DEZA veröffentlicht Erkenntnisse der langjährigen Zusammenarbeit in Indien, Mongolei und Region der Großen Seen; CO2-Einsparungen von rund 100 Mio t bis 2030

Besser bauen, weniger Emissionen verursachen: Erkenntnisse der langjährigen Zusammenarbeit

Mitteilung Veröffentlicht am 27. Juli 2026

Besser bauen, weniger Emissionen verursachen: Erkenntnisse der langjährigen Zusammenarbeit

Aufgrund der raschen Urbanisierung, namentlich in Asien und Afrika, steigt der Bedarf an Wohnraum, Schulen, Spitälern und Infrastruktur. Doch diese Entwicklung hat ihren Preis: Der Bausektor verursacht mittlerweile ein Drittel der globalen CO₂-Emissionen. Hinzu kommen, teilweise extreme, Hitzewellen und auch immer häufiger Überschwemmungen und Stürme. Energieeffizientes und klimagerechtes Bauen ist also gefragt.

Seit gut zwanzig Jahren unterstützt die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) Partner in Asien, Afrika und Lateinamerika beim Bau energieeffizienter und klimaresilienter Gebäude. In diesem Dossier zum Thema nachhaltiges Bauen werfen wir einen Blick auf die wichtigsten Ergebnisse dieser Arbeit und auf die Erkenntnisse, die wir aus fast zwei Jahrzehnten Felderfahrung gewonnen haben. Erläuterungen von Christian Frutiger, Vizedirektor der DEZA und Chef Thematische Zusammenarbeit.

Was nützt ein gut konzipiertes Gebäude einer Familie, die in einer Region lebt, die von Hitzewellen, Überschwemmungen und Stürmen heimgesucht wird?

Es schützt in erster Linie die Gesundheit der Familie: Isolierung, reflektierende Wärmedämmung für Dächer, Lüftung und Hitzeschutz, Doppelböden und wasserdichte Materialien sorgen für ein angenehmes Raumklima und verringern das Risiko von Krankheiten und Hitzeschlägen. Familien, die weniger häufig krank sind, haben stabilere Einkommen, da die Eltern seltener bei der Arbeit fehlen. Dies betrifft insebsondere die Frauen. Zudem sind in einem soliden Gebäude die Wohnungen sicherer. Wird die Wohnung zerstört, verlieren die Betroffenen alles und werden in die Armut getrieben, da bei einkommensschwachen Haushalten die Wohnung oft der einzige Besitz ist.

Die DEZA ist seit fast zwanzig Jahren in diesem Bereich tätig. Können Sie konkrete Erfolge ihrer Aktivitäten nennen?

Die Ergebnisse sprechen für sich. In Indien haben wir die Regierung bei der Ausarbeitung der ersten Bauordnung für Energieeinsparung und Nachhaltigkeit bei Wohngebäuden (Eco-Niwas Samhita) unterstützt: So tragen einfache Baukonzepte zu mehr Wohnkomfort ohne Klimaanlagen bei und ermöglichen CO₂-Einsparungen von rund 100 Millionen Tonnen bis 2030. Was die Baumaterialien angeht, so stösst der von der EPFL gemeinsam mit Partnern in Indien und Kuba entwickelte LC3-Zement bei vergleichbaren Kosten bis zu 40 Prozent weniger CO₂ aus als herkömmlicher Zement. In der Region der Grossen Seen hat das Projekt PROECCO das Fundament für einen Markt für erschwingliche, kohlenstoffarme und extrem witterungsbeständige Ziegel gelegt. Am eindrücklichsten sind jedoch die direkten Auswirkungen auf die Menschen: So konnte in der Mongolei dank Wärmedämmung bei Schulhäusern die Temperatur in den Klassenzimmern von etwa 15 auf 22 Grad erhöht werden. Dadurch wurden die krankheitsbedingten Abwesenheiten der Kinder um bis zu 48 Prozent gesenkt, was auch zu einer Reduktion der Arbeitsausfälle der Eltern wegen der Betreuung kranker Kinder führte.

Diese Projekte finden in sehr unterschiedlichen Kontexten statt: in Indien, der Mongolei und der Region der Grossen Seen in Afrika. Wie passt die DEZA ihren Ansatz von Land zu Land an?

Wir liefern keine vorgefertigten Modelle, sondern eine Vorgehensweise. Das Prinzip bleibt dasselbe: Die Treibhausgasemissionen sollen gesenkt werden, während gleichzeitig die Wohnbauqualität verbessert wird, um die Gesundheit und die Einkommen der Familien zu steigern. Je nach Klima, verfügbaren Baumaterialien, finanziellen Möglichkeiten der Haushalte und institutionellen Rahmenbedingungen unterscheiden sich die Lösungen jedoch. In Indien geht es um Wärmedämmung und Energieeffizienz im grossen Massstab; in der Mongolei hat der Schutz vor extremer Kälte Vorrang; in der Region der Grossen Seen, die von Instabilität geprägt ist, geht man von dem aus, was möglich ist, und stützt sich in erster Linie auf lokale Akteure. Den Ansatz anzupassen, bedeutet genau das: Jede Lösung gemeinsam mit denjenigen zu entwickeln, die die Bedürfnisse vor Ort am besten kennen, und sie fest im lokalen Gefüge aus Unternehmen, Institutionen und Behörden zu verankern.

