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title: "vfa veröffentlicht Positionspapier zum Gesetzentwurf des BStabG in Deutschland; Investitionsbereitschaft der Pharmaunternehmen sinkt"
sdDatePublished: "2026-06-19T09:08:00Z"
source: "https://www.bundestag.de/resource/blob/1190602/21-14-0092-37-vfa-GKV-nicht-barrierefrei.pdf"
topics:
  - name: "healthcare policy"
    identifier: "medtop:20000479"
locations:
  - "Germany"
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vfa veröffentlicht Positionspapier zum Gesetzentwurf des BStabG in Deutschland; Investitionsbereitschaft der Pharmaunternehmen sinkt

vfa Positionspapier

Einleitung
Der vorliegende Gesetzentwurf markiert eine Zä-
sur. Die vorgesehenen Maßnahmen greifen genau
dort ein, wo medizinischer Fortschritt und zukünf-
tige Wertschöpfung entstehen: bei patentge-
schützten, innovativen Arzneimitteln. Damit wird
riskiert, Deutschland als Standort für Forschung,
Produktion und die frühe Versorgung mit innovati-
ven Arzneimitteln weiter zu schwächen.
Die angedachten Maßnahmen verursachen nicht
nur erhebliche Unsicherheiten für die zukünftige
Versorgung, sondern werfen auch ganz grundsätz-
lich die Frage auf, welchen Wert Innovation, tech-
nologischer Fortschritt und damit insbesondere
Patente überhaupt noch haben. Der Patentschutz
soll Investitionen in Forschung und Entwicklung
ermöglichen und die mit hohen Risiken verbunde-
nen Innovationskosten refinanzierbar machen.
Wenn dieser Schutzmechanismus in Deutschland
durch eine nicht nutzenbasierte Preisregulierung
entwertet wird, sinkt die Fähigkeit, in Forschung,
klinische Studien und Produktion zu investieren
oder neue Therapien früh in Deutschland einzu-
führen. Medizinischer Fortschritt ist zwar politisch
gewollt, doch wird die dafür benötigte Investiti-
onsbereitschaft der pharmazeutischen Unterneh-
men geschwächt.
Handlungsdruck angesichts vielfältiger Her-
ausforderungen
Deutschland sieht sich mit vielfältigen gesell-
schaftlichen, ökonomischen und geopolitischen
Herausforderungen konfrontiert. Während die
deutsche Wirtschaft kaum wächst, steigt die Wett-
bewerbsfähigkeit und Innovationskraft anderer
Volkswirtschaften rasant. Insbesondere die USA
und China setzen sich immer weiter ab, wenn es
darum geht, neue Technologien bis zur Marktreife
zu entwickeln. Daraus ergeben sich ökonomische
und strategische Abhängigkeiten, welche den in-
nen- und außenpolitischen Gestaltungsspielraum
nachhaltig einschränken.
Insbesondere das Vorgehen der US-Administration
macht deutlich, dass Deutschland dringend an
Wettbewerbsfähigkeit gewinnen muss. Mit einer
aggressiven Zollpolitik, gezielten Investitionsan-
reizen für die Industrie und ihrer Arzneimittelpoli-
tik setzen die USA den Pharmastandort Deutsch-
land erheblich unter Druck. Vor allem die US-
amerikanische Referenzierung unter anderem auf
deutsche Arzneimittelpreise nach dem Most-Fa-
vored-Nation-Prinzip (MFN) gefährdet aufgrund
der überragenden Bedeutung des US-Marktes für
die globale Refinanzierung von Investitionen und
Aufwendungen in Forschung und Entwicklung die
Versorgung mit innovativen Arzneimitteln hierzu-
lande. Schließlich müssen Unternehmen berück-
sichtigen, welchen Effekt ein niedriger deutscher
Stellungnahme zum Gesetzentwurf
für ein GKV-Beitragssatzstabilisierungs-
gesetz (BStabG)

Kernforderungen
 Erhalt des evidenzbasierten AMNOG und der nutzenorientierten Preisfindung
 Gewährleistung stabiler, innovationsfreundlicher Marktbedingungen statt eines zusätzlichen dyna-
mischen Herstellerabschlags
 Keine Marktverengung und Verordnungssteuerung durch Rabattverträge bei Patentarzneimitteln
 Streichung der gesetzlichen „Auffangregelung“ bei Preis-Mengen-Vereinbarungen
 Streichung des zusätzlichen Abschlags für Impfstoffe mit Patent- und Unterlagenschutz

Ausschussdrucksache

Ausschuss für Gesundheit
21(14)92(37)
18.06.2026
gel. VB zur öffent. Anh. am 22.06.20
Deutscher Bundestag

