ETH Zürich lanciert das Programm «ETH Netto-Null» in Zürich; 2030: 50% Emissionsreduktion

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Sustainability Programm «ETH Netto-Null» Auf dem Weg zu einer klimafreundlichen Hochschule

2 3 Programm «ETH Netto-Null» Programm «ETH Netto-Null»  Die ETH Zürich begreift Klimaschutz als integralen Bestandteil ihres institutionellen Auftrags. Als öffentliche Hochschule und Teil der dezentralen Bundesverwaltung ist sie gesetzlich verpflichtet, ihre direkten und indirekten Treibhausgasemissionen bis spätestens 2050 auf Netto-Null zu senken. Darüber hinaus strebt sie im Sinne der im Klimaschutz- und Innovationsgesetz verankerten Vorbildfunktion an, bereits bis 2040 eine Netto-Null-Bilanz in allen relevanten Emissionsbereichen zu erreichen. Vor diesem Hintergrund hat die ETH Zürich im Jahr 2024 das Programm «ETH Netto-Null» lanciert – nicht als kurzfristige Reaktion auf regu­latorische Vorgaben, sondern als Ausdruck ihres Selbstverständnisses als Institution, die Wissen schafft und Verantwortung übernimmt und gesellschaftliche Transformation aktiv mitgestaltet. Der Programm-Charakter von «ETH Netto-Null» trägt dem ge- setzlichen Auftrag, der thematischen Breite, der fachlichen Kom- plexität sowie den Erwartungen der ETH-Angehörigen Rechnung. Er ermöglicht eine strategische Koordination und Priorisierung zentraler Hebel und stärkt die Vernetzung zwischen den Schul- leitungsbereichen, den Departementen sowie bestehenden Gre- mien- und Beteiligungsstrukturen. Institutionelle Ver­ankerung des Netto-Null Programms Getragen wird das Programm durch eine klar strukturierte Gover- nance. Die Programmsteuerung umfasst elf Personen und vereint Vertretungen aus den Schulleitungsbereichen sowie je eine Stän- devertretung der Studierenden und der Professor:innen. Ergänzt wird sie durch ein Sounding Board mit derzeit 17 Mitgliedern aus der ETH-Gemeinschaft, das zusätzliche Perspektiven von Pro- fessor:innen, Mitarbeitenden, Doktorierenden, Studierenden und Alumni einbringt. Ein gemeinsamer Lernprozess in Richtung Netto-Null Im Zentrum von «ETH Netto-Null» stehen die transformativen Projekte – jede Initiative spiegelt die DNA des Programms wider und setzt die Ziele von Emissionsreduktion, Innovation und institu- tioneller Transformation konkret um. Das Programmmanagement koordiniert diese Projekte, bündelt Reporting, Zeitplanung, Bud- get, Risiken und Gremienarbeit und sorgt so für eine kohärente und wirkungsvolle Umsetzung. In den vergangenen zwei Jahren ist so eine Steuerungsstruktur gewachsen, die bestehende Zuständigkeiten für eine effiziente und effektive Umsetzung der Massnahmen nutzt. «ETH Netto- Null» entwickelt sich damit zu einem gemeinsamen Lern- und Veränderungsprozess, der die gesamte Institution aktiv einbe- zieht. Zeitmarke 2030: Gezielte Reduktion spezifischer Emissionen Die Ambition des Programms ist eng mit dem Grundauftrag der ETH verknüpft: Als wissenschaftliche Institution, Bildungsstätte und Betreiberin komplexer Infrastrukturen übernimmt sie Ver- antwortung im eigenen Betrieb und wirkt dabei wesentlich an der Dekarbonisierung und Transformation von Gesellschaft und Wirtschaft mit. Ein zentraler Meilenstein ist das Zwischenziel 2030: Bis dahin sollen die direkten Emissionen, die indirekten Emissionen aus Energie sowie die Emissionen aus Geschäftsreisen um 50 Prozent reduziert werden. Für die Emissionen aus den Lieferketten (Sco- pe 3) wird eine Reduktion von mindestens 20 Prozent angestrebt. Diese Zielsetzungen werden in einem regulatorischen Umfeld verfolgt, das sich laufend weiterentwickelt. GEMEINSAM VERANTWORTUNG ÜBERNEHMEN AUF DEM WEG ZU NETTO-NULL «Die ETH Zürich versteht Klima­- schutz als eine gemeinsame Aufgabe, getragen von Mitarbeitenden, Forschenden und Studierenden mit unterschiedlichen Rollen und Perspektiven» Prof. Dr. Ulrich Weidmann, Vizepräsident für Infrastruktur und Nachhaltigkeit, ETH Zürich Der Weg zu Netto-Null ist ein Prozess, der Entscheidungen er- fordert, Kompromisse aushält – und vor allem in den Alltag ein- zieht. Diese differenzierte Herangehensweise ist essenziell, um wirkungsvolle und tragfähige Lösungen zu entwickeln: Die Expe- dition zu Netto-Null ist nicht nur ein technisches oder finanzielles Vorhaben – sie ist auch eine Frage des Miteinanders. Die ETH Zürich versteht Klimaschutz als gemeinsame Aufgabe – eine, die nur gelingt, wenn Studierende, Forschende und Mitarbeitende sie in ihrer täglichen Arbeit mittragen: in Entscheidungen, in Projek- ten, in neuen Ideen. Genau dafür steht der Pioniergeist der ETH Zürich – und genau das braucht es. Der Weg zu Netto-Null erfor- dert Veränderung – und beginnt mit dem Wissen um die Selbst- wirksamkeit im organisationalen Gefüge unseres spannenden ETH-Universums.

