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title: "R-Kernteam von R erhält Rousseeuw-Preis für Statistik ETH Zürich; Preisgeld 1 Mio USD"
sdDatePublished: "2026-06-17T12:05:00Z"
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R-Kernteam von R erhält Rousseeuw-Preis für Statistik ETH Zürich; Preisgeld 1 Mio USD

Statistik für alle: Millionenpreis für Open-Source-Pioniere | ETH Zürich

Statistik für alle: Millionenpreis für Open-Source-Pioniere

Die freie und quelloffene Software R hat die Forschung in der Statistik und den Datenwissenschaften nachhaltig verändert und prägt sie bis heute. Nun erhalten die Pioniere, die sie seit rund 30 Jahren vorantreiben, den mit einer Million US-Dollar dotierten Rousseeuw-Preis für Statistik – einer der Preisträger ist der ETH-Mathematiker Martin Mächler.

Der mit einer Million US‑Dollar dotierte Rousseeuw‑Preis für Statistik geht in diesem Jahr an das Kernteam der Statistik-Programmiersprache R.

Die quelloffene Programmiersprache R zählt zu den weltweit meistgenutzten Softwarelösungen für Statistik und Datenanalyse und ist frei verfügbar.

Zum Kreis der ausgezeichneten Open‑Source‑Pioniere gehört von der ETH Zürich der Statistiker Martin Mächler.

Statistik ist ein Schlüssel zur Wirklichkeit: Sie hilft Studierenden und Forschenden ebenso wie Unternehmen oder Behörden einzuschätzen, wie zuverlässig ihre Ergebnisse sind und wie gut sie ein Phänomen erfassen und erklären. Wer heute am Computer statistische Berechnungen ausführt, nutzt sehr oft die Programmiersprache R. Diese ist eine der weltweit am meisten genutzten Programmiersprachen und als Open-Source-Software frei und kostenlos verwendbar.

Seit ihren Anfängen in den 1990er-Jahren hat sich R zunehmend als gemeinsame Sprache für Statistik und Datenanalyse etabliert. Zudem zählt R zu den Pionierprojekten der freien und quelloffenen Software-Entwicklung. Heute stehen Forschenden weltweit neben der Basissoftware rund 23'000 Erweiterungspakete online zur Verfügung – entsprechend gibt es kaum ein Forschungsgebiet, in dem R nicht eingesetzt wird.

In Biologie und Medizin zum Beispiel bildet R die Grundlage von Bioconductor, der Software, die Labore weltweit für die DNA- oder Krebsforschung nutzen. Während der Corona-Pandemie diente R in vielen Ländern als Werkzeug, um die Ausbreitung des Virus zu ermitteln. und Pharmaunternehmen berechnen mit R, ob ein neues Medikament wirksam und sicher ist.

Auszeichnung für drei Jahrzehnte Engagement

Im Herzen des R-Projekts wirkt seit rund 30 Jahren ein Kernteam, das für die Weiterentwicklung und Qualitätssicherung der Basissoftware verantwortlich ist. Mit im Team war von Anfang an Martin Mächler, emeritierter Professor am Seminar für Statistik der ETH Zürich. Für ihr jahrzehntelanges Engagement sowie für ihre grundlegenden Beiträge zum Erfolg der Statistik-Programmiersprache R haben heute fünf Mitglieder des R-Kernteams den Rousseeuw-Preis für Statistik gewonnen.

Wie der Nobel-Preis ist der belgische Rousseeuw-Preis mit einem Preisgeld von einer Million US-Dollar ausgestattet. Er wird alle zwei Jahre von der König-Baudouin-Stiftung verliehen und vom Statistiker Peter Rousseeuw finanziert. Rousseeuw ist ein emeritierter Professor der KU Leuven. Seine ersten Stationen als Wissenschaftler verbrachte an der ETH Zürich und arbeitete später auch in der Finanzindustrie.

Vom Unterrichtstool zur Erneuerung der Forschung

Von der Preissumme geht die Hälfte, also 500’000 US-Dollar, an die fünf Open Source-Pioniere, die R federführend begleitet haben: Es sind dies neben Martin Mächler, emeritierter Professor der ETH Zürich, die Professoren Brian Ripley von der University of Oxford, Kurt Hornik von der Wirtschaftsuniversität Wien, Peter Dalgaard von der Copenhagen Business School und Luke Tierney von der University of Iowa.

Die andere Hälfte des Preisgeldes geht an die übrigen Mitglieder des R Core Teams, unter ihnen die beiden Erfinder von R, Robert Gentleman und Ross Ihaka, die ausdrücklich für ihren entscheidenden Impuls geehrt werden. Sie hatten R Anfang der 1990er-Jahre für die Lehre und Forschung an der Universität Auckland geschaffen.

Sie nannten ihre Statistik-Sprache damals R – sowohl in Anlehnung an ihre Vornamen als auch als Reminiszenz an die ältere Programmiersprache S aus den 1970er- und 1980er-Jahren, auf der R aufbaut. S selbst dient heute vor allem als Grundlage moderner Software wie Python, der Programmiersprache für maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz. Entsprechend zählt auch John Chambers, der Erfinder von S, zu den Preisträgern.

Martin Mächler trat früh in den 1990er-Jahren dem R-Core Team bei. Seit 1991 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter und ab 2020 Professor am Seminar für Statistik. Dort war er für die operative computergestützten Statistik zuständig und befasste sich mit der Verbindung von Datenanalyse und Programmierung. Studiert und promoviert hatte er an der ETH Zürich in Statistik, mit einer Schnittstelle zu der Numerik.

