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title: "Berliner Bezirkspolitikerinnen und Politiker besuchen leben lernen gGmbH-Einrichtungen in Berlin; Betroffene erhalten Stimme per Videobotschaften"
sdDatePublished: "2026-07-28T11:45:00Z"
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  - "Treptow-Köpenick"
  - "Berlin"
  - "Pankow"
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Berliner Bezirkspolitikerinnen und Politiker besuchen leben lernen gGmbH-Einrichtungen in Berlin; Betroffene erhalten Stimme per Videobotschaften

Ein ungewöhnlicher Dialog: leben lernen lädt die Politik direkt in ihre
Einrichtungen

Eine scheinbar harmlose Treppe, ein fehlendes Logo am Wohnhaus oder Medikamente, die
nur über ein Krankenhaus organisiert werden können: Oft sind es kleine Beobachtungen, die
den Blick auf den Alltag von Menschen mit komplexen Beeinträchtigungen verändern. Solche
Eindrücke sammelten Berliner Bezirkspolitikerinnen und -politiker bei Besuchen in Wohn-
und Beschäftigungseinrichtungen der leben lernen gGmbH.
Im Vorfeld der Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus und zu den Bezirksverordneten-
versammlungen hatte das Unternehmen Vertreterinnen und Vertreter verschiedener
demokratischer Parteien eingeladen, die Einrichtungen, Arbeitsangebote und
Besonderheiten des Trägers kennenzulernen. Ziel war es, gelebte Inklusion sichtbar zu
machen und Einblicke in den Alltag der Menschen in Betreuung zu ermöglichen. Eingeladen
wurden Politikerinnen und Politiker aus den Bezirken, in denen leben lernen mit seinen
Angeboten vertreten ist, und die sich zudem in Ausschüssen oder als Sprecher*in in den
Bereichen Arbeit, Soziales und Inklusion engagieren.
Die hier geschilderten Eindrücke stehen stellvertretend für zahlreiche Gespräche mit
Politiker*innen in den vergangenen Wochen. Diese fanden bewusst vor Ort statt, da
politische Entscheidungen direkten Einfluss auf das Leben der betreuten Menschen haben.
Auch die Leistungsberechtigten selbst bekamen durch den persönlichen Kontakt und
Videobotschaften eine Stimme.
Zur Sprache kam auch das kürzlich veröffentlichte interne Arbeitspapier von Bund, Ländern
und kommunalen Spitzenverbänden mit 70 Kürzungsvorschlägen für die Eingliederungs- und
Jugendhilfe. Die Gespräche vor Ort machten deutlich, welche konkreten Folgen solche
Maßnahmen für die Betroffenen hätten und warum sie nicht umgesetzt werden dürfen.

Die Treppe, die zum Gesprächsthema wurde
Prof. Dr. Martin Pätzold von der CDU erreichte den Beschäftigungs- und Förderbereich in Alt-
Friedrichsfelde ein paar Minuten verspätet, weil eine Treppe auf dem Gelände wegen
Bauarbeiten gesperrt war. Bei den Geschäftsführern Katja Liebal und Dr. Benjamin Bell stieß
diese Erfahrung auf Verständnis. Auch an anderen Standorten, wie dem in der Heidelberger
Straße steht es nicht gut um die Barrierefreiheit im öffentlichen Raum. Dort ist der
Bürgersteig unterbrochen und so muss die Straßenseite zweimal gewechselt und sich durch
parkende Autos manövriert werden. Solche Situationen gehören zum Alltag bei der
Betreuung von Menschen mit Beeinträchtigungen: Wege erfordern häufig mehr Zeit,
alternative Routen und ein hohes Maß an Improvisation.

Im weiteren Gespräch ging es um den besonderen Stellenwert von Nachhaltigkeit und
Upcycling in den Beschäftigungs- und Förderbereichen. Hierfür wird eine konstante
Versorgung mit gebrauchter Kleidung benötigt. Pätzold bot an, über seinen Newsletter zur
Spende von Textilien aufzurufen. Darüber hinaus stellte er Kontakte zur Verfügung, die bei
der Suche nach geeigneten Standorten für künftige Wohneinrichtungen hilfreich sein können
– ein konkreter Beitrag, um mögliche Entwicklungsschritte der Eingliederungshilfe zu
unterstützen.

