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title: "Internationale Studierende wurden auf dem Campus der TU Ilmenau mit Hartgummigeschossen beschossen; Rassistische Gewalt sichtbar"
sdDatePublished: "2026-06-16T09:06:00Z"
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  - "Ilmtal-Weinstraße"
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  - "Meiningen"
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  - "Apolda"
  - "Weimar"
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  - "Sömmerda (Landkreis)"
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  - "Saale-Orla-Kreis"
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  - "Jena"
  - "Thüringen"
  - "Mühlhausen"
  - "Wartburgkreis"
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Internationale Studierende wurden auf dem Campus der TU Ilmenau mit Hartgummigeschossen beschossen; Rassistische Gewalt sichtbar

THÜRINGER
ZUSTÄNDE
FAKTEN UND ANALYSEN
Rechtsextremismus
und gruppenbezogene
Menschenfeindlichkeit
im Freistaat Thüringen 2025

Inhalt
Executive Summary

S. 5
Grußwort der Thüringer
Ministerin für Soziales, Gesundheit,
Arbeit und Familie

S. 8
Vorwort der Herausgeber*innen

S. 10
Mehr als nur Druck
Die demokratische Zivilgesellschaft
Thüringens zwischen
rechtsextremen Angriffen und
Delegitimierungsversuchen aus dem
demokratischen Lager
Cornelius Helmert,
Lisa Wagenschwanz
& Axel Salheiser

S. 12
Die emotionale Anziehungskraft
der AfD und zivilgesellschaftliche
Gegenimpulse
Hannah Merkle & Christian Nöth

S. 19
Im digitalen Umfeld der AfD in
Thüringen – Populistische
Kommunikation auf Telegram im
Bundestagswahljahr 2025
Julius Weiske, Vladimir Bojarskich
& Julian Kauk

S. 25
Wenn die „schwarze Sonne“ im
Klassenzimmer Schatten wirft –
Herausforderungen und Umgang
mit der extremen Rechten im
Kontext Schule
Pea Doubek & Sarah Dressler

S. 33
When „the ground is vibrating“:
Perspektiven internationaler
Studierender und Fachkräfte auf den
Aufstieg der AfD in Thüringen
Laura Dellagiacoma & Luisa Conti

S. 40
Ort der Widersprüche: Ilmenau nach
dem rassistischen Angriff an der TU
Ilmenau am 10. April 2025
Sabina Idrisova & Johanna Schäfer

S. 46
Völkische Untergangsrhetorik und
antisemitische Weltbilder bei „Freies
Thüringen“
RIAS Thüringen-Autor*innenteam

S. 51
Zehn Todesopfer rechter Gewalt in
Thüringen: Wissenschaft unterstützt
zivilgesellschaftliche Forderung nach
Anerkennung
Franziska Schestak-Haase
& Stefanie Schreiber

S. 57

Was heißt es, Thüringer*in
zu sein? Regionale Zugehörigkeit
zwischen Offenheit
und Ausgrenzung
Helene Franke, Robin Graichen
& Marion Reiser

S. 65
Rechte, rassistische und
antisemitische Gewalt bleibt 2025 in
Thüringen alarmierend hoch
Theresa Lauß & Stefanie Schreiber

S. 72
Jahresrückblick 2025 – Thüringen als
Aktionsraum und Wegbereiter
bundesweiter Entwicklungen
Team Mobile Beratung in
Thüringen (MOBIT)

S. 79
Spannungsfelder
diversitätsorientierter
Demokratiearbeit im ländlichen
Raum Thüringens
Friederike Hobein & Johanna Treidl

S. 85
Autor*inneninformationen
S. 92
Impressum
S. 96

5
Executive Summary
Im Jahr 2025 haben sich die Angriffe und Bedrohungen gegen die demokrati-
sche Zivilgesellschaft Thüringens durch rechtsextreme Akteur*innen intensi-
viert. Zugleich haben demokratische Akteur*innen deren Narrative und Delegitima-
tionsversuche übernommen und z. T. in Regierungs- und Verwaltungshandeln
integriert.
Extrem rechte Metapolitik ist immer auch „Gefühlsarbeit“. Vor allem die AfD
macht sich das zunutze. Diese Tatsache erfordert eine entschlossene Reaktion durch
zivilgesellschaftliche Akteur*innen im Kampf gegen die extreme Rechte.
Im Bundestagswahljahr 2025 zeigte sich in der Telegram-Kommunikation der
AfD ein anderes Bild als oft angenommen: Statt einer zunehmenden Zuspitzung
populistischer Sprache traten offizielle Parteikanäle im heißen Wahlkampf vergleichs-
weise moderater auf, während das parteinahe Unterstützerumfeld konstant und un-
gefiltert kommunizierte. Diese Arbeitsteilung verweist auf unterschiedliche Rollen
und Funktionen innerhalb des digitalen Kommunikationsraums der Partei. Gleich-
zeitig deutet die überproportionale Erwähnung kleinerer und mittlerer Städte in offi-
ziellen und parteinahen AfD-Telegramkanälen auf eine langfristige regionale Veran-
kerung hin.
Für Schulen sind die Herausforderungen im Umgang mit der extremen Rech-
ten immens. Die Qualität und Quantität von Vorfällen haben massiv zugenommen.
Aus der Beratungspraxis von MOBIT wird dieser Befund verdeutlicht und es werden
Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt.
Der Aufstieg der AfD verstärkt bei internationalen Studierenden in Thüringen
spürbar Verunsicherung, insbesondere durch auch offene rassistische Erfah-
rungen im Alltag. Dies ergibt sich aus den ARAPiS-Interviews mit internationalen
Studierenden und Absolvent*innen der Uni Jena. Diese Wahrnehmungen beeinflus-
sen ihre Zukunftspläne und können Abwanderung fördern. Gleichzeitig wirkt Jena als
vergleichsweise offener Standort stabilisierend – insbesondere durch seine Interna-
tionalität und eine sichtbare, aktive Zivilgesellschaft, die als zentraler Haltfaktor fun-
giert.

