FVA führt Balzplatzzählungen im Schwarzwald durch; Neuer Tiefstand balzender Hähne
Auerhuhn-Newsletter der FVA Juli 2026
Liebe Auerhuhn-Interessierte, auch wenn das Wetter der vergangenen Wochen uns und den Wäldern teilweise zu schaffen machte, so weckt die Hitze und Trockenheit im späten Frühjahr und im Sommer doch Hoffnung, dass die Auerhennen ihre Brut gut aufziehen konnten: Trockenheit und Wärme begünstigen die Kükenaufzucht, da die kleinen Tiere nicht so schnell abkühlen und es viele Insekten als Nahrung gibt. Wenn dann noch lichte Bereiche im Wald für ausreichend Insektennahrung sorgen und nicht zu viele Prädatoren unterwegs waren, sollte es dieses Jahr eine gute Nachzucht an Auerhühnern geben. Daher gibt das Wetter Grund zur Hoffnung, dass es ein gutes Reproduktionsjahr wird. Über die aktuelle Bestandesentwicklung berichten wir in diesem Newsletter, ebenso wie über das Testen ergänzende Methoden für die Balzplatzverhöre. Wir werfen zudem einen Blick auf das letzte Treffen der AGR, auf das Auerhuhn-Meldetool und die Feldarbeit der FVA: • Neue Balzplatzzahlen • Methodentests: Wärmebildkamera und Fotofallen • 5. Treffen der Arbeitsgruppe Raufußhühner in Oberkirch • Arterfassung im WNS-info • Feldarbeit der FVA 2026 • Neues Referenzgebiet • Habitatpflegetag des Vereins Auerhuhn im Schwarzwald
Viel Spaß beim Lesen wünscht
das Auerhuhn-Team der FVA
Neue Balzplatzzahlen Auch dieses Jahr wurden während der Balzzeit (ca. Anfang April bis Mitte Mai) schwarzwaldweit die jährlichen Balzplatzzählungen durchgeführt. Mit nur 93 (2025: 103 Hähne) gezählten balzenden Auerhähnen wird 2026 ein neuer Tiefstand der Population beobachtet. Im Vorjahr waren noch 103 balzende Hähne an den Balzplätzen registriert worden. Ob die diesjährigen Zählungen den Beginn eines weiteren Rückgangs markieren oder ob es sich um eine Schwankung innerhalb der ohnehin kleinen Population handelt, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Fest steht jedoch, dass die Situation des Auerhuhns im Schwarzwald weiterhin sehr angespannt ist. Hauptursache für den Bestandesrückgang ist unumstritten die Verschlechterung der Lebensräume. Daraus erschließt sich auch in welchem Bereich die größten Chancen für eine nachhaltig positive Entwicklung durch gezielte Maßnahmen liegen. Dank dem Engagement zahlreicher Personen lässt sich die Populationsentwicklung im Blick behalten: Jagende, Forstleute, Wildtierbeauftragte, Ornithologen sowie Mitarbeitende des Nationalparks Schwarzwald, der FVA und des Vereins Auerhuhn im Schwarzwald haben die Auerhähne bei der Balz verhört
und Beobachtungen über Balzaktivitäten gesammelt. Die Zahlen wurden von der FVA zusammengetragen und am 17. Juli vom Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat (MLR) veröffentlicht.
• Pressemitteilung des Ministeriums für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat (MLR) • Auerhuhn-Monitoring am FVA-Wildtierinstitut
Methodentests: Wärmebildkamera und Fotofallen Das Auerhuhn-Monitoring, so wie es seit Jahrzehnten durchgeführt wird, steht vor Herausforderungen. Balzplätze verwaisen oder verschieben sich und ein Generationenwechsel im Kreise der Auerhuhn-Experten, -Revierleitenden und somit der Auerhuhn- Expertise vor Ort erschwert die Fortführung des Monitorings. Im Rahmen unseres Einsatzes, das Auerhuhnmonitoring zu verbessern, wurden neben Bioakustik-Aufnahmen (mittels Mikrofonen, welche die Balzrufe erfassen können; Auswertung im laufenden Jahr) auch Fotofallen und Wärmebildkameras getestet. An zwei Balzplätzen haben Mitarbeitende der FVA das klassische Balzplatzmonitoring mit einer Wärmebildkamera ergänzt, um zu prüfen ob