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title: "IG BAU und ver.di würdigen Gebäudereiniger*innen mit Kinoabend im Cinema Arthouse Osnabrück; Forderungen für deutliche Lohnverbesserung formulieren"
sdDatePublished: "2026-06-17T15:05:00Z"
source: "https://os-rundschau.de/os-und-umzu/roter-teppich-fuer-unsichtbare-haende-gewerkschaften-wuerdigen-gebaeudereinigerinnen-mit-kinoabend/"
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  - "Frankfurt am Main"
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IG BAU und ver.di würdigen Gebäudereiniger*innen mit Kinoabend im Cinema Arthouse Osnabrück; Forderungen für deutliche Lohnverbesserung formulieren

Roter Teppich für unsichtbare Hände: Gewerkschaften würdigen Gebäudereiniger*innen mit Kinoabend - Osnabrücker Rundschau

Roter Teppich für unsichtbare Hände: Gewerkschaften würdigen Gebäudereiniger*innen mit Kinoabend

Filmabend von IG BAU und ver.di: „Ich verstehe Ihren Unmut“

Rund 50 Gäste diskutierten im Cinema Arthouse authentisch, rege und überaus engagiert über schwere Arbeitsbedingungen in der Osnabrücker Gebäudereinigung. Hintergrund der Aussprache: Einen Tag vor dem Internationalen Tag der Gebäudereinigung am 15. Juni hatten die Gewerkschaften IG BAU und ver.di gemeinsam zu einem besonderen Nachmittag ins Cinema Arthouse Osnabrück eingeladen.

Der Anlass der Zusammenkunft spielte sich auf der Kino-Leinwand ab. Das Publikum, darunter vor allem Reinigungskräfte aus der Region, Gewerkschaftsmitglieder beider Organisationen sowie Vertreterinnen und Vertreter des Bezirksvorstandes der IG BAU Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, fanden sich am Sonntagnachmittag zusammen, um den mittlerweile vielbeachteten Kinofilm „Ich verstehe Ihren Unmut“ zu sehen.

Schon vor Filmbeginn war die Botschaft des besonderen Film-Events spürbar: Für die Kolleg*innen aus der Gebäudereinigung wurde buchstäblich der rote Teppich ausgerollt. Am Eingang lagen wichtige Informationsmaterialien aus. Gewerkschaftssekretär Maik Bolduan von der IG BAU und weitere Kolleginnen und Kollegen kamen in diesem Rahmen bereits im Foyer mit den Besucherinnen und Besuchern ins Gespräch, um über den anschließenden Film, über die Branche und über den Alltag hinter den Putzmaschinen und Reinigungswagen zu sprechen.

Zur offiziellen Begrüßung ergriff Maik Bolduan im Kinosaal dann auch vor der Leinwand das Wort. Er dankte den anwesenden Reinigungskräften ausdrücklich für ihre tägliche Arbeit und machte dabei auf ein Paradox aufmerksam, das die Branche prägt: „Sie erledigen ihren Job oft dann, wenn sonst niemand mehr da ist. Ihre Arbeit ist grundlegend und trotzdem weitgehend unsichtbar.“

Bolduan sprach vor allem die prekären Arbeitsbedingungen an, unter denen viele Beschäftigte in der Gebäudereinigung täglich arbeiten. Sein Kollege Olaf Damerow, ebenfalls Gewerkschaftssekretär bei der IG BAU, ergänzte seinen Kollegen mit einem aktuellen Hinweis: Die Tarifkommission der IG BAU habe sich jüngst in Frankfurt zusammengefunden, um neue Forderungen für die kommende Tarifrunde zu erarbeiten. Somit war eine zusätzliche Erwartungshaltung geweckt. Mehr dazu sollte es am Ende des Abends geben.

