Stadtwerke Konstanz planen Bodensee-Wärmenetz in Konstanz; Ankerkunden sichern Großteil der Wärmeabnahme
Wärme in Konstanz: Ein Blick in die Zukunft
Wärme in Konstanz: Ein Blick in die Zukunft
Großes Interesse und geballtes Fachwissen: Bei der Veranstaltung „Zukunft Wärme“ am 10. Juni im Bodenseeforum konnten die Stadt Konstanz und die Stadtwerke Konstanz gemeinsam mit zahlreichen weiteren Akteuren sowie rund 400 Bürgerinnen und Bürgern zentrale Fragen zur lokalen Wärmewende beleuchten. Im Fokus standen die kommunale Wärmeplanung, konkrete Ausbaupläne für die Wärmenetze sowie Möglichkeiten, wie Eigentümerinnen und Eigentümer ihre Gebäude künftig klimafreundlich beheizen können. Besonders wertvoll war der direkte Austausch: Viele Teilnehmende nutzten an mehreren Themeninseln die Gelegenheit, individuelle Fragen zu Förderungen, Anschlussmöglichkeiten und technischen Lösungen zu stellen. Dass das gut ankam, zeigen die Rückmeldungen bei der Besucherbefragung, an der sich etwa die Hälfte der Teilnehmenden beteiligte. 82 Prozent der Befragten fühlten sich nach der Veranstaltung „eher gut“ bis „sehr gut“ über einen möglichen Anschluss an ein Wärmenetz informiert. 72 Prozent fühlten sich „eher gut“ bis „sehr gut“ informiert über die Einsatzmöglichkeiten einer Wärmepumpe. 93 Prozent der Befragten gaben an, dass sie davon ausgehen, dass die Heizkosten für Öl und Gas in den nächsten 5 Jahren weiter steigen und dass sie daher auch weitere Schritte planen, wie z.B. die eigenen Heizkosten zu prüfen und weitere Beratungs- und Informationsangebote in Anspruch zu nehmen. Alle Infos zum Thema samt Präsentationen der RednerInnen: konstanz.de
waermewende Erneuerbare Wärme in Baden-Württemberg Bis 2040 will Baden-Württemberg die Klimaneutralität erreichen – damit liegt das Land fünf Jahre vor dem Bund und zehn Jahre vor der EU. Der Wärmesektor ist dabei von besonderer Bedeutung, weil er rund 50 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs in Baden-Württemberg ausmacht. Während die Energiewende im Strombereich bereits spürbare Fortschritte zeigt, ist die Transformation im Wärmebereich deutlich schwieriger. Baden-Württemberg hat deshalb als eines der ersten Bundesländer alle Kommunen mit mehr als 20.000 EinwohnerInnen verpflichtet, bis 2023 eine kommunale Wärmeplanung zu erstellen. Konstanz hat diesen Schritt bereits abgeschlossen und verfügt über einen fertigen Energienutzungsplan. Das neu diskutierte Gebäudemodernisierungsgesetz wird die bisherige Pflicht, beim Heizungstausch mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien einzuplanen, voraussichtlich aufheben. Der Fokus verschiebt sich hin zu mehr Technologiefreiheit und Eigenverantwortung. Das ändert jedoch nichts daran, dass erneuerbare Wärme weiterhin die richtige Wahl ist. Zusätzlich gilt in Baden-Württemberg das Erneuerbare-Wärme-Gesetz, das beim Heizungstausch eine Mindestabdeckung von 15 Prozent durch erneuerbare Energien vorschreibt. Konstanzer Wärmeplanung Die Ausgangslage in Konstanz ist eindeutig: Über 90 Prozent der Wärme werden noch fossil erzeugt, überwiegend durch Erdgas. Der Wärmebereich verursacht fast die Hälfte der lokalen Treibhausgasemissionen. Zudem fließen jährlich zig Millionen Euro für fossile Energieträger aus der Stadt ab – Rohstoffe, die fast ausschließlich importiert werden. Die kommunale Wärmeplanung hat daher zum Ziel, den Umstieg auf erneuerbare Wärme so kosteneffizient wie möglich zu gestalten. Dabei wurden alle Gebäudedaten im Stadtgebiet analysiert und gezielt Gebiete identifiziert, in denen ein Wärmenetz wirtschaftlich sinnvoll ist, sowie Bereiche, in denen Einzelgebäudelösungen vorzuziehen