diese Technik hier unterstützen kann. Die Aufnahmen wurden am Vorabend und am Morgen durchgeführt (Übernachtung im Tarnzelt). Es gelang zwar, Auerhähne mit der Kamera zu erkennen, Bäume und Jungwuchs erschwerten jedoch die Erfassung. Die Tiere wurden immer zuerst gehört, bevor sie mit der Wärmebildkamera erfasst wurden. Somit hat der Einsatz der Wärmebildkamera nicht dazu geführt, dass die Ergebnisse der Zählungen anders ausfielen als ohne Kamera. Obwohl eine Wärmebildkamera unter bestimmten Bedingungen (sehr offene Bestände oder schlechte Hörbedingungen) hilfreich sein könnte, scheint der Nutzen aus einem Versteck für die Zählung von Auerhühnern gering. Fotofallen wurden ebenfalls an Balzplätzen und vermuteten Balzplätzen getestet. Nur in Bereichen mit vorab klarer hoher Balzaktivität gelangen Auerhahn-Aufnahmen mit balzenden Tieren, in anderen Bereichen nicht. Dies zeigt den großen Nachteil: Obwohl sichere Nachweise möglich sind, ist der Nachweis des Nicht-Vorhandenseins (Absenz) schwierig. Zudem konnte die Anzahl der Hähne an Balzplätzen mit mehreren aktiven Hähnen nicht zuverlässig gezählt werden. Die Tests zeigen insgesamt: Diese Techniken können ergänzend genutzt werden, ersetzen aber ein gut durchgeführtes, störungsarmes Balzplatzverhör (noch) nicht. • FVA-Meldung: Optimiertes Monitoring für das Auerhuhn: Masterarbeit untersucht Reichweite von Audio-Aufnahmegeräten
Auerhahn bei der Baumbalz, Aufnahme mit einer Wärmebildkamera
- Treffen der Arbeitsgruppe Raufußhühner in Oberkirch Zum fünften Mal tagte am 11.05.2026 die Arbeitsgruppe Raufußhühner (AGR) in Oberkirch. Die regelmäßigen Treffen dienen der Abstimmung von Maßnahmen, Projekten und strittigen Themen zum Auerhuhn. Die Diskussionen fußten auf dem Jahresbericht 2025, der die Umsetzung des Maßnahmenplans kritisch beleuchtet. Die zentrale Erkenntnis: Trotz deutlich intensivierter Schutzbemühungen hemmen bestimmte Umsetzungshindernisse weiterhin eine positive Trendwende – insbesondere in Bezug auf die Lebensraumqualität. Um hier wirksam gegenzusteuern, hat die AGR einen Impulsbericht erarbeitet. Dieser bündelt die identifizierten Defizite sowie praktische Lösungsansätze und wird dem Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat (MLR) zur weiteren Bearbeitung vorgelegt. • Die Arbeitsgruppe Raufußhühner (Wildtierportal)
Arterfassung im WNS-info Seit Jahresbeginn steht das Auerhuhn-Meldetool im Waldnaturschutz-Informationssystem (WNS-info) Menschen, die im Auerhuhngebiet unterwegs sind, zur Verfügung, um ihre Auerhuhn-Hinweise an die FVA zu melden. Es freut uns sehr, dass es auch fleißig genutzt wird: bis Ende Juni wurden 208 Meldungen von nicht-FVA-Mitarbeitenden eingegeben, 96 davon mit Foto(s). Im Vergleich zur vorher genutzten Wildtiermonitoringdatenbank (WIMO) sind die Bedienbarkeit und das Datenmanagement deutlich vereinfach und der Datenschutz auf dem aktuellen Stand. Für uns im Auerhuhnteam ist dadurch die Bearbeitung, Plausibilisierung und generell das Management der Meldungen deutlich vereinfacht. Forstpersonal steht mit dem Auerhuhn-Meldetool ein Werkzeug zur Verfügung mit dem sie neben der Erfassung von Nachweisen auch geplante forstliche Maßnahmen im Auerhuhngebiet auf die Betroffenheit etwaiger Auerhuhnvorkommen überprüfen können. Zudem müssen auch weitere Verwaltungen so z. B. die Naturschutzverwaltung bei geplanten Vorhaben (z.B. Veranstaltungen im Wald, Infrastrukturprojekten) nicht mehr den Umweg über die FVA gehen, um Einsicht in die Auerhuhn-Datenlage vor Ort zu erhalten. Wir hoffen, hiermit auch einen Beitrag zur Vereinfachung und Effizienz von Verfahrensabläufen leisten zu können.
