Ägyptische Sicherheitsbehörden verhaften mindestens 50 Mitglieder der Online-Gruppe Gen Z002 auf Discord; Rechtsbeistand verweigert; Fälle von Verschwindenlassen berichtet AI

Briefing Notes - KW 31/2026

1 Briefing Notes Gruppe 62 – Informationszentrum Asyl und Migration Disclaimer Die Veröffentlichung der Briefing Notes erfolgt jeweils montags und umfasst die Berichterstattung bis einschließlich Freitag der Vorwoche.

  1. Juli 2026 Ägypten Mindestens 50 Personen einer Online-Gruppe zwischen Mai und Juli 2026 verhaftet In einer am 21.07.26 veröffentlichten Erklärung berichtete die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) über die Verhaftung von mindestens 50 jungen Menschen zwischen Mai und Juli 2026 durch die ägyptischen Sicherheitsbehörden. Die Staatsanwaltschaft der Staatssicherheit (Supreme State Security Prosecution) ermittele gegen die Betroffenen wegen Terrorismusvorwürfen und der Verbreitung von Falschnachrichten. Die Inhaftierten seien Mitglied der sogenannten Online-Gruppe „Gen Z002“ auf der Kommunikationsplattform Discord gewesen. Die Gruppe sei im Oktober 2025 von dem im Exil lebenden Aktivisten Anas Habib gegründet worden; in Online-Diskussionen hätten sich die Mitglieder zu alltäglichen Themen wie Sport oder Literatur, aber auch über Politik und die wirtschaftliche Lage im Land ausgetauscht. Eine im Januar 2026 organisierte Umfrage innerhalb der Gruppe zur Absetzung von Präsident Abdel Fattah al-Sisi habe mehr als 330.000 Antworten erhalten; kurz danach sei die Plattform von den Behörden im Land vorübergehend gesperrt worden. Den Angaben von AI zufolge sei einigen Festgenommenen das Recht auf Rechtsbeistand verwehrt worden, zudem gäbe es Fälle von erzwungenem Verschwindenlassen wie auch Folter.1 Afghanistan Sicherheitslage in der Provinz Badachschan Laut eigenen Aussagen hat die Afghanistan Freedom Front (AFF) bei einem Angriff am 23.07.26 auf Stellungen der Taliban im Bezirk Zebak (Gebiet Topkhana) in Badachschan mindestens 21 Taliban-Kämpfer, darunter mehrere Kommandeure, getötet und 37 weitere verletzt. Die Taliban hatten die Kämpfe bestätigt und ihrerseits erklärt, dass fünf Angreifer dabei getötet worden seien. Die Kämpfer der AFF seien von Chitral (Pakistan) aus in den Bezirk vorgedrungen. Die Zusammenstöße in Zebak ereigneten sich wenige Tage, nachdem die neu gegründete „Sepahiyan-e Mihan“ (Front der patriotischen Soldaten) kurzzeitig den Bezirk Yaftali Sufla in Badachschan eingenommen hatte (vgl. BN v. 20.07.26). Laut Berichten haben die Taliban dem abtrünnigen lokalen Kommandeur Juma Khan Fateh loyale bewaffnete Kämpfer in den Bezirken Shekay und Nusay (Badachschan) angewiesen, ihre Waffen abzugeben.2