sind. Maßgebliche Kriterien waren hohe Wärmebedarfsdichten, das Vorhandensein geeigneter erneuerbarer Wärmequellen sowie große institutionelle Ankerkunden. Konstanz befindet sich in einer privilegierten Lage: Der Bodensee steht als Wärmequelle zur Verfügung, ebenso die Kehrichtverbrennungsanlage in Weinfelden, deren Abwärme über rund 15 Kilometer nach Konstanz und Kreuzlingen geleitet werden könnte. Die Universität stellt bereits auf Bodenseewärme um. Planungsstand Realisierung Wärmeverbünde Ein zentrales Projekt der Stadtwerke ist das Wärmenetz im Bereich Bodensee-Therme, dessen Realisierung für 2028
2029 geplant ist und das bis 2030 vollständig in Betrieb gehen soll. Die Wärme wird dabei aus dem Bodensee entnommen. Über eine Wärmepumpe wird diese Energie auf ein nutzbares Temperaturniveau gebracht und ins Netz eingespeist. Das abgekühlte Wasser wird mit 3 bis 4 Grad weniger in den See zurückgeleitet, was dem sich zunehmend erwärmenden Bodensee sogar zugutekommen kann. Das Kerngebiet des Netzes umfasst rund 55 Hausanschlüsse mit einem Wärmebedarf von etwa 15 Gigawattstunden und erfordert eine Investition von rund 20 Millionen Euro. Große Ankerkunden wie das KWA Parkstift Rosenau und die Kliniken Schmieder decken bereits 75 bis 80 Prozent der Wärmeabnahme ab, was die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Projekts absichert. Ein mögliches Erweiterungsgebiet bis zur Hebelstraße würde weitere 200 Hausanschlüsse erschließen, erfordert jedoch zusätzliche 11 Millionen Euro Investition und ein deutlich längeres Netz. Entscheidend für die Realisierung ist das Interesse der Anwohnerinnen und Anwohner: Das Netz kann nur gebaut werden, wenn ausreichend Interessensbekundungen vorliegen. Die elektrische Wärmeversorgung wird gegenüber Gas zunehmend attraktiver: Gaspreise haben sich seit 2021 fast verdoppelt, während Strompreise im Durchschnitt nur um rund 13 Prozent gestiegen sind – getragen durch den Ausbau erneuerbarer Energien. Wasserstoff zum Heizen ist als ineffizient zu bewerten: Aus 10 Kilowattstunden Strom lassen sich nach Umwandlungsverlusten nur rund 4 Kilowattstunden Wärme gewinnen. Das Fazit von Gordon Appel, Geschäftsführer bei den Stadtwerken Konstanz, lautet daher: „Heizen mit Wasserstoff ist wie Duschen mit Champagner." Auch Biomethan stellt keine tragfähige Breitenlösung dar, da aktuell nur rund 2 Prozent der benötigten Menge verfügbar sind. Steigende Biomethan-Beimischungspflichten werden den Gaspreis künftig deutlich erhöhen. Laut aktuellem Gesetzesentwurf müssen sich VermieterInnen hälftig an diesen Mehrkosten beteiligen. Förderung und Beratung für Gebäudesanierung und Heizungstausch Eine energetische Sanierung bietet viele Vorteile: Im Mittelpunkt stehen der Erhalt und die Steigerung des Immobilienwerts, mehr Wohnkomfort, niedrigere Energiekosten und ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz. Die Möglichkeiten für eine finanzielle Unterstützung der Sanierungsmaßnahmen sind vielfältig: von Zuschüssen für Sanierungsfahrpläne, Gebäudehülle und Heizungstausch über zinsvergünstigte Ergänzungskredite bis hin zu Krediten für Effizienzhaussanierungen und dem kommunalen Förderprogramm der Stadt Konstanz. Ergänzt wird dies durch ein breit aufgestelltes Beratungsangebot in Konstanz, welches von kostenlosen Erstberatungen bis hin zu einer großen Auswahl zertifizierter EnergieberaterInnen, die Sanierungsmaßnahmen fachkundig begleiten, reicht. Ziel dabei ist es, HauseigentümerInnen frühzeitig zu informieren, bei der Planung sinnvoller Maßnahmen zu unterstützen und die verfügbaren Fördermittel optimal auszuschöpfen.
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