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Erstattungspreis fortan auf den amerikanischen
Markt haben wird. Das führt dazu, dass das deut-
sche System zur Preisbildung und Erstattung von
innovativen Arzneimitteln nicht mehr nur in seiner
nationalen Dimension betrachtet werden kann.
Würden hingegen die richtigen Weichen gestellt,
könnte die Pharmaindustrie einen noch stärkeren
Beitrag zu wirtschaftlicher Stärke, einer größeren
Innovationskraft und zur Gesundheit der Gesamt-
gesellschaft leisten. Schließlich zählt die Branche
zu den innovativsten, produktivsten und export-
stärksten des Landes. Sie übertrifft in Forschung
und Entwicklung sowie bei Investitionen in mo-
derne Maschinen und Anlagen die meisten Wirt-
schaftszweige und gewährleistet auch in Krisen-
zeiten qualifizierte Beschäftigung mit entspre-
chenden Beitragszuflüssen in die Sozialversiche-
rungssysteme. Die pharmazeutische Herstellung
weist überdies starke Multiplikatoreffekte bei
gleichzeitig geringer Ressourcenintensität auf.
Diese Eigenschaften machen sie zu einer Schlüs-
selindustrie für die Modernisierung des Landes mit
Ausstrahlung auf Branchen wie Maschinenbau,
Chemie, Medizintechnik und KI. Zudem sorgen
ihre Innovationen dafür, die Gesundheit einer
schrumpfenden Erwerbsbevölkerung zu erhalten,
Pflegebedarfe zu reduzieren und das Gesundheits-
system zu entlasten. Investitionen in Arzneimitte-
linnovationen zahlen sich kurz-, mittel- und lang-
fristig aus: für die individuelle Gesundheit, die Ge-
sellschaft und die Volkswirtschaft.
Innovationsrückstand nimmt zu
Zwischen 2016 und 2025 hat rund ein Drittel der
in den USA zugelassenen neuen Medikamente
keine Zulassung in Deutschland erhalten; konkret
fehlen 175 Arzneimittel, darunter 51 mit Break-
through-Therapy-Status und damit besonders ho-
hem medizinischem Potenzial. Ursache ist nicht
die Ablehnung durch die europäische Zulassungs-
behörde, sondern dass Unternehmen ihre Medika-
mente häufig gar nicht erst bei der Europäischen
Arzneimittel-Agentur zur Zulassung einreichen.
Zugleich verliert Europa – auch im Vergleich zu
China – als früher Zulassungsstandort an Bedeu-
tung. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen
Reformdebatten und der US-Politik zeigt sich: Der
Innovationsrückstand ist nicht allein eine regula-
torische Frage, sondern eng mit der Attraktivität
und Verlässlichkeit des europäischen und
deutschen Marktumfelds verknüpft. Entspre-
chende europäische Initiativen wie der Biotech-
Act, der Critical Medicines Act und insbesondere
auch die jüngste deutsch-französiche Erklärung
zur Stärkung der pharmazeutischen Industrie in
Europa sind wichtige – auch und gerade von
Deutschland getragene – Initiativen zur Verbesse-
rung europäischer Wettbewerbsfähigkeit. Das Ge-
setzgebungsvorhaben muss daher daran gemes-
sen werden, ob es planbare, innovationsfreundli-
che Erstattungsbedingungen stärkt – oder durch
zusätzliche Unsicherheit dazu beiträgt, dass neue
Therapien künftig noch häufiger zuerst in anderen
Regionen entwickelt und verfügbar werden und
Deutschland weiter den Anschluss an Innovatio-
nen verliert.
Gesetzentwurf setzt an falscher Stelle an:
Arzneimittelausgaben stabil
Fakt ist, dass der Herstelleranteil an den Arznei-
mittelausgaben von Arzneimitteln seit Jahren kon-
stant bei etwa 12 Prozent an den GKV-Leistungs-
ausgaben liegt. Die Ausgabenentwicklung bei Arz-
neimitteln entspricht genau dem, was aufgrund
der Inflation und einer höheren Inanspruchnahme
von Medikamenten infolge einer alternden Gesell-
schaft zu erwarten ist. Der größte Markteinfluss
ist der wachsende Verbrauch mit mehr behandel-
ten Fällen, längeren Behandlungsdauern und
neuen therapeutischen Optionen. Mit den ange-
dachten Maßnahmen im Gesetzentwurf würde der
Patentmarkt faktisch für die höhere Inanspruch-
nahme von Arzneimitteln infolge des demografi-
schen Wandels und des medizinischen Fortschritts
belastet. Im Ergebnis zeigt sich, dass der Ausga-
benanteil patentgeschützter Arzneimittel seit Jah-
ren konstant unter 50 Prozent liegt – und das
trotz stetig neuer Innovationen.
Schließlich leistet die Pharmaindustrie bereits ei-
nen erheblichen Sparbeitrag. 2025 lag dieser
durch Festbeträge, individuelle und gesetzliche
Rabatte bei rund 29 Milliarden Euro.
Geplante Maßnahmen untergraben die nut-
zenbasierte Preisbildung
Die Einführung eines dynamischen Herstellerab-
schlags, der aller Voraussicht nach allein bis 2030
zu einer Gesamtbelastung durch den Herstellerra-
batt von schätzungsweise rund 20 Prozent führt,