Mitglieder der AGR bei ihrem 4. Treffen in Oberkirch
Registrieren können sich alle, die regelmäßig im Auerhuhngebiet unterwegs sind, sowie Behörden, die Auerhuhnbelange prüfen direkt auf der Homepage. Insbesondere Forstpersonal und Jägerschaft sind dabei angesprochen, ihre Auerhuhn-Nachweise direkt selber einzupflegen. Für die Registrierung von Privatpersonen bitte eine E-Mail an das Auerhuhn-Postfach. • Auerhuhn-Meldetool • Waldnaturschutz-Informationssystem • Abteilung Waldnaturschutz
Feldarbeit der FVA 2026 Auch im Sommer 2026 werden schwarzwaldweit an ca. 1800 Punkten im Auerhuhngebiet Waldstrukturen und Auerhuhnnachweise erhoben. Die Geländearbeiten finden zwischen dem 16. Juli und dem 15. September und damit außerhalb der Balz-, Brut- und Aufzuchtzeit statt. Erstmals wird das Monitoring in vier Referenzgebieten durchgeführt. Neben den bisherigen Referenzgebieten Nord, Mitte und Süd wurde (aufgrund von Flächentausch im Rahmen der Nationalparkerweiterung) ein weiteres Referenzgebiet südlich des Nationalparks eingerichtet. Die Datenerhebung erfolgt anhand eines systematischen Stichprobenrasters mit einer Maschenweite von 200 × 200 Metern. An jedem Rasterpunkt werden die Waldstrukturen innerhalb eines Radius von 20 Metern sowie Auerhuhnnachweise innerhalb eines Radius von 5 Metern erfasst. Diese werden dann neben der Verwendung in den einzelnen Projekten (Biodiversität entlang eines Bewirtschaftungsgradienten, Moorrenaturierung Kaltenbronn sowie die Evaluierung des Aktionsplans Auerhuhn) auch als Nachweise in das Auerhuhn-Meldetool importiert. Somit werden sie einerseits bei geplanten Maßnahmen berücksichtigt und fließen anderseits auch in die kommende Auerhuhnverbreitung ein. • Forschung im Arbeitsbereich Wildtierforschung und Waldvögel des FVA-Wildtierinstituts
Neues Referenzgebiet Ergänzend zum Flächenkonzept des Maßnahmenplans 2023–2028 wurden drei Referenzgebiete, überwiegend in Staatswaldflächen, eingerichtet. Hier sollen die definierten Maßnahmen umfassend und beispielgebend umgesetzt werden und insbesondere die Zielwerte des Handlungsfelds „Erhalt und Wiederherstellung der Lebensräume" zeitnah erreicht werden. Durch Waldbesitzveränderungen im Zuge des Nationalpark-Zusammenschlusses wurde das Referenzgebiet Nord verkleinert. Als Kompensation wird ein neues Referenzgebiet an der Seeebene (Forstbezirk Mittlere Schwarzwald) ausgewiesen. In diesem Gebiet wird ForstBW verstärkt Maßnahmen zum Nutzen des Auerhuhns umsetzen. Ab Sommer 2026 ist zudem ein systematisches Monitoring durch die FVA in Planung.
Habitatpflegetag des Vereins Auerhuhn im Schwarzwald Bereits zum fünften Mal findet diesen Herbst wieder ein schwarzwaldweiter Auerhuhn-Habitatpflegetag statt – diesmal an neun Standorten. Ziel ist es, für das Auerhuhn überlebenswichtige, lichte Lebensräume zu schaffen. Der Verein „Auerhuhn im Schwarzwald“ lädt gemeinsam mit dem Schwarzwaldverein am 17. Oktober alle Interessierten ein, sich aktiv am Schutz der Auerhühner zu beteiligen und durch praktische Arbeit einen wichtigen Beitrag zu leisten. Gleichzeitig soll die Aktion auf die Gefährdung dieser Art aufmerksam machen und das Bewusstsein dafür stärken. Jede helfende Hand ist willkommen. Die Anmeldung erfolgt direkt über den Verein (siehe Link unten). Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme! • Habitatpflegetag vom Verein Auerhuhn im Schwarzwald e.V.
Sie wollen noch mehr Informationen über unsere Arbeit haben? Dann schauen Sie doch auf der Internetseite unseres Arbeitsbereichs vorbei: • Arbeitsbereich Wildtierforschung und Waldvögel am FVA-Wildtierinstitut
Auerhuhn-Newsletter Arbeitsbereich Wildtierforschung und Waldvögel FVA-Wildtierinstitut Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg
E-Mail: Auerhuhn.FVA-BW@forst.bwl.de www.fva-bw.de Wonnhaldestraße 4, 79100 Freiburg Besuchsadresse: Günterstalstraße 61, 79100 Freiburg Auerhühner oder Spuren von ihnen melden: Auerhuhn-Meldetool oder Auerhuhn.FVA-BW@forst.bwl.de Praxishilfe Auerhuhn-Monitoring (pdf) Abfrage von Auerhuhn-Daten für Planungsprozesse: Auerhuhn.FVA-BW@forst.bwl.de Bei Fragen und Anregungen zum Newsletter können Sie uns gerne jederzeit kontaktieren, indem Sie einfach auf diese E-Mail antworten. Sie möchten den Auerhuhn-Newsletter weiterempfehlen? Auerhuhn-Newsletter auf der Seite des FVA-Wildtierinstituts Sie möchten den Auerhuhn-Newsletter nicht mehr erhalten? Abmelden Datenschutz: https://www.fva-bw.de/datenschutzhinweise Redaktion: Auerhuhn.FVA-BW@forst.bwl.de Bildquellen: Joy Coppes, Stéphanie Kraft, Screenshot WNS-Info