Josef Müller FC-Koch prägte Geißbockheim in Köln über 35 Jahre; jetzt 88 Jahre alt

Was macht eigentlich Josef Müller? | 1. FC Köln

Rückkehr in die Eifel Jupp und Ingrid Müller, die lange auch den FC-Fanartikelverkauf an der Theke übernahmen und für Generationen von FC-Fans die Gesichter des Geißbockheims waren, gingen im Januar 2000 in den Ruhestand und zogen in Jupps Elternhaus nach Nohn. Den FC hat Jupp Müller nie aus den Augen verloren, regelmäßig besucht er die Veranstaltungen des Clubs und gelegentlich auch die Spiele im RheinEnergieSTADION. Dieser Text ist zuerst im GeißbockEcho (Ausgabe 4, Saison 2025

  1. erschienen. Weitere Hintergrundstorys zum FC lest Ihr hier im geschlossenen Mitgliederbereich .

Was macht eigentlich Josef Müller? 19.06.2026 FC-Koch Josef Müller prägte dreieinhalb Jahrzehnte lang das Geißbockheim. Was macht er eigentlich heute? Auf den ersten Blick hat das beschauliche 460-Seelen-Dorf Nohn in der Vulkaneifel nicht wirklich viel mit dem 1. FC Köln und schon gar nichts mit besonderen FC-Geschichten oder Europapokalreisen zu tun. Doch dieser erste Eindruck weicht beim Betreten des Hauses von Jupp Müller in der Hauptstraße schnell. Schon im Flur zeugen zahlreiche Anstecknadeln von Fußballreisen ins In- und Ausland, im Wohnzimmer dokumentieren persönliche Memorabilien und Erinnerungen an Ehrungen eine lange Zeit beim und mit dem FC. Die etwas knurrige und zuweilen verschlossene Art, die mancher dem Eifler gerne attestiert, ist bei Josef Müller, den seit Ewigkeiten alle Jupp nennen, nicht spürbar. Im Gegenteil: immer offen, zugänglich und ansprechbar, vereint er Bodenständigkeit und Weltoffenheit. Dabei interessiert ihn das Geschehen bei „seinem“ FC unverändert ebenso, wie die Geschichte seines Heimatdorfes, zu dem er als Heimatforscher bereits einige Publikationen veröffentlicht hat. Seine regelmäßigen Radtouren bis hin an den gar nicht mal so weit entfernten Nürburgring genießt Jupp Müller mit inzwischen 88 Jahren immer noch, auch wenn er zwischenzeitlich auf ein etwas weniger kraftraubendes E-Bike umgestiegen ist. Dass er einmal dreieinhalb Jahrzehnte lang hautnah am FC „dran“ sein würde, hätte er sich vor 61 Jahren nicht einmal träumen lassen. Als Franz Kremer einen Koch suchte Zeitsprung in den Winter 1964: Im renommiertesten Hotel von Kandersteg, einem Fremdenverkehrsort im Schweizer Kanton Bern, logieren auch Gäste aus Köln. Und die sind von den Kochkünsten des dortigen Küchenchefs überaus angetan. Überraschender weise stammt dieser aus einer Gegend, die man bei sehr großzügiger Auslegung als erweiterte Peripherie der Domstadt bezeichnen kann. Da passt es perfekt, dass einer dieser Gäste, der im Hotel häufig mit brennender Zigarre gesichtet wird, auf der Suche nach einem neuen Koch für das Clubhaus des 1. FC Köln ist. Mit dem Namen Franz Kremer kann der Mann aus der Küche allerdings so gar nichts anfangen. „Sie kennen mich wirklich nicht?“, lautet die ungläubige Frage des FC-Präsidenten, als für Chefkoch Josef Müller der längst überregional bekannte Kölner Fußballfunktionär kein Begriff ist. Dennoch soll diese Begegnung sein Leben nachhaltig verändern, denn Franz Kremer macht ihm noch an Ort und Stelle ein Jobangebot. Jupp Müller, der zuvor unter anderem schon im Mainzer Europahotel, in St. Moritz sowie in Neuchatel am Herd gestanden hatte, gibt Franz Kremer nach reiflicher Bedenkzeit und gemeinsamer Seilbahnfahrt schließlich seine Zusage. Am 8. Mai 1965 war offizieller Dienstbeginn in Köln und von diesem Tag an sollte Jupp Müller das FC-Clubhaus und dessen Küche fast 35 Jahre lang nachhaltig prägen. Dabei war Ehefrau Ingrid nicht „nur“ im Service stets an seiner Seite. Die Müllers wohnten sogar im Geißbockheim – dichter kann man am FC kaum dran sein. Mit dem FC durch Europa Bei Spielern, Trainern, Verantwortlichen und