Leinwand wurde Spiegelbild des persönlichen Berufsalltags

Dann lief der bereits mit viel Spannung erwartete Film „Ich verstehe Ihren Unmut“ von Regisseur Kilian Armando Friedrich. Das vielbeachtete Werk hatte zuvor seine Weltpremiere auf der Berlinale 2026. Anfang Juni war es in die deutschen Kinos gekommen. Der Inhalt des dokumentarischen Sozialdramas lässt sich so zusammenfassen: Kamera und Regie begleiten Heike, eine Objektleiterin von Ende 50, die täglich zwischen Reinigungskräften, Firmenleitung und unzufriedenen Kundinnen und Kunden vermittelt. Gedreht ohne Filmmusik, an realen Schauplätzen und mit Laien aus der Reinigungsbranche, erzeugt der Film eine Atmosphäre, die sich für viele im Saal wie ein Spiegelbild des persönlichen Berufsalltags anfühlte.

„Man wird direkt von Anfang an in den Film hineingezogen. Die Kamerafahrt und die Hektik der Hauptdarstellerin Heike nimmt einen sofort mit und hat alle schnurstracks in den Bann der Branche gezogen“, äußerte eine Zuschauerin gleich zu Anfang einer engagierten Aussprache, die sich dem Film anschloss.

Auf dem Podium saßen Martina Krebs, die selbst als Gebäudereinigerin tätig war und sich heute als freigestellte Betriebsrätin für die Belange der Beschäftigten im Unternehmen einsetzt. Zudem ist sie stellvertretende Vorsitzende des Bezirksvorstandes der IG BAU Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim und aktuell auch Mitglied der regionalen Tarifkommission für die Gebäudereinigung, die mit den Arbeitgebern um Berrerungen ringt. Ebenso zu Wort kam Gewerkschaftssekretär Olaf Damerow. Und Martina Krebs bestätigte, was bereits der Film gezeigt hatte: „Der Druck auf die Beschäftigten ist einfach nur enorm. Die Ausbeutung ist in der Branche weit verbreitet.“

Besonders die Rolle der Objektleitungen, jener Zwischenebene zwischen Unternehmensführung und den Reinigungskräften selbst, wurde in der Diskussion thematisiert. Genau diese Konstellation bildet auch der Film in seiner dramaturgischen Mitte ab. „Das ist einfach so in der Branche, der Film trifft es sehr genau“, war ein Tenor, den eine Kollegin unter vielfachem Kopfnicken aus dem Publikum aussprach und der sich anschließend mit vielen Details aus dem Alltag durch das Gespräch zog.

Am Ende des Abends informierte Olaf Damerow über den Stand der Tarifverhandlungen: Die Tarifkommission der IG BAU habe ihre Arbeit aufgenommen und werde Forderungen für eine deutliche Lohnverbesserung für die Beschäftigten in der Gebäudereinigung formulieren. Gern habe er Anregungen aus dem Publikum aufgenommen, um sie in die nächsten Gespräche ebenfalls zu beherzigen. Details aus der Tarifrunde sollen in den kommenden Tagen kommuniziert werden.

Für IG BAU und ver.di war der Abend mehr als eine spannende Filmvorführung. Vor allem die Kooperation der beiden Gewerkschaften sendete an diesem Abend ein gemeinsames solidarisches Signal: Die Arbeit der Reinigungskräfte verdient Sichtbarkeit, Anerkennung und faire Bedingungen!

Die IG BAU wird arbeitsteilig weiter kontinuierlich die Beschäftigten in privatwirtschaftlichen Gebäudereinigungsunternehmen vertreten. Die andere DGB-Gewerkschaft ver.di stellt sich auch zukünftig ohne Wenn und Aber hinter den Kolleginnen in Kollegen der Gebäudereinigung im öffentlichen Dienst. Der Internationale Tag der Gebäudereinigung am 15. Juni dürfte dafür alljährlich den richtigen Rahmen bieten. Der Kinoabend im Cinema Arthouse war somit ein würdiger Auftakt für weitere gemeinsame Aktivitäten, um die Arbeitsbedingungen der Kolleginnen und Kollegen deutlich zu verbessern.