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title: "Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss beschließt CHIMPS-NET; Keine Empfehlung aus"
sdDatePublished: "2026-06-19T15:44:00Z"
source: "http://innovationsfonds.g-ba.de/downloads/beschluss-dokumente/1152/2026-06-19_CHIMPS-NET.pdf"
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  - name: "health"
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locations:
  - "Germany"
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Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss beschließt CHIMPS-NET; Keine Empfehlung aus

Beschluss

Beschluss
des Innovationsausschusses beim Gemeinsamen
Bundesausschuss gemäß § 92b Absatz 3 SGB V zum
abgeschlossenen Projekt CHIMPS-NET (01NVF18003)
Vom 19. Juni 2026
Der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss hat im schriftlichen
Verfahren am 19. Juni 2026 zum Projekt CHIMPS-NET - Kinder und Jugendliche mit psychisch
kranken und suchtkranken Eltern - children of mentally ill parents - network (01NVF18003)
folgenden Beschluss gefasst:
I.
Der Innovationsausschuss spricht für das Projekt CHIMPS-NET keine Empfehlung aus.
Die
im
Projekt
erzielten
Ergebnisse
werden
zur
Information
an
die
Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und
Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V. (DGPPN), die Deutsche
Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e. V.
(DGKJP), die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und
Familientherapie e. V. (DGSF), die Deutsche Gesellschaft für Soziale Arbeit e. V. (DGSA)
und den Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen e. V. (BApK)
weitergeleitet.
Begründung
Das Projekt CHIMPS-NET (Children of Mentally Ill Parents) hat erfolgreich eine neue,
familienorientierte Versorgungsform (NVF) zur Prävention und Behandlung psychischer
Belastungen bei Kindern und Jugendlichen psychisch oder suchtkranker Eltern (KJPKE)
entwickelt und wissenschaftlich evaluiert. Ziel war es, die psychische Gesundheit und
Lebensqualität der Kinder und Jugendlichen zu verbessern, familiäre Ressourcen zu
stärken und Versorgungslücken zwischen Prävention, Therapie und sozialer Unterstützung
zu
schließen.
Das
Angebot
umfasste
vier
Module:
(1)
eine
intensive
familientherapeutische Kurzzeitintervention (CHIMPS-T), (2) eine Multifamilientherapie
mit gruppenbasiertem Angebot für belastete Familien (CHIMPS-MFT), (3) eine präventive
Einzelberatung für Familien mit hoher Funktionalität (CHIMPS-P) sowie (4) eine
webbasierte Onlineintervention für Jugendliche (iCHIMPS). Ergänzend wurde ein
systematisches Screening-Verfahren implementiert, um belastete Familien frühzeitig zu
erkennen. Alle Formate wurden infolge der Covid-19-Pandemie auch online zur Verfügung
gestellt. Zusätzlich entstand das Informationsportal chimpsnet.org, das betroffenen
Familien niedrigschwellige Wissens- und Unterstützungsangebote bietet.
Zur wissenschaftlichen Evaluation der Face-to-face-Interventionen (CHIMPS-T/-MFT/-P)
wurden drei cluster-randomisierte kontrollierte Studien (cRCT) durchgeführt. Die
Zuweisung zu den jeweiligen Interventionen erfolgte anhand des erhobenen
psychosozialen Unterstützungsbedarfs der Familien. Die Interventionen wurden jeweils
mit der Regelversorgung verglichen. Der primäre Endpunkt war die Veränderung der
psychischen Symptombelastung der Kinder und Jugendlichen nach zwölf Monaten.
Sekundäre
Endpunkte
betrafen
u. a.
Lebensqualität,
Familienbeziehungen,

