Luzerner Kantonsspital bietet spezialisierte Palliative Care in Luzern; Gütesiegel Qualität in Palliative Care seit 2026
Palliative Care – verlässlich, vernetzt, vorausschauend | Luzerner Kantonsspital
Palliative Care – verlässlich, vernetzt, vorausschauend
Palliative Care – verlässlich, vernetzt, vorausschauend
Das Wichtigste für die Praxis
Frühzeitig: Palliative Care kann ergänzend zu krankheitsmodifizierenden Therapien eingesetzt werden und unterstützt frühzeitig bei Symptomlinderung, Therapiezielklärung und Entscheidungsfindungsprozessen.
Vielseitig: Am LUKS Luzern bieten wir eine spezialisierte stationäre Palliativbetreuung für Erwachsene, eine ambulante Palliativ-Sprechstunde sowie einen Konsiliardienst an.
Interprofessionell: Ein spezialisiertes Team aus verschiedenen Fachbereichen arbeitet eng zusammen und unterstützt primäre Behandlungsteams bei komplexen Fragestellungen.
Vernetzt: Die enge Zusammenarbeit mit Zuweisenden, Hausärztinnen und -ärzten sowie externen Partnerinstitutionen ermöglicht eine koordinierte, bedarfsgerechte Weiterbetreuung.
Spezialisierte Palliative Care – beständig, evidenzbasiert, zertifiziert Palliative Care ist ein integraler Bestandteil einer modernen, patientenzentrierten Gesundheitsversorgung. Sie richtet sich an Menschen mit schweren, fortschreitenden oder lebenslimitierenden Erkrankungen und verfolgt das Ziel, Lebensqualität zu erhalten, Symptome zu lindern und Patientinnen und Patienten sowie ihre Angehörigen in belastenden Situationen umfassend zu begleiten. Zahlreiche Forschungsarbeiten konnten reproduzierbar die positiven Effekte für Betroffene und Angehörige zeigen (1). Seit 2012 besteht am LUKS Luzern eine Schwerpunktabteilung, die sich der spezialisierten Palliative Care widmet. Zusätzlich kümmern sich an den weiteren LUKS-Standorten Teams um die regionale palliative Basisversorgung. Auch im Kinderspital Zentralschweiz kümmert sich ein Team um die Palliativversorgung der Kinder und Jugendlichen. Die spezialisierte Palliative Care kommt zum Einsatz, wenn die Komplexität bzw. eine instabile Krankheitssituation dies erfordern und die alleinige Betreuung in der palliativen Grundversorgung (z. B. hausärztliche Sprechstunde, Betreuung in häuslicher Umgebung mit Spitex) nicht mehr ausreichend ist. Als integraler Bestandteil des Tumorzentrums wurde die Schwerpunktabteilung bereits 2014 durch die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) zertifiziert und seither wiederholt erfolgreich reevaluiert (letztmals 2024). Zudem wurden die Palliative Care und die Medizinische Onkologie 2023 durch die Europäische Gesellschaft für Medizinische Onkologie (ESMO) als «Designated Centre of Integrated Oncology and Palliative Care» akkreditiert. Seit Januar 2026 verfügt die Schwerpunktabteilung Palliative Care über das Schweizer Gütesiegel «Qualität in Palliative Care».
Für welche Patientinnen und Patienten? Das Angebot der Palliative Care am LUKS Luzern richtet sich an Menschen aller Altersgruppen mit unterschiedlichen Grunderkrankungen (z.B. Herzinsuffizienz, chronischen Lungenerkrankungen, neurodegenerativen Krankheiten, Krebserkrankungen) und komplexen palliativen Bedürfnissen – unabhängig davon, ob sie sich noch in einer krankheitsmodifizierenden Therapie befinden oder der Fokus bereits primär auf der Symptomlinderung liegt. Die Aufnahmegründe basieren auf der 2014 aktualisierten Liste «Indikationskriterien spezialisierte Palliative Care» des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) (2), die vier Gruppen umfasst: a) Somatisch: Schwergradige Symptome (z.B. Schmerzen, Dyspnoe, Nausea, Inappetenz etc.) und Symptomgruppen. (z.B. Instabilität des Allgemeinzustandes) b) Psychisch: Exazerbationen vorbestehender Erkrankungen und Krisen durch das Erleben der sich rasch verschlechternden somatischen Krankheit. c) Sozial
organisatorisch: Überlastung des Betreuungsnetzwerks in der häuslichen Umgebung, häufige Notfallhospitalisationen (mehr als zwei pro Halbjahr), komplexe Entscheidungsfindung z.B. bezüglich Therapien, Beeinträchtigung der Urteilsfähigkeit, Herausforderungen im Kontext der Betreuung fremder Kulturen. d) Existenziell
religiös: Bedürfnisse im Zusammenhang mit Lebensbilanz, Lebenssinn, Trauer, Schuld und spirituellen bzw. religiösen Ritualen.
