Kapuziner aus Belgien, Deutschland, Niederlande, West-Österreich gründen Vier-Länder-Provinz in Velp; Neustart Velp stärkt Gemeinschaft
Vier Länder, eine Provinz: Belgien und die Niederlande - Deutsche Kapuzinerprovinz
Eine Provinz für vier Länder
Vier Länder, eine Provinz: Belgien und die Niederlande
Die Kapuzinerklöster aus Belgien, Deutschland, den Niederlanden und West-Österreich bilden eine gemeinsame Provinz. Mehr zum Profil der Konvente in Belgien und den Niederlanden lesen Sie hier.
Manchmal lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit, genauer gesagt in die 50er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Die niederländische Provinz der Kapuziner ist eine der größten Provinzen der Kapuziner – weltweit. Über 600 Ordensleute engagierten sich zu diesem Zeitpunkt in der Seelsorge, in Katechese und Beichte sowie in der Mission.
Was seitdem passiert ist, das lässt sich kaum in wenigen Sätzen zusammenfassen. Im Ergebnis sieht es so aus: Ende 2025 lebten noch 17 niederländische Brüder im Land, der jüngste davon 68 Jahre alt. Diese dramatische Entwicklung des Ordens ging einher mit einem Rückzug der Kirche aus der Gesellschaft, ausgelöst auch durch turbulente Entwicklungen im Nachhall des zweiten vatikanischen Konzils. Stand heute sind die Niederlande eine der säkularisiertesten Gesellschaften Europas ( mehr Infos hier ). Kirchenstrukturen, Kirchenleben und religiöses Grundwissen: Alles kaum oder gar nicht mehr vorhanden.
Und doch ist das nicht die ganze Geschichte: So suchen die Niederländerinnen und Niederländer soziologischen Studien zufolge mehr als andere nach Sinn und Spiritualität. Franziskanische Themen wie Nachhaltigkeit und Schöpfung spielen eine bedeutende gesellschaftliche Rolle.
In dieser Situation geht der Kapuzinerorden eine Art Neustart im Land an. Die Kapuziner haben Anfang 2025 ein bereits verlassenes Kloster in Velp in der Region Noord-Brabant „wiederbelebt“ – mit einer jungen und internationalen Gemeinschaft von Brüdern aus fünf Ländern. Der Auftrag der Brüder ist so simpel wie anspruchsvoll: Die franziskanischen Ordensleute wollen in Velp ein Leben in Einfachheit führen mit Schwerpunkt auf Gemeinschaft, Gebet und Gastfreundschaft.
Dieser mutige Neuaufbruch der Kapuziner im Land geht einher mit einer Neustrukturierung des Ordens in der Mitte Europas. Weil die Kräfte immer mehr nachließen, wurden die Brüder in den Niederlanden im Jahr 2020 der „Deutschen Kapuzinerprovinz“ als Delegation zugeordnet. Der Strukturwandel der Provinzen ging in den Folgejahren weiter: Teile der aufgelösten Kapuzinerprovinz Österreich-Südtirol gehören heute ebenso zur deutschen Provinz ( mehr dazu lesen Sie hier ) – und mittlerweile (seit 2023) auch die Kapuziner in Belgien.
Auch die Belgier haben wie die Niederländer eine lange Geschichte und gehörten zu den stärkeren Präsenzen des Ordens. Beide verbindet eine gemeinsame Geschichte und die niederländische Sprache. Die Brüder in Belgien und den Niederlanden bilden offiziell die „ Delegation Lage Landen “ (ein geographischer Begriff, der beide Länder umfasst) der Deutschen Kapuzinerprovinz (siehe Kasten). Die Brüder sind gleichberechtigter Teil der Vier-Länder-Provinz und nehmen wie die Brüder aus Deutschland und Österreich am Provinzkapitel teil.
Vor Ort, also in der Delegation, kümmert sich ein vom gewählten Provinzial ernannter Delegat, Br. Christophorus Goedereis , um die wichtigsten Dinge. „Wir sind eine kleine, aber sehr lebendige Truppe“, beschreibt der gebürtige Deutsche die Situation. „Unsere Delegation besteht aus zwei Konventen für alte und pflegebedürftige Brüder im belgischen Herentals und im niederländischen Breda sowie aus drei internationalen jüngeren Gemeinschaften in den Klöstern Antwerpen , Meersel-Dreef und Velp .“
Br. Christophorus selbst ist Teil der Gemeinschaft in Velp und sagt: „In einer der säkularisiertesten Gegenden Europas versuchen wir, die Flamme unseres Charismas neu zu entzünden. Wir stoßen dabei auf viel Interesse und Aufmerksamkeit.“
Den Neustart im Kloster Velp , aber auch die Präsenz der Kapuziner im Kloster in Meersel-Dreff und in Antwerpen, prägen Brüder aus allen Ländern und Kontinenten der Welt. „In einer Situation, in der kirchlich nicht mehr viel geht, wollen wir Kapuziner zeigen: Die unbewusste Sehnsucht der Menschen nach Tiefe ist auch in einer säkularisierten Welt präsent“, fasst Br. Christophorus zusammen. „Als einfache Minderbrüder aus allen Ländern der Welt wollen wir zeigen: Es lohnt sich, das Leben nach dem Evangelium auszurichten!“
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