Dr. Vasily Artemov und Team Wasserbasierter Superkondensator DESY PETRA III; 60.000 Ladezyklen stabil
Wasser, Ton und Kohlenstoff: Ein neuer Weg zur nachhaltigen Energiespeicherung
Wasser, Ton und Kohlenstoff: Ein neuer Weg zur nachhaltigen Energiespeicherung
Forschende demonstrieren einen vollständig auf Wasser basierenden Superkondensator, der über 60.000 Ladezyklen stabil bleibt
Das neue Speichersystem basiert auf in der Natur reichlich vorhandenen Elementen Wasser, Ton und Graphen und ermöglicht eine effektive und nachhaltige Energiespeicherung
Kann Wasser elektrische Energie speichern? Ein Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Vasily Artemov im Exzellenzcluster „BlueMat – Water-Driven Materials“ an der Technischen Universität Hamburg hat nun gezeigt, dass dies möglich ist. Indem sie Wasser in nanometergroßen Kanälen in Tonmineralien einkapselten, entwickelten die Forscher einen Superkondensator, der elektrische Ladung effizient speichern und transportieren kann.
Das Besondere an dieser Entdeckung ist, dass sie reines Wasser als Elektrolyt nutzt – also als Medium, das elektrische Ladung transportiert. Herkömmliche Batterien und Superkondensatoren basieren in der Regel auf zugesetzten Salzen, Säuren oder anderen chemischen Elektrolyten. Im Gegensatz dazu kommt das neue System ohne solche Zusätze aus und basiert ausschließlich auf natürlich und häufig vorkommenden Materialien: Wasser, Ton und Kohlenstoff.
„Unser Ziel ist es, sicherere und nachhaltigere Energiespeichertechnologien zu entwickeln, die auf häufig vorkommenden Rohstoffen statt auf komplexen chemischen Verbindungen basieren“, sagt Vasily Artemov, Hauptautor der Studie: „Das System speichert und gibt Energie effizient ab, arbeitet für ein wasserbasiertes System mit einer vergleichsweise hohen Spannung und bleibt über Zehntausende von Ladezyklen stabil.“
Das neue Gerät gehört zu einer Klasse von Energiespeichertechnologien, die als Superkondensatoren bekannt sind. Im Gegensatz zu Batterien, die Energie durch chemische Reaktionen speichern, speichern Superkondensatoren Energie durch die Trennung elektrischer Ladungen. Dadurch lassen sie sich sehr schnell auf- und entladen und haben oft eine außergewöhnlich lange Lebensdauer.
Die Forscher nennen ihr System den „Blue Capacitor“. Das Herzstück der Technologie sind Kanäle mit einer Breite von etwa einem Nanometer, was etwa 100.000 Mal dünner ist als ein menschliches Haar. In diesen winzigen Räumen zeigt Wasser Eigenschaften, die in gewöhnlichem Wasser nicht zu finden sind, und kann dadurch Ladung effizient bewegen. Um diesen Effekt zu nutzen, kombinierten die Forscher Tonmineralien mit Graphen, einer hochleitfähigen Form von Kohlenstoff. Zusammen bilden die Schichten Millionen winziger Kanäle, die sich mit Wasser füllen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass in Nanostrukturen eingeschlossenes Wasser als aktiver Elektrolyt in einem praktischen Energiespeichergerät dienen kann“, sagt Artemov.
In Labortests zeigte der Blue Capacitor über mehr als 60.000 Lade- und Entladezyklen eine stabile Leistung. Das System arbeitete zudem bei Spannungen von bis zu 1,6 Volt, was für ein wasserbasiertes Energiespeichersystem ein vergleichsweise hoher Wert ist. Die Forscher sehen darin einen Beweis dafür, dass die einzigartigen Eigenschaften von Wasser auf der Nanoskala für praktische Anwendungen genutzt werden können. Die Experimente wurden in den Einrichtungen von PETRA III am DESY durchgeführt, einem der weltweit führenden Zentren für Forschung an und mit Teilchenbeschleunigern. „DESY’s brillante Röntgenquelle PETRA III ermöglichte es uns, die ultradünnen Lagen aus einzelnen Wasserschichten in den Tonstrukturen sichtbar zumachen“, ergänzt Prof. Patrick Huber, Co-Autor der Studie.
