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title: "Nordrhein-Westfalen führt Reanimationskurs in Klassen 7–9 ein; Schüler gewinnen Selbstvertrauen und Sicherheit"
sdDatePublished: "2026-06-19T13:21:00Z"
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Nordrhein-Westfalen führt Reanimationskurs in Klassen 7–9 ein; Schüler gewinnen Selbstvertrauen und Sicherheit

Johanniter
Juni 2026
Magazin für die Freundinnen und Freunde der Johanniter-Unfall-Hilfe e. V.
Mit Ihren
Regionalseiten
Weil das Leben draußen spielt, machen
die Johanniter Menschen wieder mobil
und bringen sie mit anderen zusammen.
Nichts wie raus.
Langfristig engagiert
Der „WeltPate“ setzt
auf Kontinuität
Helfen macht Schule
Reanimation steht jetzt
auf dem Stundenplan

Willkommen
im Team!
Ein Ehrenamt bei den Johannitern
Ob im Sanitätsdienst, im Katastrophen-
schutz, beim Besuchsdienst für ältere
Menschen oder in der Integrations- oder
Jugendarbeit: Ohne das Engagement
unserer 50.000 Ehrenamtlichen wäre die
Arbeit der Johanniter-Unfall-Hilfe nicht
möglich.
Werden auch Sie Teil einer lebendigen
Gemeinschaft von Gleichgesinnten!
Informieren Sie sich, wenn Sie Mitmen-
schen helfen und den Sinn des Einsatzes
direkt erleben wollen – durch ein Lächeln,
einen Blick oder ein Dankeschön.
Weitere Infos unter:
www.johanniter.de/ehrenamt
Service-Telefon: 0800 32 33 800

Johanniter / Juni 2026 / Willkommen
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Präsident der
Johanniter-Unfall-Hilfe e. V.
Volker Bescht
Liebe Freundinnen und Freunde der Johanniter,
meine Zeiten übermütiger Outdoor-Aktivitäten –
auch in den Bergen – sind spätestens seit einem
Bandscheibenvorfall samt Operation vorbei. Mit
dem Fahrrad vor den Toren Lüneburgs bin ich aber
dennoch viel unterwegs. Und mein neuer Hund hält
mich sowieso auf Trab. Ich weiß diese Freiheit und
Beweglichkeit zu schätzen, so wie wohl jeder, der
sie – vielleicht auch nur zwischenzeitlich – verloren
hat. Dass die Johanniter zu Lande, zu Wasser und in
der Luft Menschen mobil machen, und das nicht nur
nach Notfällen, finde ich deshalb wunderbar. Wer
davon profitiert, zeigen wir Ihnen in unserer Auf-
machergeschichte.
Dass wir nicht für die Schule, sondern fürs Leben
lernen, haben viele als lateinisches Sprichwort im
Kopf. Im kommenden Schuljahr gewinnt diese Um-
kehrung des Seneca-Zitats in Nordrhein-Westfalen
eine ganz neue Bedeutung: Denn dort wird ein Re-
animationskurs für die Klassen 7 bis 9 verpflichtend.
Und die Schulsanitäterinnen und -sanitäter der
Johanniter sind mittendrin. Eine segensreiche Neue-
rung, wie ich finde. Jungen Menschen zu zeigen,
dass sie helfen können, schafft Selbstvertrauen und
Sicherheit auf breiter Basis. Davon profitieren nicht
nur Familienangehörige – sondern alle in unserer
Gesellschaft. Denken auch Sie an andere, wenn Sie
selbst die Kapazitäten dafür haben. Dieses Zusam-
mengehörigkeitsgefühl macht uns Menschen aus!
Themen
Enge lokale Ver-
netzung und lang-
jährige Erfahrung
macht die Arbeit im
Südsudan effizient.
Nordrhein-Westfalen
führt Pflichtunter-
richt in Erster Hilfe
ein. Andere Bundes-
länder sollten folgen.
Vorwort
Ihr
Fotos: Nikolaus Brade, Peter Irungu, MSB NRW/Andrea Bowinkelmann
Johanniter-Mitgliedertelefon
0800 32 33 900 (kostenlos)
In Aktion
Ambulante Hilfen – Mit Schwung ins Leben 04
Südsudan – Kontinuität schafft Vertrauen
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Laienreanimation – Helfen macht Schule
13
In Kürze
Namen & Nachrichten
14
Fürs Leben
Gesundheit & Sicherheit
23
Service: Sommerurlaub, sorgenfrei
24
Unter Freunden
Lesertelefon
26
Im Porträt – Früher war mehr Erbsensuppe! 27
Drei Fragen an Sven Korsch /
Leserstimmen
28
Denkanstoß – Leichtigkeit in Sicht?
29
Zum Schluss
Rätselspaß
30
Augenklick
31