6
Executive Summary
Am 10. April 2025 wurden auf dem Campus der TU Ilmenau internationale
Studierende aus einem fahrenden Auto mit Hartgummigeschossen beschos-
sen, mehrere Personen wurden verletzt. Betroffene bewerten die Tat nicht als
Einzelfall, sondern als Ausdruck eines rassistischen Klimas und alltäglicher Anfein-
dungen. Die institutionelle Kommunikation wurde teils als verharmlosend und un-
empathisch wahrgenommen, während zivilgesellschaftliche Solidarität wichtige Un-
terstützung bot. Der Angriff wirkte als Brennglas für bestehende Unsicherheiten und
verdeutlichte den Bedarf an klarer Positionierung, Schutz und strukturellen Konse-
quenzen.
Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) Thüringen er-
fasst und dokumentiert antisemitische Vorfälle in Thüringen auf wissen-
schaftlicher Basis. Insbesondere aus dem rechtsextremen Spektrum lassen sich
ideologische Verschränkungen von modernem Antisemitismus, völkischer Unter-
gangsideologie und Antijudaismus beobachten, die auch in die AfD hineinragen.
2025 kommt das unabhängige Gutachten „Todesfälle mutmaßlich rechter Ge-
walt in Thüringen seit 1990“ zu dem Ergebnis, dass mindestens zehn Men-
schen im Freistaat infolge rechter Tatmotivation starben. Die Forscher*innen
empfehlen die offizielle Anerkennung der Todesfälle sowie eine Reform des polizei-
lichen Meldesystems. Damit bestätigt die Studie weitgehend die Einschätzungen zi-
vilgesellschaftlicher Akteur*innen, welche seit Jahren davon ausgehen, dass es in
Thüringen mehr Todesopfer rechter Gewalt gibt als den bislang einzig anerkannten
Ermordeten Karl Sidon.
Wer gilt als Thüringer*in? Auf Basis des Thüringen-Monitors 2025 wird unter-
sucht, welche Zugehörigkeitskriterien die Bevölkerung für relevant hält und
wie diese mit migrant*innenfeindlichen Einstellungen zusammenhängen. Die
Ergebnisse zeigen: Erwerbbare, partizipative und emotionale Kriterien dominieren
das Zugehörigkeitsverständnis. Dennoch halten 47 % der Befragten die Geburt in
Thüringen für wichtig. Dieses exklusive, herkunftsbasierte Zugehörigkeitsverständ-
nis geht häufig mit migrant*innenfeindlichen Einstellungen einher. Regionale Identi-
tät kann je nach Verständnis integrativ oder ausgrenzend wirken.
Im Jahr 2025 hat die Opferberatung ezra im Rahmen ihres unabhängigen Mo-
nitorings zu rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Thüringen
181 Angriffe erfasst, bei denen mindestens 292 Menschen direkt betroffen
oder mit angegriffen wurden. Damit fanden in Thüringen mehr als drei rechte Ge-

7
Executive Summary
walttaten pro Woche statt. Folglich bewegen sich die Fallzahlen weiterhin auf dem
sehr hohen Niveau der letzten Jahre. Von einer nachhaltigen Deeskalation kann an-
gesichts der Bedrohungslage für (potenziell) Betroffene rechter Gewalt nicht die
Rede sein. Vielmehr wird eine Gewöhnung an rechte Gewalttaten beobachtet.
Thüringen bleibt ein zentraler Raum für rechtsextreme Entwicklungen. Die
elektoralen Erfolge der AfD sowie die mannigfaltigen Aktivitäten der gesamten anti-
demokratischen Bewegung mit all ihren Ausprägungen setzten sich auf sehr hohem
Niveau fort. Thüringen steht bei diesen Entwicklungen im Zentrum als Aktionsraum
und Wegbereiter bundesweiter Entwicklungen.
Als zentrale Akteur*innen der Demokratiearbeit stehen Selbstorganisationen
und Selbstvertretungsstrukturen marginalisierter Communities, insbesonde-
re im ländlichen Raum Thüringens, vor vielfältigen Herausforderungen. Trotz
zunehmend widriger Bedingungen ermöglichen sie gesellschaftliche Teilhabe und
verdeutlichen einmal mehr die Notwendigkeit einer auf Vielfalt und Inklusion be-
dachten Engagementpraxis.