Inwiefern kommen diese Projekte in weit entfernten Regionen auch der Schweiz zugute?

Das Klima kennt keine Grenzen: Jede Tonne CO₂, die in Indien oder anderswo eingespart wird, trägt zu den globalen Zielen bei, von denen auch unsere eigene Klimasicherheit abhängt. Dies dient unmittelbar auch der Schweiz. Genutzt wird bewährtes Schweizer Know-how in den Bereichen Baunormen, Energieeffizienz und innovative Materialien wie LC3-Zement, der in unseren Labors entwickelt wurde. Für Schweizer Unternehmen und Technologien eröffnen sich neue Absatzmärkte in wachstumsstarken Schwellenländern, in denen die Standards, die sich heute durchsetzen, die Kaufentscheidungen von morgen beeinflussen werden. Durch die Stärkung der Widerstandsfähigkeit fragiler Regionen können künftige Krisen, Vertreibungen und humanitäre Kosten reduziert werden, die letztlich auch uns treffen würden.

Um weltweit nachhaltige Wirkung zu erzielen, reicht die Entwicklungszusammenarbeit allein nicht aus. Wie können Regierungen, Geldgeber und der Privatsektor gemeinsam diesen Wandel beschleunigen, insbesondere in schnell wachsenden Städten?

Keiner dieser Akteure wird es alleine schaffen. Die Regierung legt die Regeln fest: In schnell wachsenden Städten sind klare und konsequent durchgesetzte Baunormen unerlässlich, denn jedes Gebäude, das heute gebaut wird, belastet das Klima in den nächsten Jahrzehnten. Aber Regeln allein reichen nicht aus, wenn damit unterschiedliche Ziele verfolgt werden: Der Bauherr will so kostengünstig wie möglich bauen, der Investor will eine hohe Rendite, und die Bewohnerinnen und Bewohner bezahlen die Energiekosten. Diese Interessen müssen in Einklang gebracht werden, beispielsweise durch günstige Darlehen für energieeffiziente Gebäude oder durch klare Informationen über deren Energieeffizienz. Die Geldgeber wirken als Hebel: Indem sie einen Teil des Risikos für die ersten Projekte übernehmen, ziehen sie private Finanzmittel an. Es ist das Zusammenspiel dieser Faktoren und nicht ein einziger allein, der einen neuen Massstab setzen kann.

Ein solcher Wandel braucht Zeit und erfordert eine langfristige Verpflichtung. Wie hält die DEZA langfristig Kurs, wenn sich politische Prioritäten und lokale Rahmenbedingungen – manchmal sehr schnell – verändern?

Veränderungen in der Baubranche brauchen tatsächlich Zeit: Dieser eher zurückhaltende Sektor hält an alten Gewohnheiten und Normen fest. In Indien waren fast fünfzehn Jahre unermüdlicher Einsatz nötig, um unser Programm zum Erfolg zu führen. Um auf Kurs zu bleiben, braucht es Flexibilität, ein Klima des Vertrauens und eine Vision. Es braucht Flexibilität, denn ein Projekt muss anpassungsfähig sein, Chancen nutzen und unvorhergesehene Hindernisse überwinden können, ohne dabei sein Ziel aus den Augen zu verlieren. Es braucht ein Klima des Vertrauens, was nur mit einer langfristigen Planung und einer Präsenz vor Ort möglich ist. Schliesslich braucht es eine längerfristige Vision über die politischen Zyklen hinaus. Aber der wahre Erfolg lässt sich nicht allein an unserer Präsenz messen, sondern an dem, was bleibt und sich weiterentwickelt, wenn wir nicht mehr da sind. Deshalb achten wir von Anfang darauf, dass der Wandel in den lokalen Institutionen, der Gesetzgebung und den Märkten vollzogen wird. Dabei arbeiten wir mit Partnern zusammen, die in der Lage sind, Veränderungen voranzutreiben. Eine Veränderung ist dann nachhaltig, wenn sie nicht mehr von demjenigen abhängt, der sie angestossen hat.

Aufgrund ihrer zwanzigjährigen Erfahrung konnte die DEZA feststellen, dass es möglich ist, Entwicklung, Resilienz und Emissionsminderung miteinander in Einklang zu bringen – vorausgesetzt, man setzt an den richtigen Hebeln an, arbeitet mit den richtigen Partnern zusammen und handelt langfristig. Die Herausforderungen sind immer noch enorm: Allein in Asien und Afrika sollen bis 2050 mehr als 100 Milliarden Quadratmeter an Neubauten entstehen. Wie und was wir heute bauen, wird die Lebensbedingungen von Milliarden von Menschen in den kommenden Jahrzehnten bestimmen.

Die DEZA will auf ihren Errungenschaften aufbauen. Auch wenn sich der Schwerpunkt zunehmend auf nachhaltige Kühllösungen verlagert, bleibt der Einsatz für eine kohlenstoffarme und widerstandsfähige bebaute Umwelt eine übergreifende Priorität ihrer internationalen Zusammenarbeit.

Verringerung des ökologischen Fussabdrucks im Bereich humanitäre Unterkünfte

Webartikel zum Shelter Sustainability Assessment Tool, das vom Geneva Technical Hub mit Unterstützung der DEZA entwickelt wurde.

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