
zukünfigen Doppelhaushaltes erscheint dies wichtig. Was
unseren Verband stärken wird, ist die Überleitung der Zu-
ständigkeit für die Spätaussiedler vom Sozialministerium an
das Innenministerium ab 1. Juli 2026. Eingeschlossen ist da-
bei auch die Förderung des Aussiedlerverbandes. In der Zei-
tung ﬁnden Sie ebenso ein Interview mit Tomas Konhäuser,
der im Kuratorium unserer Stifung mitwirkt und mit seinen
Erfahrungen aus der Kulturstifung uns schon viel Unter-
stützung hat zukommen lassen. Wir wollen diese Interview-
reihe kontinuierlich fortsetzen. Ein herzlicher Glückwunsch
geht an den neuen Vorstand der Stifung: Vorsitzender ist
nunmehr Henry Hufenreuther, Stellvertreter Dr. Manfred
Hellmund und Schatzmeisterin Claudia Florian. Ich, Frank
Hirche, war über ein Jahr krank und muss kürzer treten. Ein
Dank geht insbesondere an Claudia und Manfred, die mei-
nen „Ausfall“ so gut kompensiert haben. Bedeutsam ist die-
ses Jahr der 85. Jahrestag der Auﬂösung der Wolgarepublik,
den wir besonders begehen wollen. Jetzt wünschen wir Ihnen
viel Spaß beim Lesen und freuen uns auf viele Begegnungen,
vor allem natürlich zum Gedenktag.
Ihr Frank Hirche, Landesvorsitzender,
und Ihr Dr. Jens Baumann, Beaufragter für Vertriebene und
Spätaussiedler im Freistaat Sachsen
Inhalt
Editorial
2
Impressum
2
Titel
3
•
Danzig
3
Nachrichten

3
•
Gedenktag Vertreibung der Ungarndeutschen und Besuch
des ungarischen Staatspräsidenten in Pirna
5
•
Stifung der Vertriebenen & Transferraum Heimat unter
neuer Leitung
6
•
Jahresempfang des Landesverbandes der Vertriebenen
und Spätaussiedler gemeinsam mit der Stifung EBI
6
•
Neujahrsempfang des Regionalverbandes der Vertrie benen
& Spätaussiedler Chemnitz/ Südwestsachsen am 11. Feb.
2026 in der Begegnungsstätte an der Limbacher Str. 101
7
•
Am 21. Februar 2026 trafen sich Ost-und Westpreußen
und auch Schlesier
8
•
Besuch im Käthe-Kollwitz-Haus
8
•
Am 25.4.2026 trafen sich 50 Schlesier und mit ihnen verbun-
dene Landsleute bei strahlendem Sonnenschein im „Elb-
paradies“ Oberposta zum diesjährigen Frühlingsfest
9
Interview
10
•
Interview mit Tomas Konhäuser, dem Geschäfsführer
der Kulturstifung der deutschen Vertriebenen
10
Erinnerung
11
•
(K)Ein Ort der Erinnerung in Leipzig
11
•
Internationaler Frauentag gefeiert
12
•
Historische Messe am 19. April 2026 in der Kirche Maria
Himmelfahrt im Kloster Ossegg mit dem Administrator
des Bistums Leitmeritz Bischof Stanislav Přibyl
13
•
Die Schlesier kochten wieder in Dorf Wehlen
13
Zum Schmunzeln
14
Wir gratulieren
15
Wir gedenken
16
Reingelesen
18
Reingeschaut
19
Veranstaltungen
20
Impressum
Herausgeber: Landesverband der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen/Schlesische Lausitz e.V.,
Geschäfsstelle: Werminghoﬀstraße 11, 02977 Hoyerswerda, Telefon: 03571/605187, E-Mail: c.ﬂorian-lvs@t-online.de
www.lvs-in-sachsen.de, www.bvs.sachsen.de
Redaktion: Dr. Lars-Arne Dannenberg, Tel.: 035795/16010, E-Mail: info@azkg-dd.de
Titelbild: St. Marienkirche in Danzig, September 2023 Foto: Aneta Pawska, ohne Änderungen,
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bazylika_Mariacka,_Ratusz_G%C5%82%C3%B3wnego_Miasta,_Gda%C5%84sk.jpg
Gesamtherstellung: Zentrum für Kultur//Geschichte, Dorfstraße 3, 01665 Käbschütztal OT Niederjahna
Artikel und Beiträge senden Sie bitte an die Redaktion. Übernahme und Kürzung behalten wir uns vor. Es besteht kein Anspruch auf Abdruck
eingesandter Beiträge. Die Autoren tragen die Verantwortung für die Bildrechte der Abbildungen ihrer Artikel. Namentlich gekennzeichnete
Artikel müssen nicht die Meinung des Herausgebers bzw. der Redaktion wiedergeben. Berichte sind bis spätestens zum 15. Oktober 2026 ein-
zureichen. Spätere Eingänge können keine Berücksichtigung mehr ﬁnden.