«Medizin ist professionelle Hilfe durch gelingende Interaktion auf der Basis von wissenschaftlicher Expertise in Verknüpfung mit verstehender Zuwendung.» (5)
Ein geeignetes Instrument zur Identifizierung von Menschen mit spezialisiertem Palliative-Care-Bedarf stellt das P-CaRES-Modell dar (3), dessen deutsche Version auf der Internetseite von Palliativ Luzern aufgerufen werden kann. 1 Im Projekt «Nationale Indikationskriterien MPD», das von palliative.ch lanciert wurde, wird als Indikationsinstrument der sogenannte EPS-Test zur Erfassung palliativer Situationen verwendet. 2 Anhand der genannten Indikationskriterien und der Assessmentinstrumente lässt sich erkennen dass Palliative Care nicht erst am Lebensende, d. h. im Sterbeprozess (sogenannte End of Life Care) zum Einsatz kommt. Eine frühzeitige Integration der Palliative Care kann helfen, Symptome besser zu kontrollieren, Entscheidungsprozesse zu unterstützen und Behandlungsziele gemeinsam zu klären (4). Das Spannungsfeld zwischen den medizinischen Machbarkeiten und deren Sinnhaftigkeit verdient in der Palliative Care ein spezifisches Augenmerk: Vor dem Hintergrund des medizinischen Fortschritts stehen zunehmend mehr diagnostische und therapeutische Möglichkeiten zur Verfügung. Diese können Leiden lindern, führen jedoch auch häufiger zu protrahierten Krankheitsverläufen und einer Chronifizierung schwerer Erkrankungen mit neuen Belastungen für Betroffene und deren Angehörige. Therapieentscheidungen erfordern daher eine reflektierte Abwägung im Rahmen einer gemeinsamen Entscheidungsfindung mit den Patientinnen und Patienten. Evidenzbasierte Leitlinien, medizinisches Wissen und etablierte Standards bieten dabei eine wichtige Orientierung. Gleichzeitig müssen das individuelle Krankheitsgeschehen, die Lebenssituation sowie die Werte, Wünsche und existenziellen Bedürfnisse der betroffenen Person berücksichtigt werden. Die therapeutische Entscheidung ergibt sich somit aus dem Zusammenspiel von medizinischer Indikation, klinischer Erfahrung und den Präferenzen der Betroffenen. Erst durch diese integrative Betrachtung kann die Sinnhaftigkeit des medizinischen Handelns im Sinne einer patientenzentrierten Palliative Care gewährleistet werden.
Stationär, ambulant, konsiliarisch Das Palliative-Care-Team am LUKS Luzern bietet seine Leistungen in unterschiedlichen Versorgungskontexten an und arbeitet eng mit anderen Fachdisziplinen sowie externen Partnerinstitutionen zusammen.
Schwerpunktabteilung Palliative Care Auf der spezialisierten Palliativstation, die insgesamt 8 Betten umfasst, werden jährlich rund 150–170 erwachsene Patientinnen und Patienten mit komplexen Krankheitsgeschehen oder psychosozialen Fragestellungen betreut. Die stationäre Aufnahme erfolgt bei instabilen Situationen, hohem Unterstützungsbedarf oder zur Krisenintervention.
Ambulante Sprechstunde Die palliativmedizinische Sprechstunde richtet sich an Patientinnen und Patienten, die ambulant betreut werden können. Schwerpunkte sind auch hier eine Beratung für Symptombehandlung, gesundheitliche Vorausplanung sowie die Koordination im interdisziplinären und interprofessionellen Versorgungsnetzwerk.