2 Verfolgungslage und Regierungsführung Laut Medienberichten vom 21.07.26 haben Vertreter des Geheimdienstes der Taliban, der Polizeiführung, der Gouverneursbüros, der Statistikbehörde und des sog. Tugendministeriums damit begonnen, ehemalige Sicherheitskräfte der Regierung anhand von erstellten Listen in den Provinzen Kandahar, Helmand und Uruzgan aufzuspüren. Demnach sollen die Betroffenen telefonisch kontaktiert werden, um deren aktuellen Wohnort und ihre Aktivitäten zu überprüfen. Die Listen enthielten ihre Namen, die Namen ihrer Väter, ihre früheren und aktuellen Adressen, Telefonnummern sowie Angaben zu ihrer beruflichen Laufbahn. Unbekannte Bewaffnete haben laut Medienberichten ein ehemaliges Mitglied einer Miliz in der Provinz Khost getötet, welches erst kurz zuvor aus den USA nach Afghanistan zurückgekehrt war. Ein ehemaliger Geheimdienstoffizier und ein Stammesältester sollen bei zwei getrennten Anschlägen in den Provinzen Daikundi und Ghazni durch Unbekannte getötet worden sein. Niemand habe sich zu den Morden bekannt. In der Provinz Herat (Bezirk Oba, Dorf Mollah Mir Hassan) sei ein ehemaliger dschihadistischer Kommandant durch Unbekannte getötet worden. Kurz zuvor wurde laut lokalen Berichten der einflussreiche Anwalt Vakil Ahmad Faizi und enger Vertrauter von Ismail Khan (ehemaliger Warlord und Gouverneur von Herat) bei einem Angriff von Bewaffneten im Stadtteil Baba Haji von Herat getötet. In den letzten drei Monaten wurden laut Meldung vom 21.07.26 die Morde an 184 ehemaligen Sicherheitskräften dokumentiert. Gefährdet sind demnach insbesondere zurückgekehrte Personen aus Iran oder der Türkei.3 Humanitäre und wirtschaftliche Lage Bei schweren Überschwemmungen in der Provinz Nuristan (Provinzhauptstadt Parun und den umliegenden Gebieten) sind laut UN-Angaben mehr als 40 Menschen ums Leben gekommen. Weitere 100 Personen werden laut der nationalen Katastrophenschutzbehörde der Taliban (ANDMA) noch vermisst. Auch in den Provinzen Baghlan, Laghman und Nangarhar habe es Tote und Verletzte aufgrund von Überschwemmungen gegeben. In allen Gebieten seien auch Gebäude, Straßen, Brücken und Agrarland zerstört worden.4 DR Kongo Sicherheitslage in Ostkongo: Weitere Angriffe der ADF Bei erneuten Angriffen der islamistischen Allied Democratic Forces (ADF) in der Provinz Ituri wurden mindestens 18 Zivilpersonen getötet. Wie verschiedenen Medienberichten zu entnehmen ist, ereignete sich der Angriff am 22.07.26 und richtete sich gegen mehrere Dörfer der Mambembe-Bella-Gruppe im Gebiet Mambasa. Die meisten Opfer seien mit Macheten enthauptet worden. Bei den getöteten Personen handle es sich überwiegend um Goldgräber aus dem dortigen Bergbaugebiet. Weitere Personen seien als Geiseln genommen worden. Große Teile der Dorfbewohner seien in benachbarte Dörfer sowie in die Stadt Beni, Nordkivu, geflohen. Die Angriffe der ADF im Gebiet Mambasa sollen sich zuletzt zunehmend auf Bergbaugebiete konzentriert haben. Bereits am 20.07.26 habe die ADF im Minengebiet Mambau mehrere Personen entführt, Handelswaren geplündert und Häuser niedergebrannt. Ein ähnlicher Angriff habe sich Tage zuvor in der Nachbarstadt Tepe ereignet. Bereits am 24.05.26 berichtet ein Medienartikel vom Fund von mindestens 30 getöteten Personen binnen zwei Tagen in den Dörfern Alima und Kidini. Es werde angenommen, dass ein Teil der Opfer zuvor bei Angriffen der ADF auf die Ortschaften Darsalam, Muchanga und Mutufei als Geiseln genommen und anschließend hingerichtet worden sei. Zivilgesellschaftliche Akteure führen die zuletzt wieder vermehrt auftretenden Angriffe der ADF auf die geringe Präsenz kongolesischer Truppen im Mambasa-Gebiet zurück. In der Provinz Nordkivu veröffentlichte die Koordinierungsstelle der Zivilgesellschaft am 21.07.26 eine Meldung, welche die ADF für Angriffe auf die Orte Mangina, Mbau, Oïcha und die Stadt Beni zwischen dem 12.07. und 15.07.26 verantwortlich macht. Im Zuge der Angriffe seien mehr als 20 Zivilpersonen getötet und teilweise standrechtlich hingerichtet worden. Zahlreiche weitere Personen seien entführt sowie Häuser und Fahrzeuge zerstört worden. Insgesamt wird die ADF zwischen Januar und Mai 2026 für die Tötung von mehr als 300 Zivilpersonen in den Provinzen Ituri und Nordkivu verantwortlich gemacht.5