15
10
13
Ihre Johanniter
in Hessen, Rheinland-Pfalz und Saar

Ambulante Hilfe
Bringt Schwung
ins Leben.

Wer im Alter selbst nicht
mehr beweglich genug ist,
um das Haus zu verlassen,
erhält Unterstützung von den
­Johannitern. Ob durch den
Mobili­tätshilfedienst in Berlin
oder mit den Rikschas, die es
gleich an mehreren Orten gibt.
Wir waren bei der Saison­
eröffnung in Siegburg dabei.
Hinten ein rüstiger Rentner, der strampelt. Und vorn
zwei betagte Damen, die den noch frühlingshaft
frischen Fahrtwind und die abwechslungsreiche
Kulisse von Siegburg beim Auftakt der Saison 2026
genießen: Die Rikschas der Johanniter sind durch
einen Elektromotor unterstützte Dreiräder – und das
beliebteste Ausflugsmobil der Stadt an der Sieg.
„Etwa 77 Mal sind wir vergangene Saison raus-
gefahren, mehr hat uns das Wetter nicht erlaubt“,
erzählt Eike Hundhausen. Tatsächlich stapeln sich
die Anfragen nach einer Rikscha-Ausfahrt bei der
Leiterin der „Aktiven Senioren Siegburg“ auf dem
Schreibtisch. „2024 sind wir mit nur einer Rikscha
gestartet.“ Schnell war klar, dass das nicht reicht.
Inspiriert wurden Hundhausen und ihr Projektteam
von dem sehr erfolgreichen Projekt „Radeln ohne
Alter“ in Bonn. Ganz ursprünglich kommt diese
Mobilitätsidee aus Kopenhagen. „Raus aus der Ein-
samkeit: durch den Wald nach Lohmar, an der Sieg
entlang nach Hennef oder einfach durch die Stadt
zur Eisdiele und auf ein Schwätzchen. Es geht uns
darum, die zu erreichen, die sonst nicht erreicht
werden“, erklärt Eike Hundhausen. Eben „Rikscha
op jück“, wie das Projekt in Siegburg im rheinischen
Dialekt heißt, also: „Rikscha unterwegs“.
Möglich wurde dieses besondere Angebot nur
in Kooperation, wie Eike Hundhausen betont.
Die Anschaffung der Räder – eines kostet rund
Foto: Nikolaus Brade
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Johanniter / Juni 2026 / In Aktion

