Theater Freiburg präsentiert Spielplan 2026/2027 für die Saison in Freiburg; 22 Premieren, 14 Uraufführungen
Spielplan 2026/2027 vom Theater Freiburg - www.freiburg.de - Rathaus und Politik/Presse/News
Theater Freiburg stellt Spielplan für die neue Saison vor
Bunt, vielfältig und zum Mitmachen einladend – so sieht das Programm des Theaters Freiburg für die Saison 2026
2027 aus. In der zweiten Spielzeit von Intendant Felix Rothenhäusler und seinem Team erwarten das Publikum Repertoire-Klassiker, große Oper und Musicals ebenso wie neue Stücke, partizipative Projekte und Crossover-Konzerte.
„Willst du mit mir gehen?“ Mit dieser Frage wollen der Intendant und sein Team ihr Publikum zum Staunen, Mitdenken und Anderssehen einladen. „Aktuell gibt es immer wieder Versuche, Kunst an Erwartungen und Deutungen zu binden“, sagte Rothenhäusler bei der Vorstellung des neuen Spielplans. „Aber „Kunst darf sich niemals einengen lassen. Wir machen uns von Zuschreibungen frei.“
Und so gehe es nicht darum, Fragen wie „Was sind wir? Pink oder seriös? Alt oder jung? Naiv oder intellektuell? Banal oder relevant? Erhaben oder populär?“ eindeutig zu beantworten, sondern diese Gegensätze aufzulösen. „Das schöne ‚Hä?‘ – irritiert zu sein und sich zu wundern, anstatt selbstzufrieden alles zu beurteilen –, das ist es, was wir anbieten“, betonte Intendant Rothenhäusler. Dementsprechend vielfältig sind das Ensemble – international und mehrsprachig – und das Programm der neuen Saison: mit zweiundzwanzig Premieren, darunter vierzehn Uraufführungen, sieben Tanzgastspiele, acht Sinfoniekonzerte, Sonder- und Familienkonzerte, zahlreiche Mitmach-Angebote sowie Formate des offenen Austauschs.
Den Auftakt im Schauspiel macht Shakespeares „Macbeth“: die Geschichte eines Paares, das die eigene Menschlichkeit abstreift, um an die Macht zu gelangen. Auch im Programm: „Die Jane-Austen-Methode“, die berühmte Szenen aus Austens Romanen neu interpretiert, „Moby Dick oder der Wal“ nach dem Roman von Herman Melville – eine Übernahme vom Theater Bremen – und „Shut Shut Shut“, eine an Stanley Kubricks Film „Eyes Wide Shut“ angelehnte „Enthüllungsfantasie“, die in den Räumen von Jeffrey Epsteins Anwesen spielt und den Blick auf ein System aus Handlangern, Mitwissenden und Opfern von sexuellem Missbrauch richtet.
In „Willst du dein Vaterland befreien?“ erzählt Hausregisseurin Lena Reißner die bewegende Geschichte des jüdischen Widerstandskämpfers Fred Mayer: Er wuchs in Freiburg auf, floh mit seiner Familie nach New York, kehrte im Auftrag des US-amerikanischen Geheimdienstes nach Europa zurück und war gegen Ende des Zweiten Weltkriegs maßgeblich daran beteiligt, Freiburgs spätere Patenstadt Innsbruck vor der Zerstörung zu bewahren – spannender Stoff für einen Theaterabend, der Fragen zu Befreiung, Heldengeschichten und Männlichkeitsbildern aufwirft.
Das Kinderstück zur Weihnachtszeit ist in diesem Jahr „Peter Pan und Wendy“ – ein „grooviges Abenteuer“ über Freundschaft, das Erwachsenwerden und den Mut, die eigene Geschichte selbst in die Hand zu nehmen. Lena Reißer bringt es mit viel Musik auf die Bühne des Großen Hauses: „Für alle ab fünf Jahren und alle, die ans Fliegen glauben.“
Adriana Almeida Pees, Leiterin und Kuratorin Tanz, wechselt nach Düsseldorf und hat zum Abschied sieben Tanzgastspiele nach Freiburg geholt, darunter „Amusez-vous: Jacques Offenbach“ der Tanz- und Theatergruppe La Fleur, die die Operette vom Cancan bis hin zu Afrobeats zum Tanzen bringen. Und in „Corps de Ballet“, das traditionell im Hintergrund tanzt, stehen nicht die Solistinnen im Zentrum, sondern das Kollektiv. „Hier wird menschliche Unvollkommenheit zum künstlerischen Wert“, sagt Dramaturgin Katrina Mäntele – ein spektakulärer Tanz gegen Körpernormen.