8
Grußwort
der Thüringer Ministerin
für Soziales, Gesundheit,
Arbeit und Familie

Liebe Leserinnen und Leser,
ich freue mich, dass die Thüringer Zustände nun bereits zum sechsten Mal vorliegen.
Sie sind ein gemeinsames Produkt von Institutionen und Organisationen aus Wis-
senschaft und Zivilgesellschaft, deren wichtige Arbeit durch das Landesprogramm
für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit DenkBunt ermöglicht wird. Damit steht
die Publikation beispielhaft für eine erfolgreiche Zusammenarbeit, die Wirkung ent-
faltet. Als faktenbasierter Seismograf machen die Thüringer Zustände Jahr für Jahr
sichtbar, wie es um die Demokratie in Thüringen steht. Zugleich geben sie Impulse
für staatliches wie zivilgesellschaftliches Handeln, um das respektvolle Miteinander
ohne Diskriminierung zu stärken und zu schützen. Dafür möchte ich den Herausge-
berinnen und Herausgebern sowie Autorinnen und Autoren herzlich danken.
Die aktuellen Beiträge zeigen, wie Menschen und Vereine zunehmend unter Druck
geraten, wenn sie sich im Alltag – sei es in der Schule, in der Feuerwehr oder in der
Straßenbahn – für Menschenwürde und Demokratie einsetzen. Sie sehen sich An-
feindungen, Diskreditierungskampagnen und gar gewaltsamen Angriffen aus dem
rechtsextremen Spektrum ausgesetzt. Wer jeden Tag Mut beweist, sich einmischt
und Zivilcourage zeigt, verdient unsere Unterstützung. Unsere offene Gesellschaft
braucht den Schulterschluss aller Demokratinnen und Demokraten gegen Hass und
Hetze.
Antisemitismus, Rassismus, autoritäre Sehnsüchte und Populismus sind keine Rand-
phänomene, sondern gesamtgesellschaftliche Probleme. Das zeigen die aktuellen
Thüringer Zustände erneut sehr deutlich. Umso wichtiger sind Initiativen, die demo-
kratische Werte und das respektvolle Miteinander stärken.
Hier setzt das Landesprogramm für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit Denk-
Bunt an. Es verbindet politische Bildung, Prävention, Teilhabe und Beratung. Die
durch das Programm geförderten Projekte und Maßnahmen richten sich an Bürge-
rinnen und Bürger im gesamten Freistaat, in den Städten wie auch im ländlichen
Raum. Sie unterstützen Betroffene rechter Gewalt, stärken demokratische Kompe-
tenzen und schaffen flächendeckend Räume für Begegnung, Dialog und Beteiligung.

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Das breite Qualifizierungsangebot richtet sich auch an Mitarbeitende in Schule, Ver-
waltung, Polizei und Justiz. Damit verfolgt das Landesprogramm einen ganzheitli-
chen Ansatz zur Stärkung der Demokratie sowie zur Prävention von gruppenbezo-
gener Menschenfeindlichkeit und Demokratiefeindlichkeit.
Gerade in Zeiten zunehmender Polarisierung, wachsender Demokratieunzufrieden-
heit und eines erstarkenden Rechtsextremismus leisten diese vielfältigen Initiativen
einen wichtigen Beitrag zum demokratischen Zusammenhalt. Sie unterstützen Men-
schen dabei, Verantwortung zu übernehmen, sich in demokratische Prozesse einzu-
bringen und Konflikte konstruktiv zu lösen. So tragen sie dazu bei, Menschenrechte,
Solidarität und Respekt im Alltag zu verankern und das Fundament unseres demo-
kratischen Gemeinwesens zu stärken.
Das Landesprogramm für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit DenkBunt schafft
dafür einen verlässlichen Rahmen. Gemeinsam mit den vielen engagierten Men-
schen, die sich tagtäglich für Demokratie, Vielfalt und ein respektvolles Miteinander
einsetzen, leistet es einen unverzichtbaren Beitrag zu einem vielfältigen, lebenswer-
ten und zukunftsfähigen Thüringen.
An dieser Stelle gilt mein Dank allen, die sich für das zivilgesellschaftliche Leben in
Thüringen engagieren, das Zusammenleben stärken und sich besonders für unsere
gemeinsamen Werte und unsere Demokratie einsetzen.
Katharina Schenk
Thüringer Ministerin für Soziales,
Gesundheit, Arbeit und Familie
Bildquelle:
Paul-Philipp Braun

10
Vorwort der Herausgeber*innen
Mit der vorliegenden sechsten Ausgabe der Thüringer Zustände setzen wir ein Projekt
fort, das sich in den vergangenen Jahren als wichtiger Bestandteil der kritischen Beob-
achtung gesellschaftlicher und p