„Es geht uns darum, die
zu erreichen, die sonst nicht
erreicht werden.“
Eike Hundhausen, Projektkoordinatorin „Aktive Senioren“
Zuhause abgeholt, wieder zu-
hause abgeliefert: Das Rikscha-
Taxi kommt wie gerufen.
Neben den „Rikscha op jöck“ kümmert
sich Eike Hundhauusen noch um eine Viel-
zahl weiterer Angebote für Senioren.
14.000 Euro – und die Betriebskosten von mehreren
hundert Euro pro Jahr trägt der Evangelische Verein
für Altenhilfe. Auch der Evangelische Kirchenkreis
beteiligt sich und der Radfahr-Verein 1894 Siegburg
kümmert sich um die rechtlichen Details. Schirmherr
des Projekts ist Stefan Rosemann, der Bürgermeis-
ter der Stadt.
Im Ruhestand Pilot / Das ehrenamtliche Team um
Johanniterin Eike Hundhausen organisiert die Bu-
chung der Fahrten, die Wartung der Räder und stellt
die „Piloten“, wie sie ihre Fahrerinnen und Fahrer
nennen. „Unsere acht Piloten sind ebenfalls alles eh-
renamtliche Aktive im Ruhestand“, so Hundhausen.
Einer von ihnen ist Klaus Beib. Der 66-Jährige enga-
giert sich seit zwei Jahren bei den Aktiven Senioren.
Er ist für Fahrdienste für all jene zuständig, die mit
den öffentlichen Verkehrsmitteln die Fahrt zum Arzt
oder zur Behörde nicht mehr schaffen, sich aber
auch kein Taxi leisten können. Viel lieber aber als mit
dem Auto unterwegs zu sein, tritt er bei Ausfahrten
mit der Rikscha in die Pedale. „Sich bewegen in der
Natur und dabei jemandem eine Freude machen:
Das ist gut für die eigene Fitness, aber eben auch
für das gute Gefühl, jemandem zu helfen“, erklärt
er. Jahrelang war er Fördermitglied der Johanniter,
bevor er sich entschloss, auch in der Seniorenhilfe
aktiv dabei zu sein.
Eva-Maria Schwanke gehört zu den Menschen,
denen er auf diese Weise eine Freude macht. Die
87-Jährige ist nach langer Ehe nach Siegburg ge-
kommen, wo eine ihrer Töchter wohnt. Sie hat
Anschluss gesucht – und die „Aktiven Senioren“
der Johanniter gefunden. Ob Handarbeitskurs oder
Wanderausflug: Hier gibt es Bewegung und vor
allem Gemeinschaft. „Ich hab hier Freundinnen ken-
nengelernt. Und wir waren auch schon gemeinsam
im Urlaub“, so die Seniorin. Eine Weile hat sie selbst
andere Frauen unterstützt, die nicht mehr so fit wa-
ren wie sie selbst. „Doch inzwischen werden leider
meine Augen immer schlechter. Ich kann kaum noch
was sehen.“ Sie ist froh, mit den Aktiven Senioren
Fotos: Nikolaus Brade
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in Siegburg einen Ort zu kennen, wo ihr auch mal
geholfen wird, wenn es etwa um Behördenschreiben
oder Anträge für finanzielle Unterstützung geht. Und
bei denen man auch einfach mal auf einen Plausch
vorbeikommen kann.
Lebensfreude im Taunus / Wo sie auch immer un-
terwegs sind – die Rikschas sorgen in jedem Stadt-
bild für Aufmerksamkeit. Seit Sommer 2025 ist das
im hessischen Liederbach am Taunus genauso. Auch
hier bieten die Johanniter für Seniorinnen und Se-
nioren, die kaum noch selbst aktiv herauskommen,
das Gefühl von Wind im Gesicht und Sonne auf der
Haut. Bewegung durch die Natur bringt Lebensfreu-
de: „Wir machen das für Menschen, die nicht mehr
von alleine an die Orte kommen, die sie besuchen
möchten“, erzählt Vera Neumann. Sie koordiniert im
Begegnungsraum Liederbach diese Aktivitäten. Ak-
tuell sucht der Verein noch weitere „Scouts“, wie die
Fahrerinnen und Fahrer der von Geldern der Crons-
tett- und Hynspergischen evangelischen Stiftung
angeschafften Rikschas genannt werden.
Eine ganz andere Form der Mobilisierung ist das
Projekt „Wheels on Water“ in Mainz. Dort erhalten
körperlich und geistig beeinträchtigte Kinder und
Jugendliche die Möglichkeit, mal über den Rhein zu
schippern. Die Rollstühle werden dafür im vorderen
Teil eines Rettungsbootes befestigt, und zwar direkt
vorn am Bug. „Damit entsteht ein bisschen das Ge-
fühl, schwerelos über das Wasser zu gleiten“, erklärt
Claudia Siebner vom Regionalverband Rheinhessen
der Johanniter – ein unvergleichliches Erlebnis für
die Kinder und Jugendlichen.
Raus aus der Wohnung / Mit viel mehr Bodenhaf-
tung geht es dagegen in Berlin zu, wenn Ralf Luczak
in Schöneberg den Klingelknopf bei seinen Klienten
drückt. Sofort summt da auch schon der Öffner und
es hallt ihm ein fröhliches „Guten Morgen!“ durch
das Treppenhaus entgegen. Der Mobilitätshelfer der
Berliner Johanniter wird nämlich bereits sehnsüchtig
erwartet. Heute geht es zum Spaziergang. Wenig
später bugsiert der schlanke, hochgewachsene Hel-
fer seine Klientin mit dem Rollstuhl durch die Haus-
tür. Brigitte Zimmer, eine zierliche Frau in fliederfar-
bener Steppjacke, drückt ihm zwei Schachteln in die
Hand. Ihre wachen Augen blitzen: „Puzzeln ist meine
Leidenschaft!“ 300 Teile sind für sie ein Klacks. „Ich
tausche immer mit meiner Freundin, die ich bei den
Spaziergängen treffe.“ Brigitte Zimmer wohnt seit
1967 in der gepflegten Wohnanlage. Dass sie hier
auch nach dem Tod ihres Mannes noch alleine leben
kann, macht sie glücklich.
Mit dem Rettungsboot bieten die Mainzer Johanniter
­unvergessliche Erlebnisse für Rollstuhlfahrende.
Fotos: Janina Werner, Claudia Siebner
Auch im hessischen Liederbach am
Taunus gibt es die begleiteten Aus­
fahrten – wenn das Wetter mitspielt.
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Johanniter / Juni 2026 / In Aktion