Konsiliardienst Der Palliative-Care-Konsiliardienst unterstützt sämtliche Kliniken und Abteilungen des LUKS bei palliativen Fragestellungen. Er wird insbesondere bei komplexer Symptomlast, in ethischen Entscheidungsprozessen oder zur beratenden Unterstützung des zuständigen Behandlungsteams bei herausfordernden Kommunikationssituationen beigezogen und trägt zur Qualität und Kontinuität der Versorgung im gesamten Spital bei.
Interprofessionelle und interdisziplinäre Zusammenarbeit Palliative Care am LUKS Luzern wird von einem interprofessionellen und interdisziplinären Team getragen. Ärztinnen und Ärzte unterschiedlicher Fachbereiche, Fachpersonen aus Pflege, Psychologie, Sozialarbeit, Physio-
Logopädie, Ernährungsberatung, Schmerzdienst, Seelsorge, musischer Therapie und Freiwillige arbeiten eng zusammen. Das spitalinterne Netzwerk verknüpft sich extern durch die Kooperation mit Hausärztinnen und Hausärzten, mobilen Palliativeinheiten (Palliativ Plus 3), Spitexdiensten und weiteren Institutionen (z.B. Viva Luzern Eichhof 4, Hospiz Zentralschweiz 5). Diese strukturierte Zusammenarbeit ermöglicht eine ganzheitliche Sicht auf die jeweilige Situation der Patientinnen und Patienten und unterstützt individuelle, an Werten und Zielen orientierte Entscheidungen. Dadurch kann eine Unterwie auch Überversorgung der Betroffenen vermieden werden.
Lehre und Forschung Neben der klinischen Tätigkeit engagiert sich das Palliative-Care-Team am LUKS Luzern aktiv in Lehre und Forschung. In Kooperation mit der Universität Luzern wird unter anderem seit 2019 der Zertifikatslehrgang CAS Palliative Care angeboten, der sich an Fachpersonen verschiedener Gesundheitsberufe richtet.6 Ziel ist es, palliativmedizinisches Fachwissen zu vermitteln und die Versorgung über institutionelle Grenzen hinweg nachhaltig zu stärken. Seit 2019 haben mehr als 140 Fachpersonen erfolgreich diesen Kurs absolviert. Hinzu kommen Teilnehmende, die nur einzelne Module oder Kurstage des Programms besucht haben. Der Zertifikatslehrgang ist vom Schweizerischen Institut für ärztliche Weiter- und Fortbildung (SIWF) und verschiedenen Fachgesellschaften akkreditiert. Für Ärztinnen und Ärzte wird das CAS Palliative Care als theoretischer Weiterbildungsbestandteil für den interdisziplinären Schwerpunkttitel (idS) Palliativmedizin anerkannt. Forschungsaktivitäten tragen dazu bei, die Qualität der Palliativversorgung kontinuierlich weiterzuentwickeln und evidenzbasierte Erkenntnisse in die Praxis zu integrieren. Unsere Schwerpunkte liegen in der Forschung zu Versorgungs- und Zugangsgerechtigkeit, Kommunikation, Nutzung digitaler Hilfsmittel, Qualitätssicherung, spezifischer Vulnerabilität unterschiedlicher Patientenkollektive und gesundheitlicher Vorausplanung. Die wissenschaftliche Tätigkeit erfolgt primär in Zusammenarbeit mit verschiedenen Fakultäten der Universität Luzern, der Universität Zürich sowie nationalen und internationalen Forschungsverbünden.
Ein Beitrag zur integrierten Versorgung Mit seinem breiten Angebot leistet das Palliative-Care-Team einen wichtigen Beitrag zur integrierten Versorgung von Menschen mit schweren Erkrankungen. Durch frühzeitige Einbindung, enge Zusammenarbeit mit Zuweisenden und die Vernetzung innerhalb und ausserhalb des Spitals wird eine bedarfsgerechte, qualitativ hochwertige Betreuung ermöglicht – mit klarem Fokus auf Lebensqualität und Menschlichkeit.
Disclosure Statement Die Autorenschaft hat keine finanziellen oder anderen Interessenkonflikte.
Veranstaltungshinweise zum Thema Palli-Forum LUKS Luzern: Virtuelle Fortbildung jeweils dienstags, 16.30 Uhr. Folgende Daten: 15.9.2026, 1.12.2026 https:
KD Dr. med. Beat Müller Luzerner Kantonsspital Palliative Care Kantonsspital 37, 6004 Luzern beat.mueller@luks.ch
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KD Dr. med. Beat Müller