Die Technologie befindet sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium, und es sind weitere Forschungsarbeiten erforderlich, bevor kommerzielle Anwendungen möglich werden. Die Forscher glauben jedoch, dass das Konzept einen praktischen Weg zu zukünftigen Energiespeichertechnologien bieten könnte. Mögliche Anwendungen umfassen die Speicherung erneuerbarer Energie aus Solar- und Windkraft, die Unterstützung von Stromnetzen und die Stromversorgung von Geräten, die häufiges Laden und Entladen erfordern. Über die Energiespeicherung hinaus könnten die Ergebnisse neue Technologien inspirieren, die die ungewöhnlichen Eigenschaften von Wasser im Nanobereich nutzen, darunter fortschrittliche Sensoren, bio-inspirierte Systeme und neuromorphes Rechnen. „Unsere Arbeit zeigt, dass selbst eine vertraute Substanz wie Wasser unerwartete Eigenschaften offenbaren kann, wenn man sie im Nanobereich betrachtet“, sagt Artemov. „Durch das Verständnis dieser Eigenschaften könnten wir in der Lage sein, völlig neue technologische Anwendungen zu entwickeln.“
Vasily Artemov, Svetlana Babiy, Yunfei Teng, Jiaming Ma, Alexander Ryzhov, Tzu-Heng Chen, Lucie Navratilova, Victor Boureau, Pascal Schouwink, Mariia Liseanskaia, Patrick Huber, Fikile Brushett, Lyesse Laloui, Giulia Tagliabue, Aleksandra Radenovic; “All-water supercapacitor enabled by 1-nm clay channels”; Nature Communications, Volume 17, 2026-6-5
Mit zwei Verfahren lässt sich die Größe von Nanopartikeln kontrollieren, die als winzige Lichtquellen dienen könnten
Weitere News aus dem Ressort Wissenschaft
Effiziente Herstellung von Wasserstoff und chemischen Produkten
Joseph-von-Fraunhofer-Preis 2026 für neuartigen Hochtemperaturelektrolyse-Stack
Interpretierbare KI in der Materialforschung liefert Aufschluss darüber, wie Modelle Vorhersagen treffen
Verfahren gewinnt Erkenntnisse aus KI-Modellen und gruppiert Materialien sowohl nach struktureller als auch nach optischer spektraler Ähnlichkeit
Neuer Weg für sichere und nachhaltige Synthesechemie
CO₂ als Sauerstoffquelle: Universität Bayreuth revolutioniert Oxidationschemie
KI hilft dabei, bessere Biokohle-Katalysatoren zur Beseitigung von Antibiotikabelastungen zu entwickeln
Bei 450 bis 550 °C hergestellte Biokohle erzeugt besonders hohe Mengen an reaktiven Sauerstoffspezies
Ein neuer Pfad zu grünem Ammoniak
Eisenhaltige MOF-Katalysatoren ermöglichen Ammoniak-Synthese ohne die Extrembedingungen des Haber-Bosch-Verfahrens
Voraussichtlich günstiger als andere Methoden
Platin-Oxidation in Echtzeit beobachtet: Schlüssel zu langlebigeren Elektrolyseuren
Wasserstoff-Technologien könnten durch neue Erkenntnisse über die Platin-Oxidation günstiger werden
Präzisionsmessung unter Beschuss: Wenn die Waage selbst zum Messobjekt wird
Künftig könnten Materialverluste und chemische Veränderungen gleichzeitig untersucht werden
Jülicher Team gewinnt internationalen Wettbewerb
Schneller und energieeffizienter: Katalysatoren beschleunigen wasserstoffbasierte Stahlproduktion
Zweimal schnellere Legierungsherstellung durch Zugabe von Nickeloxiden
“Das ist ein echter Gamechanger für die Qualitätssicherung von Produkten jeglicher Art“
TU Graz entwickelt mobiles Gerät zur hochpräzisen Messung von Luftschadstoffen
Umzugskarton-großes Gerät erkennt Gasschadstoff-Fingerabdrücke auf Kilometerweite
Gemischte Kunststoffabfälle ohne Sortierung in Öl umwandeln
Pilotanlage der Universität Amsterdam bringt fortschrittliche Kunststoffrecycling-Technologie der Industrie näher
Wintertaugliche Lithiumbatterien: Wissenschaftler nutzen “Polaritätskontrast”-Elektrolytstrategie, um extreme Kälte zu überlisten
Batterien behalten nach 150 Zyklen bei -40 °C noch 80 % ihrer Kapazität
Bottom-up statt Zerkleinern: Nature-Studie zeigt neue Route zu maßgeschneiderten Diamant-Nanopartikeln
Kohlenstoff-Dimer: Präzisionsmessung liefert neuen Rekordwert
Neuer Wert weicht deutlich von einer vielbeachteten 2019er Messung ab, stimmt aber mit älteren quantenchemischen Berechnungen überein
Atomare Umstrukturierung ebnet den Weg für rekordverdächtige Katalysatoren zur Wasserstofferzeugung
“Dies eröffnet eine neue Strategie für die Entwicklung anpassungsfähiger Katalysatoren für eine breite Palette von Anwendungen”
Extrem glatt und trotzdem rau – wie geht das?
