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title: "AfD-Fraktion im Landtag Baden-Württemberg beantragt Bericht zur Definition eines zukunftsfesten Bildungssystems; klare Kriterien und Messgrößen gefordert"
sdDatePublished: "2026-07-28T06:06:00Z"
source: "https://www.landtag-bw.de/resource/blob/642154/9c17bdc991507f466e93121d60fd4b99/18_0193_D.pdf"
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  - name: "education policy"
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  - "Baden-Württemberg"
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AfD-Fraktion im Landtag Baden-Württemberg beantragt Bericht zur Definition eines zukunftsfesten Bildungssystems; klare Kriterien und Messgrößen gefordert

Drucksache 18 / 193

Landtag von Baden-Württemberg
18. Wahlperiode
Drucksache 18 / 193
1.7.2026
1
Eingegangen: 1.7.2026 / Ausgegeben: 28.7.2026
Antrag
Der Landtag wolle beschließen,
die Landesregierung zu ersuchen
zu berichten,
1.	anhand welcher konkreten und überprüfbaren Kriterien das Kultusministerium
den Begriff „zukunftsfestes Bildungssystem“ definiert;
2.	welche Bereiche des Schulalltags es derzeit als nicht ausreichend „zukunfts­
fest“ bewertet und welche konkreten Maßnahmen und Veränderungen sie vor­
sieht, um diese Bereiche wie definiert zu gestalten;
3.	welche konkreten gesellschaftlichen Veränderungen und deren Auswirkungen
auf das Bildungssystem sie identifizierte und mit welchen schulpraktischen An­
sätzen sowie konkreten Maßnahmen sie beabsichtigt, diesen Herausforderun­
gen zu begegnen;
4.	wie sie verhindern will, dass Kompetenzrahmen und KI-bezogene Reformen zu
einer Verengung von Bildung auf verwertbare, kurzfristig messbare Lernergeb­
nisse führen;
5.	welche Vergleichs- und Kontrollindikatoren sie entwickelte, um zwischen
technischer Modernisierung und nachweislich lernwirksamer pädagogischer
Verbesserung zu unterscheiden;
6.	auf welche Konflikte zwischen Teilhabe, Wissensaufbau, Persönlichkeitsbil­
dung, Arbeitsmarktbezug und Messbarkeit der Kompetenzen sie vorbereitet ist;
7.	welche konkreten Veränderungen – Schritte, Instrumente, Zielsetzungen –
gegenüber dem bisherigen Vorgehen im Konzept zum weiteren Ausbau von
Lernstandserhebungen und diagnosegeleiteter Lernförderung sie vorsieht;
Antrag
der Fraktion der AfD
und
Stellungnahme
des Ministeriums für Kultus
„Zukunftsfestes Bildungssystem“ für Baden-Württemberg
Drucksachen und Plenarprotokolle sind im Internet
abrufbar unter: www.landtag-bw.de/Dokumente
Der Landtag druckt auf Recyclingpapier, ausgezeich-
net mit dem Umweltzeichen „Der Blaue Engel“.