Das Musiktheater bringt große Werke auf die Bühne, etwa Arnold Schönbergs „Moses und Aron“, eine Koproduktion mit dem Theater Basel, bei der beide Opernchöre mitwirken, und Richard Wagners „Lohengrin“. Auch auf dem Spielplan: Stephen Sondheims Musical „Into the Woods“, das zeigt, wie ambivalent erfüllte Wünsche sein können.
Zugleich entstehen neue Arbeiten wie „The Shell Trial“ von Ellen Reid. Die Oper handelt von der Klage einer niederländischen Umweltorganisation gegen den Erdölkonzern Shell im Jahr 2018 und ist eine Kooperation mit der English National Opera, an die Freiburgs Generalmusikdirektor André de Ridder 2027 als Chefdirigent wechselt. Für seine letzte Spielzeit in Freiburg hat er acht Symphoniekonzerte geplant, die er bei einem gesonderten Pressetermin vorstellen wird. Darüber hinaus gehen er und das Philharmonische Orchester mit „Phil.On.Tour“ wieder hinaus in die Stadtteile. Und auch das Fusion-Format „Freiburg.Phil Club“ wird fortgesetzt, bei der Größen aus Pop, Jazz oder der Elektro-Szene mit Musiker*innen des Philharmonischen Orchesters fusionieren.
Unter dem Motto „Your House is my Stage“ („Dein Haus ist meine Bühne“) sucht das Theater Freiburg nach neuen Wegen zu seinem Publikum: mit Projekten in Wohnräumen, Schulen und Stadtteilen. So kommt etwa „Orlando“ nach Virginia Woolfs Romanklassiker auf Anfrage in private Wohnzimmer, Schwarzwald-Tatort-Kommissarin Eva Löbau inszeniert das Projekt „Prom Night“ in Festsälen und Schulaulen, und bei der Tanz-Performance „Corps de Ballet“ können alle mittanzen, die Lust haben, das klassische Ballett aufzumischen. „Theater entsteht nicht nur auf der Bühne, sondern im Austausch“, betont Intendant Rothenhäusler. „Theater ist ein kollektiver Raum – ein ‚Wir‘.“
„Willst du mit mir gehen?“ zieht sich also wie ein roter Faden durch die neue Saison und prägt auch das Programmheft, in dem sich die Ensemblemitglieder wie in einem Freundschaftsbuch per Fragebogen vorstellen. „Was ich nicht mag: Milliardäre, Faschos, Macht“, schreibt etwa Hale Richter, Stefanie Mrachacz wollte auf der Bühne schon immer mal die Meerjungfrau Arielle spielen, und Jakob Kunath wäre, wenn er nicht am Theater arbeiten würde, „sehr traurig“.
„Wir hatten viele ausverkaufte Vorstellungen und tollen Publikumszuspruch. Schön, wenn die Bude brummt“, zieht Rothenhäusler Bilanz der ersten Saison mit ihm und seinem Team. Zahlen konnten sie allerdings noch keine vorlegen, da die Saison noch andauert. Auftrag des Theaters sei es, „Labor zu sein, die Dinge zu untersuchen und zu erforschen. Dazu laden wir mit flammendem Herzen ein.“
Weitere Infos unter www.theater.freiburg.de .
Dieser Artikel erschien im Amtsblatt Nr. 912 vom 13. Juni 2026. Wer auf dem Laufenden bleiben will, wird alle zwei Wochen per Newsletter über das neue Amtsblatt informiert. Jetzt anmelden!