Natalie Oberholzer Postulat Naturpädagogik Basel-Landschaft; BKSD übernimmt bereichsübergreifende Koordination

«Lernen in und mit der Natur» gehört zum Bildungsauftrag - GRÜNE Baselland

«Lernen in und mit der Natur» gehört zum Bildungsauftrag

Postulat von Natalie Oberholzer für die Landratssitzung am 11. Juni 2026

«Lernen in und mit der Natur» ist ein ganzheitlicher Bildungsansatz, der den Wissenserwerb durch direktes Erleben in der Natur ins Zentrum stellt. Er macht Lehrplaninhalte «be-greifbar» und unterstützt die Umsetzung des Lehrplans Volksschule Basel-Landschaft. Die naturpädagogischen Methoden fördern sowohl fachliche wie auch überfachliche und soziale Kompetenzen. Gleichzeitig stärken sie die physische wie psychische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen. «Lernen in und mit der Natur» gewinnt in unserer digitalisierten Welt als notwendiger Ausgleich zunehmend an Bedeutung.

Im Lehrplan wird die Nutzung von ausserschulischen Lernorten und der Besuch von Fachleuten (wie Förster, Jäger, etc.) explizit empfohlen. In den Grundlagen zu NMG wird betont, dass die Verbindung von Lernen innerhalb und ausserhalb der Schule von zentraler Bedeutung ist. Und in den didaktischen Hinweisen des Lehrplans Volksschule Basel-Landschaft werden ausserschulische Lernorte wie die naturnahe Umwelt mit Wald, Weiher, Wiesen, Gärten, Fliessgewässer ebenfalls explizit genannt. Zudem heisst es im Bericht «BNE in der obligatorischen Schule» des Bundesrates vom 16.6.2023: Das Schulnetz 21 (Schweizerisches Netzwerk gesundheitsfördernder und nachhaltiger Schulen) unterstützt zusammen mit Kantons- und Gemeindebehörden die Schulen bei der Einrichtung gesunder und nachhaltiger Lern-, Arbeits- und Lebensräume.

«Lernen in und mit der Natur» gehört zum Bildungsauftrag. Trotz der vielen nachweislich [*] , positiven Effekte auf den Lernerfolg und auf die körperliche wie psychische Gesundheit wird dieser Bildungsansatz im Kanton Basel-Landschaft jedoch zu wenig genutzt oder umgesetzt – aus strukturellen Gründen: Eine kantonale Fach- und Beratungsstelle für naturbezogene Umweltbildung, wie sie andere Kantone (AG, SO, SG, BE, LU) kennen, fehlt. Zuständigkeit und Finanzierung ausserschulischer naturpädagogischer Angebote sind weder klar geregelt noch langfristig gesichert. Viele Lehrpersonen würden das «Grüne Klassenzimmer» gerne öfter nutzen, scheitern jedoch an fehlenden naturpädagogischen Kompetenzen, Outdoor-Skills oder am Geld für externe Fachbegleitung (naturpädagogisch ausgebildete Forstleute, Biolog:innen, Gärtner:innen etc.).

Bisher unterstützt das Amt für Wald und Wild beider Basel den Teilbereich Waldpädagogik zu einem kleinen Teil, um einigen, wenigen Klassen das Ökosystem Wald und die Waldbewirtschaftung näher zu bringen. Der Bedarf der Schulen liegt jedoch bei einem Mehrfachen und nicht nur bei Waldthemen. Weitere naturpädagogische Schulmodule wurden bisher über Stiftungen finanziert und von externen Institutionen angeboten.

Doch eigentlich ist «Lernen in und mit der Natur» Sache der Bildung und damit der BKSD. Denn der Bildungsauftrag der Volksschule, gemäss Interkantonaler Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule, lautet: «Die Schülerinnen und Schüler werden in ihrer Entwicklung zu eigenständigen Persönlichkeiten, beim Erwerb sozialer Kompetenzen sowie auf dem Weg zu verantwortungsvollem Handeln gegenüber Mitmenschen und Umwelt unterstützt (Art. 3 Abs.3).» Und im Lehrplan Volksschule Basel-Landschaft, unter Bildung für nachhaltige Entwicklung zur Leitidee und Umsetzung im Unterricht, steht, unter dem fächerübergreifenden Thema « Natürliche Umwelt und Ressourcen» der Hinweis: «Die Schülerinnen und Schüler erhalten Gelegenheit, die Natur ganzheitlich zu erfahren …».