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eine marktverengende Verordnungssteuerung
über Rabattverträge im patentgeschützten Be-
reich, wonach nicht mehr die beste Therapie sich
durchsetzt, sondern das billigste Angebot, und
drastisch verschärfte gesetzliche Vorgaben zur
Ausgestaltung einer Preis-Mengen-Regelung re-
sultieren darin, dass der Wert einer Innovation
nicht mehr über ihren nachgewiesenen Zusatznut-
zen bestimmt wird. Die vorgesehenen pauschalen
Abschläge, Mengenmechanismen und Rabattlogi-
ken höhlen die nutzenbasierte Preisbildung im
AMNOG weiter aus und entwerten diesen feinjus-
tierten Prozess nahezu vollständig. Erstattungsbe-
tragsverhandlungen, die individuelle und flexible
Lösungen für die Markteinführung innovativer Arz-
neimittel ermöglichen sollen, werden faktisch ob-
solet. Auch der Maßstab der evidenzbasierten Me-
dizin wird ausgehebelt, indem der belegte Zusatz-
nutzen einer Therapie nebensächlich wird und
Verordnungen zunehmend basierend auf Preis-
wettbewerben stattfinden sollen.
Maßnahmen wirken über Deutschland hinaus
Die kumulativ wirkenden Maßnahmen erschweren
angesichts einer internationalen Preisreferenzie-
rung massiv den frühen und umfassenden Zugang
zu innovativen Arzneimitteln für die Bevölkerung
in Deutschland. Zahlreiche Staaten – darunter die
großen europäischen Märkte Frankreich, Italien,
Spanien, die Niederlande sowie zahlreiche weitere
Länder weltweit – orientieren ihre nationalen Er-
stattungspreise für Arzneimittel systematisch an
den Preisen in einem Korb von Referenzländern.
Deutschland ist in diesen Körben aufgrund seiner
Marktgröße und seiner anerkannten und geschätz-
ten nutzenbasierten Preisbildung regelmäßig ent-
halten und gehört zu den am häufigsten zitierten
Referenzmärkten überhaupt.
Das weitere drastische Absenken des deutschen
Preisniveaus hat mithin Folgeeffekte über
Deutschland hinaus, die von Unternehmen nicht
unberücksichtigt bleiben können. Besonders deut-
lich wird dies anhand der amerikanischen Preisre-
ferenzierung, denn aufgrund der weltweiten Be-
deutung des US-Marktes sind die globalen Folgen
der deutschen Preispolitik erheblich.
Verschlechterung des Versorgungsniveaus
Die Maßnahmen des Gesetzentwurfs werden das
medizinische Versorgungsniveau in Deutschland
spürbar verschlechtern. Besonders deutlich wird
dies an der Einführung von Rabattverträgen im
patentgeschützten Bereich. Künftig würden die
gesetzlichen Krankenkassen im Zuge von Aus-
schreibungen über die konkrete Therapie für eine
Patientin oder einen Patienten maßgeblich bestim-
men, nicht mehr die behandelnde Ärztin oder der
behandelnde Arzt. Die Verordnungssteuerung hin
zu einer möglichst billigen statt einer geeigneten
Therapie ist die Konsequenz; Liefer- und Versor-
gungsengpässe durch Marktverengung, lange Lie-
fer- und Produktionsketten sowie eine verstärkte
Verlagerung der Forschungs- und Produktionsakti-
vitäten ins Ausland sind die logischen Folgen.
Auch die Versorgungssicherheit bei Impfstoffen
wird durch den Gesetzentwurf nachhaltig gefähr-
det. Der vorgesehene zusätzliche Abschlag für
Impfstoffe trifft eine der wirksamsten und effizi-
entesten Präventionsmaßnahmen im Gesundheits-
system: Er schwächt Investitionsanreize, gefähr-
det die Verfügbarkeit bestehender Impfstoffe und
setzt den Markteintritt neuer Impfstoffe unter Ri-
siko.
Auch die verschlechterten Erstattungsbedingun-
gen für Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA)
führen dazu, dass Prävention ausgebremst und di-
gitale Versorgung geschwächt wird.
Erratische Eingriffe schwächen Investitions-
bereitschaft, Vertrauen und Versorgungssi-
cherheit
Die Koalition hatte die Chancen einer starken
Pharmaindustrie eigentlich erkannt und sich in ih-
rem Koalitionsvertrag explizit dazu bekannt,
Deutschland zum innovativsten Pharmastandort
weltweit zu entwickeln. Dies würde entschlosse-
nes Handeln erfordern, gerade auch für innovati-
onsfreundliche Markt- und verlässliche Investiti-
onsbedingungen.
Auch deshalb beschreibt die vor gut zwei Jahren
beschlossene Pharmastrategie der Bundes