4 5 Programm «ETH Netto-Null»  Programm «ETH Netto-Null»  HIGHLIGHTS AUS DEN TRANSFORMATIVEN PROJEKTEN Die Etablierung der Programmstruktur sowie die Einführung eines einheitlichen Reporting- und Controlling-Tools schafft Übersicht über Massnahmen, Kosten, Einsparungen und Emissionswirkungen; Entscheidungsgrundlagen werden vergleichbar und priorisierbar. Die Sichtbarkeit des Programms innerhalb der ETH ist hoch – ebenso die Anschlussfähigkeit an bestehende Prozesse und Zuständigkeiten. Heizungssteuerung – mit erwarteten Ein- sparungen von 20 bis 40 Prozent. Emissionsreduzierte Dienstreisen Bei diesem transformativen Projekt geht es darum, die Treibhausgasemissionen aus dienstlich veranlassten Reisen an der ETH Zürich bis 2030 deutlich zu reduzieren und bis 2040 Netto-Null zu erreichen. Dazu zählen insbesondere Flugreisen, Reisen mit dem öffentlichen Verkehr (z. B. Zug, Bus, Tram) sowie Fahrten mit motorisier- tem Individualverkehr (z. B. Privatwagen, Taxi oder Mietwagen). Dazu werden Anrei- ze für klimafreundlichere Reiseentschei- dungen geschaffen und gezielt Massnah- men unterstützt, die Emissionen senken, wo Reisen weiterhin stattfinden. Emissionsreduzierte Beschaffung Eine breite Lieferantenbefragung und -Analyse hat die CO2-Management-Reife und Emissions-Hotspots sichtbar werden lassen. Die geplanten Massnahmen zur Bereitstellung von unternehmens- und beschaffungsbezogenen CO2-Daten sind ambitioniert. Harmonisierte ökologische Zuschlagskriterien fliessen nun systema- tisch in Beschaffungsvorlagen ein, die An- wendung wird über SAP erfasst. Auf der ETHIS-Plattform wird die Beschaffung von nachhaltigen Produkten gefördert. Emissionsreduzierte Infrastruktur Die Bautätigkeit der ETH ist der schwie- rigste – und wichtigste – Teil des Wegs zu Netto-Null. Mit der Einbindung von Real Estate Management und konkreten Ar- beitssträngen zu Flächensuffizienz, Future of Work und dem HIL Living Lab werden Veränderungen sichtbar. Darüber hinaus bilden die aktualisierten baulich-techni- schen Vorgaben mit Fokus nachhaltiges Aus Emissionssicht ergibt sich für das Jahr 2025 erstmals eine Reduktion um rund 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese Entwicklung ist unter anderem auf ein reduziertes Beschaffungsvolumen, weniger Flugreisen sowie den Abschluss emis­sionsintensiver Grossbauprojekte zurückzuführen. Aufgrund anstehender Bauprojekte ist jedoch mit einem erneuten Anstieg der Emissionen zu rechnen. Der jährliche ETH Net Zero Day dient als wiederkehrender Moment, um Fortschritte sichtbar zu machen, einzuordnen und den Transformationsprozess zu erfahren. Dekarbonisierter Campus Mittlerweile liegen für fast alle Bereiche Umsetzungsplanungen vor, die grösste Emissionsreduktion wird die fossilfreie Wärmeversorgung auf dem Hönggerberg bringen. Mit wenigen gezielten Massnah- men werden die Gebäude praktisch aus- schliesslich mit der Abwärme aus Pro- zessen und über Wärmepumpen beheizt. Ein weiterer Fortschritt konnte bei der Optimierung der Dampferzeuger im HPL Gebäude erzielt werden. Energieeffizienz & erneuerbare Energie Der Photovoltaikausbau schreitet voran – für die Gebäude LCA (Lugano), FST, EHA, EHB (Lindau) und HCP (Hönggerberg) sind die Vorprojekte abgeschlossen und die PV-Module werden in diesem Jahr instal- liert. Weiter wird mit den Partnern USZ, UZH, der SBB und Energie 360° im Jahr 2037 eine Seewasserleitung in Betrieb genommen, welche den Campus Zentrum ökologisch klimatisieren wird. Zusätzlich hat die Schulleitung die Warmwasserstra- tegie verabschiedet, und im ETZ-Gebäude läuft mit viboo ein Pilot zur prädiktiven Bauen den verbindlichen