USA und Iran kündigen vorläufige Einigung zur Öffnung der Straße von Hormus; Ölpreis fällt um mehr als 4%

Kapitalmarktkompass-Update Ersteinschätzung zum angekündigten Deal zwischen den USA und dem Iran Credits: Performanceaussichten nach der Leitzinswende Gesetzliche Rente: Welche Reformoptionen taugen? LBBW Research 16.06.2026

Agenda 16.06.2026 Kapitalmarktkompass-Update Seite 2 01 Ersteinschätzung zum angekündigten Deal zwischen den USA und dem Iran 03 02 Credits: Performanceaussichten nach der Leitzinswende 09 03 Gesetzliche Rente: Welche Reformoptionen taugen? 20 04 Disclaimer 38

Ersteinschät- zung zum angekündigten Deal zwischen den USA und dem Iran 01 Rolf Schäffer, CIIA Gruppenleiter Strategy/Macro +49 (0) 711 – 127 – 76 580 rolf.schaeffer@LBBW.de

Deal in Aussicht Unsere Ersteinschätzung • Die USA und Iran haben eine vorläufige Einigung erzielt, um die Straße von Hormus wieder zu öffnen. • Dass die formelle Unterzeichnung (19.06.) noch aussteht, deutet darauf hin, dass wesentliche Details weiterhin offen sind. • Kernpunkt der nächsten Phase sind 60 Tage Verhandlungen über das iranische Atomprogramm. Ein endgültiger Durchbruch ist damit nicht erreicht, sondern lediglich ein diplomatisches Zeitfenster geschaffen. • Der Text der Vereinbarung wurde bislang nicht veröffentlicht. Beide Seiten legen die Einigung politisch unterschiedlich aus: US-Präsident Donald Trump stellte die Vereinbarung als großen Friedensschritt dar. Iranische Staatsmedien werteten die Einigung als Niederlage der USA und Israels. Der Schiffsverkehr bleibt vorerst gestört. Hunderte Schiffe warten im Persischen Golf auf Durchfahrt. Die Durchfahrtskapazität hängt davon ab, wie schnell die Minenräumung erfolgen kann. • Die Finanzmärkte reagierten erleichtert: Der Ölpreis gab deutlich nach. Brent fiel um mehr als 4 % auf 83 USD je Barrel. Die Aktienmärkte reagierten ebenfalls mit Kursgewinnen. Das positive Überraschungspotenzial dürfte für Aktien nun aber ausgeschöpft sein. Für die Geldpolitik könnte die Einigung dämpfend wirken. Für die EZB dürften dennoch „ein bis zwei weitere Anhebungen“ anstehen. Für die Fed erwarten wir auch weiterhin keine Zinssenkung für das laufende Jahr. Für EURUSD sehen wir angesichts der Stärke der US-Wirtschaft, dass es jenseits der rein mechanischen Ableitung aus der Zinsdifferenz einstweilen schwer werden dürfte, den Widerstand an der 1,20 zu brechen, solange die Sorgen um die Rolle des USD nicht (durch was auch immer) neuerlich angeheizt werden. • Politisch verschafft die Vereinbarung Trump Entlastung. Der Krieg gilt in den USA als unpopulär; vor den Zwischenwahlen im November dürfte eine Beruhigung der Lage innenpolitisch willkommen sein. • Die Eskalationsgefahr ist jedoch nicht gebannt: Trump erklärte, falls keine Einigung über das iranische Atomprogramm zustande komme (hier gibt es noch wesentliche Differenzen), könnten militärische Angriffe wieder aufgenommen werden. Des Weiteren ist offen, ob die Waffen auch im Libanon dauerhaft schweigen. Dies kann Trump nicht unilateral bestimmen. 16.06.2026 Kapitalmarktkompass-Update Seite 4

Was im Entwurf des Deals steht 5:1 für den Iran! Themen Entwurf „Memorandum of Understanding“ Wer profitiert? Atomprogramm Iran verpflichtet sich, keine Atomwaffe anzustreben. Zugleich wird eine 60- tägige Verhandlungsphase über die Urananreicherung vereinbart. USA Sanktionen Die USA sagen zu, Sanktionen vorübergehend auszusetzen und schrittweise Sanktionslockerungen zu ermöglichen. Iran Eingefrorene Vermögen Die USA verpflichten sich, einen Teil eingefrorener iranischer Vermögenswerte freizugeben. Iran Straße von Hormus / Blockade Iran erklärt sich bereit, die Straße von Hormus ohne Gebühren, jedoch zu eigenen Bedingungen, wieder zu öffnen. Die USA sagen zu, die Blockade innerhalb von 30 Tagen aufzuheben. USA und Iran Milizen und Stellvertretergruppen Dieser Punkt ist nicht Bestandteil des Entwurfs. Iran Militärische Präsenz Die USA erklären sich bereit, Streitkräfte aus der Nähe Irans abzuziehen und Obergrenzen für Truppenstärken zu akzeptieren. Iran Beendigung Krieg an allen Fronten Die USA stimmen einer Regelung zu, die auch den Libanon einschließt. Israel ist jedoch weder Partei des Memorandums noch der Gespräche. Iran Quelle: Bloomberg Economics, LBBW Research 16.06.2026 Kapitalmarktkompass-Update Seite 5