Diese Maßnahme wird ﬁnanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushalts.

3
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Unter den vielen Städten mit deutscher Vergangenheit au-
ßerhalb der Grenzen der Bundesrepublik Deutschland sticht
Danzig hervor, weil sich mit dieser Hansestadt so vielfältige
Ereignisse und Begriﬀe verbinden: die reiche Hafenstadt an
der Ostsee, ihre Zugehörigkeit zu Polen und Preußen, die
Bildung der Freien Stadt Danzig als teilsouveräner Staat, die
Auseinandersetzungen zwischen Polen und dem Deutschen
Reich um die deutsche Ostgrenze, der Beginn des Zweiten
Weltkriegs, aber auch der Nobelpreisträger Günter Grass
oder die Danziger Lenin-Werf als Keimzelle der Freiheits-
bewegung Polens und der Gewerkschaf Solidarność – all das
ist Danzig in der historischen Erinnerung. Peter Oliver Loew,
heute Direktor des Deutschen Polen-Instituts, sprach sogar
vom „Erinnerungsort Europas“.
Nur von 1871 bis 1920 und von 1939 bis 1945 war Danzig
Teil des deutschen Nationalstaats. Die längste Zeit ihrer
mehr als tausendjährigen Geschichte gehörte die Stadt zum
Königreich Polen. Und dennoch wurde Danzig als deutsche
Stadt wahrgenommen. Die Bewohner sprachen mehrheitlich
einen plattdeutschen Dialekt, die Verkehrssprache im Hafen
war deutsch, die Akten der Bürgerschaf wurden in deutscher
Sprache geführt, ja auch ein Sesshafwerden in anderen Han-
sestädten, wie Rostock oder Hamburg, war zu keiner Zeit ein
Problem. Das alte Königreich Polen war ein multiethnischer
Staat, in dem es auch deutschsprachige oder gemischtspra-
chige Städte gab, wie eben Danzig, das eine autonome Stel-
lung innerhalb des (polnischen) Königlichen Preußen be-
saß. Als Danzig 1793 bei der zweiten Teilung Polens an das
Königreich Preußen ﬁel, änderte sich an der sprachlichen
und ethnischen Zusammensetzung nichts. Die Stadt wurde
in das straﬀ organisierte Staatssystem Preußens einbezogen,
und es vollzog sich eine rasche mentale Integration in den
preußischen Staat. Danzig war die Hauptstadt der Provinz
Westpreußen und erlebt in den Jahren um 1900 eine erneute
Blütezeit, von der bis heute staatliche Bauwerke zeugen.
Nach dem Ersten Weltkrieg gab es keine ethnische Begrün-
dung für eine Einbeziehung Danzigs in den wiedergegründe-
ten polnischen Staat. Aus den Volkszählungen der Zwischen-
kriegszeit geht hervor, dass rund 96,5 Prozent der Bewohner
Deutsche waren. Dass Danzig zum Zankapfel wurde, lag an
der Zusage des amerikanischen Präsidenten Woodrow Wil-
son (1856–1924), Polen solle einen Zugang zur Ostsee mit ei-
nem funktionsfähigen Seehafen erhalten. Die alte Hafenstadt
Danzig bot sich dafür an, war sie doch der traditionell bedeu-
tendste Umschlagplatz für Waren aus dem Weichselgebiet,
doch lehnte die übergroße Mehrheit der Stadtbevölkerung
einen Anschluss an Polen ab. Die Siegermächte des Ersten
Weltkriegs fanden einen Kompromiss: Im Versailler Vertrag
wurden die Stadt Danzig und ihr Umland vom Deutschen
Reich abgetrennt und zu einer Freien Stadt unter Aufsicht
des Völkerbundes erklärt. Danzig wurde in das Zollgebiet
Polens einbezogen und die Eisenbahn unter polnische Ver-
waltung gestellt. Der Hafen stand unter der Aufsicht eines
mit Danzigern und Polen paritätisch besetzten Ausschusses.