Ein Haus ohne Logo
Dr. Cordelia Koch, Bezirksbürgermeisterin von Pankow und Mitglied von
Bündnis 90/Die Grünen, besuchte das Inklusive Gemeinschaftshaus am Mirbachplatz in
Weißensee. Dort zeigte sich, dass das Gebäude bewusst nicht als Einrichtung gekennzeichnet
ist. Die Bewohnerinnen und Bewohner leben dort in ihrem Zuhause, nicht in einer
Institution. Der Ansatz verdeutlicht ein Verständnis von Inklusion, das auf
Selbstverständlichkeit statt auf äußere Markierung setzt.
Im Gespräch spielten darüber hinaus fehlende Freizeitangebote und die Barrierefreiheit im
öffentlichen Nahverkehr eine wichtige Rolle. Sie ist für viele Menschen mit
Beeinträchtigungen eine zentrale Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe.
Cordelia Koch stellte im weiteren Verlauf den Kontakt zu einem Netzwerk her, das
Einrichtungen der Eingliederungshilfe und Pflege bei der Gewinnung von Fachkräften
unterstützt. Auf diese Weise wurde ein konkreter Ansatz aufgezeigt, um die angespannte
Personalsituation in den Einrichtungen langfristig zu verbessern.

Wohnraum und medizinische Versorgung
Mit Lars Düsterhöft von der SPD wurde über die Wohnsituation in Treptow-Köpenick
gesprochen. Geeigneter und bezahlbarer Wohnraum ist eine zentrale Voraussetzung für
selbstbestimmtes Leben und gesellschaftliche Teilhabe, und es wurde deutlich, welche
Herausforderungen in diesem Bereich bestehen.
Darüber hinaus ging es um die medizinische Versorgung: Ein Teil der Medikamente muss
über das Evangelische Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge organisiert werden, da
andere Wege oft nicht praktikabel sind. Hausbesuche durch Ärztinnen und Ärzte werden
seltener, während Praxisbesuche für die betreuenden Menschen mit erheblichem
logistischem Aufwand verbunden sind und für die Klientinnen und Klienten mit großem
Stress und Anstrengung einhergehen.
Im Gespräch entstand zudem das Angebot, eine Liste mit konkreten Barrieren auf
regelmäßigen Wegen direkt an ihn zu übermitteln, um diese systematisch sichtbar zu
machen und mögliche Verbesserungen anzustoßen.

Fazit: Ein ungewöhnlicher Dialog mit konkreten Ergebnissen und der Hoffnung auf
bleibende Wirkung
Die Besuche machten deutlich, dass das gewählte Format einen direkten und ungewohnten
Austausch zwischen Politik und Praxis ermöglicht. Die Politikerinnen und Politiker erhielten
dabei unmittelbare, praktische Eindrücke aus dem Alltag von Menschen mit
Beeinträchtigungen sowie aus den strukturellen Herausforderungen der Eingliederungshilfe.
Gleichzeitig entstanden konkrete Unterstützungsansätze – von der Mobilisierung von
Kleiderspenden über Netzwerk- und Kontaktvermittlungen bis hin zu Angeboten, Barrieren
im Alltag systematisch sichtbar zu machen und in politische Prozesse zurückzuspielen.
Der direkte Dialog vor Ort zeigte damit eindrücklich, wie eng politische Entscheidungen und
Lebensrealitäten miteinander verbunden sind. Die Hoffnung bleibt, dass die gewonnenen
Eindrücke über den Wahlzeitraum hinaus nachwirken und in zukünftige politische
Entscheidungen einfließen.

Matthias Benz
leben lernen gGmbH I Im Verbund der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal
benz@lebenlernen-berlin.de
030 5093 22 221