Rahmen für die Besteller- und bauherrenspezifischen An- forderungen der ETH Zürich und gelten für alle Bauvorhaben. Scope 3 Exploration Nachhaltigkeitsaspekte fliessen in Caterer- Verträge ein und ein übergreifender Stan- dard für die ETH-Gastronomie wird vor- bereitet. Das Label für nachhaltige und inklusive Events – seit Ende 2024 bei über 60 ETH-Anlässen in Gold oder Silber ver- geben – macht klimafreundlicheres Ver- anstalten sichtbar. GreenLabs unterstützt Labore in der Nachhaltigkeitstransforma- tion durch zentrale Massnahmen und eine Zertifizierung. Emissionsreporting Pilotprojekte zur präziseren Erfassung von Beschaffungsemissionen und die Weiterentwicklung von Methoden und Sys- temgrenzen erhöhen Transparenz, Ver- gleichbarkeit und Belastbarkeit der Bilanz. Netto-Null Reallabore Mit dem in den institutionellen Prioritäten verankerten Reallabor-Ansatz will die ETH ihre Campus als Experimentier- und Lern- felder nutzen. Lehre, Forschung und Be- trieb werden eng miteinander verknüpft und Lösungen unter realen Bedingungen entwickelt, getestet und umgesetzt. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse unmittelbar in die Praxis zu überführen und Ergebnisse aus dem Betrieb in Lehr- und Forschungsprozesse zurückzuspielen. Eine Arbeitsgruppe mit breiter Beteiligung hat ein Reallabor-Konzept erarbeitet – und die Vizepräsidien Infrastruktur und Nach- haltigkeit und Forschung treiben nun des- sen Umsetzung voran. w w w . e t h z . c h / n e t t o

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Nachhaltigkeit & Ethik in der Lehre Mit einer dedizierten Projektleitung und gesicherter Finanzierung liefert das Pro- jekt erste konkrete Produkte: Nachhaltig- keits- und Ethik-Linsen auf dem ETH-Kom- petenzraster, einen Innovedum-Call zur Förderung von entsprechenden Lehrpro- jekten und eine wachsende Sammlung von Lehrbeispielen aus ETH-Departementen und ENHANCE+-Partneruniversitäten, und vieles mehr ist in Arbeit. Kommunikation & Community Engagement Das Projekt setzt auf engagierende Kom- munikation, die die Ziele von «ETH Netto- Null» sichtbar macht und den institutio- nellen Wandel aktiv unterstützt. Genutzt werden dabei interne News, Newsletter, die ETH-Sustainability-Website sowie eine ETH-weite Netto-Null-Rubrik. Ergänzt wird dies durch einen Netto-Null-Styleguide und ein einheitliches Branding. Ein Kommuni- kationskonzept bis 2030 legt die Grundlage für gezielte Kampagnenwellen und strate- gische Ansprache. So wird Nachhaltigkeit erlebbar und die aktive Mitwirkung der gesamten Institution gestärkt. Hinweis: Scope 3 Emissionen wurden einmalig in 2017 berechnet und daher bis 2023 als konstant angenommen. Die Daten für 2030/2040 sind extrapoliert zur Darstellung der Zielerreichung. Direkte Emissionen – Scope 1 Indirekte Emissionen – Scope 2 Indirekte Emissionen – Scope 3 (Dienstreisen) Indirekte Emissionen – Scope 3 (Rest) Die Hauptquellen der ETH Treibhausgasemissionen 2025, tCO2eq (Stand: 16.04.2026) 2,699 Indirekte Emissionen durch Energielieferanten 6,735 Direkte Emissionen aus ETH-Gebäuden (Heizung, Kühlung und Fahrzeugflotte) 10,422 Emissionen aus Dienstreisen 29,500 Weitere Kategorien aus Scope 3 (z.B. Kantinen, Pendlerverkehr) 12,500 ICT Hard- und Software 15,500 Gebäudebetrieb und Unterhalt 18,000 Wissenschaftliche Apparate, Maschinen und Werkzeuge 26,500 Laborbedarf 32,000 Immobilien und Infrastruktur Ungefähr 153,000 tCO2eq über Scopes 1–3 2006 2012 2017 2020 2025 2030 2040 210,000 180,000 150,000 120,000 90,000 60,000 30,000 0 «Unver­ meidbare» Emissionen werden neutralisiert … Scope 3 – Unvermeidbar Scope 3 – Rest Scope 3 – Dienstre