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Stressverarbeitung und elterliche Symptomatik. Zudem wurde eine qualitative
Prozessevaluation mittels leitfadengestützter Familieninterviews und Befragungen der
Therapeutinnen und Therapeuten sowie eine gesundheitsökonomische Evaluation auf
Basis von Primär- und GKV-Routinedaten durchgeführt. Das Onlineprogramm iCHIMPS
wurde in einer separaten zweiarmigen RCT mit Jugendlichen (zwölf bis 18 Jahre) in Bezug
auf ihre psychische Gesundheit sechs Monate nach Einschluss (primärer Endpunkt)
getestet.
Es wurden 406 Familien in 21 Zentren in die Interventionen CHIMPS-P/-T/-MFT bzw. die
Kontrollgruppe randomisiert. 117 Familien schlossen die NVF regulär ab. Kinder und
Jugendliche, die an der Intervention CHIMPS-P teilnahmen, zeigten nach zwölf Monaten
einen statistisch signifikanten, jedoch geringen, positiven Effekt in Bezug auf ihre
psychische Symptombelastung. Die Interventionen CHIMPS-T und CHIMPS-MFT erzielten
keine statistisch signifikanten Unterschiede gegenüber der Regelversorgung, wenngleich
sich beide Gruppen über die Zeit verbesserten. Sekundäre Endpunkte ergaben insgesamt
geringe, uneinheitliche Effekte. Für die Intervention iCHIMPS waren aufgrund der kleinen
Stichprobe
(n = 22)
keine
inferenzstatistischen
Auswertungen
möglich.
Die
Prozessevaluation deutete auf positive Auswirkungen der NVF hin, bspw. hinsichtlich der
Familienkommunikation und Offenheit, der kindgerechten Psychoedukation zu
psychischen Erkrankungen sowie eines Rückgangs von Konflikten und der Beruhigung der
Eltern durch professionelles Feedback. Auch Kritikpunkte an der NVF wurden
angesprochen, hier wurden bspw. die sehr umfangreiche Eingangsdiagnostik, der hohe
organisatorische Aufwand und eine teilweise Überforderung in den Sitzungen genannt.
Insgesamt konnte eine hohe Zufriedenheit mit der NVF bei den Familien festgestellt
werden, die die Interventionen vollständig durchlaufen haben. Die Mehrzahl würde eine
Teilnahme weiterempfehlen.
Die gesundheitsökonomischen Analysen variierten je nach Datenbasis (unterschiedlich für
die einzelnen RCTs) und zeigten insgesamt keine eindeutige ökonomische Überlegenheit
hinsichtlich des inkrementellen Kosten-Effektivitäts-Verhältnis (ICER zeigte sich CHIMPS-T
tendenziell kostensparend und leicht wirksamer (ICER ≈ -119.902 €/QALY). CHIMPS-MFT
war mit höheren Kosten und einer geringeren Wirksamkeit verbunden. Für CHIMPS-P
wurden höhere Kosten bei geringem positivem Nutzen identifiziert.
Die Validität der Ergebnisse der Effekt- und gesundheitsökonomischen Evaluation ist durch
einige Limitationen eingeschränkt. Teilweise wurde die Fallzahl nicht erreicht und es gab
einen hohen Drop-Out sowie einen hohen Anteil imputierter Daten. Die ICER-Berechnung
nach zwölf Monaten erfolgte mit kleiner Fallzahl und mit nicht statistisch signifikanten
Unterschieden in Kosten und Lebensqualität. Darüber hinaus ist die Aussagekraft der
gesundheitsökonomischen Auswertungen eingeschränkt durch relevante Baseline-
Unterschiede zwischen den Vergleichsgruppen bzgl. der Lebensqualität und der Kosten.
Die Validität der Ergebnisse der Prozessevaluation ist insbesondere eingeschränkt durch
die selektive Teilnahme. Personen, welche die NVF abgebrochen haben, nahmen nicht an
den Befragungen teil.
Das Projekt CHIMPS-NET konnte eine umfassende, familienzentrierte NVF für Kinder und
Jugendliche psychisch erkrankter Eltern etablieren. Die Interventionen verbesserten
psychosoziale Ressourcen und die Familienkommunikation, zeigten jedoch nur begrenzte
Effekte in der Reduktion der psychischen Symptombelastung und eine uneinheitliche
Kosteneffektivität. Die Ergebnisse der Prozessevaluation ergaben Ansatzpunkte für eine
Weiterentwicklung der neuen Versorgungsform. Auf Grundlage dieser Gesamtergebnisse
kann eine Empfehlung zur Überführung der neuen Versorgungsform in die
Regelversorgung nicht ausgesprochen werden. Allerdings konnte das Projekt das Potenzial
einer gestuften Versorgung unter Einbezug relevanter Bezugspersonen aufzeigen.

Infolgedessen werden die Ergebnisse an die o. g. Adressatinnen und Adressaten zur
Information weitergeleitet.
II. Dieser Beschluss sowie der Ergebnis- und Evaluationsbericht des Projekts CHIMPS-NET
werden auf der Internetseite des Innovationsausschusses beim Gemeinsamen
Bundesausschuss unter www.innovationsfonds.g-ba.de veröffentlicht.
III. Der Innovationsausschuss beauftragt seine Geschäftsstelle mit der Weiterleitung der
gewonnenen Erkenntnisse des Projekts CHIMPS-NET an die unter I. genannten
Institutionen.

Berlin, den 19. Juni 2026
Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss
gemäß § 92b SGB V
Der Vorsitzende

Prof. Hecken