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title: "Karl-Heinz Ott erhält den Friedrich-Schiller-Preis 2026 in Marbach; 40.000 Euro Preisgeld"
sdDatePublished: "2026-06-17T13:34:00Z"
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Karl-Heinz Ott erhält den Friedrich-Schiller-Preis 2026 in Marbach; 40.000 Euro Preisgeld

Karl-Heinz Ott erhält Friedrich-Schiller-Preis 2026: Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

Karl-Heinz Ott erhält Friedrich-Schiller-Preis 2026

Einer der wichtigsten Literaturpreise Deutschlands geht an den bei Freiburg lebenden Autor, Essayist, Dramatiker und Übersetzer Karl-Heinz Ott. Er wird mit dem Friedrich-Schiller-Preis des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.

Karl-Heinz Ott erhält den Friedrich-Schiller-Preis 2026 für sein literarisches und essayistisches Werk. Der mit 40.000 Euro dotierte Preis wird alle zwei Jahre verliehen – diesmal am 27. September im Deutschen Literaturarchiv in Schillers Geburtsstadt Marbach. Die Laudatio wird der Literaturwissenschaftler und Autor Jochen Hörisch halten, der bis 2018 Ordinarius für Neuere Germanistik und Medienanalyse an der Universität Mannheim war.

Kunstministerin Petra Olschowski sagte: „Mit Karl-Heinz Ott ehren wir einen Autor, der die großen Fragen unserer Zeit ebenso eindringlich beleuchtet wie die prägenden Gestalten unserer Kulturgeschichte. In seinen Werken setzt er sich unter anderem mit Persönlichkeiten wie Hölderlin und Händel auseinander und schafft einen Zugang aus heutiger Sicht. Seine Romane zeichnen ein ebenso präzises wie lebendiges Bild der bürgerlichen Gesellschaft der Gegenwart und knüpfen dabei an die große Erzähltradition des 19. Jahrhunderts an. Mit außergewöhnlicher intellektueller Tiefe und literarischer Kraft erkundet Karl-Heinz Ott die deutsche Kultur- und Mentalitätsgeschichte und macht ihre Spuren in unserer Gegenwart sichtbar. Zugleich richtet er seinen scharfen Blick aber auch auf demokratiefeindliche Entwicklungen, Radikalisierung und die Rückkehr autoritärer Denk- und Herrschaftsformen.“

Tiefgründige Analyse der deutschen Wirklichkeit

Die Entscheidung über die Vergabe traf eine unabhängige Jury unter dem Vorsitz von Ministerin Petra Olschowski. Dieser gehörten Iris Radisch (Die Zeit), Sandra Kegel (Frankfurter Allgemeine Zeitung), der Schriftsteller Lukas Bärfuss, Jan Bürger (Deutsches Literaturarchiv Marbach), Christian Holtzhauer (Nationaltheater Mannheim), Sigrid Köhler (Universität Tübingen), Stefanie Stegmann (Literaturhaus Stuttgart) und Frank Hertweck (Südwestrundfunk) an.

Das Preisgericht ehrt Karl-Heinz Ott als einen der originellsten Wahrnehmungskünstler der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Sein Sinn für groteske Komik und alltägliche Tragik verbinde sich mit tiefgründiger Analyse deutscher Wirklichkeit.

Der beim Hanser Verlag 2025 veröffentlichte Beziehungs- und Reiseroman „Die Heilung von Luzon“, so urteilte das Preisgericht, stelle den Höhepunkt seines bisherigen Werks dar. Hier führe Ott drei deutsche Paare in denkbar größter existenzieller Not in einem philippinischen Strandhotel zusammen. Drei der sechs Partnerinnen und Partner gelten als unheilbar krank. Ihr Aufbäumen gegen die Gewissheiten der modernen Medizin nutze der Autor für ein psychologisch versiertes Generationenporträt voller Mitgefühl und verzweifelter Ironie. „Eine meisterhafte Parabel über die Grenzen der Rationalität“, sagte die Jury.

Karl-Heinz Otts literarisches Werk wurde geprägt am Theater und durch die psychologische Raffinesse großer Dramatiker wie Thomas Bernhard, Arthur Schnitzler oder Friedrich Schiller. Er war nach dem Studium zunächst Schauspielmusiker und Dramaturg. Über Engagements in Esslingen und Freiburg führte sein Weg an die Oper in Basel, wo er drei Jahre lang als Chefdramaturg arbeitete, und an das Theater am Neumarkt in Zürich. Seit 1997 lebt er als freier Schriftsteller in der Nähe von Freiburg.

Der Literaturpreis wurde 1955 als „Schiller-Gedächtnis-Preis“ aus Anlass des 150. Todestages von Friedrich Schiller gestiftet. Er wird alle zwei Jahre an deutschsprachige Literatinnen und Literaten verliehen. Zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern gehören unter anderem Max Frisch, Golo Mann, Friedrich Dürrenmatt, Christa Wolf, Peter Handke, Botho Strauß, Rainald Goetz, Ror Wolf, Nino Haratischwili, Julia Franck und Barbara Honigmann.

Karl-Heinz Ott, geboren 1957 in Ehingen (Donau), studierte Philosophie, Germanistik und Musikwissenschaft in Tübingen. Er war zunächst Leiter der Schauspielmusik an der Württembergischen Landesbühne in Esslingen und am Theater Freiburg, später Chefdramaturg der Oper am Theater Basel und Dramaturg am Theater Neumarkt Zürich.

Seit 1997 ist Karl-Heinz Ott freier Schriftsteller. Sein Debüt „Ins Offene“ wurde bei Hoffmann und Campe im Jahr 1998 veröffentlicht, es folgten die Romane „Endlich Stille“ und „Wintzenried“. 2015 wurde der Autor in das Verlagsprogramm des Hanser Verlages aufgenommen, mit „Die Auferstehung“. Seitdem erschienen sind unter anderem „Und jeden Morgen das Meer“ (2018) und „Die Heilung von Luzon“ (2025). Zu seinen essayistischen Werken gehören „Tumult und Grazie – Über Georg Friedrich Händel“ (2008), „Rausch und Stille – Beethovens Sinfonien“ (2018), „Hölderlins Geister“ (2019) und „Verfluchte Neuzeit. Eine Geschichte des reaktionären Denkens“ (2022). Er schrieb gemeinsam unter anderem mit Theresia Walser die Theaterstücke „Die ganze Welt“ (2019) und „Konstanz am Meer“ (2014). Karl-Heinz Ott ist auch als Übersetzer tätig, insbesondere von Chateaubriand, Melville, George Simenon und R.C. Sherriff.

Das literarische Werk wurde unter anderem mit dem Thaddäus-Troll-Preis (1999), dem Alemannischen Literaturpreis (2005), dem Preis der LiteraTour Nord (2006), dem Johann-Peter-Hebel-Preis (2012), dem Wolfgang-Koeppen-Preis (2014) und dem Joseph-Breitbach-Preis (2021) ausgezeichnet. Karl-Heinz Ott ist Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst

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