Mitarbeitern standen nicht nur Jupp Müllers Speisen, sondern ganz besonders auch dessen Persönlichkeit hoch im Kurs. Mancher Spieler vertraute ihm, der trotz seiner Offenheit auch die Kunst des Schweigenkönnens beherrschte, seine Sorgen und Nöte, aber auch seine Freude an. Zahlreiche Freundschaften zu FC-Legenden wie Heinz Flohe, Wolfgang Overath oder Heinz Simmet entstanden – und blieben. Ob Europapokalbüffet, Präsidentengeburtstag oder Verbandstagung – Jupp Müller war praktisch für alles rund um die Bewirtung beim FC zuständig. Etliche Spieler und Funktionäre, darunter beispielsweise Franz Kremer oder Toni Schumacher, überließen ihm auch die kulinarische Bewirtung ihrer Gäste bei privaten Feierlichkeiten. Müllers Tätigkeitsbereich war also keineswegs nur auf das Geißbockheim beschränkt. Für den FC kam er zu zahlreichen internationalen Einsätzen. Ob in Glasgow, Moskau, Nitra, Prag oder Sofia – Jupp Müller begleitete die Mannschaft zu vielen Europapokalbegegnungen und übernahm dabei zumeist die komplette Küchenregie im jeweiligen Teamhotel. Fleischverlust in Stettin, Mützensuche in Moskau Dabei musste oft improvisiert werden. So verschwand 1984 vor dem UEFA-Cup-Spiel im polnischen Stettin das eigens aus Köln mitgebrachte Rindfleisch spurlos aus der Küche des örtlichen Novotel. Jupp Müller fand auf einem örtlichen Markt adäquaten Ersatz. Brenzliger gestaltete sich eine Situation in Moskau, die den Koch beinahe zum ungewollten Spion werden ließ: Im Rahmenprogramm einer Partie bei Spartak Moskau im November 1989 stand auch eine Stadtrundfahrt für Mannschaft und Funktionsteam auf dem Programm. Nur Jupp Müller konnte nicht daran teilnehmen, da er sich um das Mittagessen im Hotel Kosmos kümmern musste. Als die Spieler samt Trainer Christoph Daum wieder im Hotel eintrafen, trugen einige die berühmten, russischen Uschanka-Pelzmützen. Unterwegs konnten jedoch nicht genügend Mützen für alle Spieler aufgetrieben werden und so beauftragte Daum den FC-Koch, doch noch ein paar der begehrten Erinnerungsstücke zu organisieren. Also begab sich Jupp Müller von einem Dolmetscher begleitet per Taxi auf Mützensuche. Die anschließende Irrfahrt durch Moskau führte ihn zu einem Magazin für Militärbedarf. Jetzt bekam Jupp Müller kalte Füße, denn trotz Glasnost und Perestroika war es nicht ungefährlich, sich als Ausländer im Umfeld eines Militärbereichs aufzuhalten. Einem Wachmann schien die Situation derart suspekt zu sein, dass er den Koch samt Dolmetscher unversehens festsetzte. Nach einer überaus emotionalen Diskussion zwischen Wachmann und Dolmetscher stellte man Jupp Müller die Frage, ob er denn FC-Fanartikel dabeihabe. Wie immer bei weiten Reisen, hatte er seine Tasche mit Aufklebern, Anstecknadeln und Wimpeln griffbereit. Nachdem der Wachmann mit reichlich FC-Merchandise beschenkt worden war, wurden Koch und Dolmetscher wieder „entlassen“. Sichtlich angefasst und zugleich erleichtert kehrte Jupp Müller zum Mannschaftshotel zurück, froh der prekären Situation unbeschadet entkommen zu sein. An die von Christoph Daum „bestellten“ Uschankas verschwendete er keinen Gedanken mehr. Nur eine von unzähligen Geschichten, die Jupp Müller in all den Jahren beim FC erlebte und die zweifellos ganze Bücher füllen würden. Rückkehr in die Eifel Jupp und Ingrid Müller, die lange auch den FC-Fanartikelverkauf an der Theke übernahmen und für Generationen von FC-Fans die Gesichter des Geißbockheims waren, gingen im Januar 2000 in den Ruhestand und zogen in Jupps Elternhaus nach Nohn. Den FC hat Jupp Müller nie aus den Augen verloren, regelmäßig besucht er die Veranstaltungen des Clubs und gelegentlich auch die Spiele im RheinEnergieSTADION. Dieser Text ist zuerst im GeißbockEcho (Ausgabe 4, Saison 2025

  1. erschienen. Weitere Hintergrundstorys zum FC lest Ihr hier im geschlossenen Mitgliederbereich.