Die Geometrie bestimmt die Chemie: Nanometer-Rauheit verändert Oberflächenreaktivität grundlegend
Magnetfeld während der Synthese des Katalysators verdreifacht Ammoniakausbeute
Eine skalierbare Strategie, um Elektrokatalysatoren der nächsten Generation für effiziente und nachhaltige chemische Umwandlungen zu entwickeln
Materialchemie gestaltet die Zukunft der Katalyse
Neue Ansätze könnten die Entdeckung effizienter Katalysatoren für die Energieumwandlung und Dekarbonisierung der chemischen Industrie beschleunigen
Holen Sie sich die Chemie-Branche in Ihren Posteingang
Mit dem Absenden des Formulars willigen Sie ein, dass Ihnen die LUMITOS AG den oder die oben ausgewählten Newsletter per E-Mail zusendet. Ihre Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Die Speicherung und Verarbeitung Ihrer Daten durch die LUMITOS AG erfolgt auf Basis unserer Datenschutzerklärung . LUMITOS darf Sie zum Zwecke der Werbung oder der Markt- und Meinungsforschung per E-Mail kontaktieren. Ihre Einwilligung können Sie jederzeit ohne Angabe von Gründen gegenüber der LUMITOS AG, Ernst-Augustin-Str. 2, 12489 Berlin oder per E-Mail unter widerruf@lumitos.com mit Wirkung für die Zukunft widerrufen. Zudem ist in jeder E-Mail ein Link zur Abbestellung des entsprechenden Newsletters enthalten.
Kühlen ohne Kompressor und Kältemittel – so leise, effizient und nachhaltig wie nie zuvor
Fraunhofer-Ausgründung sichert sich 2,2 Millionen Euro für die Kühl-Technologie der Zukunft
Chempark Uerdingen steigt aus der Kohle aus: Erster Elektrodenkessel liefert Dampf
Wichtiger Schritt für die zukunftssichere Ausrichtung des Chempark-Standorts
Größte Serie-A-Runde der Fusionsbranche geht an Darmstädter Start-up
Rekord-Finanzierungsrunde positioniert Focused Energy an der Spitze der internationalen Fusionsbranche
Leitfähiger Klebstoff ersetzt Lötzinn und lässt sich rückstandslos ablösen
Klebstoff auf Wasserbasis verbindet elektronische Bauteile und löst sie bei Bedarf
Schritt zur nachhaltigen Wasserstoffproduktion mit Cyanobakterien
Eine sauerstofffreie Mikroumgebung schützt die empfindlichen Enzyme
PQ übernimmt BASF-Silikategeschäft in Düsseldorf
PFAS-freie Antihaftbeschichtungen: Fraunhofer IFAM und Plasmatreat starten Technologietransfer
Koopeation für schnelle industrielle Umsetzung
Zuwachs bei Fixgehältern in der chemisch-pharmazeutischen Industrie
Bonuszahlungen erstmals seit 2023 wieder gestiegen
Industrieller Durchbruch für neue Naturpolymere
Hamburger Startup eröffnet erste industrielle Produktionsanlage für naturbasierte Materialinnovation
PFAS-Nachweis in Minuten statt in Wochen: Deep-Tech-Start-up Grapheal erhält 2,5 Millionen Euro
Neue EU-Trinkwasserrichtlinie treibt die Nachfrage nach mobiler PFAS-Analyse voran
Deutsches Kunststoffrecycling steht vor dem Kollaps
Sechs Vorschläge zur Rettung der Branche
Weitere News von unseren anderen Portalen
Warum Alkohol Heißhunger auf Chips und Pizza auslöst
Alkohol kann den übermäßigen Verzehr von ungesunden Lebensmitteln fördern, indem er den biologischen Drang nach Proteinen verstärkt
Food Fraud: Warum Kriminelle Oregano häufiger fälschen als Rindfleisch
Food Fraud verursacht jährlich bis zu 12 Milliarden Euro Schaden: TÜV SÜD erklärt, welche Produkte besonders betroffen sind
KI diagnostiziert Hirntumoren in Minuten statt Wochen
Neues Antibiotikum gegen multiresistente Keime
Bekanntes Bodenbakterium liefert ein bislang unbekanntes Antibiotikum, das durch verbesserte Fraktionierungsverfahren entdeckt wurde
Große Vegan-Studie identifiziert vier vegane Lebenswelten im DACH-Raum
Bislang größte Untersuchung in Deutschland, Österreich und der Schweiz identifiziert vier Formen der veganen Lebensweise
Bakterien auf Oberflächen in fünf Minuten nachweisen – per Smartphone
UMass-Ausgründung HertZ Innovation bringt Schnelltest für Oberflächenkeime auf den Markt
Ernährungsumstellung bei älteren Menschen kann “biologisches Alter” verbessern
Omnivore Diät mit hohem Kohlenhydratanteil senkt biologisches Alter am verlässlichsten