Dieses Teilgebiet der Mathematik befasst sich damit, Probleme mithilfe von Computern möglichst genau und zuverlässig zu lösen – etwa indem Berechnungsverfahren so konzipiert werden, dass sie stabil sind und numerische Fehler möglichst vermieden werden. «An der ETH Zürich fand ich meinen Traumjob», sagt Mächler. «Das statistische Seminar verfolgte schon damals die Vision, dass Statistisches Computing und Programmierung für Datenanalyse und die moderne statistische Forschung entscheidend ist.»

Sein Wissen hat Mächler im R-Kernteam gezielt einbringen können. Zu seinen wesentlichen Beiträgen zum langjährigen Erfolg der R-Software gehörte es auch, sicherzustellen, dass die numerische Genauigkeit der zugrunde liegenden Algorithmen erhöht wurde, und dass Algorithmen ganz allgemein auch nach Updates oder Erweiterungen korrekt und stabil funktionierten und verlässliche Ergebnisse lieferten. Gleichzeitig nutzte er sein Know-how dazu, dass die Software auftauchende Probleme transparent macht und die Nutzerinnen und Nutzer verständliche und hilfreiche Fehlermeldungen erhalten. Ebenso trug Mächler dazu bei, dass R heute sehr beliebt ist, wenn es um die Visualisierung von Daten oder Grafiken geht.

«Am meisten freut mich, dass der Rousseeuw-Preis unseren Teameffort honoriert, dank dem sich R zur führenden Programmiersprache für Datenanalyse entwickelt hat», sagt Martin Mächler.

Peter Bühlmann, seit 1997 Mathematikprofessor mit einem Fokus auf computerbezogene Statistik an der ETH Zürich und langjähriger Vorgesetzter von Mächler, ergänzt, dass R enorme Fortschritte in der Forschung ermöglichte, weil sich der R-Code gleichzeitig mit der Publikation neuer Methoden veröffentlichen liess: «Dadurch konnten die Forschenden sofort die neuen Methoden selbst anwenden und mit anderen vergleichen.» Das habe die Forschung erneuert: «Als die erste freie und offene Software für statistische Berechnungen, hat R enorm viel zur Überprüfung und Reproduzierbarkeit wissenschaftlicher Ergebnisse beigetragen.»

Open-Source und Kernteam als Erfolgsfaktor

Ein besonders wichtiger Beitrag Mächlers war sein Einsatz für die offene Weiterentwicklung von R. Er setzte sich früh dafür ein, die Programmiersprache unter einer freien Lizenz – der GNU General Public License (GPL) – zu veröffentlichen, was auch ähnlich denkende Experten wie Kurt Hornik in Wien fürs R-Projekt motivierte. Dieses Open-Source-Modell macht Wissen und Werkzeuge frei zugänglich: Die Software wird kostenlos genutzt, verändert und weitergegeben. Weil der Quellcode öffentlich ist, lässt sich zudem nachvollziehen, wie die Programme funktionieren – das schafft Transparenz und Vertrauen.

Für den Erfolg von R war diese Organisationsform entscheidend: Das Kernteam verantwortet die Weiterentwicklung der Basissoftware und sorgt für deren Stabilität. Erweiterungen hingegen – sogenannte Pakete – werden von einer grossen Community entwickelt. Bevor sie veröffentlicht werden, durchlaufen die Pakete einen standardisierten Prüfprozess, um sicherzustellen, dass sie definierten Qualitätsanforderungen genügen. Diese Unterscheidung zwischen zentraler Qualitätssicherung der Grundlagen und offener Beteiligung bei der Erweiterung hat viel zur Verbreitung und Qualität von R beigetragen.

Lehren aus der Geschichte der Offenheit

Der Rückblick auf die Geschichte von R zeigt für Martin Mächler die Stärken unabhängiger Open-Source-Software: «Die Entwicklung von R lehrt uns, dass Open Source qualitätsmässig für die Datenanalyse und für statistische Algorithmen mindestens so gut ist wie kommerzielle Software. Dass es heute aber für nahezu jedes Spezialgebiet spezielle Software- Erweiterungen gibt, ist nur dank Open Source und des R-Netzwerkes, das Millionen von Nutzer:innen umfasst, möglich. Eine Firma allein könnte ein Projekt wie R nicht umsetzen.»

Peter Bühlmann ergänzt: «Das R-Projekt ist die erfolgreichste wissenschaftliche Softwareinitiative der modernen Statistik und beruht fest auf den Prinzipien von Open Access, Open Source und Reproduzierbarkeit.» Er, der auch Mitglied im Steuerungskomitee des ETH AI Centers ist, meint – auch mit Blick auf die heutigen Open Source-Projekte der ETH Zürich und der EPFL im Bereich der künstlichen Intelligenz: «Open Source ist eine sehr gute Strategie für Hochschulen, weil sie so sehr viele und verteilte Ressourcen nutzen können. Zugleich können sie ihre Verantwortung in der unabhängigen Beurteilung neuer Technologien wahrnehmen und zur offenen Entwicklung und Qualitätssicherung neuer, innovativer Technologien beitragen.»

Der Preis wird am 4. November 2026 in Leuven in Anwesenheit des belgischen Königs verliehen.

externe Seite The Rousseeuw Prize for Statistics

externe Seite The R Project for Statistical Computing

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17.06.2026 von Florian Meyer, Hochschulkommunikation