Landtag von Baden-Württemberg
Drucksache 18 / 193
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  8. wie sie die Wechselwirkungen von Lernstandserhebungen, diagnosegeleiteter
Lernförderung und regulären Tests für die Unterrichts- und Förderpraxis ein­
schätzt, insbesondere im Hinblick auf die mögliche Wirksamkeit einzelner
Verfahren und der möglichen Abschaffung des letzten Verfahrens;
  9. nach welchen Kriterien sie entscheidet, ob digitale oder adaptive Formate er­
gänzen statt ersetzen sollen, insbesondere mit Blick auf face-to-face-Interak­
tion, Klassenführung, Beziehungsgestaltung und Lehrqualität;
10. welche Exit-, Korrektur- und Evaluationsmechanismen sie vorsieht, falls sich
nach Einführung zeigt, dass getroffene Maßnahmen keine Wirkung entfalten,
unerwünschte Nebenwirkungen erzeugen oder den pädagogischen Auftrag
verengen.
18.6.2026
Rothweiler, Hörner, Knorr und Fraktion
Begründung
Die Landesregierung verfolgt in ihrem Koalitionsvertrag das Ziel eines „zukunftsfes­
ten Bildungssystems“ und eines „zeitgemäßen Lernens und Lehrens“. Beide Begriffe
spielen in bildungspolitischen Reformdebatten von jeher eine zentrale Rolle, blie­
ben und bleiben jedoch häufig unbestimmt. Unter denselben Schlagworten werden
sehr unterschiedliche Zielsetzungen zusammengeführt: mehr Digitalisierung, mehr
Selbststeuerung, mehr Diagnostik, mehr Projektlernen, mehr Kompetenzorientie­
rung, mehr Datennutzung, mehr arbeitsweltliche Anpassung, aber auch mehr Inklu­
sion, mehr Demokratiebildung und mehr individuelle Förderung. Diese begriffliche
Unschärfe erschwert eine sachliche Bewertung der Reformvorhaben erheblich.
Wenn nicht klar definiert ist, was unter einem „zukunftsfesten Bildungssystem“ ver­
standen wird, bleibt auch unklar, anhand welcher Kriterien Erfolg oder Misserfolg
gemessen werden sollen. Besonders kritisch ist anzumerken, dass die beschriebenen
Vorschläge der Koalition als Verengung von Bildung auf messbare Kompetenzen
und vermeintlich verwertbare „Future Skills“ interpretiert werden müssen. Der Fo­
kus auf Kompetenzen wird zunehmend mit Arbeitsmarktorientierung, Employabi­
lity und gesellschaftlicher Anpassungsfähigkeit verknüpft. Problematisch ist dabei
nicht die Berücksichtigung beruflicher Anforderungen als solche, sondern die Ten­
denz, Bildungsziele implizit entlang von Nützlichkeit, Verwertbarkeit und Steuer­
barkeit zu ordnen. Bildung droht dadurch auf ihren ökonomischen Nutzen reduziert
zu werden, während Allgemeinbildung, Persönlichkeitsentwicklung, Urteilsfähig­
keit und die Auseinandersetzung mit Wissen an Bedeutung verlieren.
Außerdem ist ein Trend zu immer neuen Kompetenzkategorien ersichtlich – von
Zukunfts- und Nachhaltigkeitskompetenzen bis hin zu KI-Kompetenzen. Die fort­
laufende Einführung neuer Kompetenzetiketten birgt die Gefahr eines inflationä­
ren Diskurses, der vor allem neue Steuerungs- und Bewertungslogiken hervor­
bringt, ohne den tatsächlichen Bildungsauftrag der Schule klarer zu bestimmen.
Ebenso kritisch zu betrachten ist die zunehmende Orientierung an Standardisie­
rung, Output-Steuerung und datenbasierter Vergleichbarkeit. Wo Bildungsqua­
lität vor allem in Messbarkeit, Kennzahlen und Leistungserhebungen übersetzt
wird, besteht die Gefahr, dass guter Unterricht mit seinen messbaren Surrogaten
verwechselt wird. Die Konzentration auf Lernstandserhebungen, Diagnostik und
Kompetenzmessungen darf nicht dazu führen, dass die pädagogische Beziehung,
die fachliche Tiefe und die individuelle Entwicklung der Schüler in den Hinter­
grund treten. Vor dieser erziehungswissenschaftlichen Kulisse erklärt die Opposi­
tion zu ihrem berechtigten parlamentarischen Interesse, dass die Landesregierung
ihre bildungspolitischen Leitbegriffe präzisiert und ihre konkreten Konsequenzen
für Schule und Unterricht transparent macht.

Landtag von Baden-Württemberg
Drucksache 18 / 193
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Stellungnahme
Mit Schreiben vom 23. Juli 2026 Nr. KMZ-0141.5-26/27/5 nimmt das Ministeri­
um für Kultus im Einvernehmen mit dem Staatsministerium und dem Ministerium
für Finanzen zu dem Antrag wie folgt Stellung:
Der Landtag wolle beschließen,
die Landesregierung zu ersuchen
zu berichten,
1.	anhand welcher konkreten und überprüfbaren Kriterien das Kultusministerium
den Begriff „zukunftsfestes Bildungssystem“ definiert;
Der Begriff eines „zukunftsfesten Bildungssystems“, wie er im Koalitionsvertrag
verwendet wird, orientiert sich am Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen
und berücksichtigt dabei die drei Ergebnisbereiche Lern- und Bildungserfolge,
Bildungs- und Chancengerechtigkeit sowie Zufriedenheit und Wohlbefinden.
Die drei Ergebnisbereiche spiegeln sich bereits im „Referenzrahmen Schulquali­
tät“ wider, welcher seit dem Jahr 2023 für alle Schulen in Baden-Württemberg
verbindlich ist. Er beschreibt erfolgreiche Schulen auf Grundlage aktueller wis­
senschaftlicher Erkenntnisse und konkretisiert damit das Qualitätsverständnis
eines zukunftsfesten Bildungssystems. Die hierfür erforderlichen zeitgemäßen
Lehr- und Lernformen werden im Referenzrahmen Schulqualität zugleich als zen­
traler Bereich der Prozessqualität beschrieben und tragen wesentlich zur Errei­
chung der Ergebnisbereiche bei.
Mit dem Referenzrahmen Schulqualität verfügt Baden-Württemberg folglich be­
reits über ein wissenschaftlich fundiertes und verbindliches Qualitätsverständnis,
das die drei Ergebnisbereiche systematisch beschreibt. Dies steht zugleich im Ein­
klang mit der Gesamtstrategie der Kultusministerkonferenz zum Bildungsmoni­
toring, welche Bildungsqualität und Bildungsgerechtigkeit als zentrale Aufgaben
eines zukunftsfesten Bildungssystems beschreibt. Ebenso betont die Ständige
Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz in ihrem aktuellen
Gutachten zur datengestützten Entwicklung und Steuerung in Schulen, dass ein
umfassendes Verständnis von Bildungserfolg neben fachlichen und überfachli­
chen Lern- und Bildungserfolgen auch Bildungs- und Chancengerechtigkeit so­
wie das Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler umfasst. Auch die OECD
hebt im Rahmen der PISA-Studien, insbesondere in PISA 2022, die Bedeutung
von Bildungserfolg, Bildungsgerechtigkeit und dem Wohlbefinden der Schüle­
rinnen und Schüler als zentrale Dimensionen erfolgreicher und zukunftsfähiger
Bildungssysteme hervor. Schließlich bezeichnet auch die Empfehlung des Ra­
tes der Europäischen Union über Wege zum schulischen Erfolg die Förderung
schulischer Leistungen, die Verringerung von Bildungsungleichheiten sowie das
Wohlergehen der Schülerinnen und Schüler als zentrale Elemente erfolgreicher
Bildungspolitik.
2.	welche Bereiche des Schulalltags es derzeit als nicht ausreichend „zukunfts­
fest“ bewertet und welche konkreten Maßnahmen und Veränderungen sie vor­
sieht, um diese Bereiche wie definiert zu gestalten;
3.	welche konkreten gesellschaftlichen Veränderungen und deren Auswirkungen
auf das Bildungssystem sie identifizierte und mit welchen schulpraktischen An­
sätzen sowie konkreten Maßnahmen sie beabsichtigt, diesen Herausforderun­
gen zu begegnen;
Die Fragen 2 und 3 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam be­
antwortet.

