Masterstudiengang Städtebau NRW; 20 Jahre Verbundkooperation der Hochschulen NRW
Masterstudiengang Städtebau NRW: Seit 20 Jahren ein Erfolgsmodell
Masterstudiengang Städtebau NRW: Seit 20 Jahren ein Erfolgsmodell
Der Masterstudiengang Städtebau NRW ging im Wintersemester 2005
2006 an den Start – und stellt bis heute eine einmalige Form der hochschulübergreifenden Kooperation dar. Als Verbundstudiengang wird er seit 20 Jahren getragen von der Hochschule Bochum, den Technischen Hochschulen Detmold und Köln, der Fachhochschule Dortmund und der Universität Siegen. Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Masters Städtebau NRW laden die beteiligten Hochschulen zu einem Symposium ein, um über die Zukunft von Stadtplanung und Städtebau und deren Vermittlung im akademischen Raum nachzudenken. Zu diesem Anlass sprachen wir mit einer der Mit-Erfinderinnen des Studiengangs, Prof. Dr. i.R. Hilde Schröteler-von Brandt (Universität Siegen).
Frau Prof. Schröteler-von Brand, wie ist es vor 20 Jahren zu der ungewöhnlichen Kooperation gekommen?
Ein Teil der Städtebaulehrenden in NRW hatte sich bereits Anfang der 2000er Jahre im Rahmen der Diskussion um die Ausbildung mit der Architektenkammer zusammengesetzt, um eine Art „Städtebauliche Nachausbildung“ für die Absolventinnen und Absolventen der Architekturstudiengänge zu besprechen. Dies vor allem vor dem Hintergrund, dass die städtebauliche Schwerpunktsetzung in unseren Architekturfachbereichen aus unserer Sicht zu kurz kam und bei den damals anstehenden Reformen der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge auch weiter beschnitten werden sollte. Viele Hochschulen hatten zudem nur ein oder zwei Städtebauprofessuren, und dies reichte aus unserer Sicht nicht für eigene Städtebau-Masterstudiengänge. Unsere Idee war dann, unsere Kompetenzen zu bündeln und gemeinsam ein eigenes Profil für die städtebauliche Weiterqualifizierung im Rahmen eines Masterstudienganges für Architektinnen und Architekten zu schaffen. Außerdem wollten wir ergänzend Studierende mit Abschlüssen in Stadtplanung oder Landschaftsarchitektur einbeziehen.
Bis der Studiengang 2005 an den Start kam, haben wir im Vorfeld gemeinsame Workshops, Exkursionen und Stegreifentwürfe gemacht, um uns auch im jeweiligen fachlichen Kontext kennen und schätzen zu lernen.
Wichtig bei dem Start war vor allen Dingen, dass alle unsere Hochschulleitungen diesen Verbundstudiengang als eine Besonderheit unterstützt haben. Das ist bis heute so. Als Basis wurde ein Kooperationsvertrag im März 2004 unterzeichnet; auch dieser ist bis heute das Herzstück unserer Zusammenarbeit.
Was soll der Masterstudiengang Städtebau NRW konkret erreichen?
Die inhaltliche Zielsetzung unseres Studienganges ist nach wie vor, die städtebauliche Gestaltungskompetenz der Studierenden zu stärken. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit und die Fähigkeit zu Kommunikation und Teamarbeit sind wichtige Kompetenzen, die wir im Studiengang vermitteln, insbesondere im Rahmen der Zusammenarbeit in den Studienprojekten. Zudem stehen die Vermittlung und Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Bedingungen für Stadtentwicklung und das komplexe Feld der Stadtproduktion mit den jeweiligen Transformationsaufgaben im Mittelpunkt.
Wie eng ist der Austausch zwischen den beteiligten Hochschulen - im Lehrkörper und in der Studierendenschaft?
Der Austausch untereinander ist sehr eng. Wir sind ein kleiner Studiengang mit nur ca. 25 Studierenden pro Jahrgang. Dazu kommen 20 Lehrende, d.h. wir haben hier ein intensives Betreuungsverhältnis, welches insbesondere auch in den zentralen Studienprojekten einen engen fachlichen Austausch ermöglicht. Zudem haben wir von unseren Hochschulen im Rahmen des Kooperationsvertrages die Möglichkeit bekommen - und das ist sicherlich ganz ungewöhnlich -, die Lehre und die Organisation des Studienganges von den Zuständigkeiten und Finanzen bis hin zum konkreten Curriculum selber zu gestalten. Vor diesem Hintergrund verlangt der Studiengang jedoch von den Lehrenden auch ein sehr großes Engagement. Die Studierenden haben die TH Köln als festen Studienort, und die Lehrenden reisen von den verschiedenen Hochschulen zu den einzelnen Lehrveranstaltungen nach Köln.
“Learning from NRW” ist der Titel der Jubiläumsveranstaltung. Was können andere Hochschulen vom Master Städtebau NRW lernen?
Bezogen auf NRW sehen wir uns in der Tradition der IBA Emscherpark und den Erfahrungen mit dem Strukturwandel im Ruhrgebiet. In einer der dichtesten Metropolregionen Europas sehen wir unsere Aufgabe darin, die Transformationsanforderungen in städtischen und ländlichen Regionen intensiv im Studiengang zu platzieren. Insbesondere die in jedem Semester anstehenden großen Projektarbeiten und die Masterthesen nehmen diese veränderten Themenstellungen auf.
Die Erfahrung in unserem Masterstudiengang ist, dass die Kooperation und gemeinsame Verantwortung einen Mehrwert darstellen und unser aller Kompetenz verstärkt. Nicht die Konkurrenz der Hochschulstandorte, sondern die gemeinsame Arbeit und der Austausch, der wissenschaftliche Diskurs sowie die unterschiedlichen Zugänge der Lehrenden zur Praxis sind entscheidend.
Vor allem das Vertrauen untereinander und die Verlässlichkeit sind wohl zentral für die nunmehr 20 Jahre des Bestehens. Es wird in Zukunft immer wichtiger, dass Hochschulen untereinander kooperieren und nicht jede Hochschule alles machen kann. Die Stärken zu stärken, das ist die entscheidende Erkenntnis aus unseren Erfahrungen in den 20 Jahren.