Bund der Steuerzahler Kosten der Gläsernen Werkstatt in Solingen; EU- und Landesgeld decken 90% der Kosten
Gläserne Werkstatt in Solingen kostet Steuergeld | Bund der Steuerzahler e.V.
Bund der Steuerzahler fordert Einsparungen bei der Opern-Sanierung
Gläserne Werkstatt in Solingen kostet Steuergeld
Wer kennt sie nicht, die Solinger Klingen? Als regionales Produkt scheinen die berühmten Messer und Scheren perfekt geeignet für die „Gläserne Werkstatt“. Sie soll ein seit zehn Jahren leerstehendes Modehaus in der Solinger Innenstadt zu neuem Leben erwecken. EU- und Landesgeld machen das möglich. Die Solinger werden mit 10 Prozent zur Kasse gebeten.
Die Gläserne Werkstatt ist ein Projekt der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG), eine Tochter der Stadt. Eine „Markthalle“ im Erdgeschoss soll als Herzstück „zum Bummeln, Erkunden und Einkaufen“ einladen, so die Homepage der Gläsernen Werkstatt. In der Schleifwerkstadt kann der Bürger den Schleifservice in Anspruch nehmen und in der Kreativwerkstatt kreativ werden. Alles kann man mieten, auch die Kochstelle, den Innovations- und den Podcast-Raum. Es gibt hauseigene Veranstaltungen wie Kreativ- und Handwerkstage, einen Genusstag, ein Demokratiecafé oder einen Repariertreff.
105 solcher eigenen Veranstaltungen gab es 2025, außerdem knapp 50 Workshops und ebenso viele städtische Veranstaltungen, für die die Stadt Miete zahlen musste. Über 60 externe Vermietungen haben etwas Geld in die Kasse gespült. „Seit der Eröffnung hat sich die Gläserne Werkstatt zu einem lebendigen Veranstaltungs-, Erlebnis- und Lernort entwickelt, der Menschen einlädt, in die Innenstadt zu kommen“, so die SEG gegenüber dem BdSt NRW. Die Webseite der SEG führt aus: „… die Gläserne Werkstatt … präsentiert und verkauft Produkte aus der Region, die sich durch Wertigkeit und Lebensdauer auszeichnen. Sie demonstriert Handwerkskunst und Hightech und zeigt, was Qualität ausmacht.“
Ein Selbstversuch im Frühjahr 2026: Ein ganz normaler sonniger Donnerstagnachmittag in der Solinger Innenstadt. Wer eine trostlose Einkaufsstraße sehen möchte, ist auf der Hauptstraße goldrichtig. Ich komme in die Gläserne Werkstatt. Damit sind neben der freundlichen Dame, die dort arbeitet, und ihrer Gesprächspartnerin nun drei Personen auf den drei Etagen. So bleibt es während des gesamten halbstündigen Besuchs. Meine Frage, ob ich neben dem Miniangebot aus dem Shop auch ein Messer aus einer der Vitrinen kaufen könne, kann nicht so einfach beantwortet werden. Es komme drauf an. Einige ja, andere nicht. Anscheinend wird diese Frage nicht oft gestellt.
Doch nicht nur an unserem Testtag muss sich der Gläserne Werkstatt keine Gedanken wegen Überfüllung machen. Im Jahr 2024 haben 3.904 Gäste an Veranstaltungen teilgenommen, 1.246 Menschen wurden als „Laufkundschaft“ gezählt. 2025 waren es 6.442 Veranstaltungsgäste und 3.701 Laufkunden. Dazu muss man wissen, dass die Stadt 2025 bei der Bundestagswahl, der Kommunalwahl und der OB-Stichwahl die Wahlpartys dorthin verlegt hat.
Bei rund 250 Öffnungstagen waren 2025 also durchschnittlich keine 15 Besucher als Laufkundschaft in dem großen Haus, 2024 knapp fünf . Die EU und das Land NRW haben die Gläserne Werkstatt mit rund 1,55 Millionen Euro an den Start gebracht. Das sind 90 % der Kosten von insgesamt etwa 1,7 Millionen Euro. Die Differenz zahlte die Stadttochter SEG. „Für Mehrkosten fl ossen zudem 445.000 Euro in die Werkstatt (SEG-Eigenkapital und städtische Mittel)“, so die SEG. Sie rechnet mit einer Unterstützung von rund 466.000 Euro pro Jahr bis zum Ende der Zweckbindungsphase.
Geld zu verdienen ist nicht das Ziel. Die SEG schreibt: „Insgesamt zeigt sich, dass die Gläserne Werkstatt weniger ein wirtschaftlicher Betrieb ist, der das Geldverdienen in den Mittelpunkt rückt. Sie ist vielmehr städtische Infrastruktur und zahlt ein auf neue Anforderungen an die Innenstadt, indem sie neue Nutzungen etabliert und einen neuen Identifikationsraum schafft.“
Fördergeld als Anreiz für Fehlinvestition
Dies geschieht mit sehr viel Steuergeld, denn allein die jährliche Unterstützung hätte zur Folge, dass im Jahr 2024 jeder Besucher 90 Euro „gekostet“ hätte , 2025 waren es 46 Euro. Das kann keine Antwort auf die Leerstände der Innenstadt sein, eher im Gegenteil. Denn trotz viel Steuergeld wird das Ziel der Innenstadtbelebung nicht nur verfehlt, es verhindert oder verschiebt sogar eine notwendige marktfähige Entwicklung.
In Solingen gibt es eine VHS für die Lehrangebote und ausreichend Veranstaltungsorte. Es gibt Läden, in denen man Messer nicht nur ansehen, sondern auch kaufen kann. Wer eher zwanghaft mit so viel Geld Menschen in eine trostlose Innenstadt lockt, muss sich gute Argumente für die Steuerzahler einfallen lassen, deren Grundsteuer erhöht wird und die die Lasten der Verschuldung tragen.
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Die Gläserne Werkstatt in Solingen
Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen e. V.