Landtag von Baden-Württemberg
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Zu den wesentlichen gesellschaftlichen Veränderungen mit Auswirkungen auf
das Bildungssystem zählt vor allem die zunehmende Digitalisierung, die nicht nur
das Mediennutzungsverhalten, sondern den gesamten Alltag sowie das Lehren
und Lernen nachhaltig verändert und damit neue zeitgemäße Lehr- und Lernfor­
men erforderlich gemacht hat. Hinzu kommen die Verbreitung von Künstlicher
Intelligenz, die Transformation der Arbeitswelt sowie die zunehmende Bedeutung
von Bildung für eine demokratische und offene Gesellschaft. Darüber hinaus zei­
gen Erkenntnisse des Bildungsmonitorings, insbesondere die Ergebnisse des IQB-
Bildungstrends der letzten Jahre, Herausforderungen bei den Basiskompetenzen
sowie im sozio-emotionalen Bereich.
Um Schülerinnen und Schüler auf zukünftige Herausforderungen vorzubereiten,
entwickelt die Landesregierung Maßnahmen kontinuierlich weiter. Hierzu zählen
insbesondere die Einführung des Faches Informatik und Medienbildung in allen
Schularten ab Klassenstufe 5, die Einführung des Referenzrahmens für digitale
Kompetenzen (DigCompEdu-BW) in der Lehrkräfteaus- und -fortbildung und die
digitale Bildungsplattform.
Zur Stärkung der Basiskompetenzen in Deutsch und Mathematik wurden das
Sprachförderprogramm SprachFit, die auf Basis der Ergebnisse der Lernstandser­
hebungen passgenau zugeschnittenen Förderangebote von Lernstand+ und VERA+
sowie die Lese- und Mathematik-Lernbänder in der Grundschule eingeführt bzw.
weiterentwickelt. Zur Stärkung der Bildungs- und Chancengerechtigkeit werden die
genannten Maßnahmen durch das Startchancen-Programm ergänzt.
Soziale und emotionale Kompetenzen stellen ebenfalls eine wichtige Grundlage
für erfolgreiches Lernen dar. Dieser Bereich wird mit den Zentralen Erhebun­
gen in den Blick genommen. Auf deren Grundlage können Schulen passgenaue
Unterstützungsmaßnahmen entwickeln und die Unterstützungsangebote des ZSL
gezielt nutzen. Daneben werden zahlreiche weitere Maßnahmen vor allem zur
Demokratiebildung sowie zur individuellen Förderung weiter ausgebaut.
4.	wie sie verhindern will, dass Kompetenzrahmen und KI-bezogene Reformen zu
einer Verengung von Bildung auf verwertbare, kurzfristig messbare Lernergeb­
nisse führen;
5.	welche Vergleichs- und Kontrollindikatoren sie entwickelte, um zwischen tech­
nischer Modernisierung und nachweislich lernwirksamer pädagogischer Ver­
besserung zu unterscheiden;
Die Fragen 4 und 5 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam be­
antwortet.
Eine Verengung von Bildung auf verwertbare, kurzfristig messbare Lernergebnisse
findet nicht statt. Die Bildungspläne Baden-Württembergs beruhen auf einem
umfassenden Kompetenzverständnis. Der den Bildungsstandards der Kultusmi­
nisterkonferenz zugrunde liegende Kompetenzbegriff umfasst nach der bildungs­
wissenschaftlichen Expertise von Klieme et al. neben kognitiven Fähigkeiten
und Fertigkeiten auch motivationale, volitionale und soziale