Rohölpreis in USD Aktienmärkte Iran-Krieg: Hoffnung auf Öffnung der „Straße von Hormus“ 16.06.2026 Kapitalmarktkompass-Update Seite 6 Gaspreis Europa in EUR Rendite in % Quelle: LSEG, LBBW Research

Leitzinserwartungen: Fed Fed Funds Effective Rate und Markterwartungen Marktbasierte Erwartungen bis Ende 2026: Deal könnte für die Geldpolitik dämpfend wirken Quelle: LSEG, LBBW Research 16.06.2026 Kapitalmarktkompass-Update Seite 7 Leitzinserwartungen: EZB EZB-Einlagesatz und Markterwartungen

60 % Hauptszenario Negativszenario weniger wahrscheinlich 16.06.2026 Kapitalmarktkompass-Update Seite 8

  1. Iran-Krieg: Dauerhafte massive Beeinträchtigung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus, Energieversorgung und Lieferketten müssen umgebaut werden; Inflation steigt wegen Zweitrundeneffekten aus Energiepreisschub sowie hohen Staatsausgaben bzw. zunehmendem Protektionismus stark an. Einige Staaten melden überraschend hohe Defizite und geben entsprechende Ausblicke auf die kommenden Jahre.
  2. Notenbanken gehen auf deutlichen Restriktionskurs, um Inflation zu bekämpfen. Renditen steigen auf breiter Front.
  3. „Risk-off“: Baisse an den Aktienmärkten. Credit Spreads steigen stark an. Preiseinbruch am Immobilienmarkt. 20 % Negativszenario I „Energiepreisschock“
  4. Iran-Krieg: Schiffsverkehr in der Straße von Hormus normalisiert sich im Verlauf des Sommers, Energieversorgung und teilweise auch Lieferketten gestört; Inflation steigt wegen Zweitrundeneffekten aus Energiepreisschub an. US-Konjunktur schwächt sich leicht ab, da der KI-Investitionsboom an Dynamik verliert. Wachstum in China verlangsamt sich weiter. EU/DE: Nur geringes Wachstum, weiterer Anstieg der Staatsverschuldung in den Industriestaaten.
  5. Inflationsbekämpfung veranlasst EZB zu mehreren Leitzinsanhebungen, Wachstumsbelastungen werden in Kauf genommen. Fed nimmt Abstand von Leitzinssenkungen; Renditen steigen von bereits erhöhtem Niveau noch etwas weiter an.
  6. Aktienmärkte: Konsolidierung über den Sommer, Anleger zwischen KI-Hoffnungen, Zinsängsten, Kriegssorgen und Angst vor Platzen der KI-Blase hin- und hergerissen; Credit Spreads steigen mit Rückschlägen am Aktienmarkt an. 10 % Negativszenario II „KI-Bubble“ / „China-Taiwan“
  7. China-Taiwan-Spannungen nehmen zu; hybride Angriffe auf westliche Einrichtungen; Ukraine bleibt unter Druck.
  8. Platzen der KI-Blase: Massive Abschreibungen auf KI-Investitionen, Krise im Private-Debt-Markt
  9. Fed und EZB senken Leitzinsen. Bundrenditen fallen wegen Konjunkturangst und geldpolitischer Lockerung der Notenbanken.
  10. „Risk-off“: Aktienmärkte korrigieren stark, Credit Spreads steigen deutlich. 10 % Positivszenario „Entspannung“
  11. Stabilisierung in der Golfregion. Waffenstillstand im Ukraine-Krieg; geopolitischer Konflikt USA-China entspannt sich.
  12. USA schwenken auf moderatere handelspolitische Linie um. US-Wirtschaft wächst wieder stärker, KI-Boom geht weiter.
  13. Produktivitätsfortschritte durch KI. Inflationsraten stabil, da Energiepreise schnell zurückfallen. Konjunktur beschleunigt sich.
  14. „Risk-on“: Aktienmärkte steigen durch fortgesetzte KI-Rally weiter. Credit Spreads fallen, Immobilienpreise erholen sich.

