KI verändert Anforderungen an Berufe in der Schweizer Versicherungsbranche; Upskilling erfahrene Mitarbeitende.

KI verändert das Berufsbild | ZHAW School of Management and Law

School of Management and Law

Künstliche Intelligenz verändert die Anforderungen an Berufe in der Versicherungsbranche grundlegend: Routineaufgaben nehmen ab, gleichzeitig steigen die Ansprüche an Analyse-, Entscheidungs- und Datenkompetenzen. Die Kombination aus Fachwissen und Grundkompetenzen rückt zunehmend in den Fokus. Eine aktuelle Studie der ZHAW School of Management and Law in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Versicherungsverband SVV zeigt, dass die Branche sowohl Berufseinstiege neu gestalten als auch erfahrene Mitarbeitende gezielt weiterqualifizieren muss.

Laut der Studie werden Automatisierung, Digitalisierung und Augmentierung die Tätigkeiten und die Arbeitsweise in der Versicherungswirtschaft nachhaltig verändern. Rollen im Vertrieb, Underwriting und Schaden nutzen in ihrer täglichen Arbeit zunehmend Daten und Technologie. Entsprechend steigen die Anforderungen an Datenkompetenz und Technologienutzung. Gefragt sind Mitarbeitende, die Systemvorschläge kritisch beurteilen, fundierte Entscheidungen treffen, wirtschaftlichen Mehrwert generieren und sich in vernetzten und interdisziplinären Arbeitskontexten wirksam einbringen.

Eine hohe Fachkompetenz wird von den Studienverantwortlichen als zentraler Erfolgs- und Differenzierungsfaktor hervorgehoben. Was auf den ersten Blick wie brancheninternes Wunschdenken klingt, erklärt ZHAW-Experte Pirmin Mussak so: «Je stärker Informationen und Vorschläge durch Systeme bereitgestellt werden, desto wichtiger wird die Fähigkeit, diese im konkreten Praxiskontext einzuordnen, kritisch zu validieren und verantwortungsvoll in Entscheidungen zu überführen». Darüber hinaus gehören KI- und Datenkompetenz sowie Governance und Nachhaltigkeit zum Grundrepertoire jedes Berufsprofils. «Nicht der Zugang zu Informationen macht den Unterschied, sondern die Fähigkeit, daraus relevante Erkenntnisse und ökonomischen Erfolg zu schaffen», betont ZHAW-Studienautorin Angela Zeier Röschmann. Zudem gewinnen Resilienz, Reflexionskompetenz sowie Kooperationsfähigkeit an Bedeutung, da die Zusammenarbeit in hybriden und interdisziplinären Kontexten stattfindet.

Der schmaler werdende Einstieg über einfachere Tätigkeiten erfordert, dass die Versicherungsbranche Berufseinstiege bewusst gestaltet, bevor sich die Wege für den Nachwuchs schleichend schliessen. Gleichzeitig mahnt ZHAW-Expertin Zeier Röschmann zur Dringlichkeit des Upskilling erfahrener Professionals. Die produktivere Frage sei dabei nicht, welche Rollen bleiben oder verschwinden, sondern welche Kompetenzen ein funktionierendes Team künftig braucht, um Ergebnisse zu erzielen. Die skizzierte Richtung ist unter den befragten Expertinnen und Experten unbestritten, lediglich die Geschwindigkeit des Wandels führt zu Diskussionen. «Aus unserer Sicht ist es elementar, dass sich die Versicherungswirtschaft durch Aus- und Weiterbildung weiterentwickelt. Insbesondere das berufsbegleitende und duale Bildungssystem bietet strukturell das, was didaktisch gefordert ist: Lernen im Kontext mit Transfer zwischen Theorie und Praxis», bilanziert Mussak abschliessend.

Die Ergebnisse basieren auf der Analyse von über 100 Fachpublikationen sowie auf Interviews mit Expert:innen und der Begleitung durch eine Arbeitsgruppe des Schweizerischen Versicherungsverbandes SVV.

Dr. Pirmin Mussak Telefon +41 58 934 68 44 E-Mail pirmin.mussak @ zhaw . ch