3 Indien „Cockroach“-Bewegung fordert Bildungsreform und demokratische Mitbestimmung Am 20.07.26 gingen laut Medienberichten Sicherheitskräfte mit Schlagstöcken und Tränengas repressiv gegen eine Protestveranstaltung der von jungen Menschen geführten „Cockroach Janta Party“ in Neu-Delhi vor. Dabei seien 180 Personen verletzt worden, darunter 60 Protestierende. Videos von gewaltsamen Festnahmen verbreiteten sich rasch im Internet. Insbesondere die zwangsweise Hospitalisierung des Aktivisten Sonam Wangchuk, dessen 26-tägiger Hungerstreik ein Symbol für die Bewegung wurde, habe die Proteste befeuert. Berichten zufolge hat sich die vor zwei Monaten als satirische Protestform begonnene Bewegung zu einer landesweiten Herausforderung für die Politik entwickelt. Ihr Name leitet sich demnach von einer abwertenden Bemerkung eines Richters des Obersten Gerichtshofs ab. Dieser habe die Protestierenden als „Kakerlaken“ bezeichnet, woraufhin sich die Bewegung den Begriff als Symbol für Widerstandsfähigkeit angeeignet habe. Nun fordere sie den Rücktritt des Bildungsministers Dharmendra Pradhan, Reformen im Prüfungssystem und Entschädigungen für die Familien von Suizidopfern nach Examensskandalen. Auslöser seien Prüfungsskandale, die zu einem Vertrauensverlust in Institutionen geführt haben sollen, sowie wirtschaftliche Perspektivlosigkeit und autoritäre Tendenzen bei gleichzeitiger mangelnder Rechenschaftspflicht der hindunationalistischen Regierungspartei Bharatiya Janata Party unter Premierminister Narendra Modi. Dieser habe am 23.07.26 Schnellgerichte für Prüfungsbetrugsfälle angekündigt, was von den Protestierenden allerdings als unzureichend abgelehnt worden sei. Die von Rahul Gandhi angeführte oppositionelle Kongresspartei habe sich mit den Protestierenden durch einen Sitzprotest vor Modis Residenz solidarisiert. In diesem Zusammenhang sei eine symbolische Festnahme Gandhis erfolgt, der am 22.07.26 wieder freigelassen worden sei. Medien berichteten, dass die Proteste am 23.07.26 trotz massiver Polizeigewalt und ersten Reaktionen der Regierung weiter anhielten. Tausende junge Demonstrierende hätten weiterhin in Neu-Delhi (Jantar Mantar) und Mumbai campiert. Die „Cockroach“-Bewegung, oft als Protest der Generation Z wahrgenommen, offenbart Indiens Widersprüche zwischen wirtschaftlichem Wachstum, sozialer Spaltung und der wachsenden Einschränkung der Meinungsfreiheit.6 Irak KR-I: Erneuter Drohnen- und Raketenbeschuss Medienberichten zufolge wurden Teile der KR-I wie in der Vorwoche (vgl. BN v. 20.07.26) mehrfach Ziel von Drohnen- und Raketenangriffen. Am 21.07.26 sei eine Basis der Freiheitspartei Kurdistans (Partî Azadîyê Kurdistan, PAK) nahe Erbil (Gouvernement Erbil) mit fünf ballistischen Raketen beschossen worden. Die Projektile seien durch die Luftabwehr abgefangen worden. Sach- oder Personenschaden sei nicht entstanden. Am 24.07.26 wurden laut der Berichte mehrere mit Sprengstoff beladene Drohnen über dem Stadtgebiet und in der Nähe des Internationalen Flughafen Erbils abgefangen. Nach Angaben des Direktorats für Terrorismusbekämpfung wurden die Drohnen westlich von Erbil gestartet. Personenschäden seien nicht zu vermelden, über entstandene Sachschäden liegen derzeit keine Informationen vor. Bereits am 22.07.26 sind über dem Stadtzentrum Erbils mehrere mit Sprengstoff beladene Drohnen durch Luftabwehrsysteme abgefangen worden. Den Statistiken eines in Erbil ansässigen Medienunternehmens zufolge sind für die Region alleine im Zeitraum vom 01.07. bis zum 21.07.26 bereits 56 Drohnen- und Raketenangriffe zu verzeichnen. Mehrheitlich hätten sich Iran oder mit Iran verbündete Kräfte innerhalb Iraks zu den Attacken bekannt. Am 22.07.26 wurde im Bezirk Soran (Gouvernement Erbil) erneut (vgl. BN v. 20.07.26) eine Einrichtung der iranisch-kurdischen Oppositionsgruppierung Komala KTP (Komala Kurdistan Toilers‘ Party) Ziel eines Raketenangriffes. Sechs Mitglieder der Gruppierung seien verletzt worden. Eine Person, die bei dem Angriff in der Vorwoche verletzt wurde, sei mittlerweile verstorben.7

4 Iran Staatliche Repressalien mit Bezug zu Protesten im Januar 2026 Medienberichten vom 19.07. und 22.07.26 zufolge wurden im Zusammenhang mit der Protestwelle von Januar dieses Jahres mindestens drei weitere Todesurteile vollstreckt. Hierzu berichtete eine Menschenrechtsorganisation mit Sitz in Norwegen am 19.07.26, dass zwei Männer, ein iranischer und ein afghanischer Staatsangehöriger, im Zentralgefängnis von Isfahan erhängt wurden. Ihnen sei vorgeworfen worden, im Januar 2026 bei Protesten in Isfahan vier Sicherheitskräfte getötet sowie Brandstiftung und Vandalismus begangen zu haben. Die genauen Anklagepunkte gegen die Männer wurden nicht bekannt gegeben. In dem Zusammenhang sollen noch Strafverfahren gegen 14 weitere Personen laufen. Laut der berichtenden Organisation wurde ein weiterer zum Tode verurteilter Mann aus Karaj (Provinz Alborz) am 22.07.26 an einem unbekannten Ort hingerichtet. Es habe sich um einen Teilnehmer von Protesten in Karaj g