Andere Kantone finanzieren Naturschulen oder bieten Naturpädagogik für Schulen über Naturparks oder Naturzentren an. Im Kanton Basel-Landschaft existiert weder ein Naturpark noch ein Naturzentrum, welche diese ganzheitliche, interdisziplinäre Bildung mit gesundheitsförderndem Nebeneffekt übernehmen könnte.

Um das erfolgreiche «Lernen in und mit der Natur» mit Mehrfachnutzen, flächendeckend umsetzen zu können, bitte ich den Regierungsrat zu prüfen und zu berichten:

1: Anerkennung und Bestandsaufnahme der Naturpädagogik Der Regierungsrat soll darlegen, inwiefern er die wissenschaftlich belegten Vorteile der Naturpädagogik – darunter Förderung von Konzentration, Lernmotivation, Sozialkompetenz und ganzheitlichem Lernen – anerkennt, und eine Bestandsaufnahme bestehender Angebote und Schulen im Kanton Basel-Landschaft vorlegen, die «Draussen unterrichten» bereits institutionalisiert haben, inklusive nachweisbarer Wirkungen auf Gesundheit, persönlicher Entwicklung und Lernerfolg.

2: Institutionalisierung und direktionsübergreifende Koordination mit BKSD im Lead Die BKSD soll den Lead für «Lernen in und mit der Natur» übernehmen und – gemeinsam mit den kantonalen Umwelt- und Gesundheitsfachstellen – prüfen, wie eine direktionsübergreifende Beratungs- und Koordinationsfunktion aufgebaut werden könnte, beispielsweise durch den Ausbau der Koordinationsstelle Schulnetz21 oder durch einen entsprechenden Leistungsauftrag an externe Fachpersonen. Dabei soll auch aufgezeigt werden, wie Naturpädagogik inkl. Waldpädagogik besser in bestehende oder neue Gefässe integriert werden können.

3: Finanzielle Ressourcen und Rahmenbedingungen Der Regierungsrat soll aufzeigen, welche kurz- und langfristigen finanziellen Mittel und Rahmenbedingungen notwendig sind, um die Umsetzung der Lehrplaninhalte zum ausserschulischen Lernort Natur zu sichern, weiteren Klassen den Zugang zu Umweltbildungsangeboten [**] in der Natur (über waldspezifische Angebote hinaus) zu ermöglichen und den Bildungsauftrag «Umwelt» sowie die NMG-Lehrplanziele für alle Schulstufen nachhaltig zu stärken.

4: Verankerung in Aus- und Weiterbildung Die BKSD soll in Zusammenarbeit mit der PH FHNW prüfen, wie Naturpädagogik in der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen stärker verankert werden kann – unter anderem durch den kostenfreien Zugang zu bestehenden Weiterbildungsangeboten (z. B. «Wald tut gut») für Lehrpersonen aus dem Kanton Basel-Landschaft, durch gezielte Weiterbildungsangebote sowie durch die Prüfung, ob Naturpädagog:innen fest an Schulen angestellt werden sollen.

[*] Kuo, M., Barnes, M., Jordan, C. (2022). Do Experiences with Nature Promote Learning? Converging Evidence of a Cause-And-Effect Relationship. In: Jucker, Rolf, von Au, Jakob (eds) High-Quality Outdoor Learning. Evidence-based Education Outside the Classroom for Children, Teachers and Society. Springer, Cham.

[**] In der Beantwortung der Interpellation 2024

213 wird aufgezeigt, dass hauptsächlich ausserschulische Angebote unterstützt, welche sich mit der Berufsbildung befassen. Gemäss Bildungsgesetz beinhaltet der Bildungsauftrag aber auch noch «Umwelt».

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