Deutsche Wirtschaft wächst in Deutschland; Q2 2026 leicht gestiegen
Kurzbericht: Konjunkturlage | Publikationen der Bundesbank
DE Monatsbericht – Juli 2026 EN Monthly Report – July 2026
Welchen Beitrag leistete die schlechtere preisliche Wettbewerbsfähigkeit zur jüngsten deutschen Exportschwäche?
US-Zölle und geoökonomische Fragmentierung: Implikationen für die Weltwirtschaft
Bürokratielasten im deutschen Unternehmenssektor: Ursachen und Wirkungen
1 Deutsche Wirtschaft trotzt Gegenwind
3 Dienstleister und privater Konsum verhalten
4 Arbeitsmarkt weiterhin leicht abwärtsgerichtet
5 Energierohstoffpreise von hoher Volatilität geprägt
6 Inflationsrate im Juni vorübergehend auf 2,4 % gesunken
Die Wirtschaftsleistung in Deutschland dürfte sich im zweiten Quartal 2026 etwas erhöht haben. Trotz des Gegenwinds durch den Krieg im Nahen Osten dürfte das reale BIP BIP: Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal 2026 saisonbereinigt 1 1 Die Saisonbereinigung umfasst hier und im Folgenden auch die Ausschaltung von Kalendereinflüssen, sofern sie nachweisbar und quantifizierbar sind. etwas zugelegt haben. Die Industriekonjunktur blieb resilient. Dafür sprechen die für April und Mai verfügbaren Daten. Die Industrie profitiert von einer dynamischen Auslandsnachfrage und wachsenden Exporten. Die Verbraucherinnen und Verbraucher ließen sich von den hohen Energiepreisen und damit verbundenen Kaufkraftverlusten verhältnismäßig wenig beeindrucken: Sie hielten ihre Konsumausgaben wohl mindestens stabil. Schließlich stützt die expansive Fiskalpolitik die Wirtschaftsaktivität. Insgesamt spricht das gegenwärtige Indikatorenbild für ein etwas höheres konjunkturelles Grundtempo als in der Deutschland-Prognose der Bundesbank vom Juni erwartet. 2 2 Vgl.: Deutsche Bundesbank (2026a). Hinzu kommen temporär wachstumsstützende Faktoren. So waren die realen Warenimporte – vermutlich infolge des Irankriegs – nach den bislang vorliegenden Daten schwach. 3 3 Schwache Importe erhöhen für sich genommen rechnerisch den Außenbeitrag und das BIP BIP: Bruttoinlandsprodukt . In Anbetracht von Preissteigerungen und Lieferengpässen im Zusammenhang mit der Sperrung der Straße von Hormus dürften allerdings vielerorts Lagerbestände reduziert worden sein. Das dürfte den Effekt verhaltener Importe auf das BIP BIP: Bruttoinlandsprodukt insgesamt gedämpft haben. Zudem könnten deutsche Exporteure davon profitiert haben, dass ihre internationalen Wettbewerber (vor allem in Asien) stärker von Engpässen bei Vorprodukten betroffen waren. Darüber hinaus haben Vorzieheffekte in Erwartung von Knappheiten und Preissteigerungen möglicherweise Teile der Industrie stabilisiert. Außerdem dürfte die Bauproduktion trotz höherer Bauzinsen deutlich zugelegt haben. Ein Gutteil des Zuwachses ist jedoch auf eine Gegenbewegung nach dem witterungsbedingt schwächeren Niveau im Vorquartal zurückzuführen. Im dritten Quartal könnten – soweit die Situation im Nahen Osten sich nicht weiter zuspitzt – die kriegsbedingten Belastungen geringer ausfallen als im Durchschnitt des zweiten Quartals. 4 4 Die Energierohstoffpreise liegen gegenwärtig insgesamt auf ähnlichem Niveau wie in der Deutschland-Prognose vom 12. Juni 2026 unterstellt, vgl.: Deutsche Bundesbank (2026a). Allerdings dürften sich dann auch die vorübergehend stützenden Faktoren aus dem zweiten Quartal umkehren oder entfallen. In der Summe könnte das BIP BIP: Bruttoinlandsprodukt dann etwas schwächer zulegen.