Credits: Performance- aussichten nach der Leitzinswende 02 Michael Köhler, CEFA Senior Credit Analyst Tel: +49(711)127-42664 michael.koehler@LBBW.de Matthias Schell, CFA Senior Credit Analyst Tel: +49(711)127-43666 matthias.schell@LBBW.de

Economic Surprise Index Euroraum Indexpunkte Zuletzt überwiegend negative Überraschungen bei europäischen Makrodaten Quelle: LSEG, LBBW Research mehrheitlich positive Überraschungen mehrheitlich negative Überraschungen 16.06.2026 Kapitalmarktkompass-Update Seite 10 Economic Surprise Index Euroraum • In der zweiten Jahreshälfte 2025 hatten die veröffentlichten makroökonomischen Daten aus dem Euroraum noch überwiegend positiv überrascht. • Der Beginn des Iran-Krieges und v.a. der damit verbundene massive Anstieg der Ölpreise hat den Konjunkturhoffnungen einen herben Dämpfer versetzt – die jüngsten Veröffentlichungen überraschten mehrheitlich negativ. • Mit der jüngsten Ankündigung eines Deals zwischen den USA und dem Iran steigt die Hoffnung auf eine Trendwende bei den Frühindikatoren und damit auch auf einen Anstieg des Economic Surprise Index.

0,6 0,8 0,4 0,6 0,8 1,0 1,2 1,4 1,6 04/24 07/24 10/24 01/25 04/25 07/25 10/25 01/26 04/26 Deutschland Eurozone BIP-Konsens-Prognose 2026 im Zeitablauf in Prozent Deutliche Abwärtsrevision der Wachstumserwartungen Quelle: Bloomberg, LBBW Research 16.06.2026 Kapitalmarktkompass-Update Seite 11 • Die negativen Rückwirkungen des Iran- Krieges beschränkten sich nicht nur auf die Frühindikatoren, sondern haben die Wachs- tumsperspektiven bereits deutlich getrübt. • Während die Konsens-Prognosen für den Euroraum und für Deutschland für das Jahr 2026 lange Zeit bei einer Wachstumsrate von über 1 % lagen, sind sie nach Kriegsausbruch in einen deutlich negativen Revisionstrend eingeschwenkt. • Damit haben sich auch die Wachstums- aussichten der Unternehmen deutlich verschlechtert.

0% 2% 4% 6% 8% 10% 12% 14% 16% 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 Europe Actual Europe Baseline Forecast Europ. Avg. since 2000 US Actual US Baseline Forecast US Average since 2000 Ausfallraten bei High-Yield-Unternehmen Europa und USA (historisch sowie Moody‘s 12-Monats-Forecast für Hauptszenario) Anstieg bei HY-Ausfallraten von Corporates Quelle: Moody’s®, LBBW Research (zur besseren Vergleichbarkeit für 2022 ohne russische Unternehmen) 16.06.2026 Kapitalmarktkompass-Update Seite 12 • Durch 8 Ausfälle im April 2026 sprang die 12-Monats-Ausfallrate für geratete HY-Corporates in Europa auf über 4 %. • Der mit Abstand größte Default in diesem Zeitraum war Altice France (06-09/2025). • In den USA lag die Default Rate zuletzt mit ca. 5 % nur noch leicht darüber. Die Quoten der grundsätzlich schwächeren US Leveraged Loans (ca. 5,5 %) haben sich den Ausfallraten von US Corporate Bonds (ca. 4 %) angenähert. • Den starken von Moody‘s prognostizierten Rückgang für die nächsten 12 Monate sehen wir – wie schon in den Vorjahren – als zu optimistisch an. • Wir gehen davon aus, dass die Ausfallraten in Europa und den USA weiterhin über dem langfristigen Durchschnitt liegen. Bei Einbezug russischer Unternehmen (hier nicht enthalten) wäre im Jahr 2022 für Europa mit 7,8 % der schlechteste Wert seit 2009 angefallen.

4 17 17 66 208 34 33 53 90 111 38 50 70 156 319 0 50 100 150 200 250 300 350 AA A BBB BB B default premium in bp* add-on premium in bp all-time low Swap-Spreads (ASW) und Ausfallprämien nach Rating-Kategorie in Basispunkten Derzeit noch ausreichend Kompensation für Risiko: Spreads vs. Ausfallrisiken in Europa Quelle: LSEG, LBBW Research, Stand: 15.06.2026 16.06.2026 Kapitalmarktkompass-Update Seite 13 • Die dunkleren Balken zeigen den Spread- Anteil, der notwendig ist, um die historisch durchschnittlichen Ausfälle abzugelten. Die hellen Balken zeigen den Spread-Anteil, der als Zusatzprämie bleibt. Beispiel BB: 156 Bp. – 66 Bp. = 90 Bp. • In der Vergangenheit lagen die Risiko- prämien im Tief (siehe „all-time low“) teilweise sogar unter ihren für das Ausfallrisiko adäquaten Werten (v.a. bei Single-B-Anleihen). • Aktuell ist in allen Ratingkategorien ein deutlicher Puffer vorhanden. Allerdings liegt dieser zum Teil deutlich unter den Durchschnittswerten der vergangenen fünf Jahre – insbesondere in den High-Yield- Kategorien. Ø 5Y: 184 Ø 5Y: 165 Ø 5Y: 75 Ø 5Y: 35 Add-On- Prämie Ø 5Y: 27

Risikoprämien fast so niedrig wie vor dem Iran-Krieg Corporat