Die Danziger waren gegen die Abtrennung vom Reichsge-
biet, aber sie mussten sich fügen – und bauten die ehemals
preußische Provinzstadt in einen autonomen Freistaat um,
mit eigenem Parlament, eigener Währung und eigener Hym-
ne. Nahezu alle Parteien in Deutschland wie auch das Par-
Danzig
lament der Freien Stadt Danzig, der Volkstag, strebten eine
Revision des Versailler Vertrages und eine Rückkehr zum
Deutschen Reich an. Vor Ort agierten dieselben politischen
Gruppierungen wie in der Weimarer Republik, darunter
auch die NSDAP Danzigs, die bei der Wahl am 28. Mai 1933
die absolute Mehrheit im Volkstag erhielt. Ab Juni 1933 hatte
Danzig eine nationalsozialistische Regierung, die alle Maß-
nahmen der Gleichschaltung, der Judenverfolgung und der
Diktaturdurchsetzung, die sich im Deutschen Reich vollzo-
gen, mit kurzer zeitlicher Verzögerung auf die Hansestadt
übertrug – freilich dadurch gebremst, dass die Freie Stadt
unter Aufsicht des Völkerbunds stand. Gegen einen umge-
henden Anschluss Danzigs an das Deutsche Reich sprachen
internationale Verträge und politische Erwägungen Hitlers,
der 1934 mit Polen einen Nichtangriﬀspakt schloss. Der
Überfall auf Polen wurde durch eine politische Kampagne
vorbereitet, in der Hitler die polnische Regierung auﬀorder-
te, einer Zugehörigkeit Danzigs zum Deutschen Reich zuzu-
stimmen. Am 1. September 1939 begann die Wehrmacht mit
dem Angriﬀ auf Polen. Noch am gleichen Tag verfügte der
Danziger Gauleiter der NSDAP, Albert Forster (1902–1952),
der sich wenige Tage zuvor zum Staatsoberhaupt erklärt hat-
te, die „Wiedervereinigung der Freien Stadt Danzig mit dem
Deutschen Reich“. Die Eingliederung Danzigs in den deut-
schen Staat geschah unter Bruch des Völkerrechts und war
deshalb 1946 ein expliziter Anklagepunkt in den Nürnberger
Kriegsverbrecherprozessen.
Im Potsdamer Abkommen vom 2. August 1945 stimmten die
Westmächte und die Sowjetunion zu, dass die früher deut-
schen Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie an Polen fallen,
„einschließlich des Gebietes der früheren Freien Stadt Dan-
zig“. Danziger Exil-Organisationen vertreten jedoch bis heu-
te die Ansicht, die Freie Stadt Danzig bestehe als Staat und
Völkerrechtssubjekt de jure weiter. Man argumentiert, die am
1. September 1939 vollzogene Angliederung an das Deutsche
Reich sei verfassungswidrig gewesen – und demzufolge auch
die spätere Angliederung an den polnischen Staat. Faktisch
aber gibt es kein Danziger Staatsvolk mehr – es wurde in der
Nachkriegszeit vertrieben.
Das alte Danzig wurde im März 1945 fast vollständig ver-
nichtet. Damals setzte die Rote Armee zum Angriﬀ auf die
mit Flüchtlingen überfüllte Stadt an. Nach Abzug der letzten
deutschen Truppen gaben die sowjetischen Eroberer die Stadt
am 30. März 1945 zur Plünderung frei – und setzten Haus für
Haus, Straße für Straße in Brand. Die Vernichtungsorgie war
militärisch völlig sinnlos. Danach war Danzigs Altstadt ein
einziges Trümmerfeld, aus dem nur die Außenmauern der
großen Kirchen herausragten.
Die Polen, die die Stadt in Besitz nahmen, entschieden sich
für einen großﬂächigen Wiederaufau der historischen Alt-
stadt. Für die Rekonstruktion sprach aus polnischer Sicht,
dass die Stadt während ihrer Blütezeit im 16. und 17. Jahr-
hundert zum Königreich Polen gehört hatte und die Altstadt
somit als polnisches Kulturgut zu betrachten war. Die erste
Phase des Wiederaufaus begann 1948 und war Mitte der
1950er Jahre abgeschlossen. Dabei entstanden ganze Quar-
tiere neu – als Demonstration des Lebenswillens der polni-
schen Nation, aber auch, um den polnischen Anspruch auf
die Danziger Geschichte zu untermauern. Der Wiederaufau
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TITEL

4
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begründete den guten Ruf der polnischen Denkmalpﬂege.
Gebrochen durch die polnische Neuinterpretation, ist das
„alte Danzig“ wiedererstanden, auch wenn noch nicht alle
Spuren des Krieges beseitigt sind.
Im letzten Jahrzehnt hat Danzig zwei monum