Die deutsche Industrie zeigt sich in Anbetracht des Irankriegs überraschend robust und trug wohl positiv zur Bruttowertschöpfung bei. Sowohl die Produktion als auch die Umsätze der Industrie legten im Mai gegenüber dem April zu. Und im Mittel der Monate April und Mai weisen die Daten zur Industrieproduktion auf einen leichten und die preisbereinigten Industrieumsätze sogar auf einen deutlichen Anstieg der Industrieaktivität im Vergleich zum Vorquartal hin. Besonders günstig entwickelte sich demnach die Produktion von Vorleistungsgütern und in den energieintensiven Wirtschaftszweigen. Infolge des Krieges im Nahen Osten sahen sich die deutschen Hersteller von Grundstoffen sowie von chemischen Erzeugnissen einer gesteigerten Nachfrage gegenüber. Das lag möglicherweise auch daran, dass ihre Abnehmer aufgrund befürchteter Lieferengpässe und Preissteigerungen Bestellungen vorzogen. Gleichzeitig dürften deutsche Hersteller im internationalen Wettbewerb (insbesondere gegenüber asiatischen Ländern) von weniger angespannten Lieferketten profitiert haben. Dagegen ging die Produktion in der deutschen Automobilindustrie wohl zurück. Hier konnten Produktions- und Umsatzsteigerungen im Mai den deutlichen Rückgang vom April nicht wettmachen. Die bereits bis Juni gemeldeten Stückzahlen des Verbands der Automobilindustrie ( VDA VDA: Verband der Automobilindustrie ) deuten für das zweite Quartal auch allenfalls auf eine Stagnation hin. Die Stimmungsindikatoren zeigen sich, gemessen an den internationalen Belastungsfaktoren, weitgehend robust. So verbesserte sich laut ifo ifo: Institut für Wirtschaftsforschung Institut die Lageeinschätzung im Verarbeitenden Gewerbe im zweiten Quartal nochmals deutlich und gab im Juli nur leicht nach. Auch der Einkaufsmanagerindex von S & P Global lag durchgängig über der Expansionsschwelle.
Die Auslandsnachfrage nach deutschen Industrieerzeugnissen blieb dynamisch. Die Auftragseingänge stiegen im Mai gegenüber April an. Auch im Mittel der Monate April und Mai lagen sie spürbar über dem Niveau des Vorquartals – sowohl mit als auch ohne die oft volatilen Großaufträge gerechnet. Dabei überlagert eine weiter lebhafte Dynamik im Auslandsgeschäft eine verhaltene Inlandsnachfrage. Die Zuwächse gingen vor allem auf zusätzliche Aufträge für Vorleistungsgüter, insbesondere für Erzeugnisse der Chemie- und der Metallindustrie, zurück. Darüber hinaus trug auch der Sonstige Fahrzeugbau erneut wesentlich zum Anstieg bei. Im Kontrast zur verbesserten Geschäftslage und zur günstigen Auftragsentwicklung verschlechterten sich laut ifo ifo: Institut für Wirtschaftsforschung die Export- und die Geschäftserwartungen der Unternehmen im Durchschnitt des zweiten Quartals erheblich. Auch sie durchschritten ihren Tiefpunkt inzwischen aber. Im Juli blickten die Industrieunternehmen weniger pessimistisch in die Zukunft als noch im Durchschnitt des zweiten Quartals.
Der Dienstleistungssektor könnte im zweiten Quartal leicht zugelegt haben. Die Produktion im Dienstleistungssektor (ohne Handel) stieg im April – bis dahin liegen Daten vor – gegenüber dem schwachen März wieder merklich. Sie erreichte daher ein Niveau leicht oberhalb des Vorquartalsdurchschnitts. Für die weitere Entwicklung zeichnen die bereits vorliegenden Stimmungsindikatoren ein uneinheitliches Bild. Die ifo Geschäftslage für die Dienstleistungsunternehmen gab zwar infolge des Krieges im Nahen Osten etwas nach, verbesserte sich aber im Juni und Juli wieder nahezu auf das Vorkriegsniveau. Gleichzeitig sank der Einkaufsmanagerindex von S & P Global deutlich unter die Expansionsschwelle und blieb auch im Juli noch knapp darunter.