Seit gut zehn Jahren weiß sich Brigitte Zimmer in guten
Händen, wenn sie mit dem Mobilitätshilfedienst unterwegs
ist. Ralf Luczak ist ihr dafür ein treuer Begleiter.
Einen großen Anteil daran haben die Berliner Mobili-
tätshilfedienste. Das vom Land Berlin geförderte
Angebot eröffnet Menschen, die eingeschränkt be-
weglich sind, Mobilität und eine aktive Teilhabe am
Leben. Im Bezirk Tempelhof-Schöneberg erfüllen die
Johanniter diese Aufgabe. Das fachlich geschulte
Team begleitet mehr als 450 Klienten im Alltag – ob
bei Einkäufen, ins Theater oder zu Arzt- und Friseur-
besuchen. Brigitte Zimmer nimmt diese Hilfe schon
seit mehr als zehn Jahren in Anspruch. Am meisten
fiebert sie den Angeboten zur Teilhabe entgegen. Da
treffen sich Interessierte zu gemeinsamen Spazier-
gängen im Park oder Ausflügen in die Umgebung.
„So oft, wie ich darf“, antwortet sie auf die Frage,
wie häufig sie dort ist. „Das sind meine Highlights!“
Wohin dann letztendlich die Reise geht, ist ihr fast
egal: „Das Beste ist immer das Zusammensein!“
Am liebsten zusammen / Heute steht der Körner-
park im Stadtteil Neukölln auf dem Programm.
Während Ralf Luczak seine Klientin die Rampe zur
Liegewiese hinunter schiebt, erspäht Brigitte Zim-
mer schon die kleine Gruppe, die sich dort versam-
melt hat. Ihre Freundin ist noch nicht da. Nervös
nestelt sie an ihrem Handy. Endlich trifft die Nach-
züglerin ein, die Puzzles wechseln die Besitzerin.
Nach ein, zwei Runden durch den Park macht der
Trupp an einer Bank Pause. Die Stimmung ist ausge-
Die Johanniter machen mobil
Erreichbar sind die im Text genann