Der private Konsum könnte die Aktivität der Dienstleister leicht gestützt haben. Vor dem Hintergrund von Preisanstiegen und Realeinkommensverlusten infolge des Krieges im Nahen Osten blieben die Konsumindikatoren überraschend stabil. Die bis Mai verfügbaren realen Umsätze im Gastgewerbe lagen im Durchschnitt zwar unter dem Niveau des Vorquartals. Die Umsätze im Einzelhandel (ohne Kraftfahrzeuge) entwickelten sich aber günstiger: Sie lagen im Mittel leicht über dem Vorquartalsdurchschnitt. Zudem weist die Unternehmensbefragung des ifo Instituts für beide Konsumbereiche auf eine etwas weniger pessimistische Einschätzung der Geschäftslage im Juni und Juli hin. Schließlich stiegen die Pkw-Zulassungen privater Haushalte nach Angaben des VDA VDA: Verband der Automobilindustrie zuletzt spürbar an, insbesondere für Elektrofahrzeuge. 5 5 Bereits seit März nehmen die Zulassungszahlen für Elektrofahrzeuge deutlich zu. Neben einer breiteren Modellauswahl dürften hierzu die neue staatliche Förderung für private Käufer beigetragen haben. Die Förderfähigkeit setzt zwar am Erstzulassungsdatum ab 1. Januar 2026 an. Bis zur Veröffentlichung der endgültigen Förderbedingungen und zur Öffnung des Antragsportals am 19. Mai 2026 bestand jedoch noch administrative Unsicherheit, die einen Teil der Haushalte veranlasst haben könnte, Käufe oder Zulassungen zunächst zurückzustellen. Der Anstieg im Juni wurde zudem durch eine höhere Zahl an Arbeitstagen begünstigt. Vgl.: Verband der Automobilindustrie (2026). Dennoch war die Anschaffungsneigung der Konsumentinnen und Konsumenten laut GfK GfK: market research institution - Umfrage im zweiten Quartal insgesamt getrübt, verbesserte sich aber im Juli etwas. Obgleich sich die Konjunktur- und Einkommenserwartungen der Verbraucherinnen und Verbraucher im Vergleich zu den Tiefständen zu Kriegsbeginn im Iran wieder merklich erholt haben, bleiben sie immer noch deutlich hinter den Vorkriegswerten zurück. Zudem bleibt die Kaufkraft der real verfügbaren Einkommen geschmälert, und auch die Arbeitsmarktentwicklung zeigt sich weiter schwach.
Der moderate Beschäftigungsrückgang in der Gesamtwirtschaft setzte sich im Frühjahr fort, wobei der Arbeitsplatzabbau in der Industrie weiter erheblich ist. Die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland sank im Mai gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt um 8 000 auf 45,82 Millionen Personen. Damit ging die Beschäftigung nach dem deutlichen Rückgang im Winterquartal wie schon im April nur noch leicht zurück. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung – hier liegt die erste Hochrechnung für den Monat April vor – sank moderat. Allerdings verringerte sich die Zahl der Arbeitsplätze im Verarbeitenden Gewerbe weiter erheblich. In geringerem Umfang bauten auch die Arbeitnehmerüberlassung und der Handel Personal ab. Im Baugewerbe blieb die Beschäftigung stabil. Zusätzliche Arbeitskräfte waren wie schon seit längerem vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen gefragt. In geringerem Umfang galt dies auch für die unternehmensnahen Dienstleistungen. Neben der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung sank auch die Zahl der ausschließlich geringfügig entlohnten Arbeitnehmer sowie der Selbstständigen.
Die Frühindikatoren liefern keine Anzeichen für eine Erholung am Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten. Das ifo Beschäftigungsbarometer, welches die Personalplanungen der gewerblichen Wirtschaft für die nächsten drei Monate abbildet, ist weiterhin tief im negativen Bereich und sank im Juni erneut. Das IAB IAB: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ‑Arbeitsmarktbarometer Beschäftigung, welches auch die öffentlich finanzierten Branchen mit in den Blick nimmt, sank nach einer leichten Verschlechterung minimal unter die neutrale Schwelle. Gesamtwirtschaftlich deutet dies auf ein weitgehend stabiles Beschäftigungsniveau hin. Die Zahl der bei der BA BA: Bundesagentur für Arbeit gemeldeten offenen Stellen blieb zum wiederholten Mal nahezu unverändert. Vor allem gingen ausgesprochen wenige neue Stellenangebote ein. Kurzfristig ist damit keine zunehmende Dynamik am Arbeitsmarkt zu erwarten.
Die Arbeitslosigkeit sank zuletzt geringfügig. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen belief sich im Juni saisonbereinigt auf 2,98 Millionen Personen. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 6,3 %. Zwar stieg die eng mit der aktuellen Wirtschaftsentwicklung verbundene Arbeitslosigkeit im Versicherungssystem des SGB SGB: Sozialgesetzbuch III zuletzt weiter an. Die Arbeitslosigkeit im Grundsicherungssystem des SGB SGB: Sozialgesetzbuch II ging jedoch zurück. Die gesamte Unterbeschäftigung sank etwas stärker als die registrierte Arbeitslosigkeit. Dahinter dürfte ein leichter Rückgang der Zahl von Personen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen stehen. Dem IAB IAB: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ‑Barometer Arbeitslosigkeit zufolge dürfte die Arbeitslosigkeit in den nächsten Monaten kaum noch steigen. Der Frühi